Produkt: Fender Stratocaster
Fender Stratocaster
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Babelfisch

Test: ZEAL Hydra Custom

(Bild: Dieter Stork)

Hydra, das vielköpfige Ungeheuer aus der griechischen Mythologie, steht für eine kaum zu beherrschende, eskalierende Situation. Schlägt man ihm einen Kopf ab, wachsen sofort zwei Köpfe nach. Bei der Hydra Custom sind damit wohl eher die vielen Zungen gemeint, in denen dieses besondere Instrument zu sprechen vermag.

Bastian Kanbach baut Gitarren und Bässe in Kaiserslautern. Zwei Jahre lang arbeitete der gelernte Zupfinstrumentenmacher nach seiner Ausbildung bei Siggi Braun in der Custom-Fertigung, absolvierte dann aber auch noch ein Studium der Innenarchitektur, das er 2014 als „Master of Arts“ abschloss. Heute fertigt er auf der Grundlage eigener Designs bis zu 15 individuell angepasste Instrumente im Jahr in Kundenauftrag, steht aber auch für Reparaturen und Restaurationen aller Art zur Verfügung.

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Diese Gitarre fällt insofern aus dem Rahmen, als sie durch einige spezielle Anforderungen selbst einem erfahrenen Gitarrenbauer wie Bastian Kranbach bei der Realisierung den Schweiß auf die Stirn trieb. Das Basis-Design Hydra erfuhr Erweiterungen, die uns an dieser Stelle als Beispiel für die vielfältigen Möglichkeiten des Custom-Gitarrenbaus dienen sollen. Ein Gitarrenbau, der in kunstvoller Einzelfertigung individuellen Ansprüchen gerecht werden will und auch abgefahrene Kundenwünsche erfüllt.

Das Bauprinzip der Hydra fußt auf einem ergonomisch elegant gestalteten Korpus mit lang vorgezogenem oberen Horn, tief geschnittenem Cutaway unten und insgesamt weicher Linienführung, komplettiert durch einen aufgeschraubten Hals. Bei der vorliegenden Custom-Ausführung kam einteiliges Khaya-Mahagoni zum Einsatz, dem eine Decke aus perfekt „bookmatched“ gefügtem Quilted Maple (Wölkchenahorn) in der Farbgebung „Suzuka Grau“ optische Delikatesse verleiht.

Halsbefestigung mit Maschinenschrauben aus Edelstahl (Bild: Dieter Stork)

Ein einteiliger Hals von rundlichem C-Profil aus ebenfalls Quilted Maple ist mit Maschinenschrauben aus Edelstahl über M6-Gewinde in den in diesem Bereich elegant abgerundeten Korpus geschraubt. Gewindemuffen aus Messing gewährleisten einen hohen Anpressdruck. Auch reicht der Halsfuß weit in den Korpus hinein. Die große Kontaktfläche sorgt in Verbindung mit der soliden Verschraubung für eine perfekte Schwingungsübertragung.

Im Griffbrett aus Wölkchenahorn finden wir 22 mit der Mixed-Fretting-Methode eingesetzte und sauber verarbeitete Edelstahlbünde. Bis zum 15. Bund handelt es sich um Jumbos, darüber hinaus erleichtern etwas schmalere Bundstäbchen die Fingerpositionierung. Hübsche Einlagen mit Abalone-Auge wurden auf Kundenwunsch hin an die untere Griffbrettseite platziert. Hübsch anzuschauen, aber wenig hilfreich bei der Griffbrettnavigation, es sei denn, man spielt das Instrument auf Knien in Lap-Steel-Manier.

In den hohen Lagen sind die Bünde schmaler. (Bild: Dieter Stork)

Die Halsrückseite ist gewachst/geölt, das Griffbrett satiniert versiegelt. Auf den eingelegten Halsstab gewährt eine Rädelmutter am Griffbrettende direkten Zugriff. Die pointiert gestaltete und über eine Volute in leichtem Winkel herausgeführte Kopflatte wurde mit Locking-Mechaniken von Schaller ausgestattet, die in ungewöhnlicher 2+4-Anordnung positioniert sind. Die Saiten schwingen mit 635-Millimeter-Mensur (wie PRS) zwischen einer Locking Nut und dem Locking-Vibrato von GraphTech.

Elektrik: Seymour Duncan Distortion SH-6 High Output Humbucker mit keramischem Magnet am Steg und SHR-1 Hotrail High Output Humbucker im Singlecoil-Format mit keramischem Magnet am Hals, kombiniert mit einem Sustainer in der Halsposition und dem vorgenannten Locking Vibrato von GraphTech mitsamt Piezo-Saitenreitern und angeschlossenem Ghost-Preamp.

