Produkt: Fender Stratocaster
Fender Stratocaster
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Block Rocker

Test: Gretsch G2622T-P90 Streamliner Center Block und G2655T-P90 Streamliner Center Block Jr.

(Bild: Dieter Stork)

Die aktuellen Gretsch-Modelle mit Center Block eignen sich auch für höhere Lautstärken, sprechen damit unter Beibehaltung ihres Coolness-Faktors eine ganz andere Kundschaft an. Was man bei ihnen nicht unbedingt erwartet, sind P90-Style Pickups. Ob diese Mischung schockt? Wir finden es raus!

Die semi-akustischen Double-Cutaway-Modelle aus der Streamliner-Reihe mit Center Block sind wahlweise mit Bigsby oder mit V-Stoptail zu haben.

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VINTAGE LOOK – AKTUELLE AUSLEGUNG

Die vorliegenden, aus vergleichbaren Materialien und grundsätzlich ähnlich ausgestatteten Modellversionen unterscheiden sich vor allem durch ihre Korpusgrößen, denen auch die Bigsby-Systeme angepasst wurden.

Passende Bigsby-Vibratos für dei jeweilige Korpusgröße (Bild: Dieter Stork)

G2622T-P90 Streamliner Center Block

Ein an die Korpuswölbungen angepasster, zur Gewichtsreduktion zusätzlich gehöhlter Mittelblock aus Fichte (chambered spruce center block) füllt durchgehend die Mitte des in der sparkeligen Farbe Gunmetal deckend lackierten Korpus aus laminiertem Mahagoni von 16″ Größe. Die Zargen sind mit Mehrfach-Bindings besetzt, f-Löcher sorgen für ordentliche akustische Projektion und eine klassische Anmutung.

Der Hals aus Nato mit Thin-U-Halsprofil ist eingeleimt; im eingebundenen Griffbrett aus Indian Laurel (Lorbeerholz) mit 12″-Radius sitzen 22 klaglos sauber abgerichtete Medium-Jumbo-Bünde und Pearloid Oval Inlays zur Lagenkennung. Die große Kopfplatte, vermutlich wie beim Schwestermodell unterhalb der ersten Bünde angeschäftet, ist mit Gretsch-Tunern im Grover-Stil bestückt. Über den weißen Sattel aus synthetischem Knochen laufen die Saiten mit einer Mensur von 629 mm hinüber zur fixierten Adjusto-Matic-Bridge im Tune-o-Matic-Style am Korpus, wo sie am Original Bigsby B70 Vibrato-System eingehängt sind.

Nato-Hälse mit Thin-U-Profil und Laurel-Griffbrettern (Bild: Dieter Stork)

Elektrik: Zwei in cremefarbenen Rähmchen aufgehängte Gretsch-FideliSonicP90-Pickups mit Metallkappen und „Staple“ Pole Pieces werden von individuellen Volume-Reglern kontrolliert. Zusätzlich stehen ein Master Volume und ein Master Tone bereit. Der 3-WegeSchalter zur konventionellen Anwahl der Pickups ist auf das obere Horn positioniert. Cremefarbene Potiknöpfe mit Pfeilen (Radio Arrow Control Knobs) sorgen für den angemessenen Vintage-Look, unterstützt noch vom tropfenförmigen Tortoise-Schlagbrett.

G2655T-P90 Streamliner Center Block Jr.

Die Double-Cut P90 Center Block Jr. tritt mit deutlich kleinerem 14-Zoll-Mahagonikorpus aber gleicher Korpustiefe von 44,5 mm an. Analog zum großen Schwestermodell wurde auch ihm ein gehöhlter Mittelblock aus Fichte eingepasst. Vergleichbar sind auch die f-Löcher und Body-Bindings. Bei der Jr. ist allerdings nur die gewölbte Decke in Mint Metallic lackiert, Zargen und Boden präsentieren sich in schokobraunem Vintage Mahogany Stain.

Der Nato-Hals mit Thin-U-Halsprofil kommt ebenfalls mit gebundenem Indian-Laurel-Griffbrett mit 12″-Radius, 22 Medium-Jumbo-Bünden und Pearloid Oval Inlays. Der klar lackierte Halsrücken lässt hier allerdings die großflächige Anschäftung der großen Kopfplatte erkennen, welche ebenfalls mit den Gretsch-Grover-Style-Tunern ausgestattet ist. Die Mensur umfasst wie schon zuvor 629 mm und auch hier finden wir die verankerte Adjusto-Matic-Bridge auf dem Korpus. Der Korpusgröße angemessen wurde der Jr. allerdings das kurze Bigsby B50 Vibrato auf die Decke montiert und auch das Tortoise-Pickguard ist kleiner.

