Produkt: Treble Booster im Test
Treble Booster im Test
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Amps Best Friend

Test: Keeley Hydra

(Bild: Dieter Stork)

Was haben die klassischen Fender-Amps noch gleich an Effekten? Ach ja, Reverb und Tremolo. Alle? Nein, nicht alle. Ein paar unbeugsame kleine Verstärker …

Na gut, lassen wir das. Fakt ist: Für viele Gitarristen gehören Reverb und Tremolo zu den Must-Have-Effekten und nur wenige Amps bieten sie. Dementsprechend muss ein Pedal her, welches Abhilfe leistet. Und hier kommt das Keeley Hydra ins Spiel. Ein Stereo Pedal mit jeweils drei unterschiedlichen Sounds für Reverb und Tremolo. Dann noch Presets, eine Hold/Freeze-Funktion, die Möglichkeit Parameter per Expression Pedal zu steuern und geringe Abmessungen.

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ÄUSSERE EINDRÜCKE

Das Keeley kommt im schlichten, aber funktionalen Pappkarton, Klebefüße liegen bei. Dazu gibt es eine gedruckte Bedienungsanleitung, und das sogar auf Deutsch. Das wiederum ist heutzutage eine ziemliche Seltenheit. So kann man sich auf den insgesamt zwölf Seiten entweder genau anschauen, mit welchen (Sekundär-) Funktionen die Potis belegt sind, oder auch auf der letzten Seite direkt die Schnellstart-Anleitung zu Rate ziehen. Oder – mal unter uns – auch einfach an den Knöpfen drehen bis es klingt.

Wie von Keeley erwartet, liegt nun ein sehr wertiges Pedal vor mir. Nichts macht hier den Anschein, als könnte es irgendwann zu Problemen führen oder sei schlecht verarbeitet. Die Buchsen greifen fest zu, die Potis lassen sich angenehm schwer drehen, die Fußtaster haben einen guten Widerstand und klicken nicht. Haptisch besonders ansprechend ist der kleine Umschalter in der Mitte des Pedals, mit dem man die verschiedenen Effekte durchschaltet. Er bietet bei Bedienung satten Widerstand, und man fühlt sich ein wenig wie ein Wissenschaftler, der eine wichtige technische Apparatur bedient.

Das Design des Pedals gefällt mir persönlich sehr gut. Da die Hydra auch als Wasserschlange bezeichnet wurde passt das sehr dezente Wellenmuster auf der Front gut. Es wurde derart aufgetragen, dass es sich je nach Blickwinkel dezent ins Gesamtbild einfügt oder recht auffällig das Licht reflektiert. Optisch sehr gefällig.

FUNKTIONEN

Eigentlich ist es ganz einfach: Das Hydra vereint ein Tremolo (links) mit einem Reverb (rechts). Jeweils mit eigenem Fußschalter und zwei, beziehungsweise drei Potis zum Feintunen der Effekte. Doch dann gibt es ja noch Sekundärfunktionen. Und Presets. Und überhaupt. Aber fangen wir mal einfach an:

Rate regelt die Geschwindigkeit des Trems, während Depth den Maximalbetrag der Lautstärkereduktion steuert. Der linke Fußschalter steuert den Tremolo-Effekt.

Der Hall lässt sich über den rechten Schalter ein- und ausschalten und wird mittels Dwell (Länge des Nachhalls), Color (Klang, also etwa „Tone“ bei anderen Pedalen) und Mixer (Mix-Verhältnis des Effekts) geregelt. Möchte man einen anderen Hall-Modus, so nutzt man den kleinen Umschalter in der Mitte, der zwischen Spring, Plate und Room wählt.

Mit diesem Wissen kann man auch eigentlich schon glücklich werden, denn bei diesem Pedal klingt eigentlich alles toll – mehr dazu später. Doch man würde auch viel Potential verschenken, also schauen wir mal, was es mit den Sekundärfunktionen der Potis auf sich hat. Denn hinter fast jeder genannten Funktion versteckt sich eine weitere, sobald man das Color-Poti gedrückt hält.