Schalttechnische Vielfalt (Bild: Dieter Stork)

Die Humbucker lassen sich mit einem 5-Wege-Switch anwählen; das Volume-Poti ist zugleich als Killswitch ausgelegt. Das Signal der Humbucker wird über die untere der beiden Buchsen ausgegeben, die obere ist dem Akustik-Sound vorbehalten. Das mittlere Poti (Push/Push) kontrolliert den Piezo-Sound, gedrückt ist der Ghost-Preamp aktiviert. Der hintere Regler ist für die Schaltung des Sustainiac zuständig (Push/Push) und regelt dessen Intensität.

Der vordere Mini-Switch schaltet den Akustik-Sound allein (pure), oder zusammen mit den magnetischen Tonabnehmern (mixed). Der hintere Mini-Switch schaltet die Betriebs-Modi „basic“, „mixed“ oder „harmonic“. Der Sustainer lässt sich auch zusammen mit dem Akustik-Preamp verwenden. Zwei in Clip-Fächern am Boden hinten untergebrachte 9V-Batterien versorgen den aktiven Teil der Elektrik mit Strom. Alles bei dieser Gitarre ist minutiös auf den Punkt gezogen, hier lobt das Handwerk seinen Meister!

HAPTISCHE ELEGANZ -ELEKTRISCHE BEWEGLICHKEIT

Das stimmig konstruierte ZEAL-Hydra-Custom-Modell erweist sich auf Anhieb als beeindruckend handliches Instrument, das dank seiner weichen Korpusverrundungen sofort mit bester Ausrichtung und perfekten Spieleigenschaften antritt. Die sind natürlich auch dem sehr griffig profilierten und samtig versiegelten Hals mit seiner kantenglatten Top-Bundierung zu verdanken. Bei tief eingestellter Saitenlage gleiten die Finger widerstandslos hinauf bis zum letzten Bund, Bendings laufen wie auf Schienen.

Akustisch angespielt kommen sauber aufgelöste Akkorde mit gut separierten Stimmen ans Ohr. Transparenz und die typisch feste, trockene Artikulation eines Ahornhalses beherrschen die Tongestalt. Auch in Sachen Ansprache und Sustain finden wir beste Bedingungen für die elektrische Tonübertragung und die ist ja in dieser Hydra-Custom-Version von ungewöhnlich großer Vielfalt. Die verbaute Elektrik schielt dabei keineswegs zu den Altvorderen, sondern will Schläge im Hier und Jetzt austeilen. Schmackes ist also Thema, auch wenn wir durchaus noch andere Möglichkeiten der illustren Klanggestaltung an Bord haben.

Hören wir uns zunächst einmal an, was die High-Output-Pickups von Seymour Duncan in dieser Gitarre zu leisten vermögen: der schmale SHR-1-Hotrail-Humbucker am Hals ist das Kraftvollste, was Duncan in diesem Format zu bieten hat und daran lässt er auch von Anfang an keine Zweifel aufkommen.

Keinesfalls eng oder begrenzt tönt es schon in der Abteilung Cleansound. Akkorde werden mit guter Breite und transparenter Durchzeichnung herausgestellt. Im Overdrive beweist er sich in dieser Gitarre dann mit vokaler Stärke, zeigt auch einen gewissen Growl bei Bad-Ass-Powerchords und singt Leads kraftvoll aus der Mitte heraus. Das kundig geführte Plektrum lässt zudem eine dynamisch variable Tonformung mit viel Obertonpräsenz zu.

Der SH-6-Distortion-Humbucker am Steg wird seinem Namen mit massiver Tonwandlung gerecht. Er stellt die Bässe mit Tiefgang und doch stramm konturiert heraus, trifft seine konzentrierte Aussage aber vor allem im oberen Mittenbereich, der enorm druckvoll und obertonreich aufbricht. Aber auch das Höhenspektrum kann sich wirklich sehen lassen. Obwohl nicht die erklärte Kernkompetenz, sorgt die keramische Magnet-Power selbst in klaren Verstärkerpositionen für sauber aufgelöste Mehrklänge mit immer noch achtbarem Höhenglanz und ohne Mittenmuff. Vor allem sorgt er dann aber natürlich in Zerrpositionen für die erwartete Herrlichkeit mit straffem, drückendem Ton. Ein Ton der von saftigen Obertönen gehoben wird und nur so vor Energie platzt.

