Produkt: Gitarre & Bass 6/2019 Digital
Gitarre & Bass 6/2019 Digital
Neoclassical Bluesrock: Yngwie Malmsteen+++Strat, Style, Strings, Sound: Jimmie Vaughan+++Glam-Metal 2019: Steel Panther+++Auf langer Abschieds-Tour: Rickey Medlocke & Lynyrd Skynyrd
Aus dem neuen Heft

Test: GR Bass GR210, GR212, AT112, AT212 & Firmenbesuch

(Bild: Dieter Stork)

Mein erstes Auto war ein Fiat Fiorino Kastenwagen. Mein zweites ebenfalls. Tolle Kisten, mit denen ich spielend zwei 4×12″-Bassboxen plus zwei Röhren-Tops mitnehmen konnte, plus zwei, drei Bässe, plus mein Fahrrad, falls ich nach dem Auftritt nicht mehr Auto fahren durfte.

Einen Ferrari bin ich noch nie gefahren. In den hätte auch nichts davon reingepasst. Was das mit den Boxen von GR Bass zu tun hat? Da gibt es, neben der italieni­schen Herkunft, durchaus Bezüge…

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HOLZKLASSE

Die Marke ist noch relativ neu, in der Ausgabe 5/2019 hatte Dirk Groll schon das Vergnügen mit dem GR-One-800-Top und einer schmalen 2x12er-Box.

Also fange ich doch gleich mal mit der mir zum Testen anvertrau­ten größeren GR212 an. Ganz traditionell ist sie aus 18 mm Birken­sperrholz gebaut, mit 15 mm Pappel für die Schallwand. Sauber mit Tolex bezogen, hat sie acht schützende Metallecken und steht auf dicken Gummifüßen. Metallgriffe im Marshall-Format finden sich links und rechts. Im hinteren Anschlussfeld sitzen zwei Speakon-Buchsen und ein L-Regler für das Hochtonhorn. Die Box verträgt saftige 700 Watt RMS, die sie mit zwei Sica-12″-Neodym-Speakern, ebenfalls aus Bella Italia, plus Hochtöner umsetzt.

Anschlussfeld der AT112 ...
... und der GR210

Ein solides, dabei aber schalldurchlässiges Metallgitter schützt die Lautsprecher und die Bassreflexöffnungen vor unliebsamen Begegnungen während des Transports oder der Show. Im Inneren ist die Box mit Dämm-Schaumstoff ausgeschlagen, was Resonanzen vorbeugt und die Wiedergabe trockener macht. Mit 20 kg ist die GR212 auch alleine tragbar, die Griffschalen sind gut eingesetzt und bequem.

Ziemlich originell platziert ist der Griff bei der GR210, nämlich obendrauf. Durch das kleinere Maß ist die Box aber auch so gut zu handhaben. Mit 16 kg ist sie noch etwas leichter, bei ansonsten gleichem Aufbau, was Holz, Bezug und Anschluss angeht. Die Speaker sind Zehnzoll-Sica, zusammen mit dem Hochtöner ist die Box mit 600 Watt angegeben. Wie die GR212 habe ich sie als 4-Ohm-Variante vor mir, es gibt sie aber auch mit 8 Ohm. Das könnte zum Beispiel spannend sein, wenn man ein GR-Bass-Top, die auch 2,7 Ohm vertragen, mit GR210 und GR212 kombinieren möchte. Dem kleinen OCD-ler in mir widerstrebt es natürlich, die 210 auf der 212 zu sehen. Die Breite ist gleich, die 212er aber zweieinhalb Zentimeter tiefer… Die Stabilität ist davon selbstverständlich nicht beein­trächtigt.

SOUND – TEIL 1

GR Bass – was übrigens für Firmengründer Gianfranco Rizzi steht – war so freundlich, mir nochmal das GR-One-800-Top mitzuschicken. Also Feuer frei, erstmal an der GR210. 800 Watt muss der kleine Kasten verkraften, und macht das für seine Größe erstaunlich gut!

Der Grund-Sound ist klar und geht erstaunlich tief runter. Okay, 35 Hz sind als untere Grenzfrequenz angegeben, aber Papier ist geduldig… So souverän, wie die Box einen aktiven Fünfsaiter verdaut, habe ich daran absolut keinen Zweifel. Bei höheren Laut­stärken hüpfen die Membrane der Speaker ganz ordentlich, Verzer­rungen kann ich aber auch bei beeindruckendem Pegel und Schub nicht ausmachen. Der L-Regler bietet stufenlose Kontrolle über das Hochtöner geschehen. Ganz runtergedreht kommen auch Vintage-Freunde auf ihre Kosten. Das Klangbild wird mittig-drückend, mit ausreichend Präsenz, um in Form zu bleiben. Je weiter dann aufgedreht wird, desto strahlender wird es, immer gut angebunden an die beiden Tieftöner. Schon mal eine sehr ange­nehme Erfahrung!

