Mehr Meer: Fender Dual Marine Layer Reverb im Test

Anzeige
(Bild: Dieter Stork)

Bei „Fender“ und „Hall“ werden viele von uns die legendären Federhall-Sounds aus den Verstärkern der Traditionsmarke im Kopf haben. Wer bei dem neuesten Bodentreter der Kalifornier, dem Dual Marine Layer Reverb, nun eine exakte Nachahmung derartiger Vintage-Klänge vermutet, erlebt aber eine Überraschung …

Im Jahr 2018 stellte Fender eine neue Reihe von Effektpedalen vor, die sich von den teilweise doch recht günstigen früheren Reihen deutlich unterschied. Mit Gehäusen aus gebürstetem Aluminium, cleveren Designs und einem ambitioniertem Anspruch an Klang und Ausstattung wartet Fender seitdem mit einem sehr interessanten Portfolio auf.

Anzeige

Den Marine Layer Reverb aus der Reihe hatten wir auch schon im Test (G&B 05/2018) – nun legt uns Fender mit dem Dual Marine Layer Reverb (ab hier: DMLR) quasi das „doppelte Lottchen“ zu Füßen. Das Gerät beinhaltet mehr oder weniger einfach den Marine Layer Reverb – zwei Mal; ein Extra-Feature wurde auch noch beigegeben, dazu kommen wir gleich.

Zunächst mal zeigt sich der Neue nicht besonders Pedalboard- bzw. rückenfreundlich, denn mit knapp unter 1kg trägt er zum Gewicht der ohnehin schweren Boards von heute ordentlich bei. Mit den Maßen 16,8 x 12,4 x 6,5 LBH/cm ist er auch nicht eben klein, erfreulicherweise liegen aber alle Anschlüsse stirnseitig, das spart Platz. Das digitale Gerät benötigt ungefähr 150mA Strom, und ist im ausgeschalteten Zustand „true bypass“, das Signal läuft dann analog und ohne irgendwelche Buffer durch. Ein kleiner Schalter auf der Rückseite erlaubt das Ausschalten der LEDs, welche die Potistellungen von innen beleuchten – ein an sich cooles Feature gerade für dunkle Bühnen.

Die Anschlüsse sind stirnseitig platziert. (Bild: Dieter Stork)

FEATURES

In seinem Kern ist der DMLR ein quasi zweikanaliger Halleffekt – Reverb A und Reverb B sind dabei in Design und Ausstattung identisch. Der mittlere Fußtaster erlaubt ein Umschalten per Fußtritt zwischen den beiden Reverbs. Beide haben dementsprechend auch das gleiche Regler-Layout. Von links nach rechts: Damping regelt den Höhenanteil der Hallfahne von dunkel bis sehr höhenreich; Time stellt die Größe des Halls ein, also die Ausklingzeit; Mod mischt den beiden Reverbs einen sonst nicht weiter einstellbaren Chorus-Effekt hinzu; und Level bestimmt die Lautstärke des Halleffekts in Relation zum Dry-Signal.

Zweimal das gleiche Regler-Layout plus Sustain-Funktion (Bild: Dieter Stork)

Der rechte Fußtaster ist ein neues Feature des Geräts, das der alte Marine Layer Reverb nicht hatte: Sustain. Es handelt sich dabei um einen Effekt, der so lange greift, wie man auf den Taster drückt. Der Potiregler setzt den Time-Regler des angewählten Halls außer Kraft – man kann also momentan die Länge der Hallfahne manipulieren. Stehen beide Regler (Time/Sustain) gleich, tut sich nichts. Steht Sustain weiter links, wird die Hallfahne verkürzt – weiter rechts, und sie verlängert sich. Damit geht Fender hier einen Schritt weiter als andere Reverb-Hersteller, die in der Regel nur eine Verlängerung der Hallfahne mittels Latch-Schalter anbieten. Rechts oben sehen wir einen kleinen Toggleswitch mit den ominösen Bezeichnungen 1, 2 und 3. Ein Blick ins Handbuch verrät: Es handelt sich um die Effektmodi Hall, Room und Shimmer. Hier kann man (leider) nicht zwischen den beiden Hallkanälen A/B differieren: Der angewählte Modus ist für beide aktiv.