Identisch sind wiederum die Elektrik und Regelmimik dieser Ausführung mit zwei FideliSonic P90 Single Coil Pickups mitsamt traditionellem Control Layout: Neck- und Bridge-Pickup-Volume, ein Master Tone plus Master Volume (inklusive Radio Arrow Knobs) und oben vorn positioniertem Dreiwege-Pickup-Switch. An der Fertigung gibt es wenig auszusetzen, hervorzuheben ist sogar die gut gemachte Bundierung mit bestens verrundeten Bundenden. Lediglich die Kunststoffsättel weisen griffbrettseitig eine unangenehme Schärfe auf. Aber es braucht auch nicht mehr als eine Nagelfeile, um diese kleine Nachlässigkeit zu beheben.

DOES SIZE MATTER?

Die gute alte Frage, ob es denn auf die Größe ankommt … nun, eindeutige Antworten sind nicht zu erwarten. Oder vielleicht doch? Von der Handhabung her fühlt sich das kleine Modell trotz vergleichbarer Halsmaße bei identischer Mensurlänge natürlich etwas anders an, als die große Streamliner. Die rechte Hand kommt mit aufgelegtem Arm bei der Jr. etwas weiter vorn zurecht, bewegt sich dagegen bei der der Großen näher am Steg-Pickup.

Ansonsten: tiefe Saitenlagen, fluffige Haptik dank vergleichbar griffiger Thin-U-Halsformen (recht flach im Rücken, aber bestens verrundet in den Schultern) und gut gemachter Bundierungen – lockerer Griffbrettzugang auch zu höheren Lagen also insgesamt. Am Gurt hängen beide dann ebenfalls recht ausgewogen.

Sound: Die große Streamliner Center Block legt vor und eröffnet das Spiel mit einem akustischen Vermögen, das erwartungsgemäß mehr Volumen und Tiefgang ans Ohr bringt, als es der kleinere Korpus der Jr. vermag. Auch differiert das tonale Ambiente durchaus: Sonor, volltönend und offen bei der großen Schwester – straff, kompakt und pointiert bei der Jr.

Was davon schlägt nun aber auf den verstärkten Sound durch? Bei den FideliSonic-Pickups handelt es sich um klassisch inspirierte P90-Typen mit breiter angelegten Wicklungen für den beliebten offenen Singlecoil-Sound. Mit ihren „Staple“ Pole Pieces erinnern sie an Gibsons berühmte AlNiCo-V-Pickups der 50er-Jahre. Die Tonabnehmer stehen mit elektrischen Widerständen von 7,0 kOhm am Hals und 8,0 kOhm am Steg recht ausgeglichen zueinander – absolut identische Werte übrigens bei beiden Gitarren.

Neu entwickelte FideliSonic-P90-Pickups (Bild: Dieter Stork)

In der G2622T-P90 Streamliner übersetzen die FideliSonic-PUs die sonoren akustischen Klänge zunächst in vitale, gut gerundete elektrische Sounds mit erfreulichem Tiefgang. Der P90 am Hals lässt volltönende Akkorde mit klarer stimmlicher Durchsicht ans Ohr, jazzy, aber mit feiner Holznote grundsätzlich auch in vieler Hinsicht musikalisch flexibel einsetzbar.

Diese These wird unter Zerre genommen dann mehr als deutlich bestätigt. Knurrende Powerchords und kernige Riffs lassen sich zielgerichtet abschießen, aber auch vollstimmige Grundakkorde rollen mit warm anschmelzendem, aber dennoch schön geschlossenem Räääng aus den Speakern. Die leichte Ansprache und der sich fest und stabil im Gain-Modus entfaltende Ton macht auch das Solospiel zum Vergnügen. Perkussion, Transparenz, Druck – alles da!

Wechseln wir zum Steg-Pickup, so zieht der seine Bahnen wohl etwas enger, bleibt aber vom Timbre her ansonsten nah bei seinem Kumpel. Bei rhythmischen Aktionen präsentiert er sich mit trockenen Bässen, einer kleinen Nase im leicht komprimierten Mittenbereich, aber griffig zugespitzten Höhen. Im Gain-Bereich lässt sich damit durchsetzungsstark und mit guter Schärfe pointiert agieren. All das stützt sich auf den leichten „Box Tone“, diesen semiakustischen Effekt, der schnell gespielten Noten Kontur und Federkraft verleiht und pumpenden Powerchords gehörig Luft unter die Flügel bläst.