Stereo-Ausgänge plus
externe Steuerung
(Bild: Dieter Stork)

Wir erhalten fürs Tremolo zusätzlich: Trem Sync und Trem Level. Ersteres regelt wie sich der Stereo-Ausgang des Pedals verhält. Also ob er das Signal pannt, synchronisiert, oder als Wet/Dry fungiert. Super praktisch für alle Stereo-Applikationen. Mittels Trem Level kann man auf einen Boost um bis zu 6 dB zurückgreifen, um das (gefühlt) leisere Signal auszugleichen. Der Umschalter wählt nun die Trem-Modi. Zur Auswahl stehen Sine, Harmonic und Vibrato.

Beim Reverb-Teil kommt eine Regelung für Wet/Dry hinzu, mittels derer man einstellen kann, ob am Stereo-Out ein Stereo-Hall ankommen soll, oder eben Wet/Dry getrennt wird (also ein Kanal kein Effektsignal ausgibt). Hinter dem Mixer-Poti verbirgt sich noch der Reverb Modifier. Hier kann man je nach gewähltem Algorithmus andere Nuancen ändern. Befindet man sich im Spring Modus, so stellt man hier das Alter der Feder ein. Bei Plate kommt Shimmer hinzu und bei Room regelt man die Größe des Hallraums.

Auch die Fußschalter haben Sekundärfunktionen. Der Linke wechselt nach Gedrückthalten zum Tap-Tempo, der rechte aktiviert einen Freeze-Effekt. Wem die Steuerung an Bord nicht reicht, der kann auch einen externen Fußschalter fürs Tap-Tempo nutzen, ein Expression-Pedal anschließen, um die Parameter mit dem Fuß zu steuern, oder auch die Kontrolle über die Effekte auslagern (Fender-Amp-Control-Style sozusagen).

Achja, Presets gibt es ja auch noch. Diese aktiviert man, indem man zweimal schnell den Tremolo Schalter tritt. Der Reverb-Schalter switcht nun durch die drei Presets und ein Druck auf Tremolo aktiviert das gewählte. Ziemlich simpel und durchdacht.

SOUNDS

Seien wir mal ehrlich: Welch besseres Testvehikel gäbe es als meinen 70er-Jahre-Fender-Champ? Ein Amp, der wirklich toll klingt, dem aber von Geburt an weder Reverb noch Tremolo zuteilwurden. Und genau hier kann und möchte das Hydra ja helfen. Also schnell das Keeley in Mono vorgeschaltet und los geht es. Ich fange mal mit dem Spring Reverb an, denn der ist es, den ich mir eigentlich schon immer in dem Amp gewünscht habe. Allein dieser Effekt rechtfertigt den Kauf des Hydra schon fast. Es klingt realistisch, dynamisch, auf Wunsch alt, drippy, verträumt, präzise … einfach wirklich richtig gut. Alle Regler auf 12 Uhr und es klingt traumhaft. Klar, ziemlich dominant so, aber das kann man ja jetzt gut für den persönlichen Geschmack tunen.

Soll der Effekt noch präsent sein, nervt aber doch etwas durch seine Höhen? Einfach Color etwas runterdrehen. Oder eben hoch und das Alter auch, um einen interessanten Retro Sound zu erzeugen.

Plate ist ja ohnehin der ultimative „ich brauche Reverb, aber es soll nicht nerven“-Effekt und genau das wird hier auch geliefert. Ich kann gar nicht sagen, ob ich diesen Effekt vielleicht sogar noch ein bisschen lieber mag als Spring. Er ist durch Dwell und Color super vielseitig regelbar und bietet als nettes Extra den Shimmer-Effekt. Letzterer klingt auch gut, da gibt es dann aber doch Pedale, die das noch einen Tick besser können.

