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B.C. Rich Special

Vintage: B.C. Rich Mockingbird & Eagle Bässe + Neal Moser im Interview

Nur wenige Gitarren-Marken haben ein so ikonisches Erbe mit etlichen, durch und durch markanten Designs wie B.C. Rich. Was Ende der 60er als ‚Bernardo’s Guitar Shop‘ begann, sollte bald die Geburtsstätte gleichermaßen futuristischer wie erlesener Instrumente auf Custom-Shop-Niveau werden. Und zum Glück blieb es nicht nur bei Gitarren – wie unser Vintage-Pärchen beweist, hatte Gründer und Firmenchef Bernardo Chavez Rico auch im Bass-Bereich einiges zu sagen …

(Bild: Dieter Stork)

… seine Bässe waren nämlich keine platte Kopie irgendeines Erfolgsmodells und biederten sich nicht dem klassischen P- und J-Bass-Mainstream an. Nicht einmal dem aufkommenden Aktiv-Edelbass-Trend mit Vorreitern wie Alembic entsprachen sie so richtig.

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Aber fangen wir vorne an: Eagle und die Mockingbird gehören zweifellos zu den beliebtesten frühen B.C.-Rich-Modellen. Ersteres entstand aus der Zusammenarbeit mit dem damaligen Montage/ Setup- und Elektronik-Chef Neal Moser, der vom eher im Flamenco-Gitarrenbau verwurzelten Bernado gebeten wurde, das erste B.C.-Rich-E-Gitarren-Modell, die Seagull, zu überarbeiten. Neal passte die Sattelbreite, Bünde, Mensur und den Griffbrettradius an, später wurde auch die noch nicht vollends ergonomische Form überarbeitet und die Eagle war geboren. Bereits 1975 folgte das berühmte Mockingbird-Design, und wie bei B.C. Rich damals üblich, sollte es zu beiden Modellen auch Bass-Versionen geben.

EIGENER KOPF

Da die Formgebung ja bereits geklärt war, galt es nun noch die technischen Eckdaten zu finden und sich für ein Elektronik- uns Pickup-Layout zu entscheiden, das später die Grundausstattung der allermeisten B.C.-Rich-Bässe der frühen Ära sein sollte. Bei der Mensur orientierte man sich an dem 34“-Standard, den Fender etabliert hatte; die Sattelbreite übertraf mit Maßen zwischen 43 und 44 mm sogar knapp damalige Precision-Hälse. Als Brücke kam die massige und heute ikonische Badass I zum Einsatz (später waren es Kahler-Brücken), die aufgrund des Halswinkels – der wiederum eher an Gibson-Bässe erinnert – deutlich höher aufbaut als der dünne Blechwinkel von Leo Fender.

Badass-I-Brücke (Bild: Dieter Stork)

Nach den frühen Seagull- und Eagle-Bässen aus Honduras Mahagoni fuhr B.C. Rich in Sachen Hölzer schon bald eine klare Linie: Der einteilige, durchgehende Hals und die angeleimten Korpusflügel wurden (wie auch bei den Gitarren) entweder komplett aus Ahorn oder Koa gefertigt, die ca. 1 cm starken Trennstreifen zwischen Mittelblock und Korpusflügel – je nach Korpusholz – aus Palisander oder Ahorn, um einen optischen Kontrast zu schaffen. Zudem gab es noch ein paar wenige, deutlich abgespeckte Modelle komplett aus Walnuss, die jedoch relativ schnell wieder verschwanden, da sich die Hälse als instabil erwiesen.

Handgeschnitzter Hals/Korpus-Übergang (Bild: Dieter Stork)

Das Griffbrett mit seinen 24 Medium-Jumbo-Bünden und den edlen Diamond-Inlays war bei den Standard-Modellen aus Palisander; bei den etwas teureren Supreme-Modellen mit den großen Cloud-Inlays setzte man auf Ebenholz. Als Tonabnehmer kamen nach Experimenten mit Eigenentwicklungen und Bartolini-Humbuckern schließlich Output-starke DiMarzio Model P (DP122) Split-Coil-Tonabnehmer zum Einsatz – und zwar nicht nur am Hals sondern ungewöhnlicherweise auch in der Steg-Position. Die etwas eigenwillige Elektronik wurde von Neal Moser entworfen und findet sich bis heute auf den meisten USA-B.C.-Rich-Modellen. Seiner Soundvielfalt verdankt der Mockingbird seinen Namen: Die Spottdrossel, so die deutsche Übersetzung, ist ein Vogel, der mit seinem Gesang Geräusche und Lieder anderer Vögel aus seiner Umgebung nachahmt.

