Vom Gitarrist zum Bassist ...

Element Of Crime Bassist & Produzent David Young im Interview

David Young ist zwar der Älteste bei Element Of Crime und war auch schon an ihrem Debüt-Album ,Try To Be Mensch‘ beteiligt, als Bassist jedoch ist er das jüngste Mitglied der Berliner Band. Bevor der gebürtige Londoner 2002 zum Tieftöner der Formation aufstieg, hatte er sie schon einige Jahre als Gitarrist, Engineer und Produzent begleitet und auch sonst schon einiges im Musikbereich erlebt. Young hatte in New Yorker Studios gearbeitet, war Live- Mischer bei David Bowie und Duke Ellington, und fünf Jahre lang Gitarrist in der Band von Ex- Velvet-Underground-Legende John Cale. Er ist ein ruhiger Zeitgenosse und ein sparsam spielender Musiker. Genau die richtigen Eigenschaften also, um Bassist bei Element Of Crime zu sein.

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(Bild: Marian Menge)

David, wie ist es, mit Musik auf der Bühne zu stehen, die man selbst produziert hat. Ist man da anspruchsvoller, z. B. was den Monitorsound angeht?

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Nein, da bin ich pflegeleicht. Solange ich die Drums höre, ist alles in Ordnung.

Wie wichtig ist es dir, den Sound der Produktion in den Live-Kontext zu übertragen?

Nicht sehr. Das sind für mich zwei unterschiedliche Welten. Die Originalmusik muss zwar hörbar bleiben, aber wenn man z. B. in einer großen Halle spielt, müssen die Arrangements vereinfacht werden, damit die wichtigen Elemente besser herauszuhören sind. In Studioaufnahmen passiert für gewöhnlich etwas mehr: mehr Noten, mehr Sounds, mehr Details. All das geht im Live-Kontext verloren. Aber ich vermisse beim Live-Spielen keine Overdubs. Manchmal wünsche ich mir etwas mehr Struktur und Subtilität, aber so wichtig ist das gar nicht. Ich habe schon Bands gesehen, die extrem darauf bedacht waren, den Sound und die Produktion ihres Albums zu kopieren. Aber das klingt meistens steif, weil der Live-Charakter verlorengeht. Als ich in New York gearbeitet habe, musste ich immer wieder 8- Spur-Backing-Tapes machen. Dazu gab die Band mir ihre Mixe und ich sollte dann daraus ein Playback mit Click-Track machen, zu dem sie live spielen konnten. Für mich war das tote Musik.

Du bist jetzt Bassist, hast aber vorher bei Element Of Crime und auch anderen Bands Gitarre gespielt. Wo kommst du musikalisch überhaupt her?

Ich komme aus den Sechzigern, einer Zeit also, in der Folk-Gitarren, Ragtime und Rhythm’n’Blues populär waren. Ich mochte amerikanische Musik immer sehr und das ist auch heute noch so. Jazz, Americana, Country, all das. Ich würde sogar sagen, dass ich, musikalisch gesehen, aus Amerika komme, auch wenn ich in England geboren bin und viel klassische Musik gehört habe.

Diese Vorliebe für amerikanische Musik ist ja auch auf dem aktuellen EOC-Album deutlich zu hören.

Ja. Element Of Crime waren immer etwas Besonderes und standen für sich. Schon im Kreuzberg der 80er-Jahre waren sie anders als die anderen Bands, die zumeist Rock mit lauten, harten Gitarren machten. Element Of Crime waren immer filigraner und hatten auch Einflüsse aus anderen Musikrichtungen. Das hat sich bis heute nicht geändert, auch wenn der Band- Sound immer kompakter wird. Und natürlich gibt es Schlageranleihen und die Musik ist mehr Folk als Rock … Aber auch das ist für eine deutsche Band eher untypisch.

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(Bild: Marian Menge)

Mit welchem Instrument hast du angefangen?

Gitarre. Zum Bass kam ich erst als ich ein paar Jahre später mit John Cale auf Tour war und der Bassist ausstieg, weil er sich mit John gestritten hatte. Das war nichts Ungewöhnliches, denn John ging kaum einem Streit aus dem Weg. Allerdings wollten wir, als der Bassist uns verließ, gerade in den Flieger nach Madrid steigen, für eine einstündige Fernsehsendung. Ein Freund von John lebte in Barcelona und der übernahm den Bass für die eine Show. Danach meinte John, es wäre einfacher, wenn ich den Bass spiele, weil ich die ganzen Akkordfolgen schon kannte. Ab da habe ich immer wieder zwischen Bass und Gitarre gewechselt. Zu dem Zeitpunkt als der Bassist von Element Of Crime ausstieg, waren wir ein Quintett, in dem ich die zweite von drei Gitarren spielte. Da habe ich sofort gesagt, dass ich den Part des Bassisten übernehmen will. Und das mache ich nun seit über zehn Jahren.

