Punktlandung!

Vollbedienungs-Fuzz: Kernom Moho Fuzz im Test

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Das Moho bietet einen Expressionpedal-Eingang und MIDI-Schnittstellen (Bild: Kernom)

KLANG

Das Klanguniversum von Fuzz-Pedalen fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Tatsächlich lässt sich „Fuzz“ eigentlich gar nicht klar charakterisieren, weil er so unterschiedliche Schattierungen aufweist. Es reicht von Muff-artigem Crunch über triefend fette Sounds mit Vintage-Patina bis hin zu völligem Zerrchaos, das durch Oktaveffekte oder Ringmodulation nochmals überprägt wird. Abhängig vom Zusammenspiel der Gain-Intensität und der beiden Klangregelungen gelangt man zu variablen dichten Verzerrungen und Gated-Sounds und sogar in Bereiche, die nicht mehr vollständig kontrollierbar sind, weil die Schaltung selbst zu oszillieren beginnt. In aller Regel tönt es dabei nicht „natürlich“ oder gar nach einem realen Verstärker, sondern eher intensiv, ungewöhnlich und „anders“. Genau das macht diese Effektkategorie aus! Und selbst wenn ich einräume, dass der wenig straffe Fuzz-Grundton eher nicht meine Präferenz trifft, so gehört wenigstens ein Pedal dieser Sparte in jede Sammlung!

Die meisten Fuzz-Pedale weisen ganz spezifische Stärken auf. Darunter finden sich jede Menge Spezialisten, die sich auf Klassiker beziehen oder eigene Ansätze verfolgen. Daneben gibt es Universalisten mit größerem Klangspektrum. In allen Fällen sind die Regler dabei exakt in Position zu bringen.

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Das Moho ist ein klarer Universalist mit herrlich flexiblem, umfassend formbarem Klangcharakter, der durch seine Speicher- und Steuerbarkeit auf dem Pedalboard eben nicht nur auf einen Sound festgelegt ist. Ich kenne kein Fuzz, das diese Funktionen in einem analogen Pedal vereint.

Das Klangspektrum reicht von leicht geboosteten Klängen über kräftige, satte Verzerrungen, die sich flexibel im Bass- und Höhenanteil kontrollieren lassen, bis hin zu gestört kaputten Signalen. Dank Mood-Regler hat man innerhalb dieses Bereichs eine breite Palette von Klängen. Durch die ergänzend zumischbaren Sub- oder Oberoktaven lassen sich etliche abgefahrene Klangfarben finden und zudem charakteristische Sounds nachbilden, die man beispielsweise von Jimi Hendrix kennt. Noch abgedrehter wird es mit dem regelbaren Ringmodulator, der Nutzsignal und Hilfsoszillator miteinander multipliziert und so in eine eigenständige disharmonische Richtung führt.

Zusammenfassend ist das Klangspektrum sensationell vielfältig. Ich stelle die These auf, dass man dank der zahlreichen Regler zu etlichen stimmigen Ergebnissen gelangen wird und damit tatsächlich mehrere andere Fuzz-Pedale ersetzen kann. Was mich stört? Bei extremen Klängen hätte ich mir eine regelbare Mischung mit dem Originalsignal vorstellen können – so könnte man auch den Anteil der Ringmodulation per Expression-Pedal dazumischen.

RESÜMEE

Punktlandung! Es dürfte kaum ein flexibleres Fuzz-Pedal als das Kernom Moho derzeit auf dem Markt geben. Dazu ist auch die Klangqualität großartig. Das Moho avanciert somit direkt zu meinem Fuzz-Favoriten. Der Preis von etwa 350 Euro ist sicherlich kein Schnäppchen, man sollte aber bedenken, dass man dafür ein analoges Pedal mit Speicherplätzen erhält, das gleich mehrere andere Fuzz-Pedale ersetzen kann. Und da man ohnehin nie genug Zerrer besitzen kann, darf man sich das Moho auf jeden Fall auf die persönliche Wunschliste setzen!

PLUS

  • sehr flexibles Fuzz-Pedal
  • Speicherplätze
  • Octave Up/Down, Ringmodulator integriert
  • steuerbar über Expression-Pedal

MINUS

  • Bypass-Status nicht speicherbar


(erschienen in Gitarre & Bass 04/2024)

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