Die aufwendige Elektronik sorgt für Sound-Vielfalt. (Bild: Dieter Stork)

Und so auch der Mockingbird-Bass: Durch die umfangreiche Elektronik und die geschickte Positionierung der Pickups sollte dieser Bass alle populären Sounds seiner Zeit – von Gibson EB-0 bis Fender Jazz Bass – abdecken. Dafür stehen für jeden PU ein seriell/parallel-Schalter sowie ein globaler out-of-phase-Switch bereit; dazu kommen Potis für Master-Volume, Master-Tone sowie für den aktiven, schalt- und regelbaren Boost. Dieser liefert bei Bedarf einen derart rabiaten Pegel- und Tiefmitten/Bass-Boost, dass sich auch der cleanste Amp in der Vorstufe satt übersteuern lässt. Für extrafette Bass-Sounds ist noch ein fünffach-Drehschalter mit verschiedenen Kondensatoren an Bord, die die Höhen und Mitten in unterschiedlichen Schattierungen beschneiden.

(Bild: Dieter Stork)

ZEITZEUGEN

Bei unseren beiden Exemplaren handelt es sich um einen 79er Eagle- und einen 76/77er Mockingbird-Bass. Eine genauere Datierung ist bei Vintage-B.C.-Instrumenten oft nicht ganz leicht, da die Seriennummern, falls überhaupt vorhanden (viele Instrumente gingen ohne Seriennummer raus), schon bald nicht mehr präzise dem Baujahr zuzuordnen waren und sich daher nur ungefähr eingrenzen lassen. Bei dem Mockingbird-Modell handelt es sich noch um die frühe „short horn“-Version im Natural Finish mit dem kürzeren unteren Korpushorn, das gegen Ende der 70er schleichend von einem längeren Horn mit einem tieferen Cutaway und einem leicht anders geformten Body abgelöst wurde.

Der Hals ist aus edlem Riegelahorn mit stehenden Jahresringen (Quartersawn) gefertigt und die wilde Maserung der angeleimten Korpusflügel zeigt Ära-typisch sowohl Merkmale von Wölkchen- als auch von Vogelaugenahorn. Die gleichen Hölzer – inkl. der stehenden Jahresringe beim Hals – finden auch beim Eagle Verwendung, allerdings fällt hier die Maserung etwas weniger spektakulär aus. Unser Exemplar hat außerdem eine komplett-Restaurierung inkl. Refinish hinter sich, da ein Vorbesitzer es bis auf das blanke Holz runtergeschliffen und mit dem falschen Öl behandelt hat. Das neue Sunburst-Finish, das man so eigentlich eher von den Koa-Modellen aus dieser Zeit kennt, ist hervorragend gelungen und sogar der markante Burst-Verlauf im Bereich des Hals-Korpus-Übergangs wurde originalgetreu nachempfunden.

Beide Bässe haben noch die frühe Pickup-Ausrichtung mit den Bass-Spulen näher zum Hals (wie beim Precision Bass) – später wurden die Tonabnehmer gedreht, wodurch der Sound etwas „braver“ und kultivierter wurde.

Mit ihren satten 4,6 bzw. 4,5 kg hängen die Instrumente ausgesprochen stabil und ohne Kopflastigkeit am Gurt, was besonders beim Mockingbird verblüfft – hier steuert wohl die schiere Masse des Korpus‘ gegen. Security-Locks sind durch die unglückliche Positionierung des oberen Gurtpins allerdings Pflicht, alles andere ist in der Praxis eher problematisch.

(Bild: Dieter Stork)

Die gleichermaßen massiven wie eleganten Grover-Mechaniken mit ihren stilvoll geschwungenen Flügeln verrichten ihren Dienst wie am ersten Tag, und das große „R“-Logo aus Perlmutt auf dem Palisander-Kopfplatten-Aufleimer hat auch nach über 40 Jahren nichts von seiner Schönheit eingebüßt … dreht und wendet man diese wirklich aufwendig und liebevoll gearbeiteten Instrumente, kommt schon ein bisschen Ehrfurcht auf.

