Upgrades zum Schnapszahl-Preis

Squier FSR Affinity Stratocaster & Telecaster: Alles neu – und das mit Lorbeer!

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(Bild: Dieter Stork)

Squier hat unzähligen Gitarristinnen und Gitarristen den Einstieg in die Welt der E-Gitarren ermöglicht. Und das durchaus mit Absicht. Denn Affinity übersetzt sich nicht umsonst mit „Verbundenheit“. Und wer auf einer Squier seine ersten Schritte als Musiker tätigt, der schielt mit mehr als einem Auge auf die Muttermarke Fender, wenn es darum geht, sich instrumententechnisch zu verbessern. Aber wie gut, dass Squier-Instrumente nicht nur so wie das Original aussehen. Vielmehr funktionieren sie in der Regel richtig gut und kosten dabei nicht viel.

Die Affinity-Serie tauchte 1997 erstmals im Squier-Katalog auf. Zeitgleich mit den Standard-, ProTone- und Vista-Serien eingeführt, markierte sie damals den Wendepunkt Squiers vom Stiefkind Fenders hin zu einer selbstbewussten, jungen und frischen Marke, deren Ziel es war, Fender-Design und -Image zum kleinen Preis zu realisieren, aber auch, um eine Plattform für neue Ideen des Konzerns zu bieten, wenn es darum ging, deren Tauglichkeit zu testen. Dieses breit aufgestellte Konzept ist, wie wir heute alle wissen, bekanntermaßen bestens aufgegangen.

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UPGRADE UND SCHNAPSZAHL

Im Auge der Öffentlichkeit spielt Squier im Vergleich zu Fender aber immer noch eine eher untergeordnete Rolle. So ist wahrscheinlich kaum jemandem aufgefallen, dass die Affinity-Serie im letzten Jahr einige interessante Upgrades erfahren durfte, die die Optik und Performance der Instrumente deutlich verbesserten. Schön, dass wir vom Music Store in Köln zwei brandneue Exemplare der Affinity-Serie zur Verfügung gestellt bekommen haben. Und zwar nicht irgendwelche beliebigen, sondern welche aus dem limitierten FSR (= Factory Special Run) von Stratocaster und Telecaster in speziell für den Music Store hergestellten Versionen. Die Music-Store-Features sind: Schwarze Lackierung, Tortoise-Schlagbrett und statt One-piece-maple- ein Ahorn-Hals mit einem Griffbrett aus indischem Lorbeer. Exakt 250 Stück pro Instrument sind exklusiv im Music Store verfügbar, für einen Preis von je € 222.


WAS FÄLLT AUF?

Im Gegensatz zu den Affinitys der vorherigen Generation bringt die derzeit aktuelle Serie (und damit auch die beiden Music-Store-Instrumente) folgende Upgrades:

  • Die Vorderseiten der Kopfplatten sind mit hochglänzendem Lack versiegelt, was einen wertigeren Eindruck vermittelt. Hals- und Kopfplattenrückseite sind hingegen nach wie vor in griffigem Seidenmatt lackiert.
  • Die Mechaniken sind verschlossen, dauergeschmiert und haben „deutsche“ Flügel, weisen aber jetzt auf der Vorderseite einen Fender-typischen Split-shaft auf
  • Schön, dass nun beide Klassiker mit je einem Stringtree auskommen. Das vermindert unnötige Reibung insbesondere bei der mit einem Vibratosystem ausgestatteten Stratocaster.
  • Die Sättel sind aus gut klingendem Knochenimitat gefertigt. Sie sind zudem sehr gut geformt und gekerbt, was man bei industriell hergestellten Gitarren nicht so oft vorfindet.
  • Indischer Lorbeer ist nun die Alternative zu Palisander als Griffbrett-Material.
  • Die neuen Affinitys erscheinen mit etwas dünneren Bodys – 42 mm die Strat, 40 mm die Tele.
  • Alle Fräsungen sind mit Abschirmlack versehen worden, allerdings recht grobschlächtig.
  • Die Kopfplatte ziert ein Logo im Stil der Spät-Sechziger-Jahre. Passend dazu hat die Strat-Version die große Kopfplatte dieser Fender-Periode bekommen.
Neu: Große Kopfplatte und Logo im Stil der späten Sechziger. Gut: Nur ein String-Tree ist hier montiert.
Klassische Tele-Kopfplatte, natürlich in originalen Fender-Dimensionen
  • Anstelle eines Vintage-Tremolos hat die neue Affinity-Strat nun ein modernes 2-Punkt-Synchronized-Tremolo erhalten, dessen Block und Saitenreiter aus Zinkguss bestehen.
  • Die Telecaster zeigt nun einen anschmiegsamen Belly-Cut auf ihrer Rückseite.
  • Die Saiten werden bei der Tele nun klassisch durch den Body geführt. Die vorherige Generation hatte nur einen Toploader-Steg zu bieten.
  • Der Steg der Affinity-Tele hat sechs moderne Saitenreiter aus Zinkguss im Block-Format, bei denen die Madenschrauben zur Höheneinstellung oben nicht mehr herausschauen.

