Produkt: Fender Stratocaster
Fender Stratocaster
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Die Kunst des Weglassens

Test: Gretsch G2210 Streamliner Junior Jet Club

(Bild: Dieter Stork)

Geradeheraus gefragt: Wieviel Gretsch bekommt man hier für sein Geld? Eine Country Gentleman, White Falcon, Duo Jet oder 6120 scheinen Lichtjahre entfernt.

Aber das muss ja nichts heißen, und mit ins Kalkül gehört natürlich auch der Preis, der im Fall unseres Testmodells nur einen Bruchteil dessen ausmacht, was eines der oben genannten Kult-Objekte kostet. Und ein paar Gretsch-typische Eigenheiten und Specs lassen sich ja auch durchaus finden.

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STRIPPED DOWN WORKHORSE

Der Singlecut-Korpus ist aus vier Teilen Nato zusammengefügt. Dieses Holz, mit dem für uns etwas seltsamen Namen, entstammt dem südamerikanischen Johannisbrotbaum und hat ein etwas angeknackstes Image als „billiger Mahagoni-Ersatz“. Ich bin mir nicht sicher, ob das ganz fair ist, und glaube, dass es – sauber verarbeitet – einen tadellosen Job machen kann und die beste Wahl ist, wenn man eine so günstige Gitarre wie die G2210 an den Mann bringen will.

Der Body ist, ohne jede Verzierung, Bindings o. Ä., tadellos auf Hochglanz lackiert. Die Pickup-Bestückung besteht aus zwei BroadTron-Humbucker-Tonabnehmern. Diese haben normale Humbucker-Abmessungen und zitieren mit den geschlitzten vernickelten Kappen einfach aber geschickt den Gretsch-Style von FilterTrons & Co.

Die Bedienung der Tonabnehmer ist denkbar simpel gehalten: Mit dem 3-Weg-Toggle oben vorne wählt man – wie hinlänglich bekannt – zwischen Steg/Beide/Hals, am Cutaway unten ist das generelle Volume-Poti, weiter hinten findet sich der generelle Tone-Regler. Die Poti-Knöpfe sehen doch etwas schnöde und sehr „ungretschig“ aus; die würde ich direkt gegen verchromte Gretsch-Knöpfe mit „G“ drauf tauschen. Das Teardrop-Schlagbrett im Tortoise-Look macht sich ganz gut, auch wenn es sich vom dunklen Korpusholz nicht allzu deutlich abhebt.

Die Saiten (.010–.046 ab Werk) hängen sicher in einem kompensierten Wrap-Around-Tailpiece, welches man mittels zweier Madenschrauben vor- und zurücksetzen kann, um eine perfekte Oktavreinheit zu erzielen. Der Hals ist ebenfalls aus Nato und in sehr Gretsch-untypischer Weise am Korpus befestigt. Er ist – ein klarer Fall von Blasphemie 🙂 – verschraubt (vier Schrauben, kein Neckplate), sitzt aber wirklich bombenfest und absolut passgenau in seiner Halstasche.

Das schwarz eingefasste Griffbrett aus Laurel (Familie der Loorbeergewächse) bringt nun wirklich den G-Faktor nach vorne, denn außer den 22 bestens polierten und verrundeten Medium-Jumbo-Bünden finden wir hier die klassischen Perloid-Thumbnail-Einlagen an der oberen Griffbrettkante.

Über den Sattel aus synthetischem Knochen gehen die Saiten zur breitflächig angeschäfteten Kopfplatte im schlanken klassischen Duo-Jet-Coke-Bottle-Zuschnitt. Mit einem großen Trussrod-Cover getarnt, verbirgt sich hier auch der Zugang zum Halsstellstab. Die Die-Cast-Stimmmechaniken sind – dem Preis der Gitarre geschuldet – No-Name-Produkte, laufen aber sahnig und scheinen einen sauberen Job zu machen.

(Bild: Dieter Stork)

PLAY IT LOUD

Die Streamliner hängt mit ihren angenehmen 3,5 kg bequem und ausgewogen am Gurt. Der hochglanzlackierte Hals bietet mit seinem satten C-Profil (Gretsch nennt das allerdings Thin U) und einer Griffbrettbreite von gut 43 mm am Sattel sehr erwachsene, gleichwohl komfortable Spielbedingungen. Man hat richtig was in der Hand, und trifft dabei auf eine saubere Bundierung, einen modernen 12″-Griffbrettradius und eine tadellose Werkseinstellung der Saitenlage. Toller erster Eindruck.

Die G2210 vermittelt unverstärkt einen klaren, satten, lauten, aber auch warmen Klangcharakter – und tatsächlich bestätigt der sich dann auch über den Amp. Einfach clean am Fender Princeton hat man gleich mal einen mehr als ordentlichen Rhythmus-Sound, bei dem sich die Pickups als sehr gut aufeinander abgestimmt erweisen.

Die BroadTron-Humbucker verfolgen dabei ziemlich selbstbewusst eine eigene Linie, sie haben weniger Twang als ein FilterTron, dafür mehr Bauch und PAF-Anteile als dieser. Man könnte das irgendwo zwischen Burst-bucker und FilterTron verorten.

Was nun wieder typisch Gretsch ist, und eher im Zerr-Modus zum Tragen kommt: Volume- und Tone-Poti sind kaum sinnvoll nutzbar. Im Overdrive per Volume den Zerrgrad regulieren … kann man voll vergessen. Auch das Tone-Poti macht von 10 – 2 gar nichts und schaltet dann quasi auf Mumpf. Ergo: Potis aufdrehen und alles andere mit Pedals und/oder Amp-Kanälen lösen.

So lässt sich vorzüglich mit der Junior Jet arbeiten, und sie erweist sich im Weiteren als wirklich sehr vielseitig. Von Jazzigem über Blues, Riff-Rock zu echt harten Gangarten lässt sich alles überzeugend realisieren. Für Country-Sachen würde mir der nötige Twang fehlen. Die Gretsch macht immer eine gute Figur, wenn auch das letzte Maß an Detail-Auflösung, Saitentrennung und Oberton-Reichtum fehlen mag – das ist viel Gitarre fürs Geld.

RESÜMEE

Die G2210 ist eine Gitarre, die man nicht unbesehen im Internet ordern sollte, sondern lieber im Laden des Vertrauens ausprobiert. Warum? Weil sie bestimmte Gretsch-Attribute erfüllen kann, andere aber auch nicht (was sie vielleicht auch gar nicht will oder – zu diesem Preis – einfach nicht kann). Unstrittig ist ihre tolle Bespielbarkeit und ihre beeindruckende Vielseitigkeit in diversen Genres. Die Streamliner Junior Jet Club ist auf jeden Fall eindeutig mehr als eine Einsteiger-Gitarre.

PLUS

● Verarbeitung, Bundierung, Lackierung, Werkseinstellung
● Bespielbarkeit
● BroadTron-PUs mit eigenem Charakter
● in vielen Genres einsetzbar
● Preis-Leistungs-Verhältnis

MINUS

● Potis nicht sinnvoll nutzbar

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2020)

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