Kopfplatte mit Grover-Mechaniken und Perlmutt-„R“-Logo (Bild: Dieter Stork)

ALLESKÖNNER

Am Ende zählt aber natürlich vor allem der Ton! Beide Bässe klingen wirklich ausgesprochen ähnlich und werden dem Anspruch, alle Klassiker-Sounds der 70er abzudecken, verblüffend gerecht. Durch die Voll-Ahorn-Konstruktion und den durchgehenden Hals klingen die Riches erwartungsgemäß knalliger und Sustain-stärker als zum Beispiel ein vergleichsweise warmer, gut abgehangener Erle-Preci. Mit dem Hals-Pickup (der hier übrigens exakt auf der Fender-Position sitzt) im seriellen Solo-Betrieb, gehen sie jedoch eindeutig in die klassische P-Richtung. Insgesamt kommen die Riches immer etwas vorlauter und knackiger als Leos Kreationen, wobei das schonungslose Attack Qualitäten hat, wie man sie eher von einem guten Schraubhals-Instrument kennt. Dank des satten Pickup-Pegels haben auch die Parallel-Sounds noch genügend Druck, und durch die erweiterten Höhen und ausgedünnten Tiefmitten kommt man so deutlich näher Richtung Jazz Bass.

Stingray-Sounds bleiben bauartbedingt natürlich außen vor, aber die gab es beim Erscheinen von Mockingbird und Eagle ja auch noch nicht. Eine große Stärke, die man dafür so bei kaum einem anderen Bass bekommt, ist zweifellos die Kombination beider Tonabnehmer im seriellen Modus. Ein sagenhaft aggressives Pfund mit bissigen Hochmitten und gröhlendem Mitten-Punch poltert einem hier entgegen – ein wirklich eigenständiger Sound mit enormen Suchtpotential.

Zuletzt macht sich auch der Kondensator-Drehschalter bewährt und liefert besonders in Kombination mit dem Hals-PU im seriellen Betrieb ein authentisches, ultrafettes Low End, mit dem man getrost einem EB-0 nacheifern kann – wirklich beeindruckend! Wer da noch einen obendrauf setzten möchte, kann natürlich den Booster bemühen, wobei angesichts des extremen Pegels tatsächlich Vorsicht geboten ist. Attraktiv ist er dennoch, um z.B. ein mildes Overdrive per Schalter in eine Distortion-Abrissbirne zu verwandeln, oder einfach nur ein zweites Lautstärke-Preset bereitzustellen.

Erfreulicherweise geht die souveräne Klangvorstellung mit besten Spieleigenschaften und einer vorbildlichen Saitenlage einher, sodass man eigentlich nur den Hut ziehen kann vor so viel Qualität, die dem Zahn der Zeit bis heute mühelos getrotzt hat.

(Bild: Dieter Stork)

ZAHLEN

Obwohl die aufwendigen B.C.-Rich-Instrumente der 70er und 80er fast ausschließlich in Handarbeit von Gitarrenbauern mit vergleichsweise einfachem Werkzeug gebaut wurden, hatte die Produktion doch einen beachtlichen Output: In den 80ern wurden über 2000 Instrumente pro Jahr gebaut, weshalb man auf dem Gebrauchtmarkt bis heute regelmäßig Angebote von wirklich attraktiven Vintage-B.C.-Rich-Modellen findet.

Die Qualität dieser Instrumente hat sich natürlich herumgesprochen, und es gibt heute eine beachtliche Fanbase, die auf der Jagd nach den Vintage-Originalen ist. Allerdings ist dieser Markt in den USA und Japan stärker als hier in Europa, weshalb die Preise bisweilen stark variieren. Nicht selten werden für gut erhaltene Exemplare Preise zwischen € 3000 und € 5000 aufgerufen, wobei es schwer zu sagen ist, ob diese Instrumente auch zu diesen Preisen verkauft werden. Gerade in Europa kann man mit etwas Glück auch ein Original für unter € 2000 ergattern, allerdings ist hier auch das Angebot deutlich dünner als beispielweise in den USA.


NEAL MOSER & B.C. RICH

Neal Moser mit einer 10-saitigen B.C. Rich Bich (Bild: Moser/B.C. Rich/Archiv)

Neal Moser ist einer der letzten Zeitzeugen der frühen B.C.-Rich-Ära und hat die Firma als freier Mitarbeiter in ihren „Golden Years“ entscheidend mitgeprägt. Mit dem Comeback von B.C. Rich wurde Neal wieder mit an Bord geholt und erinnert sich für uns an die besonderen Fertigungsmethoden der in den 70er-Jahren noch jungen Firma.

Neal, du warst früher schon lange bei B.C. Rich und arbeitest jetzt wieder für die Firma. Was ist deine aktuelle Aufgabe bei B.C. Rich und wo kommst du musikalisch eigentlich her?

