Ortega RFU10SE, RFU11SE, RFU10ZE, RFU11ZE im Test

Vier Ukulelen von Ortega
(Bild: Dieter Stork)

 

Aloha allerseits. Wenn irgendein Saiteninstrument in den letzten Jahren ein signifikantes Revival erlebt hat, dann die Ukulele. Bei den vergangenen zwei, drei Ausgaben der Frankfurter Musikmesse waren die Hallen übersät mit diesen besaiteten Stechpaddeln.

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Aber Achtung: Auch Modelle für über € 3000 waren zu bestaunen, und wer sich schwer tut, dieses Instrument ernst zu nehmen, geht am besten erst mal kurz auf Youtube und schaut sich nach Jake Shimabukuro, Israel Kamakawiwo’ole oder Julia Nunes um. Ersteren habe ich mit Tommy Emmanuel in der Kölner Philharmonie erlebt – unglaublich!

Wie auch immer, der Trend ist da, und da kann ein Hersteller wie Ortega natürlich nicht untätig bleiben. 2008 nahm man Ukulelen ins Programm auf, und das Sortiment wird seither konsequent ausgebaut. Neu ist nun die Friends-Serie, aus der unser Test-Quartett stammt.

 

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Verbessert deutlich die Stimmung: indirekte Tuner (Bild: Dieter Stork)

 

Konstruktion

Wir haben hier zwei Sopran- und zwei Konzert-Ukulelen vor uns, die ich allesamt auf G, C, E, A gestimmt habe. Je ein Modell mit Mahagoni- und eines mit Zebraholzkorpus stehen zur Auswahl. Die Mahagoni-Ukes sind komplett in einem Satin-Finish gehalten und fallen durch eine größere Zargentiefe auf, die für ein Plus an Klangvolumen sorgen soll.

Um einiges auffälliger sind die beiden Zebraholz-Modelle, bei denen auch die Kopfplatte mit diesem kräftig gemaserten Holz beschichtet ist.

Gemeinsam haben alle vier einen Mahagonihals mit einem Griffbrett aus Sonokelin, einer indonesischen Palisanderart. Es stehen 16 Bünde zur Verfügung, wobei der Hals der Sopran-Modelle am 12. Bund angesetzt ist, der der Konzert-Ukes am 14. Bei Letzteren sind auch vier Dot Inlays im Griffbrett eingesetzt; die Kleinen haben Orientierungs-Dots in der Griffbrettkante.

 

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Von Shadow und richtig gut: UK-300T (Bild: Dieter Stork)

 

In einigen Punkten macht Ortega ganz klar Konzessionen an heutige Ansprüche. So ist die breitflächig angeschäftete Kopfplatte mit vier indirekten, sauber arbeitenden Mechaniken bestückt, und nicht mit den einfachen, von hinten durchgesteckten Pins. Auch am Steg kommt man dem Gitarristen etwas entgegen und bietet eine Saitenbefestigung in Konzertgitarren-Manier. Ganz in der Gegenwart ist man dann mit dem Pickup-System UK-300T von Shadow, das alle vier an Bord haben. Es bietet einen Volume-Drehregler sowie Fader für Bass und Treble. Auch ein Tuner mit Mute-Funktion ist vorhanden – befeuert wird das ganze von zwei 2032-Knopfzellen.

Die gesamte Verarbeitung ist auf gewohnt hohem Ortega-Niveau. Erfreulicherweise werden die Instrumente inklusive Gigbag angeboten.

 

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Nach Konzertgitarren-Art: Steg zum Durchfädeln (Bild: Dieter Stork)

 

Praxis

Tja, Praxis … Ist ja nicht so, als wäre ich seit Jahren als Ukulelen-Virtuose unterwegs. Aber so geht’s wohl den meisten – also ruckzuck eine Grifftabelle aus dem www gezogen und ab dafür! Cool, das kostet gerade mal ein paar Minuten und schon schrummelt man den ersten 3-Akkorde-Song. Sofort macht sich dieses relaxte Laid-Back- Jack-Johnson-So-What-Feeling breit, verbunden mit dem starken Verlangen nach einem Glas Bacardi-Cola 🙂 Nach und nach sucht man sich noch ein paar Moll- und 7-Variationen zusammen, und erwischt sich dabei, dass man mächtig Spaß an der Sache bekommt. Zubehör wie Gurt, Plektrum oder Picks braucht man auch nicht – man fixiert das federleichte Instrument am Körper und spielt los …

Die linke Spielhand kommt eigentlich sehr gut auf dem Griffbrett zurecht, verglichen mit z. B. einer Mandoline ist das hier eine lockere Sache. Der Zug der Nylonsaiten ist nicht hoch und die Griffbrettbreite ist recht komfortabel.

