Gans/Ganz was besonderes

Test: Gooseman Pure 5

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(Bild: Dieter Stork)

Ingo Ganzmann baut im fränkischen Erlangen unter dem mit einem Augenzwinkern gewählten Namen Gooseman (englisch gesprochen!) Custombässe der etwas anderen Art. Das Design wandert auf dem Grat zwischen spartanisch und vollgepackt mit Technik und Ideen. Ein auf den ersten Blick „nacktes” Exemplar des Modells „Pure Bass” liegt mir als Fünfsaiter zum Test vor.

Ich mag unkonventionelle Ideen und Ansätze. Umso besser, wenn sie auch umgesetzt werden. Ingo Ganzmann ist so jemand. Seine Instrumente sollen nicht nur gut klingen, sondern auch ergonomisch und optisch aus der breiten Masse hervorstechen. Während andere Hersteller bei der Verfolgung dieses Ziels auf knallige Farben und bunte LEDs setzen, hat sich Ingo dafür entschieden, dass weniger auch mehr sein kann.

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ÜBERSICHT

Das gilt auch für den Preis. Die Preisspanne für reguläre Aufträge liegt bei 2500 bis 3000 Euro, wobei das Testexemplar genau in der Mitte liegt. Für einen Customshop-Bass aus deutscher Fertigung ist das ein beeindruckender Preis. Zum Einsatz kommt dabei ein ausgewählter Holzmix. In diesem Fall besteht der durchgehende Hals aus Ahorn und Walnuss, während die Korpusflügel aus ansprechender und leichter Sumpfesche gefertigt sind. Als optisches Schmankerl ist die Konstruktion ebenfalls mit Esche bedeckt, jedoch in gerösteter Ausführung. Hierdurch entsteht ein schönes, optisches Bindeglied zwischen der hellen Esche und dem dunklen Ebenholz des Griffbretts.

Das Testexemplar kommt ohne Kopfplatte und lediglich mit Saitenklemmung am Halsende daher. Ingo baut jedoch auch Instrumente mit Kopfplatte, und auf Wunsch ist auch Multiscale möglich. Um das optische Understatement zu erreichen, wurden die Stimmmechaniken unter die Korpusdecke „verbannt”. Das wirkt edel, und dank gut gelagerter Schrauben lässt sich auch die hohe E-Saite ohne Probleme stimmen.

Beim Pure Bass fallen sofort die fehlenden Mechaniken und Tonabnehmer auf. Wobei „fehlen” nicht ganz stimmt: Wer hier den Einsatz eines versteckten Piezo-Systems vermutet, irrt leider. Um die schönen Hölzer für sich sprechen zu lassen, sind die Tonabnehmer auf der Rückseite verbaut und somit unter der Holzdecke des Korpus versteckt. Das sieht nicht nur edel aus und wirkt zugleich futuristisch und nostalgisch, sondern sorgt auch dafür, dass sich an jeder Position über den Saiten das gleiche Handgefühl einstellt.

Auf eine Daumenstütze muss jedoch nicht verzichtet werden – damit ist nicht die H-Saite gemeint. Oberhalb der Saiten wurde eine großzügige Aussparung in den Korpus gefräst, in der sich der Daumen ganz bequem abstellen lässt. Dank der Verrundung und der natürlich belassenen Oberfläche der Korpusdecke fühlt sich das für mich sogar angenehmer an als das Ablegen auf so manchem Tonabnehmer.

Das Gegenstück zur Daumenablage ist der „Slapcut”, der sich am unteren Cutaway befindet. Er trägt zum einen als interessanter Akzent zum Design bei, ist aber auch praktisch. Aufgrund der geringen Distanz zwischen Saiten und Korpusdecke fühlt es sich beim Spielen so an, als sei der Bass mit einer riesigen Fingerrampe ausgestattet. Deshalb ist ein wenig mehr Freiraum für den Zeige- und Mittelfinger beim Einsatz von Slap-Techniken sinnvoll und angenehm.