SOUNDS

So, nun schalten wir das Teil mal ein. Flugs noch den Hall am Amp runtergedreht, wir wollen ja nur das Pedal hören … Generell liefert der DMLR wie sein kleiner Bruder einen sehr schönen, sauberen und cleanen Hall, der mit Vintage nichts am Hut hat. Wer einen Fender Spring-Reverb erwartet, ist hier falsch. Modern, klar und unaufdringlich tönt die Hallfahne aus der Box. Den Pre-Delay-Regler des ursprünglichen Marine Layer Reverbs hat Fender über Bord geworfen, aber der DMLR zeigt sich auch nicht aufdringlich, außer man will das. Die Unterschiede von Modus 1 und 2 – also Hall und Room – sind dabei eher subtil; wie die Bezeichnungen schon andeuten, zeigt sich Room etwas kleiner, intimer, während Hall eher nach leerer Konzerthalle klingt. Die Einstellmöglichkeiten sind aber so gut, dass man es nicht vermisst, nicht für den einen Kanal Modus 1 und den anderen Modus 2 anwählen zu können. Ich finde dabei gerade den Damping-Regler besonders vorteilhaft: Oft will man dem Ton einfach etwas Atmosphäre spendieren, ohne den Effekt dabei zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Dafür ist der DMLR geradezu ideal, denn der Damping-Regler mildert jede Form von aufdringlichem Hall ab und ist ein Segen gerade bei Riffing, breitem Akkord-Geschrammel oder hektischem WahWah-Gewedel.

Modus 3 – Shimmer – ist für die Freunde des gepflegten epischen Postrock/Ambient-Geschimmers. Fenders Variante dieses seit etwa zehn Jahren nicht mehr wegzudenkenden Effekts ist dabei recht stabil in der Tonentfaltung, eiert nicht rum und liefert kein digitales Klirren. Es klingt nach warmem 1980er-Synth-Pad – hier zeigt sich auch, warum das Teil wohl „Marine“ heißt: Fenders Variante klingt ein bisschen nach Meeresbrandung, immer mit einem leichten „ffff“-White-Noise im Ton.

Der Mod-Effekt ist, wie erwähnt, ein Chorus, mit dem Fender dem fortdauernden 1980er-Revival Rechnung trägt. Der Effekt ist schön, subtil, und so richtig kommt er auch nur bei Rechtsanschlag des Potis und entsprechender Hallfahne sowie nicht zu starkem Damping raus. Dann aber umso schöner. Eventuell kann sich der eine odere andere damit auch ein Chorus-Pedal sparen.

Der Clou des DMLR ist aber eben seine „Zweikanaligkeit“. Ohne sich bücken zu müssen, ohne Fummeln an den Reglern, kann man mitten im Song bequem zwischen zwei Sounds umschalten. Ein Geschenk für alle, die für Rhythmus-Gitarre nur ein bisschen Räumlichkeit brauchen, für das Solo oder andere Passagen aber epische Weiten. Und ja, das geht auch mit anderen Geräten, aber – Hand aufs Herz – nicht wenige von uns brauchen auch nicht wirklich mehr als zwei Hallsounds – und nutzen die unfassbare Menge in anderen Reverb-Pedalen eigentlich … nie. Oder? Die übersichtliche Bedienbarkeit ohne jegliche Menüs und Presets empfinde ich hier, als Teil des Konzepts, als Plus.

FAZIT

Mit seinen beiden separaten Kanälen und dem irgendwie an Brandung erinnernden Shimmer-Reverb liefert der DMLR tatsächlich „mehr Meer“. Er richtet sich an alle, denen die Möglichkeiten eines Strymon Big Sky oder sogar des kleinen TC Electronic Hall of Fame zu viel sind, die aber einen simplen, modernen Hall brauchen, den sie bequem mitten im Song je nach Bedarf ohne Gefummel umschalten können. Ein Problem, das auch mich bisher geplagt hat, ich geb’s gerne zu. Da die drei Modi im Klang aufeinander aufbauen und sehr gut einstellbar sind – der Damping-Knopf ist dabei genial – stört es nicht, dass sie für beide Kanäle nicht separat einstellbar sind. Der DMLR schließt hier also eine Lücke zwischen zu unflexiblen, da nicht (fuß-)schaltbaren Reverbs und überfordernden Multi-Reverb-Schlachtschiffen, bei denen viele ohnehin nur ein oder zwei Modi nutzen. Damit ist der DMLR auch primär ein Live-Tool – da spielt er seine Stärke aus.

PLUS

  • Soundqualität
  • Verarbeitung
  • separat schaltbare Kanäle
  • Damping-Regler
  • einfachste Bedienbarkeit

MINUS

  • Gewicht


(erschienen in Gitarre & Bass 01/2022)

Produkt: Treble Booster im Test
Treble Booster im Test
Der Treble Booster war in den 60er und 70er Jahren das Effektgerät schlechthin. Hol dir jetzt 4 Gratis-Testberichte zum Sound-Wunder!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte dich auch interessieren