Soundalike

Der Blackmore-Sound

Richard Blackmore, Engländer, Jahrgang 1945, ist einer der umstrittensten und zugleich schillerndsten Rock-Gitarristen aller Zeiten. Bis Mitte der 60er spielte er insbesondere live, harten Rock ’n’ Roll, meist vor wenigen Leuten, die zwar auf ihn standen, aber nichts für ihn tun konnten. Dann kam Deep Purple und der Rest ist bekannt. Nicht so die hier erwähnten Details zu Blackmores Gitarren, Verstärkern, Effekten und Sounds.

Richi Blackmore

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ES-335 & AC-30

Seine musikalische Vorstellung von Rock brachte er mit einer roten Gibson ES-335 (mit nachgerüstetem Bigsby) und einem Vox AC-30 zu Gehör, damals eine weit verbreitete Kombination. Schon hier zeigte sich seine Eigenwilligkeit. Die Pickups seiner Halbresonanz hatte er so weit nach unten geschraubt, dass die Oberkanten der Kappen mit den Montagerähmchen bündig waren. Dafür wurden dann die Polschrauben zum Ausgleich recht weit heraus gedreht. Dadurch bekam das Magnetfeld eine andere, mehr asymmetrische Figur mit der Folge, dass der Pickup an Kompression und Output verliert, aber an Frische und Dynamik gewinnt. Dieser Dynamik wird Richard auch lange treu bleiben. Wenn er damals gut drauf war, kam es schon mal vor, dass er den Netzspannungs-Wahlschalter an seinem Vox eine Position niedriger stellte – dadurch erhöhte (!) sich das Übersetzungsverhältnis im Netz-Trafo und alle Sekundärspannungen (H.T. und Heizspannung!) stiegen etwas an, was vielleicht dem Sound, aber nicht unbedingt der Langlebigkeit der Röhren gedient haben mag. Und um den Vox so richtig platt zu machen, fand der damals noch eher rare Treble-Booster von Hornby-Skewes seinen Platz in der Signalkette.

Deep Purple Mark I

Bei der Gründung der legendären Deep Purple 1968 wurde unser nun stets schwarz gekleideter Gitarren-Rebell mit einem brandneuen Marshall-Major-Topteil mit brachialen 200 Watt Leistung plus entsprechender Boxen ausstaffiert – viele der damaligen Größen benutzen dieses Top-Of-The-Line-Modell, das Jim Marshall auf Wunsch vieler Gitarristen, denen 50 bzw. 100 Watt zu wenig waren, gebaut hatte. Den Vox wird Ritchie noch bis Ende 1969 manchmal auf der Bühne zusätzlich benutzen, denn der Major hat zwar weit aufgedreht einen Höllensound, aber bei kleinem Schalldruck ist er zu clean – seine Endstufe war ja vom Konzept her eigentlich ein 200 Watt starker HiFi-Verstärker mit vier feinen KT88-Röhren in einer Ultra-Linear-Schaltung. Dieses „Loch“ füllte der Vox vortrefflich.

Jimi Hendrix führte Ende der 60er die Stratocaster in die Rock-Musik ein, und viele weitere Gitarristen fanden dieses Modell auf einmal richtig gut – so auch Ritchie. Und besonders hatte es ihm das Vibrato-System angetan; seine Strat, eine schwarze 68er mit Mapleneck und aufgeleimten Maple-Griffbrett (maple cap), Vierpunkt-Halsbefestigung, zweiteiligem Vintage-Vibrato sowie regulärem 0,1nF-Tone-Kondensator, bekam einen schmucken 3/8″ fetten Custom-Made Hebel spendiert, der auch exzessiv benutzt wurde. Als Saiten kamen Picato-Typen in der Stärke .010, .011, .014, .026 (manchmal .028), .038 und .048 zur Anwendung, als Plektrum diente ein fünfeckiger „House”-Typ aus Schildpatt. Anfangs tourten Deep Purple häufig in den USA und Ritchies Marshall Major wurde schon bald mit zwei weiteren KT88-Endröhren aufgerüstet – no mercy!