Ich wollte schon seit 35 Jahren wieder mit B.C. Rich zusammenarbeiten. Ich hatte immer das Gefühl, dass mein umfangreiches Wissen über die „Goldene Ära“ von B.C. Rich, also 1974 bis 1985, für jeden neuen Besitzer dieser Ikonen-Marke äußerst hilfreich wäre. Ich möchte dem neuen CEO Bill Xavier persönlich dafür danken, dass er die Vision und den Wunsch hatte, mich wieder zu engagieren. Heute leite ich für B.C. Rich den Vintage Custom Shop.

Eine aktuelle Mockingbird-Gitarre aus Neal Mosers B.C. Rich Custom Shop vor dem Lackieren (Bild: Moser/B.C. Rich/Archiv)

Als ich in der Branche als Gitarrentechniker und -bauer gearbeitet habe, habe ich abends oft mit einer professionellen Coverband gespielt. Wir spielten von 1969 bis 1996 zusammen, dann legten wir eine 10-jährige Pause ein. Ab 2006 waren wir dann wieder auf der Bühne und beendeten unsere Musikkarriere schließlich im Jahre 2010.

Wie war damals die Zusammenarbeit mit Bernie Rico Sr.?

Bernie war eher ein Eigentümer als ein Arbeiter, und ich war ein unabhängiger Auftragnehmer, weshalb meine Beziehung zu ihm etwas anders war als die der Festangestellten. Abgesehen vom täglichen Kontakt und unseren Gesprächen, machte ich mein Ding als Vorarbeiter der Montagewerkstatt, und Bernie führte das Geschäft zusammen mit Mal Stich, der wiederum Geschäftsleiter war.

v.l.n.r.: John Wilkinson (Elvis Presley Band), Neal Moser, Bernie Rico Sr. (Bild: Moser/B.C. Rich/Archiv)

Bernie war ein Flamenco-Akustikgitarrenspieler und hatte wenig Ahnung von Elektronik, und das war der Grund, warum er mich an Bord geholt hat. Er hatte meinen Elektronik-Entwurf gesehen und wollte ihn in seinen Seagull-E-Gitarren verwenden. Auf meiner Website (www.nealmoserguitars.com, Anm. des Verf.) wird die Geschichte ausführlicher erklärt. Bernie war auch ein sehr guter Lackierer, und wenn wir Verstärkung brauchten, half er im Lackierraum aus.

Was war Bernies Vision des Unternehmens in den 70er-Jahren?

Um ehrlich zu sein, hatten wir gar keine wirkliche „Vision“ – es ging hauptsächlich darum, mit dem Schritt zu halten, was erledigt werden musste. Dinge geschahen, und wir gingen damit um. Zum Beispiel haben wir damals die NJ-Serie (Die japanischen Modelle, Anm. des Verf.) nicht gestartet, weil wir es wollten, sondern weil wir von Firmen aus Fernost kopiert wurden. Wir beschlossen also, dass diese Firmen, wenn sie schon Kopien von uns bauen wollten, unsere eigene Importlinie aufbauen sollten. Wir versuchten lediglich, kein Geld zu verlieren, und unsere Reaktion auf die Situation war perfekt – die NJ-Linie lief wirklich gut. Die meisten Meilensteine, wie z.B. das Mockingbird-Design von John Kallas und mein Rich-Bich-Design waren Dinge, die einfach nebenher passiert sind.

Neal mit einem der ersten Bich-Prototypen (Bild: Moser/B.C. Rich/Archiv)

Wie viel von Bernie Ricos Akustikgitarren-Background steckt in den frühen B.C.-Rich-Modellen?

Eigentlich waren die ersten Seagulls schon eng mit Akustikgitarren verwandt. Sie alle hatten breite Sättel, flache Griffbretter usw. Eine der ersten Sachen, die Bernie mich fragte, war: „Was würdest du verändern, um diese Gitarre an den Geschmack der E-Gitarristen da draußen anzupassen?“ Ich schlug ein paar Änderungen der Eckdaten vor und von da an war ich derjenige, der entschied, welche Spezifikationen und welche Hardware zum Einsatz kamen. Wenn ich etwas verändern wollte, legte ich es einfach Bernie vor, und ich kann mich nicht erinnern, dass er jemals „nein“ zu irgendetwas gesagt hätte.

Wie unterschied sich die Produktion bei B.C. Rich von der der anderen großen Herstellern zu dieser Zeit?

