Produkt: Gitarre & Bass Digital 01/2018
Gitarre & Bass Digital 01/2018
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Der dritte Amp

Test: Yamaha THR30II Wireless, THR10II Wireless & THR10II

(Bild: Dieter Stork)

Neben Stacks und Combos platziert Yamaha die THR-Serie als die „dritten Amps“ am Markt. Hier soll es nicht so sehr um die großen Bühnen oder die lauten Proben, sondern eher das Rundum-sorglos-Paket für zu Hause gehen. Und das wurde hier in der Neuauflage nochmals deutlich verbessert.

Schon die erste Generation der THR Amps erhielt sehr gute Kritiken und fand ihren Weg in so einige Wohnzimmer der Welt. Doch die Japaner waren fleißig und haben die ohnehin schon beliebten Amps noch weiter verbessert und die Einsatzmöglichkeiten erweitert.

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Zunächst fällt einem natürlich der Zusatz „Wireless“ im Namen von zwei der drei getesteten Amps auf. Und wenn Yamaha „Wireless“ sagt, dann meinen sie das auch so. Hier braucht man wirklich keinerlei Kabel mehr. Doch fangen wir erst mal mit Äußerlichkeiten an, bevor wir ins Detail gehen.

Äußere Werte

Bei einem Amp, der explizit im Wohnzimmer zu Hause sein möchte, spielt die Optik natürlich eine nicht zu unterschätzende Rolle. Hier geht Yamaha kein Risiko ein und nimmt ein geschmackvolles Update seiner bisherigen Serie vor. Der stilvolle Creme-Ton, der für das Äußere gewählt wurde, dürfte mit einem Großteil an Einrichtungsgegenständen wunderbar harmonieren.

Die meisten Eigenschaften teilen sich die drei Mitglieder der THR-Mark-II-Familie. Alle haben sie 10 Potis auf der Oberseite, um direkt die wichtigsten Einstellungen am Sound treffen zu können. Nachdem ein Amp-Modell gewählt ist, geht es weiter mit Gain, Master, Bass, Middle und Treble. Danach kann man an einem Poti den Effekt (Chorus, Flanger, Phaser, Tremolo) und, an einem weiteren, Reverb und Delay (Echo, Echo/Rev, Spring, Hall) wählen.

(Bild: Dieter Stork)

Zuletzt gibt es zwei getrennte Output-Regler für das Gitarrensignal und extern zugespielte Audio-Quellen. Für Letztere gibt es einen Aux-Eingang. Das Gitarrensignal kommt über eine Klinkenbuchse in den Amp und per Speaker wieder heraus. Hier gibt es dann auch schon Unterschiede zwischen den Modellen.

Der THR10II ist das einzige Familienmitglied, welches nicht Wireless ist. Hier ist also nach wie vor ein Klinkenkabel Pflicht. Bei den großen Brüdern darf sich jeder freuen, der einen Line6 G10 Transmitter besitzt. Mit diesem kann man den Amp wirklich ohne Kabel spielen, denn der THR30II Wireless und der THR10II Wireless haben entsprechende Empfänger direkt eingebaut.

Während sich die beiden 10er Modelle die Wattzahl (10 Watt) und die Lautsprechergröße (3,1″) teilen, tischt der 30er etwas größer auf. Hier darf man dank 30 Watt und zwei 3,5″-Lautsprechern etwas mehr Sound erwarten. Er ist auch der einzige der Amps, der auf der Rückseite neben dem USB-Anschluss noch zwei Line-Out-Buchsen hat, durch die man dann doch wieder live damit auftreten könnte (eine entsprechende P.A. vorausgesetzt).

Während alle Modelle fünf Speicherplätze für Presets bieten, kann man beim 30er direkt auf der Oberfläche zwischen „Modern“, „Boutique“ und „Classic“ umschalten. Man hat so 15 Gitarren-Amps, 3 Bass-Amps, 3 für Akustik und 3 neutrale Settings direkt im Zugriff. Bei den anderen Modellen gibt es diese Sounds auch, man kann sie aber nur per App abrufen. Und weil wir ja nun mit Bluetooth und G10-Empfänger schon zwei Gründe haben, den Amp nicht mehr verkabeln zu müssen, dachte sich Yamaha wohl, „Wieso nicht gleich weitermachen“, und stattete die beiden „Wireless“ Amps mit Akkus aus, sodass man nun auch auf das Stromkabel verzichten kann.