Deep Purple Mark II

Im Sommer 1969 drehte sich erstmals das Deep-Purple-Personalkarussell – Sänger Ian Gillan und Bassist Roger Glover stiegen ein. Dies war der Beginn des Höhenflugs der Band und auch der von Blackmore himself. Ende 1969/Anfang 1970 wird die ES-335 endgültig ausgemustert – sie ist zu harmlos, sie passt nicht mehr ins aggressive schwarze Outfit von Blackmore. Die schwarze Strat wird dagegen noch bis Mitte 1971 gespielt. Ritchie hatte in diesen frühen Tagen nur wenige Master-Gitarren; zum Zerschrotten auf der Bühne fanden stets andere Verwendung. Gleich bei Markteinführung der neuen Stratocaster-Baureihe Mitte 1971, mit Neuheiten wie Bullet-Truss-Rod, Dreipunkt-Halsbefestigung und Tilt-Adjust-Neck, einteiligem Vibrato-System mit DieCast-Reitern sowie 47nF-Tone-Kondensator kam diese bei Deep Purple zum Einsatz. Blackmore wählte ein sunburst-farbenes Modell mit einem recht dicken Maple-Neck als neue Hauptgitarre aus, eine schwarze mit Maple-Neck diente als Ersatz.

Seit mindestens Mitte 1971 (wahrscheinlich aber schon früher) waren die Hornby-Skewes-Treble-Booster, von denen Blackmore mehrere besaß, mit zusätzlichen Volumen-Reglern ausgerüstet. Mit reduziert eingestelltem Pegel vor einem Vox AC-30 (Spitzname: the cooker) wurde so bei winterlicher Kälte das legendäre Album ,Machine Head‘ eingespielt – und über dem AC-30 konnte man sich damals sicher die Hände wärmen und vielleicht auch ein warmes Süppchen kochen.

Deep Purple hatte mittlerweile den Supergroup-Status erreicht und tourte ständig, so dass es zwischen den beiden Egomanen Gillan und Blackmore unausweichlich zu enormen Spannungen kommen musste und auch kam – es krachte hinter (und manchmal sogar auf) der Bühne immer häufiger. Der musikalische Höhenflug von Deep Purple, dokumentiert zum einen durch das im Herbst 1972 eingespielte ,Live in Japan‘, welches allgemein als eines der besten Hardrock-Live-Alben aller Zeiten gilt, sowie das noch 1980 nachgeschobene Doppel-Live-Album ,DP in Concert‘, eine anlässlich der BBC-Rundfunk-Reihe ,In Concert’ im Frühjahr 1972 in Club-Atmosphäre phantastisch eingefangener Auftritt (wird von vielen Deep-Purple-Fans noch besser als das reguläre ,Live in Japan‘ beurteilt) spielte Blackmore hauptsächlich mit seiner Sunburst-Strat ein.

Deep Purple Mark III

Im Sommer 1973 schieden auf Druck des cholerischen Ritchie nun Gillan und völlig überraschend auch Bassist Roger Glover aus, welcher bis dato neben Blackmore der wichtigste Ideenlieferant der Band gewesen war. Nun sollten keine neuen Mitglieder, sondern nur noch Angestellte in den Personen von David Coverdale (voc) und dem soulig angehauchten Glenn Hughes (b/voc) die freien Plätze besetzen – ein Machtkampf wie mit Gillan sollte sich laut Ritchie nicht mehr wiederholen! Mit den neuen Mannen hielt auch eine neue Stratocaster in die Deep-Purple-Mk3-Formation Einzug: Eine 73er mit naturfarbenem Esche-Korpus mit Mapleneck und erstmals tief ausgehöhltem (= scalloped) Griffbrett. Der Hals dieser Strat wurde über den Tilt-Neck-Mechanismus leicht gekippt und hatte zudem einen recht dicken Halsfuß, so dass die Saiten ungewöhnlich hoch über dem Schlagbrett lagen und der Steg-Pickup auf maximale Höhe eingestellt werden musste. So hoch, dass zwischen den Saitenreitern und der Vibrato-Grundplatte eine kleine weiße Plastikplatte (2 3/4 × 3/8 × 1/8″) positioniert wurde. Die Strat klang mit dieser „Modifikation“ recht perkussiv, was im übrigen sehr gut zu Blackmores damaliger virtuosen Singlenote-Phase passte. Als Backup-Strat diente eine Schwarze mit Mapleneck und Regler-Knöpfen aus Metall.

