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Bill Xavier & B.C. Rich: Back To The Roots

(Bild: Xavier, B.C. Rich)

B.C. Rich is back! Neben neuen Modellen geht auch Bill Xavier als neuer CEO an den Start. Dessen Lernkurve dürfte eher flach ausfallen, denn seit vielen Jahren lebt und atmet er B.C. Rich. Im Interview verrät er uns, was ihn mit der Kultmarke verbindet und was wir vom Neustart erwarten dürfen.

interview

Wann hast du bei B.C. Rich angefangen? Das ist noch ziemlich frisch, oder?

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Ja und nein – ich war etwa neun Jahre lang Vice President der Hanser Music Group, denen u.a. Kustom und B.C. Rich gehörte. 2015 wurde die Firma verkauft und ich verlor meinen Arbeitsplatz. Die B.C.-Rich-Lizenz ging an das Unternehmen Praxis, das leider nicht viel mit der Marke und ihrer Historie anzufangen wusste. Die Verkäufe brachen ein, und sie verloren jede Menge Vertriebe und Artists. Zwei Jahre später kamen Sie auf mich zurück. Ich sollte einen Käufer für die Marke finden, aber es kam nie ein Deal zustande … also fragte ich, ob ich selbst einsteigen könne. Und so kam es. Ich bin Kleinaktionär neben zwei anderen Eigentümern, und führe das Unternehmen.

Was ist deine persönliche Beziehung zu B.C. Rich? Hast du einen speziellen musikalischen Hintergrund der mit der Firma zusammenhängt?

Ich war und bin aktiver Gitarrist, ein Schüler von Joe Satriani und anderen großartigen Lehrern. Als in den 90ern Nirvana und Pearl Jam groß wurden, änderte sich die Musiklandschaft grundlegend. Ich hatte damals einen Plattenvertrag, unsere Truppe wurde aber eher links liegengelassen. Das Label wollte, dass ich bluesiger spiele, aber das war einfach nicht mein Stil. Ich liebte Gitarren, aber für mich kamen nur wenige Marken infrage – Jackson, Charvel und B.C. Rich. Ich besaß zwar auch eine Fender und eine Les Paul, aber die habe ich nie gespielt. Ich griff immer zu B.C. Rich, Randy Rhoads, einer Soloist oder Charvel – das war’s.

Mit Anfang 20 begann ich als Außendienstler für Kaman Music zu arbeiten und vertrat u.a. Hamer, Trace Elliot und Ovation. Dann ging ich zu St. Louis Music und vertrieb Ampeg und Crate. Entscheidend war mein Job bei Peavey von 1999 bis 2006. Dort bekam ich die Möglichkeit mit den Idolen meiner Kindheit zu arbeiten – George Lynch, Satriani, Eddie Van Halen, Yngwie Malmsteen … Ich war immer ein Shredder. Das ist einfach mein Genre. Ich stieg in die Produktentwicklung ein und arbeitete an Verstärkern für Joe Satriani und George Lynch, designte viele Gitarren. Ich liebe diese Branche einfach, sie liegt mir am Herzen. Und was mir am meisten Freude bereitet, sind B.C.-Rich-Gitarren. Gunslingers, Ironbirds, Mockingbirds, die Bich, Double-Necks – damit kann ich mich voll identifizieren.

Schau mal hier, zufällig haben wir gerade einen alten Mockingbird-Bass hier! (den Test gibt es hier)

Wow (lacht), wisst ihr was – wir arbeiten gerade exakt an diesem Bass! Falls ihr euch fragt, ob wir wieder mehr Bässe rausbringen werden: Ja, absolut! Es gab nur einen Haken: Wir hatten keine Modelle, keine Zeichnungen und kein Inventar, als wir die Firma übernommen haben. Wir mussten wieder bei Null anfangen.

Was ist mit den alten Sachen passiert?

Die vorherigen Besitzer hatten die Fabrik in Korea aufgegeben und die komplette Produktion umgestellt. Die alten Vorlagen und Programme waren damit obsolet. Als klar wurde, dass wir die Marke übernehmen würden, habe ich viel Vorarbeit geleistet, recherchiert und traf mich dann auf der NAMM-Show mit einigen Herstellern. Im Nachhinein erhielt ich ein paar Paletten Warlocks aus chinesischer Fertigung. Ein Blick genügte, um zu wissen: Mein Herzensprojekt sollte nicht auf etwas hinauslaufen das am Ende $ 79 kostet. Ich bin ein Musiker, das kann ich nicht verantworten. Für mich steht nicht der Preis im Vordergrund, sondern wie sich ein Instrument anfühlt und wie es klingt.

