Eineiige Zwillinge

XVive U2 Wireless Guitar System im Test

Mit der Schrumpfung elektronischer Schaltungen können Geräte durchaus mikroskopische Ausmaße annehmen, wie es der chinesische Hersteller XVive Audio mit seinem neuen U2 Wireless System für Gitarren und Bässe zeigt.

FOTO: Dieter Stork

Hinsichtlich der Größe von Sendern haben sich inzwischen ja schon einige Anbieter unterbieten können, wobei Samsons Airline und AKGs Guitarbug – beides ältere analoge UHF-Sender – bislang zwar immer noch den Rekord halten und auch ähnlich konzipiert wurden, dafür jedoch nur eingeschränkt mit Instrumenten kompatibel sind. Ganz anders ist das beim XVive, das sowohl sender- als auch empfängerseitig in jede Klinkenbuchse passt, die nicht bei drei auf den Bäumen ist.

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Interessantes Design

Das XVive U2 besteht aus zwei identischen tropfenförmigen Kunststoffgehäusen, an denen man vergoldete Klinkenstecker montiert hat. Geschmeidig lassen sich diese um 280° schwenken, während eine gewisse Schwergängigkeit verhindert, dass die Gehäuse an Gitarre oder Bass bzw. Effekt oder Amp herumwackeln. Sehr gut. Ob sie bei regelmäßiger Benutzung ihre Straffheit dauerhaft behalten, kann nur ein Langzeitpraxistest zeigen. Der erste Eindruck ist jedoch vielversprechend. Auch die Stabilität der federleichten Kunststoffgehäuse ist schwer einzuschätzen, versehentlich darauf treten sollte man jedoch tunlichst nicht.

Allerdings haben die eingeschalteten Geräte mehrere Stürze aus 2 Metern Höhe auf Steinboden und Würfe quer durch mein Testlabor schadlos überstanden. Um die Oberfläche des Instrumentes zu schützen, hat man in die Unterseiten der Gehäuse ein 1-€-Cent-Stück-großes Gummi-Pad eingelassen, das jedoch nur bei den wenigsten Instrumenten korrekt platziert und somit von Nutzen ist. Praktischer wäre es gewesen, die komplette Rückseite des Sendergehäuses zu gummieren, wenngleich der Kunststoff keine Lackschäden verursachen dürfte. Jeweils ein Schalter, ein Taster, eine blaue und eine rote LED versprechen echtes Plug&Play. Der Schalter nimmt Sender bzw. Empfänger in Betrieb, der Taster übernimmt die Wahl der vier zur Verfügung stehenden Kanäle. Somit lassen sich vier U2s simultan betreiben. Während die blaue LED Auskunft über den aktiven Kanal gibt bzw. beim Empfänger auch die bestehende Funkstrecke meldet, signalisiert die rote den Ladezustand des Akkus, leuchtet jedoch während des Betriebs dauerhaft. Als klares Manko erweist sich, dass der fest installierte Akku nicht austauschbar ist, da sich trotz Entfernen dreier Schrauben die Gehäuse nicht öffnen lassen. Immerhin bescheinigt man Lithium-Ionen-Akkus im Allgemeinen eine extrem lange Lebensdauer ohne Memory-Effekte. Auf einen Cable Sound Simulator, der die Klangbeeinflussung durch unterschiedliche Kabellängen simulieren soll, hat XVive verzichtet – angesichts des Preises durchaus verschmerzbar. Der Hersteller weist ausdrücklich darauf hin, dass das U2 nicht für Instrumente mit aktiven und damit extrem leistungsstarken Pickups geeignet ist. Bei meinen heißesten passiven Tonabnehmern gab es jedenfalls keinerlei Anpassungsprobleme.

Plug & Play

Mithilfe des beiliegenden Y-USB-Kabels lassen sich die Akkus von Sender und Empfänger gleichzeitig laden. Dazu und für etwaige Firmware Updates stehen USB- Micro-B-Buchsen zur Verfügung. Ein entsprechendes 5-Volt-USB-Netzteil liefert XVive leider nicht mit, dürfte jedoch inzwischen mehrfach in jedem Haushalt zu finden sein. Während des Ladens leuchtet die rote LED konstant und erlischt, sobald der Akku voll ist. Leider gibt das englische Mini-Manual keinerlei Auskunft über die Dauer von Ladezyklen.

FOTO: Dieter Stork
USB-Anschluss

Während des Tests ergab sich jedoch eine Dauer von knapp 1,5 Std. für die Aufladung der zuvor komplett entleerten Akkus. Die Wahl der Übertragungskanäle muss an beiden Komponenten vorgenommen werden. Um diese Funktion aufzurufen, betätigt man den Channel-Taster zwei Mal kurz. Durch 1- bis 4-maliges Drücken wählt man einen der vier Kanäle, was durch 1- bis 4-maliges Aufleuchten der blauen LED bestätigt wird (z. B. drei Mal blinken = Kanal 3). Das war‘s. Eine separate Mute-Schaltung gibt es beim U2-Sender nicht, da dessen Power-Schalter ihn stets komplett ausschaltet, und zwar völlig störgeräuschfrei.