Wenn man sich deine Vita anschaut, könnte man meinen, du hättest letztendlich eine Karriere als Produzent in New York gegen die als Bassist in einer kleinen deutschen Band getauscht. Kann man das so sehen?

Nein, nicht wirklich. Ich bin aus New York weggegangen, weil meine Mutter, die in London lebte, sehr krank war. So bin ich dann in die englische Musik- und Studio- Szene hineingeraten. Da habe ich gar nicht viel gespielt, sondern mehr als Engineer gearbeitet. Zum Spielen kam ich erst wieder so richtig, nachdem ich die Elements kennengelernt hatte. Ich würde es also nicht als Tauschen von Karrieren bezeichnen, sondern als Weiterentwicklung.

Du hast mit David Bowie zusammengearbeitet. Was war da dein Job?

Ich war einer von drei Tonleuten bei der ,Diamond Dogs‘-Tour (1974!) in Amerika. Und unser Job bestand darin, 23 Stunden am Tag herumzulaufen und zu versuchen, das riesige Soundsystem ans Laufen zu bekommen. Das war vor der Zeit von modular aufgebauten Plug’n’- Play-Systemen. Wir mussten die Anlage jeden Tag von Null aufbauen und am Ende auch wieder abbauen. Das war grauenhaft. Die Boxenkabel hatten keine Stecker, sondern mussten einzeln an die Lautsprecher drangeschraubt werden. Und wir sprechen hier nicht von kleinen Clubs, sondern von Eishockey-Stadien mit 20.000 Leuten. Das war wirklich schwierig …

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Youngs Pedalboard mit Peterson Stomp Classic Strobotuner, Origin Effects Cali76 Compressor und Lehle Basswitch IQ DI (v.l.n.r.) (Bild: Marian Menge)

Du hast einen ungewöhnlich aussehenden Bass auf der Bühne.

Den hat mir ein Typ aus London namens Martin Petersen gebaut. Er besitzt einen Laden dort, die Bass Gallery, und kümmert sich um einige internationale Session-Bassisten wie Pino Palladino oder Mo Foster. Als ich das erste Mal zu ihm kam, spielte ich noch gar nicht Bass und brauchte für mein erstes Konzert als Bassist die komplette Ausstattung. Die hat er mir dann zusammengestellt und ausgeliehen. Später – also vor acht Jahren ungefähr – habe ich ihn dann gebeten, mir einen Bass zu bauen. Ich kam ja von der Gitarre und wollte deshalb einen Bass, der eine Hommage an die verschiedenen Gitarren, die ich mag, darstellte. Ich wollte, dass er aussieht wie ein Precision mit Lindy-Fralin-Tonabnehmer, einer Kopfplatte wie die einer Telecaster, einem durchgehenden Hals, wie bei Rickenbacker und einem Binding an den Kanten wie bei Gibson-Gitarren. Und die Farbe – Fiesta Red – erinnert auch an Fender. In der Umsetzung hat das eine Weile gedauert, aber er hat es geschafft und ein sehr schönes Instrument gebaut.

Was für Bässe hast du vorher gespielt?

Alles Mögliche. Ich hatte einen mexikanischen Fender Jazz Bass, einen japanischen Precision, eine Tokai-Kopie und noch ein paar andere. Aber keinen von denen fand ich wirklich gut.

Dein Pedalboard ist sehr übersichtlich aufgebaut.

Ja. Ich habe so ein Lehle-Ding, das ganz viele Sachen kann, von denen ich nur drei verwende: Ich nutze es zum einen als Direct- Box, zum zweiten als Router zum Kompressor und zum dritten hat es einen Mute-Schalter, sodass ich das komplette Audio-Signal, auch das der Direct-Box, ausschalten und den Bass stimmen kann. Das war gar nicht so einfach zu finden. Das Problem beim Stimmen ist ja, dass du normalerweise das Signal mutest, indem du dein Stimmgerät anmachst, was aber bedeutet, dass dein Signal immer durch dieses Stimmgerät läuft. Allerdings schadet das dem Sound, weshalb ich den Tuner ausgelagert habe. Ansonsten bin ich recht simpel aufgestellt: Mein Bass-Sound wird hauptsächlich vom Kompressor getragen.


Equipment

Martin Petersen Custom Bass

Aguilar DB 750 Head

2 Aguilar DB 112 Cabinets

Lehle Basswitch IQ DI

Origin Effects Cali76 Standard Compressor

Peterson Stomp Classic Strobotuner

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Btw, das Debutalbum von Element Of Crime war seinerzeit „Basically Sad“….

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