Durch Herumspielen mit seinem Tonbandgerät entdeckte Ritchie zudem einen Echoeffekt, der ihm gut gefiel. So dauerte es nicht lange, bis die Tonbandmaschine auch live, erstmals während der ,Burn‘-Tour 1974, Verwendung fand. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die Treble-Booster-Electronik in das Bandgerät integriert, was den Bühnenbetrieb enorm vereinfachte; es galt nun die Signalkette Gitarre => Tonbandmaschine => Amp. Dieses Tonbandgerät wurde sein treuester Begleiter, sowohl live als auch im Studio, bis in die Neuzeit hinein! Die Arbeit mit Deep-Purple-Mk3 lief leider nicht so, wie sich Ritchie das ursprünglich gedacht hatte. Die Jungs reagierten z. B. recht teilnahmslos auf seine Bühnen-Eskapaden; Ritchie fand keinen Gegenspieler wie z. B. Ian Gillan einer gewesen war – seine brachiale Art lief förmlich ins Leere und wurde letztendlich zum inhaltlosen Selbstzweck.

Rainbow

Ziemlich frustriert verließ Blackmore im Frühjahr 1975 Deep Purple und formierte seine eigene Band Rainbow. Sein neuer Gegenspieler war der charismatische Sänger Ronnie James Dio, für den Rest der Kapelle blieb nur der Statisten-Status übrig, während Ritchie & Ronnie für einige Jahre ein wirklich gutes Team darstellten. In der Anfangsphase von Rainbow kam neben den oben erwähnten noch eine weiße Strat mit Mapleneck sowie eine schwarze mit Metall-Knöpfen zum Einsatz. Alsbald erschien dann die berühmte früh-74er Sunburst-Strat mit Scalloped-Palisander-Griffbrett. Ab diesem Zeitpunkt kam nur noch dieser Halstyp unter des Meisters Finger – von Show-Gitarren einmal abgesehen, die meist ein unrühmliches, weil zersplittertes Ende fanden.

Bis Ende der 1970er wurden ausschließlich Früh-70er Fender-Pickups (2,2 H; 5,7kΩ) mit Staggered-Pole-Pieces in den verschiedenen Gitarren verwendet. Die Staggered-Pole-Pieces wurden übrigens Ende 1974 von Fender gegen gleich hohe (Flush-) Poles ersetzt, das erlaubte eine rationellere Fertigung.

Bei Einführung der neuen Master-Volume-Amps von Marshall Mitte der 70er wollte Ritchie auch einen dieser Verstärker haben – man will ja auch mal ’ne Ballade spielen! Und für diesen Zweck musste auch noch ein Phaser her, der den nicht zu unterschätzenden (Ausgangs-)Pegel der Bandmaschine, welcher ja auch als Booster fungierte, problemlos verarbeiten können musste. Diese Anforderung erfüllte das aus Deutschland kommende „Schulte Compact Phasing A“ (nachträglich modifiziert) mit seiner ±16 Volt Betriebsspannung perfekt und wurde fortan live oben auf dem Tonband platziert. Das „Schulte Compact Phasing“ ist ein professioneller Studio-Phaser mit acht Allpass-Stufen (Glühlämpchen/LDR-Kombination), ähnlich dem legendären sechsstufigen Mu-Tron Bi-Phase.

Ab Ende 1976 setzte Blackmore immer häufiger neben seiner Sunburst- eine neue Olympic-White-Strat mit Rosewood-Griffbrett und natürlich „Staggered“ Pickups ein. In den Jahren ‘76 bis ‘78 stand Rainbow mit hartem, aggressivem Blackmore-Rock im Zenit ihres Erfolgs.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt machte sich Ritchie einen Spaß daraus, mit kalkuliert kolportierten Halbwahrheiten bezüglich seines Equipments Interviewer und Fans zu täuschen – um es mal gelinde auszudrücken. Die eher dünn klingenden Früh-70er Staggered-PUs von Fender in jener weißen Haupt-Gitarre (die 74er Sunburst-Strat hat Ritchie bei einem Wutanfall zerschlagen), wurden dann später gegen fette Quarterpounds von Seymour Duncan getauscht. Da die Duncans schwarz waren, wurden die Einstellknöpfe und der Schalter-Knopf farblich angepasst. Dieses schwarz/weiße Erscheinungsbild seiner Gitarren hat Ritchie die kommenden 25 Jahre beibehalten. In anderen Gitarren, die nun für zusätzliche Sound-Nuancen (und auch wegen ihrer Brummfreiheit) eingeführt wurden, kamen andere Pickups (meist Humbucker im Singlecoil-Format) zum Einsatz, z. B. OBL (damals noch mit Bill Lawrence) Single- und auch Double-Blade-Typen.

