Im Interview

Dmitry Lisenko: Bass, Musik, Widerstand

Dmitry Lisenko
(Bild: Haacks)

Seitdem es das Internet gibt, gibt es auch alternative Wege, um als Musiker bekannt zu werden und sich einen Namen zu machen. YouTube, Facebook und weitere Plattformen bieten jedem die Chance, sich selbst zu verwirklichen und andere daran teilhaben zu lassen. Auch bei Dmitry Lisenko war das so, der in der Community in kurzer Zeit durch sein einzigartiges Akustik-Bass-Spiel bekannt wurde.

Dmitry fing im Alter von 16 Jahren an Bass zu spielen und entwickelte früh seine eigene, progressive Fingerstyle/Percussion-Technik. Mit der Zeit baute er seine Fähigkeiten so weit aus, dass er 2015 den ersten Platz bei der Russian Bass Player Competition gewann. Momentan spielt er in Bands wie Mara und Karmafree mit seiner Frau Mara Lisenko als Frontfrau. Darüber hinaus hat er seine eigene Community für Akustik-Bassisten ins Leben gerufen. Online auf www.dmitrylisenko.com bietet er u. a. Bass-Tabulaturen, Lehrvideos und mp3-Downloads an. Doch hinter seiner Musik steckt viel mehr als technische Skills und beeindruckende, mitreißende Beats.

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Wie hast du es geschafft, technisch so fit zu werden?

Ich habe nie mein Hauptaugenmerk auf die technische Seite gelegt, aber da ich immer sehr viel Zeit mit Üben verbracht habe, kam ich ganz natürlich auf mein jetziges Level. Aber ich sehe die Technik auch als Werkzeug, um meinen Charakter in die Musik einzubringen. Wenn ich anderen zuhöre, möchte ich nicht auf eine Wand technischer Skills treffen, sondern auf eine Persönlichkeit.

Dein Bassspiel ist nicht nur besonders, sondern auch sehr vielseitig. Du spielst einige verschiedene Genres, gibt es darunter auch geheime Favoriten?

Nein, eigentlich nicht. Der Grund für diese Mischung aus unterschiedlichen Stilen ist mein Neugierde. Ich bin sehr experimentierfreudig und immer auf der Suche nach etwas Neuem.

Dmitry Lisenko
(Bild: Warwick Robert Vidziskis)

Als junger Musiker ist es hart, sich im Musikgeschäft einen Namen zu machen. Wie hast du das geschafft?

Eigentlich nur durch den Akustik-Bass. Gerade in Russland war das sehr neu, als ich damit anfing. Aber eigentlich handelt es sich dabei nur um eine Technik, die ich bei Gitarristen spannend fand und dann selbst übernommen habe. Der Einsatz von Percussion-Schlägen auf den Body der Akustik-Gitarre fand ich beeindruckend und dann dachte ich mir, dass es da doch sicher auch den einen oder anderen Bassisten geben müsste, der das macht. Aber da ich niemanden fand, habe ich es mir selbst zur Aufgabe gemacht.

Irgendwann nahm ich ein paar Videos auf und schickte sie an ein paar Internetseiten, wie zum Beispiel an den YouTube-Kanal „BassTheWorld“. Als die Aufnahmen dort veröffentlicht wurden, kam eins zum anderen und alles ging sehr schnell. „Bassplayer United“ postete es auf Facebook und sehr viele sahen es. So kann es gehen, man muss nur etwas Frisches und Neues haben und eine Lücke finden, die man füllen kann. Die 13 Jahre davor allerdings habe ich gespielt, ohne Erfolg zu haben. Man braucht also Geduld.

Hast du ein Lebensmotto, das dich immer begleitet?

Ich mag den Spruch von Gandhi: „Sei die Veränderung, die du in der Welt sehen willst.“

Würdest du sagen, dass du diese Veränderung bist?

Ich versuche es. Ich versuche, eine Veränderung bezogen auf soziale, allgegenwärtige Probleme und ein gutes Beispiel zu sein. Ich trinke beispielsweise keinen Alkohol und esse kein Fleisch. Ich tue mein Bestes, um andere zu inspirieren und zu unterstützen. Aber nicht nur diese persönlichen Dinge helfen. Es geht auch darum, aktiv und bei öffentlichen, neuen Bewegungen dabei zu sein. Ich gebe so etwas wie Masterclasses. Allerdings ist das eher eine Art soziales Projekt, in dem ich mich mit sozialen Unterschieden befasse.

Das alles spiegelt sich auch in meiner Musik wider. Letztes Jahr habe ich mein Soloalbum ‚Minimalist‘ herausgebracht und jeder der Songs transportiert eine eigene Geschichte, der ich durch mein Bassspiel Intensität verschaffe. Mit instrumentaler Musik ist es sehr viel schwieriger, eine Message an das Publikum zu vermitteln. Der Titel ist das Einzige, das aus Wörtern besteht. Alles andere muss das Bassspiel leisten. Zum Glück kann man ja auch noch zwischen den Songs sprechen und so erklären, was genau man meint und worauf zu achten ist.

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(erschienen in Gitarre & Bass 09/2018)

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