Kommen wir zum Punkt: Im direkten Vergleich mit einem hochwertigen 6m-Klinkenkabel überträgt das XVive Wireless nicht nur erstaunlich nebengeräuscharm, klar und klangneutral, sondern liefert auch ein für Digitalsysteme überraschend stabiles Signal, dem erst im übernächsten Raum (durch zwei Mauern hindurch) erste Dropouts widerfahren. Lediglich bei Vintage Singlecoils und stark verzerrten Sounds ist in Spielpausen minimales Pfeifen oder hohes Summen festzustellen, welches jedoch durch das Audiosignal überlagert wird. Somit kann dies ebenso vernachlässigt werden wie die wandlerbedingte Latenz von maximal 6 Millisekunden. Die ausgezeichnete Dynamik des U2 überträgt feinste Spielnuancen und unterstützt sogar die Arbeit mit den Volume- Reglern des Instruments. Dank seines umfangreichen Frequenzgangs von 20 Hz bis 20 kHz eignet sich das System auch für 5- und 6-saitige Bässe. Die aufgrund des kleinen Akkus vom Hersteller angegebene Sender- und Empfängerbetriebsdauer von jeweils ca. fünf Stunden ist zwar alles andere als rekordverdächtig, dürfte jedoch für einen Gig inklusive Soundcheck ausreichen.

Es gibt jedoch auch Einschränkungen zu melden: Da der XVive-Sender offenbar nicht abgeschirmt ist, stellt sich bei Instrumenten mit aktiver Elektronik mitunter ein summendes Störgeräusch ein (ca. 660 Hz = Oktave der E1- Saite). Allerdings nur dann, wenn die Elektronik in der Nähe der Klinkenausgangsbuchse angeordnet ist. So bereiten weder aktive EMGPickups, deren Preamps ja in den Pickups selbst hausen, noch Akustik-Gitarren bzw. – Bässe Probleme, bei denen die Preamp- und Regeleinheit in der Korpuszarge montiert ist und damit ausreichend Abstand zur Klinkenbuchse und zum angeschlossenen XVive-Sender besitzt. Daher sind lediglich Instrumente „gefährdet“, deren Klinkenbuchse und Preamp eine Einheit bilden und (!) Letzterer kein abschirmendes Metallgehäuse besitzt. Zwar kann das Störgeräusch durch Drehen oder entsprechendes Ausrichten des Senders in der Klinkenbuchse minimiert werden, ganz eliminieren lässt es sich jedoch nicht. Bevor man sich also zum Kauf des XVive U2 entscheidet, empfehle ich, die genannten Punkte zu überprüfen. Nachdem mir während des Tests dieser mehr oder weniger gravierende Mangel aufgefallen war, habe ich das U2 mit unterschiedlichsten aktiven und passiven A- und E-Gitarren und Bässen benutzt. Dabei stellte sich heraus, dass ausschließlich akustische Instrumente mit ungeschirmten Klinkenbuchsen- Preamps betroffen sind.

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Resümee

Mit dem XVive U2 präsentiert der chinesische Hersteller ein ultra-kompaktes, klangneutral, nebengeräuscharm und sehr dynamisch übertragendes Wireless- System, welches zudem mit einem für digitale Systeme erstaunlich stabilen Funksignal punktet. Da sich mit Ausnahme der kleinen Schriftzüge „Transmitter“ und „Receiver“ die beiden Komponenten wie ein Ei dem anderen gleichen, wären farbliche Markierungen vorteilhaft. Schade ist, dass sich der Akku nicht austauschen lässt, und dass bei in Sendernähe montierten Acoustic-Preamps Störgeräusche entstehen können. Allerdings betrifft dies ausschließlich nicht abgeschirmte Klinkenbuchsen-Preamps mit Kunststoffgehäusen. Laut Hersteller arbeitet man mit Hochdruck an der Beseitigung des Problems. Ungeachtet dessen macht das sehr gute Verhältnis von Preis und Leistung das XVive U2 überaus attraktiv.

Plus

  • Übertragungsqualität
  • Dynamik
  • nebengeräuscharm
  • passt in alle Gitarren und Bässe bzw. Effekte und Amps
  • Bedienung
  • Preis/Leistung

Minus

  • Akku nicht austauschbar
  • Störgeräusche des Senders (ausschließlich bei nicht abgeschirmten Klinkenbuchsen-Preamps)

Aus Gitarre & Bass 03/2017

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