Hohners legendäre Signature-Gitarre

PRINCE († 21. April 2016) & The Prinz from Southern Germany

Prince Rogers Nelson ist heute, am 21. April 2016, gestorben – ein Musiker, der in den 80er- und 90er-Jahren die Popkultur entscheidend geprägt hat. Wir erinnern an seine Musik und seine Instrumente.

WS made 12 hohner

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Dass Prince seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht nur als R&B/Soul/Funk/Pop-Sänger sondern auch als sehr eigenständiger E-Gitarrist überzeugt, wissen nicht nur Leser dieses Magazins. Und bekanntlich hat der großartige Musiker aus Minneapolis dabei auch immer mal wieder auf Instrumente Made In Germany zurückgriffen, so z. B. seine bizarren Auerswald-Gitarren. Aber da gab’s noch eine: Nein, was auf den ersten Blick wie eine sonderangefertigte, honigblonde Fender Telecaster aus dem Custom Shop aussieht, kommt aus Trossingen und zwar vom Hersteller Hohner – landläufig eher bekannt für Mundharmonikas und Akkordeons.

Prince spielte den Vorläufer der hier zu sehenden Gitarre angeblich schon zu Beginn seiner Karriere: eine sehr freie Kopie der 52er Fender Telecaster aus der Hohner-Professional-Serie. Das war Ende der 70er Jahre, als der damals gerade 20jährige Alben wie ,For You‘ (1978), ,Prince‘ (1979), ,Dirty Mind‘ (1980) und ,Controversy‘ (1981) veröffentlichte. Auch die folgenden ,1999‘ (1983) und sein erster Mega-Hit ,Purple Rain‘ (1984) wurden angeblich überwiegend mit der Hohner-Tele eingespielt. WS made 12 hohner gitDiese (noch zu beweisende) Tatsache aber vor allem ihr (tatsächlicher) Live-Einsatz machten die Gitarre natürlich sehr populär. Doch es dauerte bis 1990, dass Hohner aus dem Professional-Serienmodell eine Quasi-Signature-Gitarre machte. Allerdings deutet die Namensschreibweise von „The Prinz“ nicht auf gute Kontakte nach Minneapolis hin. Fender verbot kurze Zeit später dann den Nachbau, weil dessen Kopfplattenform mehr oder weniger exakt von der Telecaster kopiert war. Hohner reagierte, und eine etwas andere Version wurde produziert, die man dann „TE Prinz“ nannte.
Sehr schön zu sehen und zu hören ist Prince jedenfalls mit seiner Hohner auf der 2002 erschienenen 3CD-Box ,One Nite Alone – Live‘ (npg records), einer beeindruckenden Veröffentlichung mit dickem Foto-Booklet – und natürlich großartiger Musik in erstklassigem Sound. Leider gibt’s dieses Meisterwerk nur zu Import-Preisen zwischen 70 und 90 Euro. Kleiner Tippp; bei amerikanischen Internet-Anbietern habe ich die Box schon ab 40 US-Dollar gesehen.
Ebenfalls nicht gerade billig ist die hier abgebildete Gitarre, denn allzu oft im Angebot ist diese Telecaster-Kopie wirklich nicht. Zuletzt habe ich Ende Oktober eine ganz rare Linkshänder-Version von The Prinz auf eBay beobachtet, die für 304 Euro den Besitzer wechselte – extrem günstig. Für das Standard-Modell in exzellentem Zustand wurden aber auch schon 500 Euro und mehr gezahlt; Verkäufer-Forderungen in Kleinanzeigen gehen natürlich auch schon um ein vielfaches höher.

