New Fender Electrics ahead

Test: Fender American Performer Stratocaster & American Performer Telecaster

Fender American Performer Strat Tele
(Bild: Dieter Stork)

Fender hat nun auch die Gitarren aus der Einstiegsklasse seiner American-made Instruments unter die Lupe genommen und kommt mit überarbeiteten Versionen seiner allseits bekannten Longseller heraus. Thema ist nicht Neuorientierung, sondern die Anpassung bewährter Designs an moderne Erfordernisse.

Die American Performer Series löst die American Special Series ab. Für die Instrumente der unteren Kategorie aus der Corona-Fabrik in Kalifornien ist das die erste Auffrischung nach mehr als zehn Jahren. Die neue Reihe umfasst neun Modelle in verschiedenen Ausführungen und coolen „hero colours“. Unsere Protagonisten sind im Übrigen auch in Versionen mit Humbucker zu haben: die Strat mit SSH-Konfiguration und die Tele mit HB am Hals.

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altbewährtes …

Die Entwürfe für die Tele und die Strat gehen ja bekanntlich bis in die End-40er- und beginnenden 50er-Jahre zurück. Da kann man wohl unwidersprochen von Klassikern reden und wer sollte denn auch an der geradezu ikonischen Prägung der Fender-Instrumente, an den Sinnbildern der E-Gitarre schlechthin, wirklich noch etwas ändern wollen? Klar, das Erscheinungsbild ist gesetzt, aber Fender war in den letzten Jahren schon auffallend bemüht, Handhabung und elektrische Umsetzung weiter zu verbessern. Ob das auch diesmal wieder geglückt ist?

Rough-Mix der grundlegenden Konstruktion:

Die Performer Stratocaster kommt mit einem zweiteilig mittig gefügten Korpus aus Erle in der bekannten Formgebung, dem ein Hals mit „Modern C“-Profil aus Ahorn plus Palisandergriffbrett (Ahorn alternativ) von 9.5“-Radius aufgeschraubt wurde. Zu loben ist die gute Kantenverrundung des Griffbretts und die saubere Verarbeitung der 22 Jumbo-Bünde. Wie schon in der vorausgehenden Special Series, so besitzt auch dieses Nachfolgemodell eine große Kopfplatte, ausgestattet mit „ClassicGear“ (Kluson-Style) Standard-Mechaniken und doppelten Saitenniederhaltern. Die Saiten schwingen nach wie vor mit 648 mm-Mensur zwischen dem schmalen Sattel aus synthetischem Knochen und der „Vintage-Style-Synchronized-Tremolo Bridge“.

Fender American Performer Strat Tele
Große Kopfplatte bei der Performer Stratocaster (Bild: Dieter Stork)

Updates gibt es vor Allem bei der Elektrik zu vermelden: Es finden die neuen Yosemite Stratocaster Singlecoil Pickups (Bridge/Middle/Neck) mit flachen, also nicht in der Höhe gestaffelten Pole Pieces plus Greasebucket Tone Circuit Verwendung. Darüber hinaus ermöglicht es die Push-Pull-Tone-Control, den Hals-Pickup in jeder Schaltposition zu aktivieren.

Fender American Performer Strat Tele
Yosemite Singlecoil Strat Pickups mit „flatstaggered pole pieces“ (Bild: Dieter Stork)

Zur Performer-Tele: Auch die Performer-Tele verfügt über einen Body aus Erle und auch sie bekam einen Hals mit „Modern C“-Profil aus Ahorn aufgeschraubt, wobei es sich beim Testmodell allerdings um einen Einteiler handelt (alternativ natürlich auch mit Palisandergriffbrett zu haben). Ebenfalls finden wir 22 Jumbobünde im seitlich gut entschärften Griffbrett von 9,5“-Radius vor und auch die zeigen akkurate Verarbeitung.

Fender American Performer Strat Tele
(Bild: Dieter Stork)

Weitere Übereinstimmungen mit der Strat: „ClassicGear“-Mechaniken, Synthetic-Bone-Sattel, Satin Polyurethane Neck Finish und 648 mm-Mensur. Modelltypisch natürlich dann die Strings-thru-body Tele Bridge mit drei Messingreitern. Bei der Elektrik kommen die neuen Yosemite Singlecoil Tele Pickups mit Greasebucket Tone Circuit zum Einsatz. Der Greasebucket Tone Circuit ist im Übrigen nicht wirklich neu, sondern fand auch schon in den Modellen der American Special Series, bei Highway-One-, oder auch bei Custom-Shop-Strats Verwendung.

