Produkt: Gitarre & Bass 4/2019
Gitarre & Bass 4/2019
INTERVIEWS: Bryan Adams, Tommy Emmanuel, Devin Townsend+++SPECIAL: Jazzgitarre in Deutschland+++Tiefer. Härter. Breiter: Die ERG-Highlights der NAMM 2019
Aus dem neuen Heft

Test: Gibson Les Paul Tribute STB & Standard 50s Gold Top

Gibson Les Paul Tribute STB Standard 50s Gold Top - 1(Bild: Dieter Stork)

Das vergangene Jahr war eines der turbulentesten in der Geschichte des amerikanischen Gitarrenherstellers. Nachdem der Konzern am im Mai 2018 gemäß Chapter 11 des amerikanischen Insolventsrechts eine Reorganisation beantragt hatte, übernahm am 01.11. James Curleigh als CEO die Leitung. Sicherlich keine leichte Aufgabe. Jedoch bereits zur Winter NAMM Show 2019 präsentierte Gibson sein neues Instrumenten-Portfolio.

Gleich zwei Les Pauls sind mir für diesen Test ins Haus geflattert, nämlich eine Tribute aus der Modern Collection und eine Standard 50s aus der Original Collection. Erstere ist preislich deutlich unter dem Studio-Modell angesiedelt, mit Letzterer zollt Gibson seinen alten Ikonen Tribut, ohne jedoch in die Preisregionen von Custom-Shop-Gitarren vorzudringen.

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Die Konstruktionsdetails einer Les Paul setze ich bei den Lesern unseres Magazins mal als bekannt voraus. Mahagonikorpus ist klar, auch wenn der der Tribute knapp 5 mm dünner ausfällt als der der Standard und zusätzliche Weight-Relief-Bohrungen deren Gewicht um gut 700 Gramm reduzieren. Während beide Paulas massive gewölbte Ahorndecken und echte (!) Palisandergriffbretter besitzen, kommt die Tribute mit einem eingeleimten Ahornhals, die Standard 50s ganz klassisch mit einem aus Mahagoni.

Gänzlich verzichtet hat Gibson bei der Tribute auf Randeinfassungen, immerhin nutzt man die Schnittkante der Decke als Fake Binding. Hier wie dort wurden die Hälse mit kurzen Füßen eingeleimt (Short Tenon), die in den Fräsungen der Hals-Pickups daher nicht zu sehen sind. Als Griffbrettmarkierungen dienen Trapez-Inlays aus Acryl mit leicht abgerundeten Spitzen und weiße bzw. schwarze Sidedots.

Gibson Les Paul Tribute STB Standard 50s Gold Top - 2
Halsfuß Les Paul Tribute (Bild: Dieter Stork)

Überrascht hat mich das Profil der jeweils 22 passabel bearbeiteten Bünde: Im Gegensatz zum üblichen Jumbo-Trend kommen bei beiden Modellen eher flache schmale Bünde zum Einsatz, auch wenn Gibson sie als Medium Jumbo bezeichnet. Die gewohnten Micarta-Sättel mussten weißen GraphTechs weichen, was durchaus als Verbesserung zu werten ist. Während die String Spacings präzise gekerbt wurden, gibt es hinsichtlich der Kerbenabrichtung noch Nachbesserungsbedarf, da die Höhen einzelner Saiten variieren.

Die traditionell mit schwarzem Furnier versehenen Kopfplatten tragen präzise und geschmeidig agierende Kluson-style Gibson Deluxe Tuner mit Tulip-Knöpfen. Zum Lieferumfang der Standard 50s zählt eine zusätzliche Trussrod-Abdeckung ohne Gravur, während der Tribute eine cremefarbene U-Scheibe für den Pickup-Schalter beiliegt, die bei Bedarf montiert werden kann.

Selbstverständlich hat man beide Gitarren mit Tune-o-matic-Stegen und klassischen Stoptails bestückt, die Tribute mit einer Nashville-, die Standard mit einer ABR-1- Bridge. Die Stützen werden nicht mehr direkt in die Decke geschraubt, sondern sitzen in eingelassenen Metallhülsen.

Oberkante bündig eingelassene Kunststoffdeckel verschließen die Kammern von Elektrik und Toggle Switches. Alle elektrischen Komponenten der Tribute treffen sich auf einer Platine mit Steckkontakten und Kondensatoren, während die der Standard auf einem Blech handverlötet wurden. Hier sind sogar Orange-Drop-Kondensatoren am Start. Die Klinkenbuchsen werden von cremefarbenen Zargenplättchen getragen, Vintage- bzw. große Aluknöpfe sichern den Gurt.

Die Wandlung der Saitenschwingungen übernehmen bei der Tribute 490R- und 490T-Humbucker, bei der Standard Burst-Bucker 1 und 2. In beiden Fällen werden sie mit solidem Dreiweg-Toggle, zwei Volume- und zwei Tone-Reglern verwaltet. Position Pointers sucht man bei der Tribute vergebens.

Gibson Les Paul Tribute STB Standard 50s Gold Top - 2
Reglerknöpfe Les Paul Tribute (Bild: Dieter Stork)

… und action!

Ich persönlich liebe leichte Les Pauls, sofern sie nicht leichtgebohrt oder chambered, sondern aus leichten resonanzfreudigen Hölzern gebaut wurden. Konzentriert man sich auf das reine Gewicht, fährt die Tribute natürlich Pluspunkte ein, während die Goldtop recht heftig am Gurt zerrt. Trotz Weight Relief der Tribute gibt es in beiden Fällen weder am Gurt noch auf dem Bein Balanceprobleme.

Von Halsstärken und -profilen abgesehen, wurden aus ergonomischer Sicht traditionelle Les Pauls nie Modifikationen unterzogen (außer Les Paul Access), auch wenn der etwas kleinere Halsfuß der Tribute die höchsten Lagen leichter zugänglich macht. Bei nahezu identischer Breite besitzt der Hals der Standard 50s zwar das kräftigere Profil, beide liegen jedoch richtig angenehm und stressarm in der Hand. Gleichzeitig bietet das Satin Finish des Ahornhalses besseren weil holzig wärmeren Grip.

Die für heutige Verhältnisse relativ niedrigen und schlanken Bünde lassen sich vorzüglich bespielen und minimieren zugleich Stimmungsprobleme bei tieflagigen Akkorden mit leer schwingenden Saiten. Die dank der Position Pointers höher positionierten Reglerknöpfe der Goldtop lassen sich komfortabler handhaben als die der Tribute.

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