Produkt: Jazz Amp
Jazz Amp
Realität oder Illusion?
Auf zu neuer Größe!

Test: Trace Elliot ELF 1×10 Combo

(Bild: Dieter Stork)

Mit dem ELF-Topteil hat Trace Elliot eine neue, eigene Klasse der ultra-leichten und ultra-kleinen Tops geschaffen. Auch die zugehörigen Kompaktboxen fanden großen Anklang. Warum das Ganze dann nicht gleich als Combo anbieten?

Die kleinen Elfen haben der altehrwürdigen Marke – die seit 2005 zu Peavey gehört, aber eigenständig weitergeführt wird – neues Leben eingehaucht.

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SO KLEIN!

Es ist so naheliegend wie genial, Top und Box direkt zu kombinieren. Mit einem Gewicht von unter zehn Kilo reicht der einzelne Ledergriff oben völlig aus für den Transport, eine gute Schutzhülle ist sogar gleich mit dabei. Das Finish mit schwarzem Strukturlack macht auch den Eindruck, robust gegen Kratzer zu sein. Der Combo steht stabil auf dicken Gummifüßen. Die Schallwand mit dem Zehnzöller liegt hinter einem stabilen Metallgitter und ist angeschrägt montiert, um ein wenig den Effekt eines Bodenmonitors zu erzielen. Im hinteren Teil findet sich neben der Bassreflexöffnung der Verstärkerteil.

Die Bedienelemente sind vom regulären Top übernommen, die (Ein-)Bauweise ist allerdings eine andere. Die Anschlüsse für das Netzkabel, eine externe Box und der D.I.-Out sind frei zugänglich, das Verstärkergehäuse wurde so gebaut, dass sein Deckel an der Rückseite des Combos frei liegt. Um einen geschlossenen und gegen Einstreuungen gefeiten Verstärkerteil zu bekommen, sitzt innen ein Metallkasten über Platinen, Elkos und Netzteil, ein Flachbandkabel von den Reglern geht rein, die Lautsprecherverbindung raus. Neben dem Input folgt der Gain-Regler, beim korrekten Einpegeln hilft eine LED, die von Grün bei Signal auf Orange bei drohender Übersteuerung wechselt.

Die Klangregelung ist mit Bass, Mitten und Höhen dreibandig angelegt. Netzleuchte, Master-Volume und ein Klinkenausgang vervollständigen die Ausstattung. Besagter Ausgang ist als Kopfhörerausgang oder Line-Out zu nutzen, ein Kippschalter zwischen Power-Schalter und der Klinkenbuchse für den externen Speaker wählt zwischen dem Betrieb mit oder ohne Lautsprechereinsatz. Unsichtbar und im normalen Betrieb auch unbemerkt bleibend, hat der ELF einige Schutzschaltungen thermischer und elektrischer Natur an Bord.

SO LAUT?

1992 erschien in diesem ehrenwerten Magazin der Test eines „kompakten Kleingeräts“, dem Trace Elliot BLX 80, der mich so überzeugte, dass ich ihn beim örtlichen Händler bestellte. 80 Watt machte er, wog nur (so war das damals …) 27 kg und war nur knapp 50 × 50 cm groß. Bei fast identischer Tiefe misst der ELF-Combo ca. 30 × 30 cm und wiegt ein Drittel – bei mehr als doppelter Leistung. Für die Größe war der Combo damals tatsächlich sensationell laut, nervte aber mit seinem kistigen Ton (spätere Versionen hatten einen zusätzlichen Hochtöner für mehr Direktheit). Mal hören, wie sich der aktuelle Nachfahre schlägt!

Die Netzleuchte erstrahlt beim Anschalten natürlich in schönstem Trace-Grün, wie sich das gehört. Eigentlich ist sie aber überflüssig, da der Lüfter sofort und unüberhörbar seinen Dienst antritt. Hm, dabei ist er sogar größer als im Topteil, aber der Luftweg scheint unglücklich designt zu sein. Er saugt jedenfalls vernehmlich Luft ein, die in den internen Kasten gelangt, aus diesem in den Hohlraum strömt und dann aus der Rückseite austritt. Da wäre mehr Durchlass vermutlich besser gewesen.