Der 30er ist ein wenig größer und etwas schwerer (4,3 kg, statt ca. 3 kg) als die Geschwister, das ist aber eigentlich nur im direkten Vergleich merkbar.

Remote App & Bluetooth

Die „THR Remote“ App verbindet sich einfach und unkompliziert per Bluetooth und eröffnet diverse weitere Bearbeitungsmöglichkeiten wie verschiedene Boxen, ein Noisegate und einen Compressor. Letztere lassen sich hier auch in jeweils zwei Parametern feintunen. Für den eingebauten Chorus hat man sogar fünf Parameter zur Verfügung, welche nun gesteuert werden können. Hat man seinen Sound gefunden, so lässt er sich auch in der App ganz einfach benennen und abspeichern. Sehr übersichtlich und optisch schön aufbereitet.

Prinzipiell kann man den THR über die Bluetooth-Verbindung auch als großen Bluetooth-Lautsprecher verwenden. Das hat bei mir im Test bei meinem Smartphone zunächst nicht geklappt, auf einem anderen Gerät dann aber ohne Probleme. Die Sounds der Amps kann man so natürlich schon gut einschätzen – zumindest was die Musikwiedergabe angeht. Der 30er tönt deutlich voluminöser und satter, als der 10er. Generell werden Sounds mit leichtem Mittenloch wiedergegeben, was viele ja mögen. Durch den Zweiteinsatz als Bluetooth-Box kann man den Kaufpreis auch gleich deutlich besser vermitteln. Und ja: Ich habe den Amp auch mal kurz in die Küche gestellt um einen Podcast zu hören. Schon praktisch, dass die Yamahas immer noch recht kompakt und leicht sind.

Bedienung und Sounds

Alle THR-Amps lassen sich wunderbar einfach bedienen. Egal ob über die schön aufbereitete App oder den Direktzugriff auf der Geräteoberseite: Man findet sich sofort zurecht und braucht nur wenige Momente, um seinen Wunsch-Sound einzustellen.

Und hier steht einem die volle Bandbreite zur Verfügung. Von völlig Clean bis zu brachialem Gain ist alles an Board. Die Einstellungen für Akustik, Bass und Flat runden das Ganze sinnvoll ab. Während Clean wirklich glasklare Sounds abliefert und sich wunderbar mit etwas Hall und Tremolo anreichern lässt, geht Crunch naturgemäß schon etwas härter zur Sache. Da man Gain, Mastervolume und Output getrennt voneinander regeln kann, ergeben sich viele mögliche Sounds. Tatsächlich wird das Klangbild etwas brüchiger und nachgiebiger, wenn man den Master weiter aufdreht. Durch zurücknehmen der Output-Lautstärke, bleibt man dabei ganz entspannt auf einem immer noch mietwohnungstauglichen Niveau.

Die Modulationseffekte, Halls und Delays klingen ziemlich gut und können durch die Stereo-Lautsprecher auch eine gewisse Räumlichkeit ausspielen. Das klingt für die Größe alles ziemlich gut.

Begeben wir uns in Gefilde mit mehr Gain, ist es erstaunlich, wie gut die kleinen Lautsprecher selbst Palm Mutes mitmachen. Bei normaler E-Stimmung gibt es hier noch überhaupt keine Probleme. Aber wofür hat man denn eine Gitarre mit Drop-A Stimmung zu Hause? Also schnell gewechselt und siehe da: Passt. Für Daheim zumindest ist der Sound wirklich gut. Klar, die Amps gehen nicht ganz so tief runter wie es die Gitarre hergibt, aber das klingt sehr vernünftig. Schaltet man auf das Bass-Modell um, so tönt es deutlich tiefer und voller aus den Boxen. Die Gitarren-Amps werden hier vermutlich (sinnvollerweise) einen Low-Cut verpasst bekommen haben.

