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Test: Fender Newporter Classic & Malibu Special

Fender Newporter
FOTO: Dieter Stork

Schön, wenn Gitarren gleich Bilder im Kopf erzeugen. Bei diesen Fender-Acoustics sehe ich einen VW-Bus mit Surfbrett auf dem Dach, die Beach-Boys und den Santa Monica Pier …

Um aber der Reihe nach zu gehen: Der erste Hingucker bei diesem Test-Duo waren nicht die Gitarren selbst, sondern die ober-coolen Gigbags, in denen sie steckten. Die sehen super aus, sind clever durchdacht und könnten selbst zum Verkaufsschlager werden.

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was fürs auge

Die beiden Steelstrings entstammen der neuen California Series, zu der auch noch ein etwa Dreadnought-formatiges Modell gehört. Die Labels im Korpusinneren schicken uns erst mal einen freundlichen Gruß aus der globalen Welt: Designed in Southern California, Built by Fender, Crafted in China – alles klar? Was die zwei südkalifornischen Beauties sonst noch gemeinsam haben sind eine ganze Reihe guter Zutaten. Da wären massive Decken aus Sitka-Fichte, ebenfalls massive Böden und Zargen aus Mahagoni, Echtholz-Bindings, Hälse aus Mahagoni mit Pau-Ferro-Griffbrettern, Sättel und Stegeinlagen aus Knochen, Fishman-Elektronik – alles vom Feinsten.

Bei der etwa Triple-0-großen Newporter Classic, die mit einem Cutaway ausgestattet ist, kommt dann noch eine echt coole Deckenlackierung in Cosmic Turquise dazu, reizvoll abgesetzt von den Zargen mittels Koa-Binding – sieht richtig gut aus. Zu einer unverkennbaren Fender-Acoustic wird dieses Instrument natürlich durch die Stratocaster-Kopfplatte mit sechs Kluson-Style-Mechaniken in Reihe, einem String-Tree für H- und E-Saite und einem „Matching Headstock“-Finish, will sagen: Lackierung in Korpusfarbe.

Mit einer Mensur von 650 mm und 20 sehr sauber eingesetzten Bünden bietet das Modell erwachsene Spielbedingungen und präsentiert sich als Allrounder. Und das auch verstärkt – das von Fender und Fishman entwickelte Pickup/Preamp-System sorgt dafür.

Die wesentlich kompaktere Malibu Special sieht auch klasse aus. Sie ist komplett – inklusive Halsrückseite – in Mattschwarz gehalten, Binding und Schalllochumrandung sind aus hellem Ahorn gefertigt. Der entscheidende Unterschied zur Newporter liegt in der Mensur, die hier – beim kleinsten Modell der California Series – nur 612 mm beträgt. Eine Travel-, Beach-, Blues-Club- oder Lagerfeuergitarre aus besten Materialien (bzw. für gehobene Ansprüche) präsentiert sich hier.

Und auch sie hat natürlich die Elektronik an Bord, die mit griffigen, mittig rastenden Reglern für Volume, Bass und Treble sowie einem gut ablesbaren Tuner eigentlich alles mitbringt, was man für einen stressfreien Auftritt braucht. Die Abstimmung von Pickup und Preamp ist laut Fender individuell auf jedes Modell abgestimmt.

Fender Newporter
FOTO: Dieter Stork

was fürs ohr

Die Newporter Classic hat so in etwa das Korpusvolumen einer Triple-0 und liegt entsprechend bequem auf dem Schoß des Spielers. Dank der zwei Gurtpins – der eine vorne auf der Zarge, der andere hinten abgekoppelt vom Klinke-Output – spielt sie sich auch bestens im Stehen. Der dunkel mattierte Hals liegt wie selbstverständlich in der Hand und wird auch E-Gitarristen keine große Eingewöhnungsphase abverlangen. Man spielt erfreut drauf los, erreicht dank Cutaway auch die hohen Lagen mühelos, stellt aber auch fest, dass die Saitenlage hier eher deftig ist.

Da der Hals schon ganz gerade ist, und somit ein weiteres Anziehen des Halsstellstabes nichts bringt, müsste man die Stegeinlage etwas herunterfeilen. Keine große Sache – man muss dies aber sehr präzise tun und eine ganz plane Unterseite schaffen, da sonst der Druck auf den Piezo-Pickup variiert und eine ausgewogene Übertragung der Saiten nicht mehr gewährleistet ist.

Der Klang der Newporter Classic punktet voll im Plus. Da machen sich jetzt die guten Hölzer und die tadellose Hardware bezahlt. Vollmundig und sonor erklingen die ersten Akkorde – mit definierten aber nicht zu fetten Bässen, mit angriffslustigen aber nicht nervenden Mitten, und mit klaren durchsetzungsfähigen Höhen. Die vollmassive Bauweise stellt dann natürlich auch ein gesundes Maß an Dynamik und Sustain zur Verfügung und vermag dem Stil des Spielers Ausdruck zu verleihen.

Allesamt positive Eigenschaften, die man in dieser hart umkämpften Preisklasse unter € 1000 aber auch verlangen muss, denn die Konkurrenz schläft nicht.

Bei der mattschwarzen Malibu Special liegt alles ein wenig kompakter beisammen – fühlt sich auch gut an. Für mich bietet sie sich besonders als Folk-/ Fingerpicking-Sixstring an. Sie klingt bei Akkord-Strumming nicht so voll-volumig wie das Schwestermodell, entfaltet ihren Charme aber umso mehr bei Blues-, Folk- oder Ragtime-Sachen.

Über den Acoustic-Amp gespielt, bewahren sich die beiden Modelle beeindruckender Weise ihren Eigencharakter ein gutes Stück weit. Natürlich kann man mit den Klangreglern etwas angleichen, aber die Fishman-Pickups sind keine Gleichmacher. Sie übertragen die Saiten ausgewogen, mit Frische und Natürlichkeit, da lässt sich – auch professionell – mit arbeiten. Der schicke Tuner ist gut ablesbar und bühnentauglich, im Studio wäre er mir allerdings etwas zu grob in der Anzeige.

was für dich?

Ich habe mich bei Testbeginn ernsthaft gefragt, ob die California-Fenders in dieser Preisklasse mithalten können. Es gibt brutal gute Konkurrenz-Gitarren, die gnadenlos abliefern. Aber siehe da – die Newporter Classic und die Malibu Special sehen nicht nur umwerfend aus, sie haben auch Qualität und Substanz zur Erfüllung professioneller Ansprüche. Und sie haben beide ihren eigenen Charakter, überzeugen unverstärkt genauso wie über Anlage – und sind in einem sehr schicken coolen Gigbag verpackt. Sollte man wirklich antesten!

Fender Newporter
Fender Newporter

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(erschienen in Gitarre & Bass 07/2018)

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