Wer rhythmisches Spiel mag, wird im High-Gain-Modus den besonders perkussiven Aufriss lieben, mit dem sich die nun giftig aggressiven Sounds aufrufen lassen und das Sustain will auch schon ohne Schwingungsanregung durch den Sustainiac einfach nicht nachlassen – alle Achtung!

Nicht zu unterschätzen sind nun auch noch die im Fünf-Weg-Schalter angelegten weiteren Schaltoptionen. Die Mittelposition schaltet die jeweils inneren Spulen der Pickups zusammen, was einen crispen, leicht hohlen Sound ergibt, die Positionen 2 und 4 lassen lediglich die jeweils inneren Spulen des Hals- und des Steg-Humbuckers hören, aber auch die geteilten Humbucker geben uns durchaus vitale, unterschiedlich gefärbte Singlecoil-Sounds an die Hand, von denen der Split-Sound des Steg-Pickups mit prachtvoll kehligem Biss hervorsticht.

Seymour Duncan SHR-1 und SH-6 plus Sustainiac und Piezo Bridge-Abnahme (Bild: Dieter Stork)

Erstaunlich authentisch kommt auch die piezokeramische Tonumsetzung über die GraphTech-Vibrato-Bridge zum Zuge. Es klingt gar nicht mal so viel anders als das bei einer akustischen Gitarre der Fall ist. Die systemtypischen Härten lassen sich dann auch noch durch das Zumischen der Humbucker-Spulen relativieren – da ist auf jeden Fall einiges zu holen. Da die Signale getrennt herausgeführt werden, kann man sie natürlich auch individuell bearbeiten.

Die gewünschte Relevanz des Sustainiac am Hals vorn beschreibt der Auftraggeber der Gitarre folgendermaßen: „Der Sustainiac kann zwar auch als Tonabnehmer betrieben werden, diese Funktion habe ich jedoch ausdrücklich nicht gewünscht, da ich andere Sustainer-Gitarren habe und den Sound dieser ‚Tonabnehmer‘ regelmäßig als etwas steril und drucklos empfinde, weswegen ich in der Halsposition eben auch einen ‚richtigen‘ Pickup wollte, und der Hotrail macht da wirklich eine großartige Figur. Der Sustainer kommt also ausschließlich als Driver in Kombination mit dem SH-6 am Steg zum Einsatz (zusammen mit dem Halstonabnehmer funktioniert es aufgrund der magnetischen Einstreuungen des Sustainers nicht). Der Sustainer lässt sich auch zusammen mit dem Akustik-Preamp verwenden: Piezo-Miniswitch auf pure, Sustainer an … sehr interessante Sounds sind da möglich, bis hin zu Sitar-Klängen, wenn man den Sustainer-Switch auf ‚mixed‘ stellt.“ Dieser Beschreibung ist wenig hinzuzufügen.

Ah, da ist ja dann auch noch das GraphTech-Locking-Vibrato, das als Tonverbieger dem Floyd-Rose-System nicht nur optisch ähnelt, sondern frei aufgehängt bei stimmstabiler Funktion auch einen vergleichbar großen Modulationsspielraum anbietet.

Natürlich bleiben da jetzt am Ende des Tages noch einige Optionen hinsichtlich der umfangreichen Funktionsweisen dieser Gitarre unerforscht, deren Sinnhaftigkeit sich wohl auch erst nach und nach im praktischen Umfeld erschließen lässt, aber eines ist klar: allen Ansprüchen des Auftraggebers wurde Genüge getan und der ist hochglücklich mit seinem Instrument. Fragen wie „Sind die Potis richtig positioniert?“ „Ist die Kopfplatte mit 2+4-Mechaniken die optimale?“ „Braucht es einen Sustainer?“ „Machen Bundmarkierungen an der Griffbrettunterseite Sinn?“ können wir uns demgemäß sparen, denn all das entspricht dem Kundenwunsch.

 

RESÜMEE

Mit dem Hydra-Custom-Modell zeigt ZEAL, was so alles möglich ist im individuellen Gitarrenbau. Das gesetzte Basis-Design der Hydra wurde auf Kundenwunsch vor allem mit umfassender elektrischer Tonwandlungskompetenz ausgestattet, die von piezo-keramischem Akustik-Klang bis hin zu amtlicher Metal-Power ein Füllhorn an Darstellungsmöglichkeiten bereitstellt. Die klangfarbliche Breite ist damit schlagend, sollte aber nicht die Hauptfunktion dieser Gitarre als rundum bestens handhabbare, gradlinige Rockgitarre verdecken.