Beiden Gitarren kann hoher Industriestandard in allen Aspekten der Verarbeitung zugesprochen werden. Die Performer Strat ist in Honey Burst lackiert, die Farbe der Tele heißt Penny, wie die der Kupfermünze eben. Geliefert werden die Instrumente in Deluxe Gig Bags.

… modern überarbeitet

Nein, Äpfel mit Birnen wollen wir nicht vergleichen, drum geben wir Einblick in die Handhabungs- und Klangeigenschaften nach Modelltypen getrennt. Als Ausnahme können wir allerdings die Haptik der Ahornhälse mit ihren geradezu identischen Profilen gelten lassen. Die Testmodelle verfügen zwar über unterschiedliche Griffbretter, vermitteln aber dank der einheitlichen Jumbo-Bundierung mit übereinstimmend perfekter Abgleichung von Bundenden und Griffbrettkanten über gleichartig gute Spieleigenschaften.

Fender American Performer Strat Tele
Abgerundete Griffbrettkanten, perfekte Jumbo-Bundierung (Bild: Dieter Stork)

In Sachen Klangverhalten sieht die Sache dann aber schon wieder etwas anders aus. Bereits unplugged angespielt zeigen sich deutliche Unterschiede, resultierend aus den divergierenden Bridges, Kopfplatten- und Korpusformen, Griffbretthölzern und nicht zuletzt den deutlichen Gewichtsdifferenzen. Die Strat ist mit 3,7 kg nicht ganz leicht – eine Referenz an die gewichtigen 70er-Jahre-Modelle mit großem Kopf? Die Tele fühlt sich mit 3,3 kg dagegen deutlich lässiger an.

Wo die Strat mit kompaktem, straffem und Sustain-reichem Tonverhalten antritt, kontert die Tele mit luftigem, etwas hellerem, aber auch schneller antretendem Ton. Wenn wir nicht gravitätisch souveräne Wesenszüge der quecksilbrig luftigen Beweglichkeit grundsätzlich vorziehen wollen, bietet sich uns hier also die schöne Option, aus zwei bemerkenswert substanziellen Klangtexturen wählen zu können.

Führen wir uns die Performer Strat elektrisch zu Gemüte, so setzt die ihre akustisch schon beschriebenen Eigenschaften prinzipiell auch verstärkt um. In allen Einzelschaltungen sind klassische Strat-Sounds aufzurufen. Rund und saftig, aber mit kehliger Attitüde liefert der Hals-Pickup mit seinen Alnico-Magneten den beliebten Trademark-Sound. Knochig und konturstark im Bass, dennoch auch tiefgreifend, sorgt er für die tragende Bottom Line, welche zusammen mit ausdrucksstarken Mitten und wohl gewichteten Höhen zu stimmiger Einheit findet. Das Klangbild ist rundum ausgeglichen, ein Verlangen nach der alten Höhenstaffelung der Pole Pieces kommt gar nicht erst auf. Ähnlich gut aufgelöst und klangfarblich souverän gibt sich der mittlere Singlecoil, nur eben mit nach oben versetztem Frequenzbild.

Fender American Performer Strat Tele
(Bild: Dieter Stork)

Der Yosemite Singlecoil am Steg dagegen verfügt nicht über ganz so viel Substanz im Grundton, was ihn besonders scharf und bissig dastehen lässt. Die herben Spitzen kann man mit dem Tone-Regler natürlich abfangen, aber im Vergleich mit dem Kollegen in der Tele (oh, doch Äpfel und Birnen) erscheint er weniger vital. Unter Zerrbedingungen drückt er dann jedenfalls wieder gut, liefert einen trockenen, durchsetzungsstarken Twang.

Der Clou der elektrischen Performance ist im Push-Pull Tone Control-Regler angelegt, der gezogen den Hals-Pickup in jeder Schaltposition aktiviert. Ergebnis sind prinzipiell zwei neue Klangderivate, denn Schaltposition 2 kombiniert ja schon den Mittel- mit dem Hals-Pickup, was dann mit Position 3 (Mitte) identisch ist. In Position 4 liegen neben dem Standard Mittel- plus Steg-Pickup bei gezogenem Tone-Poti alle drei Pickups an und auf Position 5 dann der Steg-Pickup mit zugeschaltetem Hals-Pickup. Diese letzten beiden Positionen geben uns also interessante neue Klangfarben an die Hand, die das Spektrum erweitern. Für mein Ohr ist vor allem die Mischung aus Hals- und Steg-PU ein großer Zugewinn, welche mit gespreiztem Frequenzbild einen bestens nutzbaren offenen Kehl-Sound bietet, der auch in Crunch- und Overdrive-Positionen gute Dienste leistet.