Ebenfalls mit 35 Hz bis 22 kHz ist die GR212 angegeben. Das nimmt man ihr schon aufgrund des größeren Volumens ab, und das liefert sie auch spielend. Lockerer im Bass geht sie mit dem Signal aus dem Amp noch entspannter um. Die Mitten sind dicker und Zuga­ben seitens des Amps oder Basses setzt sie in allen Frequenzberei­chen sauber um. Mit aufgedrehtem Horn ist die Klarheit dieselbe, auch eine betont saubere Wiedergabe ist kein Problem für die Box. Hätte ich nur diese beiden Boxen zum Test bekommen, ich würde jetzt ein zufriedenes, gutes Fazit ziehen und GR Bass attestieren, Boxen zu bauen, die mit den etablierten Platzhirschen ohne Prob­leme mithalten können. Wiedergabe, Transportabilität und Preis bekommen samt und sonders gute Noten.

LUFT- UND RAUMFAHRT UND BOXENBAU

UPS hat ja aber noch zwei Pakete gebracht, die eigentlich zu leicht sind für Bassboxen. Bei der AT112 ist der Unterschied zur Holzver­sion gar nicht so groß, je größer die Box wird, desto deutlicher wird es. Die AT212 wiegt 12,9 kg statt 20 kg, bei der größten 4×10″ sind es sogar 10 kg Unterschied. Wie geht das? Die Seitenteileverraten es schon…


ZU BESUCH BEI GR BASS

Revolution in der Konstruktion

Die neuen AeroTech-Bassboxen von GR Bass kamen auf der NAMM sensationell an. Ihre superleichten Gehäuse bestehen aus einem speziellen Schaum, der zwischen zwei Schichten Kohlefaser gepresst wird. Der Importeur The Music Alliance gewährte uns einen Blick in die Fabrik…

Monopoli ist eine Stadt in Süditalien und ja, wir haben natürlich alle Witze gemacht, und nein, wir haben kein Hotel in der Schlossallee. Dieses wunderschöne Fischer­dorf an der Ostküste wirkt wie eine Filmkulisse. Außerhalb des Zentrums befindet sich ein modernes Gebäude: das GR-Bass-Hauptquartier. GR steht für Gianfranco Rizzi, ein Elektronikspezia­list, der einst Alarmsysteme entwickelte, nun aber mit einem klei­nen Team Bassverstärker baut.

Die italienische Firma ist im beschaulichen Örtchen Monopoli ansässig.

Die GR-Tops und -Combos sind für ihre hochwertigen Komponenten und cleveren Features bekannt, z.B. ein 9-V-Effektausgang, ein eingebauter Tuner, oder auch ein DI-Ausgang, bei dem ein lauter Knall über das PA-System aus­bleibt, wenn man unangekündigt das Kabel heraus zieht. Während andere Hersteller Produktionskosten abwägen, setzt Gianfranco auf die bestmögliche Qualität.

[…]

FORMEL 1

Gianfranco Rizzi experimentierte in den letzten zwei Jahren mit vielen Materialien und fertigte Dutzende von Prototypen für seine AeroTech-Gehäuse. Das Ergebnis ist eine Reihe von Lautsprecherboxen aus leichtem Schaumstoff, der zwischen zwei Schichten Kohlefaser gepresst wird. Das Material, das auch in kugelsicheren Westen und Formel-1-Fahrzeugen zum Einsatz kommt, macht die Gehäuse extrem steif und superleicht.

Mit einem speziellen Klebstoff werden die Paneele aus Kohlefaser und Schaumstoff zu Gehäusen zusammengefügt.
Fließband sieht anders aus: Endmontage einer AeroTech 4x10.
Hardware und Tolex täuschen fast über die außergewöhnliche Bauweise hinweg.

Gianfranco: „Ich habe das Glück, in Italien zu leben. Hier gibt es viele Hersteller von Kohlefasern, unter anderem Marken wie Ferrari und Ducati sowie die vielen Zulieferer der Flugzeugindustrie. In China ist alles billiger, aber Kohlefaser kostet da doppelt so viel!“

Neben der Suche nach dem passenden Material war auch die Verarbeitung eine Herausforderung. Man musste einen geeigneten Klebstoff zur Verbindung der Paneele finden, praktikable Schraubenbuchsen zur Montage der Lautsprecher und obendrein ein optisch ansprechendes Gesamtkonzept. Die Kohlefaser-Frontplatte ist hinter einem Lautsprechergitter versteckt, die Ober- und Rückseite sind mit Tolex bedeckt, die Carbon-Seiten dagegen strahlen Hightech aus. Das passt nicht zu einem Vintage-Top? In Zukunft wird es vielleicht…

Produkt: Gitarre & Bass 8/2019 Digital
Gitarre & Bass 8/2019 Digital
Special: PUNKROCK – Die Toten Hosen, Donots, Muff Potter +++ STORY: Paul Gilbert, Derek Trucks, Stu Hamm, Esperanza Spalding, Laura Cox, The Amazons, Accept, Carol Kaye, Keith Merrow +++ TEST: LTD Xtone PS-1000, Framus D Series, Mesa California Tweed 6V6 4:Forty, BassLine Bustiny 5, Collings D2H, G&L Fullerton Deluxe ASAT, EBS Reidmar 502, Walrus Audio Lillian & Monument, Seymour Duncan Billy Gibbons Red Devil PUs

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