Aller Diversifizierung zum Trotz steht hinter all dem nämlich vor allem immer noch ein ausgesprochen stark agierendes Instrument mit fokussiertem Ton für alle modernen Spielweisen. Ob man diese opulente klangliche Differenzierung wirklich braucht, war hier nicht die Frage. Zu loben ist aber die Gelegenheit. Heimische Gitarrenbauer wie Bastian Kanbach sind zweifelsfrei in der Lage, auch anspruchsvolle Träume wahr werden zu lassen. Und genau diese Tatsache wollen wir gebührend feiern: Cheers!

PLUS

● stimmiges Design, „all in“-Ausstattung
● Schwingverhalten
● „over the top“-Elektronic
● Seymour Duncan Pickups
● Sound-Optionen
● Schaltflexibilität
● Hals, Mixed Fretting Edelstahl-Bundierung
● Ergonomie, Spieleigenschaften
● Verarbeitung

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2021)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Und schon wieder eine enorm hochpreisige Gitarre in der Preisriege von 2.700,- bis 4.800,-€uro.Optisch fällt diese,als „Hydra“ bezeichnete Elektrogitarre aufgrund ihrer doch sehr schlichten „Erscheinung“ überhaupt nicht auf! Wäre sie öffentlich vor Ort zum Verkauf ausgestellt,würde man doch glatt an ihr vorbei laufen,so unscheinbar gefertigt,nimmt man diese besagte ZEAL-Custom Gitarre so rein gar nicht wahr! Hier fehlt eindeutig das „Highlight“.
    Eine Elektrische,die sich namentlich als „Hydra Custom“ betitelt,sollte m.E. optisch sofort als so genannter „Eye-Catcher“ ins Auge springen.
    Das ist hier aber absolut nicht der Fall.Zutreffender wäre die Bezeichnung „Camouflage“.Aber,gut getarnte Gitarren gibt es ja längst bei Serienmodellen, und dies viel günstiger.

    Auch wenn sie mit besten Zutaten bestückt wurde,und obendrein aus sehr edlen Hölzern gebaut wurde,frage ich mich doch leider immer wieder,warum ausgerechnet etliche regionale Gitarrenbauer stets so unauffällig aussehende Instrumente fertigen? Viele deutsche Gitarrenbauer arbeiten vermutlich in einem Umfeld,das nicht unbedingt als farbenfroh inspirierend bezeichnet werden kann.

    Schön,daß es da ganz andere ausländische Custom Gitarren Manufakturen gibt,die verstehen,wofür ein optisches „Highlight“ in der Gitarrenwelt steht.

    Bei ZEAL scheint das aber bisher noch nicht angekommen zu sein.
    Ich bin zutiefst gelangweilt.

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    1. Warum muss alles immer gleich auffällig sein? Derjenige, der die Gitarre in Auftrag gegeben hat, wusste was er wollte. Manche mögen lieber Understatement und überzeugen durch Können. Blender gibt es mehr als genug

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    2. Hallo Highlight, als Auftraggeber der Klampfe kann ich Dir schreiben, dass sie – leider – auf Fotos nicht halb so beeindruckend wirkt wie in Natura… Jeder, der sie bislang live gesehen hat, war schlichtweg baff, um nicht zu schreiben: überwältigt. Das liegt unter anderem am verwendeten Farbton, ein Perleffekt-Lack von Audi, der je nach Lichteinfall zwischen Perlmutt, Hellgrau und Türkis changiert und zusammen mit der “goldenen” Hardware extrem edel und keineswegs unauffällig erscheint… Auf der Homepage von Zeal kannst Du Bilder sehen, die der Erbauer selbst gemacht hat, die lassen besser erahnen, wie die Gitarre – in’s rechte Licht gerückt – wirken kann… definitiv nicht langweilig oder bieder! … Und was den Preis angeht: für eine Custom-Paula von Gibson zahlt man mehr und hat letztendlich doch nur “eine von vielen”… 😉

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  2. Bitte weniger High End Rezensionen und mehr Tests für den normalen User. Wir sind nicht alles hoch dotierte Studioberufsmusiker. Stefan

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  3. Also ich finde die Gitarre sieht sehr schick aus. Richtig ist auf der anderen Seite sehr viele Gitarren wird der Bastian bei dem Preis nicht an den Mann bekommen. Derzeit wohl schon gar nicht, wo wir alle mit Berufsverbot belegt sind.
    Ich muss auch “Highligt” widersprechen, daß nun etwa alle deutschen Gitarrenbauer nur dezente oder gar “gut getarnte” Modelle bauen. Allein wenn ich da in meine Nachbarschaft nach Königsee schaue, Frank Hartung z.B., baut schon mehr als nur auffällige Kreationen.

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