Sehr gute Frage! B.C. Rich baute damals wie heute Gitarren ganz anders als jede andere Firma. Sie waren wirklich „Hand Made“ – mit Messern, Schabhobeln, Feilen usw. B.C. Rich war kein Custom Shop, wir waren eine Gitarrenfabrik. Wir bauten mehr als 100 Gitarren pro Monat, unabhängig davon, ob sie verkauft wurden oder nicht. Das war Bernies Hauptaufgabe: ans Telefon zu gehen und Gitarren zu verkaufen. (lacht) Wir hatten eine Holzwerkstatt mit vier bis sechs mexikanischen Gitarrenbauern, die Gitarren schnitzten. Wir hatten außerdem eine Lackiererei, die sich viel Mühe gab, mit der Produktion Schritt zu halten. In meiner Montagewerkstatt folgten dann die letzten Schritte, nachdem die Gitarren lackiert waren: Elektronik, Bundarbeit, Montage und Setup. In den späten 70er-Jahren schafften wir acht Gitarren pro Tag.

Wie viel Arbeit wurde dabei mit Maschinen erledigt und wie viel von Hand?

Die Halsrohlinge und die Korpusflügel wurden mit einer großen Bandsäge ausgeschnitten, praktisch alles andere wurde von Hand gemacht. Wir benutzten einen No.6-Stanley-Flächenhobel, um die Halsrohlinge und die Flügelkanten für das Verleimen rechtwinklig zu machen, die Formen wurden mit einer Bandsäge ausgeschnitten und mit Handfeilen nachgearbeitet. Die Hälse wurden ausgemeißelt und mit einem Schabhobel in Form gebracht – Meißel, Messer und Feilen wurden außerdem verwendet, um den Hals an den Body anzupassen. Noch heute arbeiten wir in unserem neuen B.C. Rich Custom Shop im Wesentlichen mit den gleichen Methoden.

Gab es damals viele Custom-Optionen?

Wir haben nur wenige Custom-Wünsche berücksichtigt. Wir hatten Basismodelle, und das Einzige, was man grundsätzlich ändern konnte, war die Elektronik und einige Holzkombinationen – wobei man nicht die Holzarten ändern konnte, sondern nur, wie sie angeordnet waren.

Welche Hölzer wurden für Korpus, Hälse und Griffbretter verwendet?

In den späten 70er- und frühen 80er-Jahren haben wir viele Instrumente mit Ahornhals, Ahornflügeln und Palisander-Trennstreifen bzw. Koahals, Koaflügeln und Ahorn-Trennstreifen gebaut. Manchmal haben wir die beiden Hölzer auch anders kombiniert und gemischt. Für das High-End-Modell „Supreme“ haben wir Ebenholz-Griffbretter verwendet und Palisander-Griffbretter für die Standard-Modelle.

Wie viele Angestellte arbeiteten in den 70erJahren in der Werkstatt und wie viele von ihnen waren Gitarrenbauer?

In den elf Jahren, die ich dort war, hatten wir je nach Produktion zwischen 15 und 25 Mitarbeiter. Davon waren zwischen vier und sechs Gitarrenbauer aus Mexiko.

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2021)

Produkt: Gitarre & Bass 07/2020
Gitarre & Bass 07/2020
Im Test: Fender Custom Shop 63 Stratocaster Relic Masterbuilt, Sadowsky J/J MetroLine & MasterBuilt LTD2020, MEC J/J-Style Metal Cover Bass Pickups u.v.m. +++ Stefan Stoppok: Deutschrocker, Universaltalent und Sound-Tüftler +++ Rabea Massaad: YouTube-Gitarrist & Equipment-Nerd +++ Carl Martin Acoustic Gig: Live-Tool für Akustiker +++

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Sehr interessante Fotostory! Alte B.C.Rich Gitarren sind auch bis heute,besonders hier in Deutschland und Europa immer noch sehr schwer,bzw. gar nicht zu bekommen.Das ist die Wahrheit.

    Die aktuellen Preise für sehr gut erhaltene Originale in unverbasteltem Zustand sind immens hoch.Ich finde dies jedoch gerechtfertigt,da es ja kaum noch B.C.Rich Gitarren aus der „Goldenen Äera“ gibt,die faktisch in bestem Gesamtzustand existieren.Ganz klar,daß die wenigen Besitzer solcher Raritäten sich nicht von ihren Schätzen trennen werden.

    B.C.Rich Gitarren waren,-und sind bis dato nun einmal sehr bizarre und außergewöhnliche Saiteninstrumente,daran wird sich auch zukünftig nichts ändern.

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