Spätestens bei High-Gain drückt es dann doch ganz schön. Die Lautstärke reicht locker aus, um auch die Nachbarn (in Mehrparteienhäusern) in den Genuss anständiger Musik kommen zu lassen. Die Amps sind einfach super auf ihren Einsatzzweck abgestimmt. Auch schön ist, dass sich alle Amp-Modelle deutlich voneinander unterscheiden. Spätestens jetzt bin ich froh über die direkte Umschaltung zwischen Classic, Boutique und Modern am 30W Amp. Mir gefallen tendenziell die Modern-Sounds am besten, sodass ich beim 10er öfter die App bemühen müsste.

Auch das Akustik-Preset klingt wirklich gut, und hier dürfte die Lautstärke der Amps ja auch für kleinere Sessions reichen. Tatsächlich unterscheiden sich auch hier die drei verschiedenen Ampmodelle recht deutlich voneinander und treffen jeweils ihre eigene Nische.

Welchen kaufen? Alternativen?

Die erste Frage wäre: Möchte ich den Amp kabellos nutzen können? Also sowohl die Gitarre per G10 anschließen, als auch ohne Stromkabel spielen? Falls ja, bleiben nur noch die beiden Wireless Modelle.

Danach muss man sich natürlich fragen, was man vom Sound erwartet. Nehmen sie sich hier viel? Ehrlich gesagt nicht. Die beiden 10er klingen gleich, der 30er hat in allem leicht die Nase vorn, insbesondere, wenn die Sounds etwas tiefer gehen sollen. Das sind aber geringere Unterschiede, als ich sie erwartet habe und so spielt vielleicht eher eine Rolle, ob man die 30 W braucht oder nicht. Ich empfand beispielsweise die 9-Uhr-Stellung des Volume-Reglers bei allen Amps als sehr angenehm für zu Hause. Der 30er bietet dann noch die Line-Outs und die direkte Anwahl aller Amp-Modelle. Beides schon praktisch.

Der kleinste Amp kostet knapp € 320, mit Wireless € 419, und mit 30 W dann schließlich € 479. Möchte man ohnehin mit Kabel spielen und steht der Amp eigentlich immer an der gleichen Stelle, so kann man getrost den kleinsten nehmen. Wenn man schon wireless werden will, so lohnen sich die € 60 Aufpreis zum 30er in meinen Ohren.

Nun hat natürlich auch die Konkurrenz Wind vom Erfolg der Yamahas bekommen und war nicht untätig. Mit dem Boss Katana Air ist ein sehr vergleichbares Produkt auf dem Markt, welches für knapp € 390 ebenfalls komplett kabellos spielbar ist und sogar seinen eigenen Transmitter mitbringt. Auch die Abmessungen und die Bedienung sind nahezu identisch.

Kann man auf die kabellose Übertragung des Gitarrensignals verzichten, so steht mit dem Vox Adio Air GT ein weiterer Herausforderer im Ring. Auch hier finden wir ein sehr ähnliches Konzept, eine ähnliche Größe und Gewicht für rund € 250. Man sieht: Es gibt genug Konkurrenz und die persönliche Wahl hängt wohl insbesondere von den kleinen Unterschieden ab.

Resümee

Yamaha hat abgeliefert. Während die THR-Amps noch immer als Instanz im Home-Amp-Segment gelten, so waren sie unterdessen auch etwas in die Jahre gekommen. Die Japaner präsentieren hier ein rundum gelungenes Update, bei dem alle tollen Facetten der Originale beibehalten und um sinnvolle moderne Features erweitert wurden. Komplett unabhängig von Kabeln zu sein, ist super. Wenn der Amp dann auch noch ins Wohnzimmer passt ohne unangenehm aufzufallen, gut klingt, einem die Möglichkeit bietet, zu Musik, die man vom Smartphone zuspielt, zu jammen und alle Einstellungen bequem per Bluetooth zu verwalten und abzuspeichern, dann kann man sich wohl kaum mehr wünschen. Auch optisch und haptisch hat Yamaha alles richtig gemacht und die Amps wirken durchweg robust genug, um lange Jahre des härtesten Bedroom-Einsatzes durchzuhalten 😉 .

Alle drei Modelle sind sinnvoll bepreist und so sollte jeder seinen Liebling finden. Im Zweifelsfall kauft man einfach den 30er und ist glücklich.

PLUS

  • Sounds
  • Bedienung
  • App
  • Wireless Nutzung möglich (W-Modelle)
  • Style, Optik, Wohnraumkompatibilität

(erschienen in Gitarre & Bass 01/2020)

Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
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