Tele-Rückseite mit Strat-typischem Belly-Cut (Bild: Dieter Stork)

IN DIE HAND GENOMMEN

Sitzt, passt, wackelt und hat Luft! Wie alte Bekannte liegen die beiden Squiers im Arm – kein Wunder, denn wie viele Strats und Teles haben wir schon im Arm gehabt? Die Dimensionen passen, das Gewicht ist gering, das Handling gewohnt. Und ja, der Belly-cut der Tele fühlt sich auch sehr angenehm an. Aber es gibt auch Luft nach oben! So sind z. B. das Lorbeer-Griffbrett als auch die Bünde recht rau – beiden hätte ein wenig mehr Liebe in Form von gründlichem Polieren und Ölen gut getan. Dafür sitzen die Hälse in perfekt passgenauen Halstaschen der Pappel-Bodys, wie überhaupt die gesamte Verarbeitung einen rundum gelungenen Eindruck macht. Keine Mängel ersichtlich, weder an der Lackierung, noch an Holz, Elektrik oder Hardware. Wobei: Ein ganz pingeliger Blick offenbart eine winzige Unregelmäßigkeit in der Ausrichtung der rückwärtigen Saitenhülsen der Tele. Meine Meinung: Geschenkt!

Schauen wir den beiden Schwarzen unter die Haube, entdecken wir dort den industriellen Pragmatismus einer groß angelegten Serienfertigung in Form von Pickup-Fräsungen für alle Fälle. Beide Gitarren haben z. B. eine Humbucker-Fräsung am Hals, und die Strat freut sich über eine gemeinsame, große Pool-Fräsung für Mittel- und Steg-Pickup. Das hören natürlich die Mod-Freaks gerne, denn dank dieser Fräsungen sind alle denkbaren Pickup-Kombinationen ohne eigene Holzarbeiten umzusetzen – von SSS bis HHH und allem, was dazwischen so geht.

Die allgemein gehaltenen Fräsung ermöglichen einfach zu installierende neue Pickup-Konfigurationen (Bild: Dieter Stork)

Squier hat für seine zweitgünstigste Serie – nur die Bullets liegen preislich noch darunter – günstige PUs, bestückt mit Keramikmagneten, eingekauft. Alnico-Pickups gab das Budget nicht her, aber mal ehrlich: Keramik muss nicht zwangsläufig schlecht sein! Es gibt viele Beispiele, die das Gegenteil beweisen.

Geregelt wird auf die traditionell bekannte Art und Weise, wobei die Stratocaster ab Werk bereits einen Fünfweg-Schalter besitzt. Außerdem arbeitet das untere Tone-Poti exklusiv für den Steg-Pickup, während das mittlere Poti den Klang von Hals- und Mittel-Pickup gemeinsam regelt. Und so macht das ja auch Sinn!

Potis und Schalter stammen übrigens vom chinesischen Hersteller CS, der für seine recht ordentliche Qualität bekannt ist. Es geht zwar besser, aber es geht auch deutlich schlechter.

