Gans/Ganz was besonderes
Test: Gooseman Pure 5
von Joris Henke, Artikel aus dem Archiv
MITLÄUFER
Das Gesamtpaket wird durch die bewährte 2-Band-Elektronik aus dem Hause Noll abgerundet. Die Regelwege sind musikalisch, rauscharme Bauteile gehören hier ohnehin zum Standard und sowohl die Bässe als auch die Höhen greifen angenehm organisch ins Geschehen ein. Besonders die dezente Anhebung der Höhen steht dem Gooseman ausgesprochen gut.
Sie bringt bei Bedarf eine Prise mehr Brillanz und Schärfe ins Spiel, ohne aufdringlich zu wirken oder das natürliche Klangbild stark zu verfälschen. Das kommt bei drahtigen Sounds mit Plek oder beim Slapping ebenso gut wie beim Solieren im stillen Kämmerlein. Das Poti der Bassregelung habe ich, wie in den meisten Fällen, eigentlich nur verwendet, wenn ich das Balance-Poti zum Großteil oder sogar vollständig in Richtung Bridge gedreht hatte.
Hier ist eine Anhebung des Bassdrucks fast Pflicht. Vom Hals-PU kommt bereits ausreichend Bassanteil, sodass ich den Regler in der Regel in der Neutralstellung belasse.
Ein weiterer Pluspunkt des unsichtbaren Pickup-Designs zeigt sich übrigens beim härteren Spiel, als ich den Bass mit einem Verzerrer ausprobierte: Da die Tonabnehmer vollständig unter der Decke verschwinden, ist der Abstand zwischen Saite und PU größer als bei regulären, geschlossenen Pickups. Somit besteht kein Risiko, dass die Saiten beim kräftigen Anschlag an die Pickups schlagen.
Es gibt kein nerviges „Klack”, kein ungewolltes Clipping im Preamp und keine Blessuren in Holz oder PU. Es gibt einfach nur ein sauberes Spielgefühl mit hohem Dynamikumfang, egal wie beherzt man in die Saiten langt. Auch wenn es sich zunächst beinahe falsch anfühlt, auf diesem schicken Bass grobschlächtige Songs zu spielen, liefert der Pure Bass auch hier voll ab.
Generell nimmt das Instrument verschiedene Spieltechniken ausgezeichnet an und geht beim Spielen mit. Ich habe immer mal wieder Instrumente in der Hand, gegen die ich in bestimmten Bereichen „kämpfen” muss. Der Gooseman gehört nicht dazu und präsentiert sich als sehr kooperativer Geselle.
(Bild: Dieter Stork)
RESÜMEE
Mit dem Pure Bass beweist Gooseman eindrucksvoll, dass der Mut zu ungewöhnlichen Ideen nicht nur optisch reizvoll, sondern auch funktional überzeugend sein kann. Das Design ist gut durchdacht, wirkt aber nicht verkopft, und verbindet pragmatische Lösungen mit einer klaren ästhetischen Linie. Hinzu kommen eine hervorragende Balance, ein angenehmes Gewicht und ein voller Ton mit dezenten Jazz-Bass-Anleihen.
Wer ein individuelles, individualisierbares und gut spielbares Instrument sucht, das sich bewusst abseits gängiger Muster bewegt, findet in Ingo einen guten Ansprechpartner.

(erschienen in Gitarre & Bass 02/2026)
Das könnte dich auch interessieren