Naked Bike

Yamaha Revstar RSP20CR im Test

Yamaha hebt unter dem Namen Revstar eine neue Gitarrenreihe aus der Taufe. Das repräsentative, schlüssig gestaltete Flaggschiffmodell RSP20CR wollen wir nun einmal sauber filettieren und mundgerecht aufbereiten. Als Vorspeise wird ein schicker schwarzer, goldbeschlagener Koffer serviert, der uns wohl schon einmal erwartungsvoll sabbern lassen soll … okay schick, aber der klingt ja nicht.

Yamaha RSP20CRFür die Entwicklung der neuen Gitarrenreihe brauchte es drei Jahre interaktiver Arbeit der Yamaha-Designer in Kommunikation mit involvierten Mitarbeitern, Spielern und Händlern und natürlich eine Menge an Prototypen, bis endlich alle Faktoren und Details auf den Punkt gebracht waren. Als Inspirationsquelle für das cool gestaltete Erscheinungsbild dienten unter anderem auch die Naked Bikes der Cafe Racer. Dabei handelt es sich um zu Rennmaschinen umfrisierte Serienmotorräder, mit denen englische Rocker der 60er-Jahre ihren subkulturellen Protest auslebten. Die Revstar-Serie umfasst acht Modelle in einem Preisbereich von € 399 bis € 1499.

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Konstruktion

Für die Solidbody-Konstruktion in Double-Cutaway-Bauweise setzt Yamaha bei der RSP20CR auf die bewährte Holzkombination Mahagoni/Ahorn. Der zweiteilig gefügte Boden aus Mahagoni erhielt folglich eine ebenfalls zweiteilige Decke aus Ahorn aufgesetzt, deren sportlich schnittige Silhouette von cremefarbenen Bindings betont wird. Sehr elegant wurde der planen Decke eine sanft verlaufende Kontur im Bereich der Armauflage verschafft. Hammer aber ist die mit Stahlwolle von Hand gebürstete schwarze Oberfläche des Tops (Brushed Black), von der lediglich zwei zentrale und parallel gesetzte Rallye-Streifen durch Abkleben ausgenommen wurden. Alle Rückseiten sind hochglänzend schwarz lackiert.

Zu erwähnen bleibt noch die am Boden oben zu findende gut geschnittene Anlagebucht. Der in Höhe des 19. Bundes greifförderlich mit abgeschrägtem Halsfuß eingesetzte Hals aus Mahagoni ist mit einem eingefassten Griffbrett aus Palisander kombiniert. 22 Jumbobünde zeigen saubere Verarbeitung und perfekten Abgleich, kleine elfenbeinfarbene Dots sorgen für die nötige Orientierung. Der im Winkelübergang von einer Volute auf der Halsrückseite verstärke Kopf von geschmackvoller Formgebung ist der Decke mit Binding und gebürsteter Front optisch angepasst. Satinierte gekapselte Mechaniken mit Keystone-Flügeln von Gotoh sorgen für verlässliche Stimmung. Die Saiten laufen mit einer Mensurlänge von 628 mm vom Sattel aus Black Tusq hinüber zur AVT-II Bridge von TonePros mit beweglichen Reitern.

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Kopfplatte mit gebürsteter Front im Matching Headstock Design (Bild: Dieter+Marlon Stork)

Zwei YGD Alnico Humbucker Pickups (Custom Shop) mit effektvoll gebürsteten Kappen werden von einem DreiwegePickup-Schalter angewählt und mit generellen Volume- und Tone-Reglern kontrolliert. Clou der Schaltung ist der in den Tone-Regler (Push/Pull) integrierte Dry Switch, welcher gezogen den übertragenen Bassbereich um 1000 Herz herum absenkt. Weiter unten mehr dazu. Griffige und flach gehaltene Poti-knöpfe komplettieren das Bild auch optisch stimmig. Das Pickguard aus gebürstetem Kupfer setzt am Ende noch einen kecken Akzent oben auf die rundum gelungene Optik und harmoniert bestens mit der mattschwarzen Decke und den satinierten Oberflächen der Hardware. Der Verarbeitungsstatus dieses Topmodells der Revstar-Serie ist nicht weniger als japanische Spitzenklasse.

Praxis

Die RSP20CR ist mit 3,9 kg nicht gerade ein Federgewicht, fühlt sich aber ansonsten richtig gut an und spielt sich leicht und lässig. Das „medium“ genannte Halsprofil mit 14″ Griffbrettradius wird seinem Namen gerecht und bietet komfortablen Zugang bis in die hohen Lagen hinein. Zu prüfen für die eigene Hand ist lediglich die ganz ordentliche Halsbreite im höheren Lagenbereich, aber da geht es ja um individuelle Vorlieben und dieses Profil entspricht grundsätzlich professionellen Bedingungen. Die niedrig, aber nebengeräuscharm eingerichtete Saitenlage und blitzblank polierte Jumbobünde komplettieren das stimmige Bild.