Das untere Tone-Poti regelt den Klang des Steg-Pickups. (Bild: Dieter Stork)

PLING PLING

Der akustische Trockensound beider Gitarren gefällt mir überraschend gut. Dynamisch den Anschlag transportierend, ausgewogen die Lautstärke der einzelnen Saiten rüberbringend und gleichmäßig ein gutes Sustain in allen Lagen entfaltend, münden die ersten Erfahrungen mit den beiden Affinitys in eine große Spielfreude, die dank des moderaten C-Halsprofils und der recht flachen Saitenlage aber so richtig Freude macht! Alle Aktionen zur Tonformung – also Bendings, Vibrato, Hammer-Ons, Pull-Offs, verschiedene Anschlagpositionen und -variationen – werden sofort akzeptiert und in die persönliche Soundfindung umgesetzt. Das gilt gleichermaßen für die Strat wie für die Tele.

Die cleanen Sounds der Tele sind auf beiden Pickups eine Idee bedeckter, als man dies von einem solchen Gitarrentyp erwarten darf. Dem Hals-Pickup fehlt etwas die Seide im Glanz, dem Steg-Pickup die unerbittliche Schärfe, sodass sich ein amtliches Twang-Feeling nicht so recht einstellt. Auf der anderen Seite klingt diese Tele voller und runder als ein klassisches T-Modell. Hier kann der Hals-Pickup eben dank dieser Fülle auf Wunsch sogar Jazz. Schon bei crunchigen Zerrgraden empfiehlt es sich aber, auf die Mittelstellung oder den Steg-Pickup umschalten. Und der legt dann ein ausdrucksstarkes Timbre aufs Parkett, das sich sehr gut durchsetzt und viel typischen Tele-Charakter mit guter Fülle, aber auch Biss beweist. Selbst die Mittelstellung ist gut dabei, z. B. mit Blues-typisch klingenden Lead-Lines, die gleichermaßen Fülle wie Spank aufweisen.

Keramik-Singlecoils (Bild: Dieter Stork)

Mit einem Fuzz Face konfrontiert, entwickelt sich am Hals einer dieser schwer angesagten, filzigen Soundteppiche – schwer ortbar, aber satt ein Fundament legend. Der Steg-Pickup beißt sich hingegen lebendig durch, klingt auf den tiefen Saiten schön authentisch nach Sixties und – entschuldigt den Ausdruck! – richtig fetzig in den oberen Lagen.

Sister Strat ist ähnlich gut dabei. Die cleanen Sounds aller drei Pickups sind deutlich mittiger als die einer Fender-Vintage-Strat. Da fehlt es also an einer gute Schippe Höhen, wenn man diese typisch-cleanen Strat-Sounds von Funk bis Knopfler erwartet. Bringt man jedoch mehr Gain ins Spiel, erwacht die Affinity-Strat zum Leben, schiebt sich in den Vordergrund und hält auch mit teureren Gitarren dieses Typs mit. Ebenso bei typischen Fuzz-Sounds. „Brauchbar“ wäre hier deutlich untertrieben, das klingt schon richtig gut …

Alle Hardware-Komponenten von Mechaniken bis Vibratosystem arbeiten ohne Probleme während der Testdauer. Für Einsteiger ist dies ein wichtiger Gesichtspunkt, denn die sollen sich am Anfang um andere Dinge kümmern als um Mechaniken oder ein Vibratosystem, die die Stimmung nicht halten.

Die aktuelle Affinity-Stratocaster hat ein 2-Punkt-Vibratosystem. (Bild: Dieter Stork)

MOD THE HOOPLE

Ich hoffe, es kommt klar rüber, dass diese beiden Affinity-Instrumente keinerlei Modifikationen bedürfen, um gut zu funktionieren und amtlich zu klingen. Dennoch werden natürlich in der Produktion Kompromisse gemacht, um einen solch günstigen Preis zu erreichen. Dadurch ergeben sich einfache Rezepte, um die an sich schon gute Performance beider Instrumente zu steigern. Bei der Affinity-Strat böte es sich z. B. an, den Vibratoblock und die Saitenreiter, oder vielleicht gleich das komplette Trem-System auszutauschen – gegen eins mit Stahl- oder Alu-Block und Stahl-Saitenreitern. Hier muss allerdings unbedingt darauf geachtet werden, dass der neue Block mit der geringeren Stärke des Squier-Bodys kompatibel ist. Sonst ragt der Block hinten aus der Federkammer heraus.