Mit den identischen Pickups kommt die G2655T-P90 Streamliner Center Block Jr. zu nur leicht differierenden Ergebnissen. Tatsächlich wirkt sich das etwas leichtere akustische Tonverhalten des kleineren Korpus dezent auf die elektrische Umsetzung aus. Nicht ganz so volumenreich wie bei der G2622T-P90 hat aber auch das Jr.-Modell ausreichend Tonsubstanz zu bieten, um sich mit tendenziell luftigerem Ton zweifellos ebenfalls viele Freunde zu machen. Vom Ausdruck her schmeckt es dabei vielleicht etwas weniger nach Jazz, aber auch das war selbst beim großen Modell ja auch nur ein Aspekt von vielen möglichen. In der Jr. klingt halt alles etwas kompakter und verdichteter, was absolut kein Schaden sein muss.

In Zerre genommen gibt sich der über den Hals-Pickup generierte Ton entschlackt kraftvoll, Akkorde verfügen über immer noch ausreichendes Bassfundament mit drahtiger Note, ergänzt um nicht zu dominante Mitten und angenehm entschärfte Höhen. „Spot an!“, heißt es dann beim Wechsel auf den Steg-Pickup, der mit einem Schuss Extra-Licht kraftvoll durchstartet. Auf alle Schaltpositionen wirkt im Übrigen wie beim großen Schwestermodell das semiakustische Bauprinzip, welches für resonanzstarke Tonentfaltung und perkussive Umsetzung sorgt.

P90-Pickups der Spitzenklasse mögen wohl mit etwas mehr Offenheit und Transparenz übertragen, aber das ist, auf den Preis geschaut, ja nicht ganz verwunderlich und diese FideliSonic-Pickups schlagen sich achtbar. Kleiner Haken an der Sache: die Tonabnehmer sind als Singlecoils – mit Ausnahme der entsprechend verschalteten Mittelposition – natürlich nicht frei von Nebengeräuschen. Was vor allem in höheren Betriebsarten deutlich zutage tritt.

Aber nicht zu vergessen: Tatsächlich eliminiert der Sustain Block beider Streamliner-Versionen unerwünschte Rückkopplungen bei hohen Lautstärken. Über die Bigsby-Vibratos ist letztlich nichts Neues zu berichten, sie unterstützen den coolen Look und funktionieren im Bereich des gepflegten Wimmerns und Schimmerns wie man das kennt.

RESÜMEE

Mit den neuen P-90-Double-Cut-Modellen stellt Gretsch sauber gefertigte und bestens spielbare Gitarren zur Verfügung, die mit ihren neu entwickelten P90-Singlecoils und den Feedback-verhindernden Sustain Blocks gut gerüstet sind, um neue Türen aufzustoßen. Geschmeidige, in den Höhen nicht zu eisige Clean-Sounds zeigen sich in guter, transparentknackiger Gretsch-Tradition. Toll knarzige Rock-Sounds liegen dann im Zerrkanal des Amps an. Die lassen sich mit beiden Instrumenten leicht und relativ ähnlich erzielen, lediglich mit den Singlecoil-typischen Nebengeräuschen muss man leben lernen.

Und ja, die Größe spielt tatsächlich eine gewisse Rolle, sollte aber nicht überschätzt werden. Tatsächlich ist es doch nur gut, dass sich die Streamliner-Modelle durch eine leichte Klangdifferenz, die für die eine oder andere Spielweise die genau richtige Facette sein kann, ausreichend voneinander unterscheiden. Eng beieinander bleiben diese Center-Block-Rocker dennoch. Sie klingen schon etwas anders als etwa Gretsches mit FilterTron-Pickups, aber dennoch ist wo Gretsch draufsteht auch Gretsch drin. Gut Holz!

PLUS

● klassisch cooles Gretsch-Design
● Schwingverhalten (die große G2622T-P90 liegt dabei vorn)
● neue FideliSonic-P90-Pickups mit „Staple“ Pole Pieces
● kraftvolle Sounds
● Thin-U-Halsprofil
● gute Spieleigenschaften
● tadellose Verarbeitung

MINUS

● FideliSonic-P90-Pickups baubedingt anfällig für Störgeräusche

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2021)

Produkt: Fender Stratocaster
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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Peter is still alive !! Extremely sad to hear about his health difficulties. But to play shows in Old Europe is still the best decision he’ll make. Thank you for coming over!

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