Der erste akustische Klangeindruck ist von hoher Präsenz und schneller Ansprache geprägt, von einer Tonauflösung in Transparenz und mit viel kernigem Draht. Gehen wir in den Amp, so erweisen sich die YGD-Humbucker als höchst kompetente und ausgeglichene Klangwandler. Mit maßvollem Output transformieren sie das präsente und wohlproportionierte akustische Tonbild in harmonisch gerundete elektrische Sounds. Akkorde bleiben über den Humbucker am Hals gespielt lobenswert durchsichtig, vermitteln ein zwar volltönendes, aber keineswegs vom Bassvolumen dominiertes Bild. Die Basssaiten zeigen beste Separation und gehen mit den gut dosierten Mitten eine organische Verbindung ein, dem sich die vitalen Höhen zwanglos beigesellen. Ergebnis ist ein sehr natürliches Klangbild, das sich dann auch in den Zerrpositionen mit straffer und durchsetzungsstarker Darstellung behaupten kann. Sehr dynamisch lassen sich Linien kreieren, einzelne Noten nehmen unter dem differenziert geführten Plektrum facettenreiche Gestalt an.

Dank der bemerkenswerten Anschlagspräzision sind generell, vor allem aber auch in den hohen Lagen, sehr schön plastische Bilder zu erzielen. Der maßvoll schmatzende Ton transportiert tendenziell Vintage-Farben, übersetzt sie aber zugleich in die Moderne. Der Kontrahent in der Stegposition ist vom genetisch identischen Stamm, was Output und Tonfarbe angeht. Positionsbedingt engt sich das Tonbild vom Volumen her wohl deutlich ein, fällt aber dynamisch nicht ab. Die nun deutlich zugespitzte Tonformung eröffnet uns mit immer noch offener Darstellung alle Möglichkeiten pointierter Rhythmusarbeit in der Abteilung Clean. Beeindruckend plastisch und federnd setzt dies der Humbucker dann im Overdrive um.

Knackig, perkussiv und druckvoll wirft der Powerchords heraus, zeigt einen schönen Quack bei kraftvoll eingesetztem Pick, wie sich überhaupt Solospiel mit bester Dynamik kraftvoll umsetzen lässt. Zu loben gilt es auch die souveräne Farbgebung mit kraftvollen Obertönen, die aber stets ausgesprochen natürlich erscheinen. Sehr schön, ja absolut effektiv, ist der per Dry Switch (Push/Pull im Tone-Regler) aufzurufende, leicht abgespeckte DrySound. Die damit ins Werk gesetzte maß- volle Bassabsenkung gibt uns in allen Schaltpositionen schlankere Klangbilder an die Hand, welche aber alles andere sind, als Magermilch. Also keine spirrigen Hilfs-Sounds, die angeblich im Studio immer so gefragt sein sollen, sondern vitale, vor allem farblich differierende Klangalternativen mit vollem Gebrauchspotential.

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YGD Alnico Humbucker und generelle Regler mit Dry Switch (Push/Pull) (Bild: Dieter+Marlon Stork)

Alles wird damit crisper, kehliger, kerniger, bleibt aber klangfarblich gesund und präsent. Mit einem Handgriff erreichen wir also eine zweite Klangebene. Die ist nicht so sehr auf plakative Wirkung getrimmt, aber gerade darum von hohem Praxiswert. Hilfreich in diesem Sinne ist übrigens auch der kurze Regelweg des Tone-Potis, was uns effektvolle Farbeinblendungen ermöglicht.

Resümee

Das Spitzenmodell RSP20CR der nagelneuen Revstar-Serie aus dem Hause Yamaha ist ein perfekt gestaltetes und detailgenau gefertigtes Instrument, das neben grundsätzlich profunder Klangausstattung, umgesetzt von starken YGD-Custom-Shop-Humbuckern, mit der Dry-Switch-Schaltung eine praxisgerecht angelegte zweite Klangebene zur Verfügung stellt. Stark sind die Pickups in Sachen Klangwandlung, nicht so sehr vom Output her. Gerade diese unaufgeregt tiefgreifenden Tonfarben und das ausgeglichene Verhältnis der Tonabnehmer zueinander geben der individuellen musikalischen Gestaltung viel Raum, vermitteln ein Gefühl von Authentizität, hoher Klasse und guter Beweglichkeit, denn auch in der Schaltebene Dry bleibt diese Klangsouveränität erhalten. Top-Styling, Sounds von Format und beste Handhabung: Tolle Gitarre, zum Selbstversuch empfohlen!

 

Plus

  • Design • Schwingverhalten/ Sustain
  • YGD-Pickups
  • Sounds
  • Schaltung, Dry Switch
  • Hals/Handhabung
  • perfekte Verarbeitung

 

Yamaha RSP20CR_profil

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