Insgesamt bringt diese Konstruktion nicht einmal 3.600 g auf die Waage, und trotz des sehr fleischigen Halsprofils ist der Bass wunderbar ausbalanciert. Wer dünne Hälse bevorzugt, bekommt auf Wunsch aber auch diese.

UNTER DER HAUBE

Ganz im Sinne des Namens ist auch die Oberfläche „pure” gehalten und lediglich geölt. Mir persönlich gefällt das natürliche Holzgefühl sehr gut, aber ob man Öl oder Lack bevorzugt, ist natürlich Geschmackssache. Der sehr fleischige Hals des Testexemplars weist im Vergleich zum restlichen Bass noch eine sehr rohe Oberfläche auf.

Das liegt daran, dass sich das Halsprofil noch im „Demomodus” befindet. Wer sich für den Kauf dieses Exemplars entscheidet, kann das Profil noch nach eigenen Wünschen anpassen lassen. Holz abzufeilen ist schließlich einfacher, als es hinterher wieder aufzutragen. Ich bin eher Fan schlanker Halsprofile, dennoch spielt sich der Pure Bass ausgesprochen gut. Zwar könnten die Bundkanten für den visuellen Eindruck etwas gleichmäßiger verrundet sein, sie sind dennoch weich und beeinträchtigen die Bespielbarkeit nicht. Der wichtigste Punkt auf der Checkliste ist mehr als nur erfüllt.

Dank der gut abgerichteten, schmalen Bundkronen ist eine schnarrfreie und flache Saitenlage einstellbar, wodurch sich das Instrument ausgesprochen mühelos mit sehr homogenem Saitendruck über alle Lagen spielen lässt. Die akustische Ansprache ist direkt und agil, aber nicht hart oder übertrieben drahtig. Wuchtiger Tiefbass oder bissige Hochmitten sind eher nicht das Metier des Goosemans. Meiner Meinung nach liegen die Stärken eher im Bereich der gefälligeren Mitten und sanfteren Höhen.

Damit ist nicht gemeint, dass der Bass dumpf klingt, keinesfalls. Es ist ein eher weicher und unaufdringlicher Grundklang. Das schließt jedoch nicht aus, dass der Pure Bass auch härtere Saiten aufziehen kann, wie sich später zeigen wird.

Zur Übertragung der mechanischen Schwingungen sind hier zwei brummfreie Singlecoils von Delano verbaut. Sie verrichten ihre Arbeit unauffällig und liefern in erster Linie das, was der Bass selbst auch bringt. Ein überaus charmantes Detail der Konstruktion ist, dass sich die Pickups in ihrer Position variieren lassen. Hierzu muss lediglich die aus dem PU-Deckel ragende Schraube gelöst und mit sanftem Druck verschoben werden. Dadurch lässt sich der Sound insbesondere im Bereich des Bridge-Pickups deutlich feinjustieren.

Die Pickup-Position ist verstellbar. (Bild: Dieter Stork)

Der Einstellbereich deckt in etwa den Unterschied zwischen einem 60s- und einem 70s-Jazzbass ab. Die so erreichten Unterschiede sind deutlich hörbar. Insbesondere am Bridge-PU ist der Grundsound knurrig und etwas nasal. Durch die erwähnte Möglichkeit der Positionsveränderung lässt sich die Ausrichtung in den Hochmitten jedoch an den eigenen Geschmack anpassen.

Deutlich holziger und etwas offener geht es am Hals-PU zu, der gleichzeitig eine bauchige Fülle im Bassbereich bietet, ohne zu wummern oder zu dröhnen. Im Zusammenspiel erzeugen die beiden Tonabnehmer einen kernigen, eher warmen Sound mit Druck in der Magengrubengegend und einer gesunden Portion Durchsetzungsvermögen in den Hochmitten. So ergibt sich ein tragender, allgemein mixdienlicher Sound.

Das E-Fach ist mit Kupferfolie abgeschirmt. (Bild: Dieter Stork)

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