Einpegeln geht dank der LED schnell, der Master setzt schon wenig aufgedreht ordentlich Energie frei. Der Dreiband-Equalizer ist aktiv, bietet also Anhebung wie Absenkung. Eine Mittenrastung gibt es bei den sahnig drehenden und mit dem Gehäuse verschraubten Potis nicht, da muss neben Augenmaß das Gehör bemüht werden. Dass diese drei Regler den klassischen Ton des großen grafischen Equalizers alter Trace-Schlachtschiffe mit elf oder zwölf Bändern emulieren können, lächeln wir mal als lustige Marketing-Idee weg.

Fünf Regler, mehr braucht guter Sound nicht. (Bild: Dieter Stork)

Was sie können, ist bei 40 Hz, 400 Hz und 4,2 kHz anzusetzen und den Ton ordentlich zu formen. Der Höhenregler gefällt mir am besten, der ist über den gesamten Weg sinnvoll nutzbar. Klar kommen da voll angehoben auch Rauschanteile mit, dann ist der Ton aber auch extrem kristallin, so viel wird man kaum brauchen, während voll zugedreht genug Definition bleibt und der Ton nur einen runderen Charakter bekommt.

Der Mittenregler macht die beste Figur, mit leichten Anhebungen und Absenkungen. Beim Bassregler hätte man sich für meinen Geschmack den Minusbereich sparen können, wenn man nicht auf experimentelle, extrem drahtige Klänge aus ist. Mit leicht reduzierten Mitten und dezenten Boosts unten und oben wird mit etwas Fantasie dieser typische „gedrückte Pre-Shape“-Sound rausgekitzelt, der sowohl für den Instant-Slap- als auch für klaren Fingerstyle taugt, mit mehr Knurr als man gemeinhin denkt.

Das alles geben der D.I.-Ausgang, der fest hinter dem EQ, aber vor dem Master liegt, oder der Master-abhängige Phones-Out, mit einer angenehm druckvollen Färbung sauber raus. Über den eingebauten Zehner kommt eine ganz schöne Lautstärke zustande mit deutlich mehr Fundament, als man dem Kistchen ansieht. Irgendwann fängt er an zu Furzen, vor allem wenn man ihn mit aktiven Fünfsaiter-Bässen malträtiert. Wäre spannend zu erfahren, was vielleicht mit einem kräftigeren Speaker drin wäre … aber es gibt ja Abhilfe.

Schließt man eine Zusatzbox mit 8 Ohm an, können die vollen 200 Watt genutzt werden. Dazu habe ich den Combo auf meine mittelgroße 1×12″ verfrachtet und muss sagen: Holla, die Waldfee! Nicht nur die Reserven nehmen zu, auch das Fundament bekommt nochmal einen heftigen Schub. So eine Kombination ist dann auch Rockband-tauglich, wenn sich alle ein wenig benehmen. Ohne Zusatzbox taugt der Combo aber auch schon für leisere Proben oder Jams, oder zur Unterstützung in eher akustischen Bands – dank der hohen Eingangsimpedanz auch für Kontrabässe, EUBs, Akustikbässe, oder Bass-Ukulelen.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Ob Trace Elliot in ein paar Jahren einen noch kleineren Kasten mit noch mal verdreifachter Leistung rausbringt? Ich denke nicht. Im Hier und Jetzt überzeugt der ELF-Combo. Ein herrlicher kleiner Brüllwürfel ist bei der Kombination des ELF-Tops mit der 1x10er-Box herausgekommen: klein, ultratransportabel, und doch groß im Sound. Einzig am Lüfter bzw. dessen Luftweg sollte noch mal gearbeitet werden, Platz genug ist ja vorhanden. Aber dennoch: Operation gelungen, Daumen hoch für den kleinen Trace!

PLUS

● Sound
● Leistung
● solide Bauweise
● Sound D.I. und Kopfhörer
● Hülle inklusive

MINUS

● Lüfter

(erschienen in Gitarre & Bass 04/2021)

Produkt: Gitarre & Bass 10/2019 Digital
Gitarre & Bass 10/2019 Digital
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