Würde man die gesamte Brückenkonstruktion der Telecaster durch eine ersetzen, die Vintage-orientiert aufgebaut ist – also Stahl-Grundplatte mit drei Messing-Saitenreitern –, darf man auch dort mehr Luftigkeit und lebendigere Höhen erwarten. Und wer dann noch einen Schritt weitergehen will, macht sich über die Elektrik und Pickups her. Das Schöne an Mod-Aktionen bei solch guten Gitarren ist ja nicht nur, dass man sich so seine Gitarre persönlich konfigurieren kann, sondern sich damit auch Zeit lassen kann. Denn die gelieferte Basis ist bereits so gut, dass diese Instrumente perfekt und ohne jegliche Einschränkungen funktionieren.

RESÜMEE

Ja, beide Squier-Affinity-Gitarren liefern ein beeindruckendes Niveau für dieses Preissegment. Sie klingen gut, sie spielen sich gut, sie funktionieren gut – und sie sehen vor allem in diesen exklusiv für den Music Store hergestellten Versionen auch noch verdammt gut aus. Dazu kommt, dass sie optisch verdammt nahe am „the real thing“ sind. Einsteiger:innen machen also überhaupt keinen Fehler, wenn sie sich eine dieser Squiers gönnen.

Wobei: Bei dem Preis könnte man fast schon den parallelen Fender-Weg einschlagen und sowohl Strat als auch Tele kennenlernen. Fortgeschrittene und Bastel-Affine finden in den Affinity-Instrumenten zudem eine gute Basis, um durch gezielte Modifikationen das nächste Qualitäts-Level zu erreichen. Damit macht die aktuelle Affinity-Serie der von Mod-Maniacs bevorzugten hauseigenen Classic-Vibe-Serie gewaltige Konkurrenz von unten. Gut so!

Bleibt mir zum Schluss nur noch das typische Statement alter Männer zu verkünden: „Hätten wir damals auf solchen Gitarren wie diesen lernen können …“

PLUS

  • Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Sounds
  • Spielbarkeit
  • Funktionalität
  • Optik
  • Exklusivität dank limitierter Edition


(erschienen in Gitarre & Bass 04/2022)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Bei Squier/by Fender scheint man sich derzeit verstärkt um die „Einsteigerfraktion der Gitarrenanfänger“ zu bemühen.Eine glänzend schwarze Squier Stratocaster der „Affinity Serie“ aus dem Herstellungsland Indonesien besitze ich nun auch schon längere Zeit,zwar ist diese damalig mit einem „Hard Rock Café“ Logo auf der obersten Frontseite des Korpus versehen worden,mit einem Palisander Griffbrett und einem Ahornhals (Birdseye Maple Neck!!!) bestückt,und kostete im Hard Rock Café Merchandising Shop inkl.Tasche,Tremolohebel und Inbusschlüssel knapp 250,-€uro,-aber die Verarbeitung und das Set-up ab Werk ist gleichsam top!
    Auf meiner Squier sind 08er-Saiten ab Werk montiert,und ein übliches einfaches Vintage Tremolo installiert.

    Ich finde es ausgesprochen gut,daß es Fender und Squier Limited Edition Strats und Telecaster für den Einsteiger gibt.Zwar sind nicht unbedingt alle angebotenen Fender,bzw. Squier Strats/Telecaster super verarbeitet,-es gibt darunter auch heute leider immer noch vereinzelte einige echte „Krücken“ mit miserabel eingepaßten Schraubhälsen,katastrophaler Bundbearbeitung u.s.w.
    jedoch scheinen dies derzeit wenige Ausnahmen zu sein.
    Mir kam neulich aber auch eine limitierte knallrote neue Fender Mexico Strat mit schwarzem Pickguard,3 Singlecoils,und aufgeleimtem Ebenholz-Fretboard unter,die völlig unterirdisch verarbeitet war,und dementsprechend auch richtig gruselig klang! Auch so etwas gibt es leider heute immer noch!
    Ich kann jedoch durchaus bestätigen,daß mir bislang keine einzige Squier/by Fender aus indonesischer Fertigung in die Hände fiel,die unsauber produziert wurde und miserable Klangeigenschaften besaß,-ganz im Gegenteil, bisher alles super,was aus Indonesien geliefert wurde!

    Augen auf beim Gitarrenkauf!

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