Room geht natürlich auch immer und ist ebenfalls sehr flexibel von ganz kurz, bis sehr lang und groß. Dabei ist der Sound immer super, wirkt aber etwas langweiliger als seine beiden Konkurrenten.

Beim Tremolo ist es eigentlich so wie beim Reverb auch: Stellung 1 (hier Sine) ist der Klassiker, Stellung 2 ist mit Harmonic die vielleicht spannendere Alternative und kommt sanfter, einfühlsamer. Es macht wirklich Spaß, hier mit den Sounds zu experimentieren.

Und dann hat man ja auch noch ein Vibrato zur Auswahl. Auch das versprüht Vintage-Charme ohne Ende und fügt sich perfekt in die hier gebotene Riege ein. Hier noch ein Kleiner Hack: Dreht man Rate und Depth ganz zu, kann man mittels Trem Level einen Boost einstellen der auch prima alleine funktioniert. Fast noch ein Effekt mehr in diesem Pedal also.

Du wirst es dir gedacht haben: Insbesondere die Kombination aus Reverb und Tremolo klingt wirklich wahnsinnig gut und retro. Hier ist einiges an Dynamik und einfühlsamem Spiel möglich und ich erwische mich dabei, oft völlig anderen Kram zu spielen, als es eigentlich mein Metier wäre – einfach weil ich diese Sounds so spannend finde.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Das Hydra vereint Reverb und Tremolo. Damit ist es nicht alleine auf dem Markt, setzt sich aber dennoch sowohl qualitativ, als auch funktional von den Wettbewerbern ab. Meinem Fender-Champ-Verstärker (ohne eingebaute Effekte) hat es neues Leben eingehaucht, und ich bin kurz davor, es fest hinten im Combo zu verstecken und einen klassisch aussehenden Fußschalter nach vorne zu legen (ob sich Keeley das so gedacht hat bei den Möglichkeiten?).

Jeder Effekt im Pedal klingt authentisch und ist vielseitig regelbar. Insbesondere in Kombination sorgen Reverb und Trem für tolle Vintage-Sounds. Doch auch wenn man mal nur einen modernen Hall und etwas Boost braucht, ist das Pedal für einen da. Presets und die Stereo-Funktion runden das Bild gekonnt ab. Zudem ist alles direkt auf dem Pedal gut beschriftet, sodass man (Presets mal außen vor) stets weiß, was Sache ist. Die perfekte Symbiose aus einfacher Bedienung, Vintage-Charme und modernen Möglichkeiten.

Internet: robertkeeley.com

Preis (Street): ca. € 299

PLUS

  • einfache, direkte Bedienung
  • Sounds
  • Vielseitigkeit
  • Presets
  • Stereo

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2021)

Produkt: Gitarre & Bass 10/2019 Digital
Gitarre & Bass 10/2019 Digital
INTERVIEWS: Toto & ZFG – FAMILIENTREFFEN, The Allman Betts Band, In Extremo, Jared James Nichols, Nathan Navarro u.v.m. +++ TEST: Kemper Profiler Stage, Engl Savage 120 Mark II, Gretsch G5655TG Center Block Jr., Ibanez Fingerstyle-Collection, Reverend Rick Vito Soulshaker, Phil Jones Bass BP-800, Dingwall NG3 Combustion 5, Fender Vintera ’70s Telecaster Thinline & ’50s Precision Bass

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Tolle Sache.Ein Tremolo und ein Reverb in einem Bodentreterpedal vereint,hört sich sehr gut an.Eigentlich geht es schon gar nicht mehr ohne diese beiden Klassiker.Und der Kaufpreis von rund 300.-€uro für dieses neue Keeley Hydra Pedal ist zwar nicht gerade günstig,aber entschädigt wohl dann doch wegen seiner einfachen Bedienung und einem guten Sound.
    Nun braucht man faktisch eigentlich nur noch eine alte schöne Fender Vintage Stratocaster,und los geht´s.

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