Brennt Gut!

Test: Fender Jimi Hendrix Monterey Stratocaster

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(Bild: Dieter Stork)

Vor ziemlich genau 50 Jahren, am 18. Juni 1967, holte der zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht so bekannte Gitarrist Jimi Hendrix beim International Pop Festival im kalifornischen Monterey für den letzten Song des Sets – passenderweise ‚Wild Thing‘ – eine bunt verzierte Stratocaster auf die Bühne. Dann geschah (für damalige Verhältnisse) Unfassbares: Am Ende des Stückes legte er das Instrument auf den Boden, küsste es wie zum Abschied, zündete es an und schlug es danach in Stücke. Ein ikonischer Moment der Rockgeschichte.

Der öffentliche Auftritt der berühmten Monterey-Strat dauerte nur Minuten – doch seitdem „brennen“ Generationen von Hendrix-Fans darauf, eine Strat mit genau diesem Look zu spielen. Es dauerte lange, bis Fender ihren Wunsch erfüllte, und dann auch nur in einer nicht unumstrittenen Custom-Shop-Variante. Kurz, die Nachfrage war immer da, das Angebot eher nicht, und so tummeln sich da draußen jede Menge „gemoddete“ Modelle von mehr oder weniger begabten Privatkünstlern. Zum 50. Jahrestag des Festivals grätscht nun Fender selbst wieder rein – dieses Mal mit einer zeitlich, aber nicht nach Stückzahlen begrenzten Version aus erschwinglicher mexikanischer Produktion.

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old school

Die Monterey-Gitarre war eigentlich eine 1965er Stratocaster in Fiesta Red, und die Neuauflage (ich nenne sie ab hier die „Monterey“) folgt in Konstruktion und Features dem Vorbild … Moment. Schlanker Ahornhals, Erlekorpus, Griffbrett aus … Pau Ferro? Richtig gelesen – Fender hält sich hier nicht sklavisch an die originalen Spezifikationen, sondern weicht, ganz modern und nachhaltig, bereits beim Griffbrettmaterial ab – den neuen CITES-Bestimmungen bezüglich des Handels mit Palisander geschuldet.

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Pau Ferro statt Palisander (Bild: Dieter Stork)

Ansonsten bietet der schön lackierte „C-Shape“-Hals die erwartbaren Maße und Features, also 21 eher schlanke und niedrige Bünde sowie einen 7,25-Zoll-Griffbrettradius. Vintage-orientierte Spieler können damit gut umgehen, wer eher an modernere Radien (American Standard Reihe = 9,5 Zoll) gewöhnt ist, wird erstmal die Mundwinkel nach unten ziehen. Eine briefmarkenflache Saitenlage kann man an der Brücke zwar einstellen, aber bei Bendings in den oberen Lagen liegen die Saiten dann auf den mittleren Bünden auf. Auch vintage-korrekt, dass Fender nicht den Zugang zum Halsstab wie bei neueren Strats an die Kopfplatte gelegt hat – die Einstellung des Halses ist also nur nach Abschrauben möglich.

Die gesamte Hardware folgt Vintage-Specs, wir sehen also filigrane Mechaniken mit Schlitzen für die Saitenführung, ein weitgehend verstimmungsfreies „old school“ Vibrato-System, sowie die übliche Poti-Konfiguration (1x Master, 2x Volume für Neck- und Middle-Pickup). Bei den Pickups handelt es sich laut Hersteller um Alnico-5-Vintage-Pickups, also twangy, aber erwartungsgemäß keine harten Rockgeräte. Gut, dass Fender der Gitarre – anders als beim Original – einen 5-Wegeschalter spendiert hat.

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Jimi Hendrix Konterfei (Bild: Dieter Stork)

Eine mit dem Konterfei von Jimi gestaltete Halsplatte ziert die Gitarre auf der Rückseite, ebenso wie seine Signatur auf der Hinterseite der Kopfplatte. Das große Alleinstellungsmerkmal, die Flowerpower-Verzierung, ist wohl so authentisch, wie es sich anhand von Fotos und Filmmaterial des legendären Einsatzes nachahmen lässt und eine gleichmäßige industrielle Fertigung erlaubt: Die Grafik sieht nicht roh und handgemalt aus (Jimi verwendete Nagellack) und liegt sicher verschlossen unter der Lackierung (Polyester).

Die Gitarre ist solide nach mexikanischem Standard verarbeitet und kommt mit 10er-Saiten und Gigbag. Die Werkseinstellung zumindest des vorliegenden Exemplars ist etwas lieblos – das Griffbrett könnte einen Tropfen Öl vertragen, der Hals noch eine Vierteldrehung am Trussrod, und die Brücke auch noch ein paar Kniffe hier und da. Wer eine perfekte Einstellung will, muss selbst Hand anlegen oder dies im Laden seines Vertrauens vornehmen lassen, aber auch hier ist gerade bei Strats viel Geschmackssache im Spiel.

es perlt

Wie immer bespiele ich Gitarren erst mal ausgiebig „trocken“, um mich vom oftmals täuschenden Klang der Pickups sowie der Amp-Einstellungen nicht beeinflussen zu lassen. Kurz gesagt: Die Monterey ist eine richtig gute Gitarre, die genau das liefert, was man von einer Stratocaster erwartet: Einen offenen, drahtigen Klang mit viel „Snap“, der eine gefühlvolle Tonformung erlaubt und jede Nuance des Spiels wiedergibt. Hier ist viel dreidimensionale Resonanz im Spiel, weniger flache Perkussivität und Härte, wie man sie oft bei Strats im Niedrig-, aber auch mittleren Preissegment antrifft. Der hochwertige Sound entspricht dem, was man in den vergangenen Jahren wohltuend aus mexikanischer Fender-Fertigung gewohnt ist und ist von meinen eigenen beiden American Standards nicht wirklich weit entfernt. Sicherlich muss man mit dem Vintage-Radius klarkommen; selbst bei der im Vergleich etwas erhöhten Saitenlage der Werkseinstellung zirpt die H-Saite, wenn man sie z. B. am 15. Bund vom D auf das E zieht. Wer hier sauber den Gilmour machen will, muss die Saitenlage noch höher einstellen.