Deshalb benutzen wir keine billigen Hölzer, sondern bestehen auf nordamerikanischen Ahorn, verbauen deutsche und koreanische Floyd-Rose-Systeme, und verwenden keinerlei Parts aus chinesischer Produktion, sondern nur qualitativ hochwertige Sachen. In der neuen Extreme-Series bekommt man High-End-Komponenten im mittleren Preissegment. Auch bei der japanischen NJ-Serie machen wir keine Kompromisse mehr. Da dürft ihr euch sicher auf einen netten Eagle-Bass freuen! Oder eine Ironbird … man wird sehen. (zwinkert)

Ist das noch Zukunftsmusik?

Oh nein! Wir lassen auch den Bich-Achtsaiter-Bass wieder aufleben.

Wow! Sind solche Entwicklungen nicht furchtbar kostspielig?

Das ist uns den Aufwand wert. Die Vertriebe waren anfangs skeptisch, ob sich so ein Investment auszahlen würde – B.C. Rich war ja zuletzt eher für einfache Massenware bekannt. Aber Menschen, die Wert auf Sound und Qualität legen, werden die neuen Instrumente zu schätzen wissen. Man kann nicht mehr behaupten, dass das Billig-Schrott ist! Auch wer die recht hochwertigen koreanischen Instrumente von 2006 bis 2014 kennt, wird die Verbesserungen bemerken. Es sind die Details, die Hardware, die Verarbeitung und nicht zuletzt die verbauten DiMarzio-Pickups, die den Unterschied machen.

Kannst du uns mehr über die verschiedenen Serien erzählen?

Was die koreanischen Instrumente betrifft: Vor der Pandemie habe ich die Produktion vor Ort beaufsichtigt, selbst Hand angelegt und sogar Setups gemacht. Natürlich haben sich die Modelle durch den Neustart weiterentwickelt. Wenn man sich die Body-Formen der letzten zehn Jahre anschaut, erkennt man die Evolution anhand der Hörner und Shapings. Ich habe verschiedene Instrumente mit nach Korea genommen, damit wir sie als Vorlage verwenden und uns auf Formen einigen konnten.

Du hast die NJ-Serie erwähnt. Was macht diese japanischen Exemplare so besonders?

Mit der NJ-Serie kehrt B.C. Rich zu dem Standard zurück, mit dem man in der Vergangenheit viele Fans gewonnen hat. Die japanische Produktion liefert bemerkenswerte Ergebnisse, da sind jede Menge Werkstolz und Perfektionismus im Spiel. Wir tüfteln auch schon an Sieben- und Achtsaiter-Warlocks, sowie Fanned-Fret-Gitarren und -Bässen. Auch einen Shredzilla-Bass wird es geben.

Drei Ironbirds aus der neuen Extreme-Serie
Eine Shredzilla mit Fanned-Fret-Griffbrett
Eine B.C. Rich Bich mit Koa-Decke im Stil der 70er-Jahre-Modelle
Eine JRV aus dem Colorado-Custom-Shop
Beim deutschen W-Music-Distribution-Vertrieb werden alle Instrumente noch einmal inspiziert und eingestellt.

 

Klingt, als würdet ihr bald eine große Palette an Modellen aus dem Ärmel schütteln.

Absolut! Einiges wäre schon fertig, wenn Covid-19 nicht dazwischengekommen wäre. Wir arbeiten sogar an einer Old-School-Version der Gunslinger. Ich habe das erste je gebaute Exemplar als Vorlage gefunden, gebaut von Dan Lawrence, einem berühmten Gitarrenbauer aus Los Angeles.

… was uns zur Frage führt: Wer ist momentan für den B.C. Rich Custom Shop verantwortlich?

Wir haben unseren eigenen Custom-Shop in Colorado, geführt von Casey Crabtree. Er hat einige von Steve Vais Gitarren gemacht – die beste Bundbearbeitung die ich je gesehen habe. Wir wollten dort erstmals alle Gewerke unter einem Dach vereinen und mehrere Modelle herstellen, mit höchstmöglicher Kontinuität. Nun gibt es Menschen die strikt gegen CNC-Fräsen sind. Ich sehe es so: Du kannst einen Body mit CNC so weit bearbeiten, dass er kaum noch geschliffen werden muss. Da man die aufwendigen B.C.-Rich-Formen nicht 100%-ig hinbekommt, ist der manuelle Feinschliff obligatorisch.

Aber für mich spricht absolut nichts gegen die Gleichmäßigkeit, mit der die Maschine Halstaschen oder Pickup-Fräsungen abliefert. Das ist die Präzision die man von einem Supersportwagen erwartet und die wollen wir als Firma bieten. Und wenn doch jemand ein handgefrästes Old-School-Instrument haben will, ist unser Gitarrenbauer Neal Moser der Mann für den Job. So bringen wir die Kritiker zum Schweigen. Meinetwegen bauen wir’s auch mit Messern und Gabeln, wie früher (lacht)!

