Onneksi olkoon!

Masterpiece: Versoul Buxom 40th Anniversary im Test

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(Bild: Dieter Stork)

„Onneksi olkoon“ ist Finnisch und bedeutet „Herzlichen Glückwunsch“! Denn hoch im Norden, in Helsinki, baut Kari Nieminen seit 40 Jahren seine ungewöhnlichen E- und Akustik-Gitarren. Wie diese von dort in die Hände von Keith Richards, Ron Wood, Pete Townsend, Billy F. Gibbons und vielen anderen Honoratioren des Rock’n’Roll gelangten, wäre in der Tat eine eigene Story wert. Aber heute wollen wir lieber das 40. Jubiläum feiern – und das mit einer ganz außergewöhnlichen Gitarre …

Es scheint, dass je höher der Bekanntheitsgrad und je üppiger das Preisschild, desto mehr Freiheiten werden einem Gitarrenbauer zugestanden, seine Kunst so auszuüben, wie er selbst sie gut findet. Und genau diesen Status hat Kari Nieminen längst erreicht; er braucht keine Kunden zu suchen, sondern die Kunden suchen und finden ihn.

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Die Buxom 40th Anniversary ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass ein Gitarrenbauer ein eigenes Konzept ballastfrei von Kopf bis Fuß durchzieht. Denn hier wurden ohne Rücksicht auf Traditionen, überlieferte Vorlieben und Preis-Kategorien nicht nur ungewöhnliche Hölzer verwendet, sondern auch im Design und in der Konstruktion eigene Wege beschritten.

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Sein erstes Jumbo-Modell hat Nieminen in den frühen 80er-Jahren gebaut und die Pressform, die er sich damals hatte bauen lassen, ist auch heute noch in Gebrauch, um z. B. die Zarge der Buxom 40th Anniversary in Form zu bringen.

Und Nieminen schöpft zum Anlass des Jubiläums aus dem Vollen. So stellt seltenes afrikanisches „striped“ Ebenholz das Material der Wahl für die Zarge und den Rücken dar. Die Decke ist aus Rot-Zeder und wurde in einem tiefen Schwarz versiegelt. Für Griffbrett und Steg verwendet Versoul BlackTek, „ein Substitut für Ebenholz. Es handelt sich dabei um hitzebehandeltes Holz-Verbundmaterial mit dem Aussehen und den klanglichen Eigenschaften von wirklichem Ebenholz, ist aber deutlich widerstandsfähiger gegenüber Feuchtigkeitsschwankungen“, sagt Kari Nieminen.

Der Hals ist dreistreifig aus Espe/Wolkenahorn/Espe gebaut und geht bereits am 12. Bund in den Body über, was für solch eine große Gitarre durchaus ungewöhnlich ist. Ebenso ungewöhnlich sind die schlichten Gotoh-501-Mechaniken mit „tulip“-Flügeln aus Kunststoff, die auf einer sich in einem flachen Winkel nach hinten neigenden, recht großen Kopfplatte sitzen. In dieser Preisklasse hätte man eher vergoldete Aggregate mit Ebenholz-Knöpfen oder eine ähnlich noble Tuner-Ausstattung vermuten können, aber ich persönlich finde den Kontrast der eher gewöhnlich aussehenden, hervorragend funktionierenden Mechaniken zu den aufwendigen Design-Details dieser Gitarre gerade reizvoll.

Der Hals ist mit dem Korpus verschraubt. (Bild: Dieter Stork)

Am Übergang des Halses zum Body befindet sich keine Art sichtbaren Halsfußes, wie z. B. eine klassische Dovetail-Verbindung. Vielmehr geht der (übrigens mit 19 Bünden aus Edelstahl versehene) Hals ohne deutliche Verdickung direkt in den Korpus über; ein klarer Hinweis darauf, dass die Verbindung nicht geleimt, sondern geschraubt ist. Schraubverbindungen bei Akustikgitarren haben längst den Ruf der Billigproduktion hinter sich gelassen, Taylor hat auf diesem Gebiet herausragende Pionierarbeit geleistet.

Versoul verwendet seit vielen Jahren ein eigenes System, bei dem der Hals mit zwei M5-Bolzen verschraubt wird, die in Gewindehülsen greifen, die sich im Korpusblock befinden. Der Zugang zu diesen Bolzen liegt unter einer kleinen Holzplatte verborgen, die im 13. Bund eingelassen ist. Zwei weitere Bolzen befinden sich im Inneren der Gitarre und schrauben sich von unten in Gewindehülsen, die im Halsende sitzen. Die M5-Bolzen sind aus nicht rostendem Edelstahl, die Gewindehülsen aus Messing. Auf meine Frage, warum er die moderne Schraub- einer traditionellen Leimverbindung vorziehe, sagt Kari Nieminen:

„Da gibt es mehrere Gründe. Zum einen kann der Hals in wenigen Minuten und mit Hilfe nur eines Inbusschlüssels abgebaut werden, was für eine Reparatur natürlich ein Segen ist. Außerdem hat dank des fehlenden Halsansatzes die Greifhand deutlich mehr Platz in den oberen Lagen, was gerade bei einer 12-Bund-Gitarre Sinn macht. Aber der für mich wichtigste Punkt, der für unsere Schraubverbindung spricht, ist die direktere Übertragung der Saitenschwingung vom Hals in den Korpus, was zu einem wirklich langen Sustain und einem ausgewogenen, strahlenden Klangcharakter verhilft.“

Alle Oberflächen sind mit Nitrozellulose-Lack versiegelt und auf Hochglanz poliert, was sowohl dem Ebenholz des Korpus, aber auch der schwarzen Decke ein imposantes Äußeres verleiht. Es lohnt nicht nur der Blick auf das große Ganze, sondern auch auf die vielen Details, die diese Gitarre zu bieten hat. So z. B. die stilvolle Einlage der Kopfplatte, die abstrakte Darstellung eines Tribe Dancer, der das wichtigste Element der Musik, den Rhythmus, symbolisieren soll und per Hand mit 23-karätigem Blattgold in das Ebenholz-Furnier eingelegt ist. Dieses Blattgold findet sich auch an anderen Stellen der Gitarre wieder, so z. B. auf dem Rücken in einer kleinen Punkteinlage, als Side-Dots an der Griffbrettflanke und auch als Bestandteil der Schallloch-Rosette.

Hierfür wurde rund um das Schallloch, in einen deutlich tiefer gelegten Kanal, das 23k-Blattgold verlegt und der Kanal mit klarem Nitrolack bis auf Deckenhöhe aufgefüllt, sodass dieses Blattgold unter der klaren Lackschicht so dreidimensional wie ein in Harz vergossenes Element erscheint. Neben den prächtigen, zweiteiligen Griffbretteinlagen aus echtem Abalone fallen die Ziereinfassungen ins Auge, die links und rechts das Griffbrett, aber auch die Rosette und die komplette Decke umlaufen – dezent, aber sehr geschmackvoll.

Elegantes Rosetten-Design mit 23k-Blattgold-Einlage (Bild: Dieter Stork)

Blickt man ins Schallloch, fällt neben der leicht erreichbaren Stellschraube zum Einstellen des Halsstabes vor allem das Label des Herstellers mit den Daten zur Gitarre auf; denn auch das besteht aus 23k-Blattgold.

Und ein bisschen Lokalkolorit zum Schluss: Die Saiten verlaufen über einen sehr eigenen, aber schwungvoll „lächelnden“ Steg mit einer Einlage, die aus dem Schienbeinknochen eines Elches gewonnen wird. Der perfekt gearbeitete Sattel ist aus demselben Material gefertigt.

Klangerlebnis und Fazit auf Seite 2

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Mit Verlaub,optisch und akustisch,sowie handwerklich und qualitativ zweifelsfrei sehr edel,aber,wer bitte,zahlt ernsthaft locker satte 14.000,-€ für eine Akustische Gitarre im Jumbostyle aus Finnland???

    Das ist ja wirklich enorm viel Kohle! Ich empfand damals runde 2.700,-€ für eine heute leider schon nicht mehr im Ibanez Produktekatalog gelistete japanische AE-900 Akustikgitarre mit separatem Preamp-System bereits recht heftig. Diese besagte Ibanez AE-900 war durchaus auch sehr edel,wurde in Japan aus den besten verfügbaren Hölzern gefertigt,sie war qualitativ absolut hochwertig,und klangtechnisch einfach wundervoll.

    Ich denke,irgendwo sollte der hohe Verkaufspreis auch gerechtfertigt sein,was sich mir aber bei der Buxom 40th. Anniversary nicht wirklich erschließt,sorry,da ist mir ehrlich gesagt,zu viel an (unnötigem) Prunk und Eleganz verbaut.

    Maßgeblich scheint mir vorrangig stets die Klangeigenschaft und die Verarbeitung zu sein,die faktisch wesentlich zum Kaufentscheid beiträgt.

    Kann sein,daß es evtl. noch Sammler gibt,die einen besonderen Wert auf Vergoldung,Elchknochen,außergewöhnliche Hölzer und extrem hohe Verkaufspreise legen,da schließe ich mich hier aber garantiert nicht an,selbst wenn es sich dabei um eine 40th Anniversary handelt. Wo zieht man eigentlich die Grenze von hochpreisigen Gitarren,die u.a. generell mit aufwändigen Intarsien bestückt wurden?

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    1. Hast vollkommen Recht !!!
      Ich bin schon bereit für außergewöhnliche Stücke etwas tiefer in die Tasche zu greifen, aber hier erscheint das Ganze unmoralisch.

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