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Mehr Amp im Raum

Test: Kemper Kabinet & Kone

(Bild: Dieter Stork)

Die Rückmeldung des Verstärkers auf die Spielweise des Gitarristen kann beflügeln oder eine unschöne Barriere zwischen Mensch und Technik sein. Dessen ist sich auch Christoph Kemper bewusst und hat sich einmal mehr dieses Themas angenommen. Sein Bestreben, durch eine haargenau abgestimmte Box samt Spezial-Lautsprecher, ein angenehmeres Spielerlebnis mit einem Kemper Profiler zu erreichen, gipfelte in der Entwicklung des Kemper Kabinet.

Einer der beiden internationalen Marktführer im Bereich des digitalen Verstärker-Modelings ist die Firma Kemper aus Deutschland, genauer gesagt aus Recklinghausen. Bemer­kenswert ist, dass der Kemper-Profiling-Amp seit fast zehn Jahren eine Referenz unter den digitalen Modelern darstellt und durch stetige Software-Updates bis heute die absolute Speerspitze des technisch Machbaren bildet. Dennoch sei hier ausdrücklich darauf hingewiesen – Modeling im eigentlichen Sinne ist das, was der „KPA“ leistet, tatsächlich nicht, sondern – wie der Name schon verrät – „Profiling“.

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Nun gibt es endlich ein passendes 1×12er-Cabinet zum Kemper-Profiling-Amp, das im passenden dunkelgrünen Kemper-Look die Wiedergabe der Sounds auf realistischem Niveau gewährleisten soll.

Warum es neun lange Jahre gedauert hat, bis dieses wirklich sinn­volle Produkt auf den Markt gekommen ist, wird vom Hersteller leider nicht genauer erläutert. Man darf sich ob dieses Zeitraums allerdings sicher sein, dass hier kein Schnellschuss der Marketing-Abteilung vorliegt, sondern ganz im Gegenteil, wirklich akribisch entwickelt und getestet wurde.

KONZEPT

Das eigentliche Kemper-Kabinet ist lediglich eine akustisch sehr genau konzipierte und konstruierte 1×12er-Box, in der sich ein, von Celestion UK hergestellter, Kemper Kone befindet. Dieser 12-Zoll-Breitbandlautsprecher ist mit einer großzügigen Belastbar­keit von 200 Watt durchaus in der Lage, auch bei höheren Lautstär­ken recht stoisch und gelassen zu klingen. Er allein kann schon einen Teil zur Verbesserung des Spielgefühls beitragen und daher bietet Kemper diesen Lautsprecher ebenfalls einzeln an, damit der geneigte User auch eine traditionelle Gitarrenbox umrüsten kann.

KONSTRUKTION

Das Kabinet ist mit 11,3 kg nicht gerade ein Schwergewicht und lässt sich, dank des oben angebrachten Ledergriffs, bequem transportieren. Die relativ kompakten Abmessungen und die leicht abgeschrägte Front erinnern an Produkte wie das Mesa-Boogie-Rectifier-1×12er-Cabinet für den „Mini Recto“ oder die brandneue Engl-1×12er für den Fireball 25. Irgendwie niedlich, aber eben auch extrem zeitgemäß.

Die Verarbeitung der Box ist über jeden Zweifel erhaben und das ist bei dem doch recht günstigen Straßenpreis von knapp € 400 heutzutage leider nicht immer selbstverständlich.

Der Kemper Kone ist auch einzeln erhältlich, zur Integration in die eigene Gitarrenbox. (Bild: Dieter Stork)

Hier sitzt keine Schraube schief im Holz, das Tolex ist sauber verklebt und auch das Spaltmaß am Rand der Rückwand ist rundum passend. Das in die Rückwand eingelassene Anschlussfeld beherbergt genau zwei Klinkenbuchsen: eine für den Anschluss des Kemper-Profiling-Amps oder einer externen Endstufe und eine Output-Buchse, um optional ein weiteres Kemper-Kabinet anschließen zu können.

SOFTWARE

Um den Kemper-Kone oder eben das Kabinet mit Kone wirklich zweckdienlich mit dem Kemper-Profiling-Amp nutzen zu können, braucht es zunächst ein Softwareupdate des Profilers auf eine möglichst aktuelle Version. Zum Zeitpunkt des Tests ist es die 7.4.1, aber schon seit der Version 7.2 sind die entsprechenden Features in die Software integriert. Warum brauche ich eine Software um eine Box anzuschließen? Nun ja, die vorrangig in der Produktbeschreibung des Herstellers angepriesenen Vorteile des Kemper-Kabinets verstecken sich genau hier.

Das wichtigste Feature dient der Betriebssicherheit, denn sollte man den Kemper-Profiling-Amp mit eingebauter Endstufe an den Kone anschließen, gilt es zu beachten, dass die Endstufe des Profilers im Grenzbereich bis zu 600 Watt Leistung abgeben kann. Das ist demnach das Dreifache dessen, was der Kone maximal aufnehmen soll.

Um Problemen vorzubeugen, ist in der aktuellen Software ein Watt-Meter zur Anzeige der abgegebenen Leistung integriert und es empfiehlt sich, die Grenze von 200 Watt nicht zu überschreiten, sofern man mit nur einem einzigen Kemper-Kone12-Zoll-Lautsprecher arbeitet. Falls doch mehr Lautstärke benötigt wird, kann über den Speaker-Out des Kemper-Kabinet ein weiteres Kabinet angeschlossen werden.

Der umfangreichere Teil des Software-Updates liegt im Output-Menü des Profilers. Dort befindet sich die Seite „Kemper Kone“, wo sich etliche Parameter für die Wiedergabe am Monitor-Out und gegebenenfalls am Speaker-Out beeinflussen lassen. Der Klang des Main-Outs bleibt hierdurch selbstverständlich unbeeinflusst, damit am Pult weiterhin das unverfälschte Signal ankommt.