Und wie funktioniert der Greasebucket Tone Circuit? Anders als bei der Standard Ton-Regelung per Treble-Cut-Filter mit lediglich heruntergeregelten Höhen, was demgemäß die Bässe hervortreten lässt, rollen wir beim Greasebucket Tone Circuit Höhen, aber auch Bässe herunter, bzw. diese Art von Bandpassfilter lässt nur bestimmte Frequenzen passieren und unterdrückt andere. Vornehmlich im ersten Drittel des Regelwegs bewahrt das den Ton vor stumpfer Muffigkeit. Feinstufig lassen sich dort die Präsenzen abstimmen, ohne die Vitalität zu stark einzuschränken. Damit lässt sich vor allem im Overdrive effektiv arbeiten!

Hm, doppelte Niederhalter bei der Strat für gleich vier Saiten? Das war zwar bei der American Special Serie auch schon so, aber hat das nicht Auswirkungen auf die Stimmstabilität des Vibrato-Systems? Der Aspekt scheint vernachlässigbar. Die größte Reibung ist natürlich vor allem mit der umsponnenen D-Saite im Sattel zu überwinden. Hält man diesen Punkt gängig, ist das System im hergebrachten Sinne gewohnt funktionsfähig.

Die Performer Tele hält elektrisch ebenfalls, was sie uns schon akustisch in Aussicht gestellt hat. Mit ihrer leichten Ansprache und schnellem Anschlagsreflex setzt sie jede spieltechnische Aktion akkurat und je nach Anschlagsposition auch variabel farbstark um. Der Hals-Pickup stellt stimmlich transparent gegliederte Akkorde in den Raum, lässt schon bei klarer Amp-Einstellung einen vollmundig tiefgründigen, dennoch klar umrissenen Ton aufleuchten, der dann im Zerrkanal sogar zu großer Klasse aufläuft. Er steht weit vorn, ist leicht reizbar und von delikater Klangfarbe. In höheren Lagen gespielt, zeigt er einen tollen Schmelz harmonisch ineinandergreifender Noten und liefert dennoch klare Struktur bei schnell gespielten Linien – man staunt!

Fender American Performer Strat Tele
Klassische Tele Bridge mit Messingreitern (Bild: Dieter Stork)

Gehen wir auf den Steg-Pickup, so zieht der sofort mit pikanter, aber keineswegs schriller Bissigkeit gleich. Clean macht er seinen Job mit kühler Präzision und im Overdrive zieht er dann die Backen besonders hohl und haut einen scharfen Twang raus, knochentrocken im Bassbereich und aggressiv schneidend in den Höhen. Wem das zuviel ist, der kann wie oben beschrieben, dem Ton die Spitzen mit dem Greasebucket Tone Circuit nehmen, ohne dass bemerkenswerte substanzielle Verluste hinzunehmen wären – super!

Perlfrisch scheint keine schlechte Bezeichnung für den offenen Sound, den die Performer Tele dann am Ende noch bei zusammengeschalteten Pickups anzubieten in der Lage ist. Mit deutlich ausgekämmtem Frequenzbild präsentiert sich uns ein glasig rollender Glockenton, der in Clean, Crunch oder Zerre gleichermaßen Sinn macht.

resümee

Das muss man den Fender-Entwicklern lassen: Sie schauen gut hin und finden immer wieder Wege, ihre Produkte zu verbessern! Die neue American Performer Series löst die American Special Series ab und bietet auf jeden Fall klassisch bewährte Sounds in Verbindung mit sinnvollen Updates. Zunächst: Erfahrungen, die man in Sachen Halsbearbeitung bei höherwertigen Serien machte, finden nun auch spürbar Eingang in Gitarren der Einsteigerklasse kalifornischer Produktion – sehr schön!

Neben tollen Spieleigenschaften warten die neuen Instrumente aber auch mit starker Elektrik auf: Die neuen Yosemite Singlecoils Pickups bilden authentische Fender Sounds ab, welche sich mit dem Greasebucket Tone Circuitry beachtlich vital abgleichen lassen und besonders sei die Klangerweiterung beim Performer-Strat-Modell erwähnt, welche per Push/Pull Switch den Hals-Pickup generell zuschaltbar macht. Damit stehen Hals- plus Steg-Pickup, aber auch alle drei Pickups zugleich als Extra zur Verfügung – de luxe! Für den verlangten Preis zweifellos ein gutes Angebot, denn hier stimmt einfach die Leistung. Also: Daumen hoch für Fender!

Fender American Performer Strat Tele

Fender American Performer Strat Tele

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