Für Nostalgiker werden wir zudem jedes Jahr eine limitierte Neuauflage herausbringen, um exotische Modelle aus der Firmengeschichte zu feiern. Wisst ihr, Trends wie etwa Edelstahlbünde oder geröstete Hälse kommen und gehen, genauso wie extrovertierte B.C.-Rich-Formen Phasen durchlaufen, in denen sie heiß begehrt oder total aus der Mode sind. Gerade jetzt gibt es eine riesige Nachfrage nach Ironbirds, und ich habe nicht die leiseste Ahnung warum …

Gibt es auch Pläne für amerikanische Serienmodelle?

Ehrlich gesagt reichen unsere Kapazitäten dafür noch nicht aus. Wir müssten mehr Mitarbeiter einstellen, und mit einer Ausstattung wie die der koreanischen Modelle, würde das die Preise leider noch erhöhen.

Wahrscheinlich ist es auch technisch gesehen nicht ganz leicht, eine vereinfachte Version der komplexen B.C.-Rich-Formen anzufertigen, oder?

Andere Gitarrenmarken bauen ihre Neck-Through-Konstruktionen mit angeschäfteten Kopfplatten. Das spart viel Geld und ist auch vollkommen legitim, aber das kommt für uns nicht infrage. Aus dem Material, das wir für ein Instrument brauchen, bauen andere gleich zwei Hälse. Und weil wir auch bei der Holzauswahl nicht sparen wollen, lässt sich der Preis nicht senken. Taylor Guitars ist vielleicht die letzte Firma, die mit wirklich hochwertigen Hölzern erschwingliche Gitarren bauen kann … weil Bob so schlau war, jedes Stück Ebenholz auf dem Planeten zu kaufen (lacht) … und natürlich weil er seine Abläufe modernisiert hat.

Was Gitarren mit eingeleimten Hälsen angeht, ist Paul Reed Smith aktuell in der Lage, das wohl beste Preis-Leistungs-Verhältnis für US-Gitarren zu bieten, bei geringen Qualitätsschwankungen. Das werden wir irgendwann auch erreichen, da bin ich mir sicher. Und was die Fertigungsqualität angeht, macht Warwick einen fantastischen Job! Hans-Peter Wilfers Werk in Markneukirchen ist erstklassig und vollkommen unterschätzt. Die Leute realisieren nicht, wie gut, modern und sauber die Produktion dort ist. Mein Bestreben ist es, dass wir mit B.C. Rich auch bald auf dieses Level kommen.

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2021)

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Ich weiß ja nicht,weshalb der nun neue B.C.Rich Verantwortliche auf dem Portrait-Foto so traurig, bzw. grimmig ausschaut.B.C.Rich war seit längerer Zeit eigentlich so gut wie gar nicht mehr auf dem Radar zu sehen,was ich persönlich eigentlich sehr schade fand.

    Nun kann man vielleicht mal wieder darauf hoffen,daß B.C.Rich endlich wieder aus der Versenkung gehoben wird.Es wäre zu wünschen,einfach mal abwarten,und überraschen lassen.

    Um wieder an den qualitativ sehr hohen Standard der höchst begehrten alten japanischen B.C.Rich Modelle aus der „Goldenen Zeit“ der frühen 1980/85er-Jahre anzuknüpfen,müßte der neue Firmeninhaber direkte Einblicke in die einstigen Baupläne,Skizzen und Auswahl der einstigen Edelhölzer dieser betagten Gitarren haben,um wenigstens annähernd neue B.C.Rich Gitarren aus dieser Epoche wieder nachfertigen zu können.

    Doch das wird dann wohl doch sehr schwierig werden,da die einstigen Meisterstücke aus edelsten Tropenhölzern und bester Hardware in Handarbeit gebaut wurden.

    Ich besitze noch einige Originale (Mockingbird und Bich Custom Modelltypen) aus dieser Aera,die damals bereits schon enorm schwer zu finden waren.
    Die heutigen Preise dieser edlen Gitarren in bestem Originalzustand bewegen sich ab 5.000,-€uro und aufwärts steigend! Es waren,und sind bis dato absolut außergewöhnliche Gitarren,die wirklich traumhaft klingen,und wegen ihrer sehr hochwertigen Verarbeitungsqualität,nebst edelster Hölzer und bester Hardwarekomponenten auch zukünftig nie an Wert verlieren werden!

    Und nebenbei bemerkt,sind derzeit die alten Mockingbird‘s mit so genanntem „Longhorn“ Korpus unter Insidern gefragt wie nie zuvor,die hauptsächlich aus den Manufakturen mit dem Vermerk „Made in Japan“ stammen.Kurioserweise waren diese Gitarren bedeutend besser gebaut,als ihre „Kollegen“ aus den U.S.A.Ein mir bekannter Deutscher Gitarrenbauer aus dem Landkreis Oberhavel bestätigte mir unlängst diese Vermutung.

    Bin sehr gespannt,ob B.C.Rich bald wieder aus der Asche empor steigt!
    Wie bereits erwähnt,die sprichwörtliche Qualität der uralten Originale gilt es jetzt endlich umzusetzen.

    Ich wünsche dem neuen Inhaber alles Gute!

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