Wie löst ihr nun das Problem des fehlenden Drucks von hinten bei Konzerten?
Chris: Live verwenden wir immer noch Boxen. Das Helix-Signal wird gesplittet: Ein Kanal geht ohne Speaker-Simulation in eine Endstufe und echte Boxen für die Bühnenbeschallung. Der andere Weg geht mit Simulation per XLR direkt ans Mischpult. So haben wir vorne den perfekten Helix-Sound und hinten echte Luftbewegung. Im Prinzip behandeln wir den Helix wie ein Verstärkertopteil.
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Hat sich euer Sound durch die digitalen Möglichkeiten verändert?
Chris: Überraschenderweise kaum. Ben spielt über den Helix immer noch einen Peavey 5150, also den gleichen Amp wie früher, und ich benutze ein Friedman-Preset, das im Grunde wie ein heißer Marshall klingt. Unsere Presets sind wie ein klassisches Pedalboard vor einem Amp aufgebaut. Nichts Besonderes, sondern im Kern die gleiche Herangehensweise wie früher, bloß eben digital.
Gibt es ein Lick oder einen Moment auf der EP, auf den ihr besonders stolz seid?
Chris: Nein, ich bin stolz auf alle Songs, weil wir kein Füllmaterial schreiben. Wir arbeiten vielleicht 20 Songs für eine Studiosession aus und veröffentlichen dann nur die besten. Manche überarbeitet man später noch – wie ‚Celebrate’, das komplett umgebaut wurde, bis es passte.
Ben: Ich würde das Solo am Ende von ‚Don’t You Forget About Me’ hervorheben, es einzuspielen war pures Vergnügen. Augen schließen und nicht nachdenken.
Welche Stimmungen verwendet ihr auf der EP?
Chris: Meist einen halben oder ganzen Ton tiefer, oft Drop B. Ein Song nutzt eine Tom-Morello-ähnliche Drop-Variante. Wir haben über die Jahre viel ausprobiert: Drop A, Open-E tiefer gestimmt, Open-G-Varianten. Eine besondere Stimmung, die wir oft nutzen, nennen wir „Double Drop”: C-F-C-F-A-D von unten nach oben. Damit entstanden Songs wie ‚Soulcreek’ oder ‚Devil’s Queen’.
Wie bist du zu der Doppelbelastung aus Gitarre und Gesang gekommen?
Chris: Aus Notwendigkeit. Ich wollte eigentlich immer nur Gitarrist sein, aber wir fanden keinen Sänger, der zur Musik passte, also habe ich es ausprobiert – und die Jungs fanden, dass meine Stimme originell klingt. Es dauerte lange, bis ich mich beim Singen selbstsicher fühlte und meine Stimme auch mochte.
Frontmann Chris Robertson (Bild: Jimmy Fontaine)
Der größte Schritt bestand für mich darin, mich von einem singenden Gitarristen in einen Sänger zu verwandeln, der auch Gitarre spielt. Heute ist das meine Rolle – ich trage die Songs.
Ben: Und er macht das toll. Früher wurde er für seine Solos geschätzt, heute bewegt seine Stimme Menschen.
Was bedeutet Erfolg heute für euch, und wie geht ihr mit den Frustrationen um, die das unstete Musikgeschäft mit sich bringt?
Chris: Man darf nicht zulassen, dass das Geschäft die Freude an der Musik zerstört, aber auch nicht blind sein; es ist schließlich unser Beruf, der unsere Existenz sichern soll. Man muss ein gesundes Gleichgewicht finden und ein gutes Team haben, das einen unterstützt. Zum Glück haben wir beides.
Erfolg bedeutet in der heutigen Rockwelt, einfach weitermachen zu können. Wenn man ihn messen will, dann daran, wie lange man tun darf, was man liebt. Wir haben jetzt 25 Jahre geschafft – hoffentlich geht es noch lange weiter.
Man sieht junge Bands, die in Arenen spielen und trotzdem kaum Geld haben. Das ist die Realität. Deshalb bin ich dankbar dafür, dass wir früh etwas aufgebaut haben.
Ben: Erfolg ist, glücklich zu sein. Wenn Leute schreiben: „Eure Musik hat mein Leben verändert” – das ist Erfolg.
Abschließend noch ein schnelles Frage-Antwort-Spiel. Was war der erste Song, bei dem ihr wusstet: Hier entsteht etwas Besonderes?
Chris: Unser allererster gemeinsamer Song, ‚Walkin”. Er befindet sich auf dem Album ‚Rock N’ Roll Tape’, das wir 2003 in Eigenregie veröffentlicht haben.
Ein Song eines anderen Künstlers, den ihr gern geschrieben hättet?
Chris: ‚Manic Depression’ von Hendrix. Oder ‚Spanish Castle Magic’.
Ben: Schwierige Frage. ‚Tuesday’s Gone’ von Lynyrd Skynyrd, würde ich sagen. Für mich ist das der größte Song aller Zeiten. ‚Happy Birthday’ geschrieben zu haben, wäre in finanzieller Hinsicht aber auch nicht schlecht.
Die letzte Platte eines anderen Künstlers, die euch beeindruckt hat?
Ben: Beartooths ‚The Surface’, von vorne bis hinten klasse.
Chris: ‚søn of dad’ von Stephen Wilson Jr., fantastisches Songwriting.
Ein Wort, das ‚Celebrate’ auf den Punkt bringt?
Chris: „Roh”, aber nicht auf die Produktion bezogen, sondern im emotionalen Sinn.