Hintergrund des PU- und damit auch Sound-Wechsels war Ritchies ureigene Schnapsidee, die US-Charts mit mainstreamig Kommerziellem erstürmen zu wollen, was aber letztendlich nur zum Ausscheiden von Ronnie James Dio führte, der diesen Zirkus nicht mitmachen wollte. Der stimmgewaltige Ronnie James Dio konnte nicht adäquat ersetzt werden.

Blackmores neuer Rainbow-Rock, zu dem sich interessanterweise wieder Roger Glover als Bassist und Produzent gesellte, war mit seinem vor allem live mittig-nasalen Gitarren-Sound für den US-Markt zu schmalbandig und zu extravagant – das US-Publikum bevorzug(t)e da den z. B. frisch und modern klingenden Van Halen oder auch George Lynn. In den USA konnte Rainbow also kaum neue Fans gewinnen, und den treuen europäischen Fans stieß Ritchies Kommerz-Trip sauer auf. Damit war 1984 Rainbow definitiv am Ende!

Deep Purple Mark IV

Dieses Ereignis versetzte Blackmore einen tiefen Schlag, den man ihm durchaus noch in den nachfolgenden Jahren bei der Reunion von Deep Purple ansehen konnte, wenn er bewegungs- und teilnahmslos auf der Bühne herumstand. Doch sein Gitarrentechniker war noch nicht müde, denn bald erfolgte ein abermaliger Pickup-Wechsel auf die neuen Brumm reduzierenden Lace-Sensor (Typ: Gold) sowie bei einer Strat ein zusätzlich montiertes Roland-GK-2-PU-System, um einen Gitarren-Synthesizer ansteuern zu können. Zusammen mit der leicht (und fragwürdig) modifizierten Marshall-Major-Vorstufe klang Ritchies Sound nun vollends schrecklich – das alles passte irgendwie nicht mehr zu Ritchie, wie ihn seine Fans kannten!

Rainbow Mark II

Nach seinem unrühmlichen Ausscheiden bei Deep Purple 1994 erfolgte eine Neuformation von Rainbow, zwar ohne Dio, aber immerhin mit einem neuen Verstärker, einem mehrkanaligen 150-Watt-Modell der deutschen Firma Engl (Röhrenbestückung: 4× 6L6GC), was seinem Sound deutlich gut tat – die Tage des einkanaligen Dezibel-speienden Major-Saurus-Rex waren abgelaufen; allerdings befand sich die alte Bandmaschine noch mit an Bord.

Die neue Formation war nun nur noch die Begleit-Band eines zunehmend desillusionierten Blackmore, sie hatte nichts mehr mit ihm persönlich zu tun. Stellenweise zog die Combo munter als Einheit ihr Ding durch, der meist abseits stehende Ritchie durfte (oder musste aus vertraglichen Gründen?) dazu nur ein bisschen dudeln. Das machte er zeitweise aber ganz gut – verlernt hatte er nichts. Dennoch: So kann man im heiß umkämpften Rock-Zirkus nicht lange bestehen! Schlussendlich fanden sich vor der Bühne nur noch Ultra-Hardcore-Fans ein, denen man alles kredenzen konnte – wie frustrierend für solch einen kreativen und hellen Kopf, wie Blackmore einer gewesen war und sicherlich immer noch ist.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Ich denke, wenn man keine Ahnung hat, sollte man einen solchen Artikel nicht schreiben. Dann besser über ein Märchen der Gebr. Grimm schreiben.

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