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Fender Vintage Alnico 5 Singlecoils für authentischen Twang (Bild: Dieter Stork)

Jetzt aber genug lamentiert, Kabel rein und Amp aufgerissen. Resultat: Es perlt, twangt und glockt, dass es eine wahre Freude ist – mit diesen Pickups hat Fender eine Meisterleistung geliefert. Einmal durch das Intro von ‚Little Wing‘ gestümpert – der Grundsound stimmt, das Können muss man selbst mitbringen! Die Pickups klingen so authentisch, wie man sich wohl heute dem Sound einer im Jahr 1967 etwa zwei Jahre alten Gitarre, mit langem Spiralkabel durch voll aufgerissene Amps gejagt, annähern kann. Ich nudle mich nun durch mein Hendrix-Repertoire und entdecke keinerlei Schwächen im Klang.

Wer spielte noch eine rote 60s-Strat? Ah ja, Mark Knopfler – also packe ich auch noch ‚Sultans of Swing‘ aus, und das geht natürlich auch sehr gut. Noch kurz durch ‚Le Freak‘ geschrappt – passt auch. Clean, Crunch, auch mal ein bisschen mehr Gain (so in Richtung Deep Purple) – da liefert die Monterey brillante Ergebnisse. Freilich bedeuten Vintage Singlecoils auch, dass es brummt (mal etwas vereinfacht gesagt). Das zeigt sich, sobald man ganz authentisch ein Fuzz Face ins Spiel bringt oder den Amp auf „11“ dreht. Der Kalauer sei mir erlaubt: Das Ding „brennt“ dann richtig, und ganz wunderbar lässt sich die Zerrintensität hierbei mit dem Volumepoti regeln, als wäre dieses auf den Gebrauch mit Fuzz abgestimmt.

Aber: Wie beim Feuermachen muss man damit auch umzugehen wissen, und wer in einer Metalcore-Band spielt und ständig Channel 3 am Verstärker glühen hat, dem könnte ich die Monterey dann doch nur als absolut abgefeimter Verkäufer aufschwatzen und würde danach meine Telefonnummer ändern.

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So authentisch, wie es sich anhand von Bildern und Filmmitschnitten machen lässt: Reproduktion der Bemalung von Jimi (Bild: Dieter Stork)

alternativen

Wer sich für die Jimi Hendrix Monterey Strat interessiert, der tut dies sicherlich hauptsächlich wegen ihrer speziellen Optik. Denn wer die nicht unbedingt braucht, kann aktuell auch ganz einfach – und ca. € 160 günstiger – von Fender eine „Classic Series ‘60s“ ordern. Die hat die gleichen Features, minus Monterey-Details. Zudem ist seit einiger Zeit die „normale“ Fender Jimi Hendrix Stratocaster erhältlich, mit Reversed Headstock, um Jimis Linkshänder-Haltung zu faken, sowie mit leicht moderneren Features (9,5 Zoll-Griffbrett, Halsstabzugang auf der Kopfplatte), und deutlich günstiger – doch ohne Blumen! Wer diese will, der hat neben der neuen Monterey nur die Möglichkeit, sich auf dem Gebrauchtmarkt nach einer alten Custom Shop umzuschauen, oder sich selbst eine bemalen zu lassen – mit zweifelhaftem Ausgang.

Wer nicht markenhörig ist, dem bietet das Gitarrenlabel Vintage in Zusammenarbeit mit Strat-Maestro Thomas Blug die „V6MRHDX Summer of Love“, welche optisch dem Original folgt – inklusive umgedrehter Kopfplatte und zum halben Preis; ansonsten ist da aber nichts „vintage“ an der Vintage.

resümee

Einen sehr schönen 50. Jahrestag hat sich Fender ausgesucht, um die legendäre, wenn auch kurzlebige Monterey-Strat wieder auferstehen zu lassen. Dabei haben die Kalifornier sichtlich einen Spagat zwischen leicht modernisierten Features und historischer Authentizität hingelegt. Insgesamt ist bei der Neuauflage eine für Fans ziemlich alternativlose, richtig gute Stratocaster mit fantastischen Pickups rausgekommen, und das zu einem (für mexikanische Fertigung) zwar nicht super-günstigen, aber erschwinglichen Preis.

Kleiner Tipp am Rande: Viele „Millennials“ dürften nicht mehr wissen, wer diese Gitarre irgendwann mal erst bemalt und danach zerstört hat, und so kann man auch abseits des Hendrix-Kontexts mit der Blumengitarre für Aufmerksamkeit sorgen – mit oder ohne Pyro-Show!

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(erschienen in Gitarre & Bass 10/2017)

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