Und wo liegen nun die Unterschiede zwischen den vier Knirpsen? Die beiden Mahagoni-Modelle haben etwas mehr Klangvolumen und den wärmeren Sound. Die Zebraholz-Kolleginnen haben weniger Zargentiefe, sie klingen etwas frischer, aber minimal leiser. Und dann muss man sich ja noch für eine Größe entscheiden: Die Sopran-Ukes haben weniger Saitenzug und klingen weicher, für meinen Geschmack auch authentischer als die größeren Konzert-Modelle. Die bieten aber im Gegenzug dank der höheren Tension ein strafferes Spielgefühl, lassen mehr Dynamik mit der rechten Hand zu und liefern ein klares, tightes, präsentes Klangbild. Auch lassen sie sich etwas besser in Position halten als die kleinen Schwestern.

Richtig positiv überrascht werde ich von allen vieren beim Spiel über Verstärker. Klasse, wie der typisch relaxte Sound auf die Speaker transportiert wird. Dicker Pluspunkt! Das musste natürlich auf der nächsten Probe mit Band ausprobiert werden. Funktionierte großartig: gute Durchsetzung, keine Feedback-Probleme, ein prima Add-On-Sound, der so manchem Song einen neuen Twist geben kann.

 

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(Bild: Dieter Stork)

 

Resümee

Welche der vier Ortegas soll man nehmen? Reine Geschmackssache. Für mich klingt die Mahagoni-Sopran am meisten nach Palmenstrand, aber Spaß machen sie alle – auch und besonders über Anlage. So ein Ding gehört einfach in jeden vernünftigen Haushalt: schnell zu erlernen, klein, leicht, handlich, günstig. Die Ortegas sind wohlgemerkt gut verarbeitete, ernstzunehmende Instrumente, die überall zwischen Sofa und Festival-Bühne eine tolle und inspirierende Bereicherung sein können. Mit Pickup und Tuner an Bord und dem Gigbag stellen sie ein Gesamtpaket dar, das man eigentlich immer dabei haben sollte. Lass die Ukulele in dein Leben!

 

Extra: Hüpfender Floh

Wem verdanken wir die Ukulele und den Umstand, dass sie bei uns bekannt ist? Die Antwort müsste wohl lauten: Joao Fernandes – Marilyn Monroe – Stefan Raab. Ja, im Ernst!

Erstgenannter war ein portugisischer Auswanderer, der seine Braguinha von Madeira in die Südsee mitnahm. Die Hawaiianer mochten das kleine Ding und fingen an, ähnliche Instrumente aus dem reichlich vorhandenen Koa-Holz zu bauen. Sie nannten sie Ukulele, was „hüpfender Floh“ bedeutet. 1915 nahm der damals noch eigenständige Staat Hawaii in San Francisco an der Weltausstellung teil, und machte die Ukulele in den USA populär. Viele renommierte Firmen wie Gibson und Martin bauten in den Folgejahren hunderttausende von diesen Instrumenten, bevor die Euphorie wieder nachlies.

Ein weiteres wichtiges Jahr für den Siegeszug der Ukes war 1959. Hawaii wurde 50. Bundesstaat der USA und Marilyn Monroe legte in Billy Wilders ‚Manche mögen’s heiß‘ einen umwerfenden Auftritt mit eben diesem Instrument hin. Sie brachte die Ukulele so auch auf die Leinwände nachkriegsdeutscher Kinos und später mitten in den Gelsenkirchener Barock heimischer Wohnstuben mit Schwarz-Weiß-Fernseher. In jüngerer Vergangenheit machte sich ein äußerst extrovertierter Metzger-Geselle aus Köln um die Ukulele verdient. Wer kennt nicht die Raabigramme – ein Highlight war wohl der sich auf dem Boden von Angus Youngs Hotelzimmer wälzende Stefan R. der dabei ‚Highway To Hell‘ auf seiner Uke raushaute.

Seither sind die kleinen Viersaiter hartnäckig auf dem Markt präsent und erfreuen sich ständig wachsender Beliebtheit.

Es haben sich im Laufe der Zeit folgende Formate etabliert:

Sopran, Konzert, Tenor, Bariton und zu guter Letzt auch Bass.

Die ersten drei Größen werden normalerweise auf „Hawaiianische Stimmung“ getuned (G, C, E, A) manchmal wird auch auf A, D, F#, H gestimmt. Tenor und Bariton kommen oft im D, G, H, E-Tuning, der Bass wird auf E, A, D, G gestellt.

Es gibt massenhaft Literatur, Tabulaturen, Grifftabellen, Websites etc., die einem den Einstieg ins Thema erleichtern und es ist wirklich nicht allzu schwer, sich die grundlegenden Akkorde draufzuschaffen.

 

Übersicht

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Plus

  • Konstruktion mit modernen Einflüssen
  • Materialien, Hardware
  • Verarbeitung
  • Bespielbarkeit
  • Sound, toller E-Sound
  • Bühnentauglichkeit
  • Spaßfaktor
  • Preis/Leistung

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