Da dem Entwicklerteam die typischen klanglichen Charakteristika des Kemper-Kone und des Gehäuses sehr bewusst sind, ist es mit der neuen Software möglich, das Amp-Profil entweder wie gehabt wiederzugeben und den Kone als „full range flat response“- Lautsprecher zu spielen, oder aber den Sound mit einem von derzeit 19 sogenannten Speaker-Imprints zu veredeln. So kommt man dem typischen „Amp im Raum“-Klang ein gewaltiges Stück näher.

Die 19 Lautsprecher-Imprints in der Übersicht

KLANG

Schon beim ersten Anspielen und noch ohne dass die Speaker-Imprints aktiviert sind, ahnt man bereits, dass das Kemper-Kabinet in vielerlei Hinsicht als gutmütig zu bezeichnen ist. Im „full range flat response“-Modus präsentiert der Kone knackige Bässe und ein angenehmes, ausgewogenes und breitbandiges Höhenbild. Auch der erzielbare Schalldruck ist, für eine solch kleine und leichte Box mit nur einem einzigen Zwölfzöller, erstaunlich hoch.

Ein kurzer Test mit einer Stahlsaiten Akustik-Gitarre über einen entsprechenden Amp bestätigt den Höreindruck. Hier stören keine übermäßig lauten Frequenzbereiche in den Höhen und das grundsätzliche Klangbild des Kemper-Kabinet bleibt gutmütig und musikalisch mit stabilem, aber dezentem Low-End.

Im neutralen „FRFR“-Modus kann optional noch ein Sweetening-Equalizer in die Bässe und Höhen eingreifen, um sehr effizient und schnell Korrekturzüge von bis zu +/-6 Dezibel machen zu können. Ein hilfreiches Feature bei unangenehm klingenden Bühnen oder Proberäumen.

Zum Direktvergleich der Speaker-Imprints hat sich Thomas Wendt, seines Zeichens Marketing- und Kommunikationsmanager im Auftrag der Firma Kemper, aber eben auch passionierter Kemper-Nutzer, mit seinem persönlichen KPA samt Lieblingsprofilen auf der kleinen Testbühne eingefunden. An dieser Stelle vielen Dank für die tatkräftige und hilfreiche Unterstützung!

Mit einem Abstand von zwei bis drei Metern zum Kabinet, vergleichen wir in schneller Folge die Speaker-Imprints, die während des Spielens gewechselt werden. Hier zeigt sich zunächst, dass die Software nicht die Physik ändern kann, denn ohne Sicht auf das Display fällt es tatsächlich schwerer als erwartet, die Wirkung oder gar den genauen Lautsprechertypen der Speaker-Imprints zu erkennen.

Die 19 Imprints klingen zunächst grundsätzlich ähnlich und auch mit dem Parameter „Directivity“, der eine zunehmend seitliche Verlagerung der eigenen Abhörposition zum Speaker simuliert, ändert sich der Sound nur geringfügig. Hier hatte ich zunächst mit drastischeren Veränderungen gerechnet. Doch je länger man seinen Ohren Zeit gibt, sich in das neuartige Klangbild hineinzufinden, desto größer ist auch der Einfluss auf das eigene Spielgefühl.

Die Charakteristika der emulierten Lautsprecher sollen ja auch gar nicht den eigentlichen Klang des ausgewählten Presets völlig auf den Kopf stellen. Hier wird vielmehr Wert darauf gelegt, dass die typischen Eigenheiten eines Gitarrenlautsprechers, der direkt im Raum – also ohne Mikrofon – abgehört wird, im Imprint widergespiegelt werden. Daher muss man schon etwas genauer hinhören, um die Unterschiede zwischen zwei ähnlich klingenden Lautsprechern ausmachen zu können, vor allem, wenn man clean oder mit sehr wenig Verzerrung spielt.

Tadellos verarbeitetes Cabinet-Gehäuse (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Eine Wunderwaffe, die der Physik trotzt, darf man bei einer 1×12er-Gitarrenbox selbstverständlich nicht erwarten. Doch selbst ohne all die Optionen der aktuellen Software wäre das Kemper-Kabinet schon eine wirklich preiswerte und pragmatische Zusatzbox zum Kemper-Profiling-Amp. Ob man die Optionen in der Software wirklich überzeugend findet, ist sicherlich sehr von den eigenen Hörgewohnheiten abhängig.

Für Freunde des klassischen Proberaum- und Bühnensounds erhöht sich der Spielspaß durchaus spürbar und auch für Profiling-Fans, die sowohl mit der elektrischen als auch mit der Akustikgitarre auf die Bühne gehen, bietet der Kone in seiner Eigenschaft als Breitbandlautsprecher einen echten Mehrwert. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist wirklich hervorragend.

PLUS

● sehr gute Verarbeitung
● hohe Lautstärkenreserve des Speakers
● kleine Abmessungen
● geringes Gewicht
● geeignet für E- und Akustikgitarre

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2020)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Hallo zusammen,

    ich besitze einen Kemper ohne Endstufe – kann ich den Kemper Kone dann trotzdem nutzen – und wenn ja, wäre ich für ein paar Tips dankbar.

    Gruss
    Ramon

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. Wer keinen Profiler mit Endstufe hat, muss das Kabinet entweder mit einer zusätzlichen Class-D-Endstufe befeuern oder noch etwas Geduld haben, denn die Version mit Endstufe ist laut Hersteller in Arbeit.

      Auf diesen Kommentar antworten

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