Was bekommt man für so viel Geld? Nun, abgesehen vom ganz speziellen Kick, den Prince-Fans erleben, wenn sie diese Gitarre spielen, ist die Hohner ein gut aussehendes, eigenwilliges Instrument, und eine nicht gerade alltägliche Variation des Tele-Themas. Etwas hat sie schon noch, vom urigen Flair der 60s Kopien von Framus, Hofner oder Hoyer, wenn man sich z. B. mal die Umgebung des Bridge-Pickups anschaut. Aber die Hohner ist wesentlich besser konzipiert und aufwändiger konstruiert: Ihr dreiteiliger Korpus besteht aus kalifornischem Ahorn und einem 2 cm breiten Mittelteil aus Mahagony. Der Korpus ist mit braunen Perloid-Bindings eingefasst, aus dem gleichen Material besteht auch das Pickguard und die ungewöhnliche Einfassung des hinteren Tonabnehmers.
Der einteilige, angeschraubte Hals ist relativ schlank, besteht angeblich aus „kanadischem Bergahorn“, und lässt sich sehr komfortabel spielen. Die 21 Bundstäbchen sind recht kräftig und hoch. Auf der Tele-typischen Kopfplatte sitzen geschlossene Mechaniken, die Saiten werden über einen Graphitsattel geführt. Stegseitig finden sich recht massive Reiter, an denen die Saitenlage und die Oktavreinheit des Instruments eingestellt werden können.
Die Signale der beiden Hohner-Professional-Singlecoils (GS-1) mit staggered polepieces (also erhöhten, der leichten Griffbrettwölbung angepassten Magneten) werden über einen Dreiwegschalter, einen Volumen- und einen wirklich effektiv arbeitenden Tonregler zur Ausgangsbuchse geführt. Die Gitarre klingt sehr brillant und klar, hat aber bei Einsatz des in Halsposition sitzenden Tonabnehmers ordentlich Bauch, Durchsetzungsvermögen und ein beachtliches Sustain.

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Wer den singenden, verzerrten und etwas hohl klingenden Ton der typischen Prince-Ballade sucht, braucht beide Pickups und den zurückgedrehten Tonregler. Das Signal geht weiter in einen weit aufgerissenen Röhren-Amp (eventuell mit Overdrive/Treble Booster und Delay davor) – und dann klingt es schon etwas nach ,Just My Imagination‘. Oder ,Purple Rain‘. Oder Prince. Oder eben auch nicht so ganz: Denn beim Anhören diverser Songs ist mir mal wieder klar geworden, dass Herr Rogers Nelson es ganz gewaltig in den Fingern hat. Und nicht nur da. Bei diesem Menschen haben wirklich hohe Intelligenz, ausgeprägte Individualität und ganz viel musikalisches Talent zueinander gefunden. Und diese doch sehr wesentlichen Zutaten lassen sich nun mal nicht so einfach einkaufen wie eine Signature-Gitarre. Auch wenn sie ein so schönes Instrument ist wie „The Prinz“ von Hohner. lt

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Sehr Gesmackvoller Demo von dieser Gitarre und ganz typischer Vorbild von der Feel und Songaufbau von Prince. Ganz traurich das er verstorben ist,letzter Woche. Bin mir aber sicher,das noch viel Musik herausgebracht wird.
    Er hat viele inspiriert und neue Grenzen geëtst in Musik und Musikgeschäft. R.I.P. Roger.

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  2. Guten Tag, Herr Trampert. Sehr informativer Artikel, aber es bleibt etwas offen: Nach meinen Recherchen spielte Prince die “Mad Cat” – Gitarre von H.S.Anderson (Japan). Erst später wurden wohl Hohner-Kopien mit Schriftzug im “Anderson”-Stil gefertigt. Der Grund meiner Recherche: Ich habe vor einiger Zeit eine “Anderson” – Les Paul gekauft, die 20 Jahre im Dornröschen-Schlaf lag. Ein wunderbares Instrument auf hohem handwerklichen Niveau. Anmerkung zu Hohner: Ich habe auch eine Hohner Strat – Kopie aus den 80ern (Arbor-Serie). Sie klingt (leider) authentischer als meine teuren Fender-Strats. Hier noch ein Link zu H.S.Anderson: http://www.madcatguitars.com/
    Mit freundlichen Grüßen Georg Pauly.

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