Lauschangriff

Marshall 2525C im Test

Marshall-Kenner wissen, dass die 1987 eingeführte Silver Jubilee-Serie bis heute einen besonderen Nimbus genießt. Klar, weil einige Helden  damit in Verbindung gebracht werden, allen voran Slash.  Die Aura dieser „legendären“ Verstärker lässt Marshall  nun wieder aufleben. Mit einem 1×12“-Combo und einem Topteil im Kompaktformat.

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Das Besondere an dem Konzept: Trotz der  Bestückung mit zwei EL34-Röhren in der Endstufe, bringt sie es maximal „nur“ auf ca. 20 Watt, anstatt auf 50 Watt, wie man es  gemeinhin von dem Röhrenpäärchen kennt. Der 2525 ist demnach darauf ausgerichtet,  auch bei niedrigen Lautstärken gut zu klingen bzw.  am oberen Ende einen Arbeitspunkt zu bieten, der im Schalldruck moderat bleibt.

Eine erfreuliche Meldung schon vorweg: Obwohl beide, Topteil und Combo, im Straßenpreis bei moderaten € 1000 bzw. € 1200 liegen, sind sie keine Asien-Produkte, sondern „Made in England“.

Bewährte Technik

Die Silver-Jubilee-Serie liefert den Stoff für einen Anachronismus. Gilt nicht spätestens seitdem die Boutique-Bewegung ins Rollen kam, dass nur eine reine Röhrenschaltung optimalen Ton bescheren kann?! Oh oh, das Dogma der Puristen kommt ins Wanken. Denn, wie kann dann ein Silver-Jubilee-Amp, der seine Distortion- Sounds ja unter Beihilfe von Halbleitern, sprich Dioden, erzeugt, tonal derart auftrumpfen, dass V.I.P.-Player komplett von ihm begeistert sind??!! Nun, bevor das hier in eine Grundsatzdiskussion ausartet, klären wir lieber inwieweit der 2525 mit seinen Vorfahren deckungsgleich ist. Deren besonderes Konzept war, dass im ersten der beiden Sound-Kanäle zwei Gain-Ebenen zur Verfügung standen, anzuwählen über den im sogenannten Input-Gain-Regler integrierten Pull/Push-Schalter. Die eine für Clean- Sounds, die andere so viel heißer das nur noch Overdrive und Crunch möglich war. Für den zweiten (Lead-) Kanal gab es nur ein Poti, Lead Master.

FOTO: Dieter Stork

Richtig, die Gain-Intensität konnte nicht separat für jeden Kanal eingestellt werden. Außerdem hatten die Silver-Jubilee-Verstärker noch ein konventionelles Master Volume direkt vor dem Eingang der Phasentreiberstufe (wie erstmals bei den Marshall-JCM800-Modellen 2203 und 2204) und die typische Klangregelung mit Treble, Mid, Bass. Ein technischer Kniff (das Bass-Tandempoti) sorgte dafür, dass der passive EQ effizienter arbeitete als man es bisher von Marshalls gewohnt war.

Langer Rede konstruktiver Sinn, der neue 2525 weicht von diesen Details nicht ab. Laut Marshall basiert die Schaltung auf dem Original bzw. dem Reissue-Modell 2555X, das voriges Jahr ins Programm aufgenommen wurde. Getreu dem Vorbild haben die neuen Mini Jubilees einen D.I.-Out an der Rückseite, sowie den seriellen Einschleifweg und einen Footswitch- Anschluss für die Fernbedienung des Kanalwechsels. Also: Soweit alles wie früher. Nur die Endstufe ist anders. Andere Spannungsverhältnisse, Kathodenbias anstatt wie damals statischer Gitterbias, ein physisch deutlich kleinerer Ausgangstrafo. Die Bauweise des Gehäuses folgt den üblichen Standards, wobei leichtes Schichtholz Verwendung findet. Hinten ist der Combo mit einer angeschraubten Rückwand quasi komplett verschlossen. Lediglich oben am Übergang zum Amp-Chassis ist ein schmaler Spalt zu sehen (Lochblechgitter) und ein weiter, der eine Art „Tuned Port“ darstellt, eine Bassreflexöffnung. Das Gehäuse ist akkurat gefertigt. Im Amp-Chassis zeigt der elektrische Aufbau, wie heutzutage hohe Qualität in der Großserienherstellung auszusehen hat. Tipptopp gemacht, mit dickwandigen Platinen, säuberlichst bestückt und verdrahtet, Modulbauweise mit Steckkontaktverbindungen, wertige Bauteile … das passt alles zum Preisniveau. Apropos Preis, in dem Kontext sorgt auch der verwendete Speaker für eine positive Überraschung. Marshall baut nämlich den exklusiven, teuren Celestion-Greenback aus der „Made in the U.K.“-Serie in den Combo ein. Das ist nebenbei bemerkt der Speaker-Typ, der in unserem großen Greenback-Vergleichstest (in Ausgabe 01/2014) als tonal Bester seiner Familie abgeschnitten hat.

Halbstarker Rocker

Erinnert sich der eine oder andere noch an den AFD100 (Appetite for Destruction), den Marshall in Anlehnung an Slashs Lieblings-Amp entwickelte? Typisch für diesen Verstärker ist das besonders höhenreiche Grundtimbre. Diese klangliche Eigenheit findet sich auch im Ton des 2525C/H. Dezenter in der Ausprägung, aber doch dominant. Dabei hat die Sound-Formung unverkennbar ihre Wurzeln in den ersten JCM800-Modellen 2204 und 2203. Erdig britischer Rock-Ton, dynamisch explosiv, charakterstark, und wegen der besagten Frische in den hohen Frequenzen, durchsichtig und obertonreich. Akkorde werden harmonisch dargestellt, Obertöne lassen sich ohne Mühe hervorkitzeln. Indes, ein Amp für fette, tragende Leadlines und Solo ist der 2525 per se nicht. Die Verzerrungen können zwar sehr intensiv sein, erzeugen aber keine Kompression, die das Sustain maßgeblich unterstützt.

FOTO: Dieter Stork

Der Amp ist eben ein bodenständiger Traditionalist. Was ihm umso mehr zum Vorteil gereicht, als mit der moderaten Endstufenleistung die Sättigungsgrenze sehr viel früher erreicht wird als bei einem entsprechenden 50-Watt-Modell. Gerade das wird für viele Kollegen ein gewichtiges Argument sein, damit man kompromisslos klassische Sound-Qualitäten, das Aufblähen des Tons wenn der Amp an die obere Leistungsgrenze kommt, genießen kann, ohne den Bandkontext mit zu hoher Lautstärke zu sprengen. Sprich, wo ein 50-Watt-Stack oder -Combo schlicht „too much“ ist und nur Probleme bereitet, z. B. eben in kleineren Club-Venues, ist man mit dem 2525 bestens aufgehoben. Die typischen Vorzüge eines hoch ausgesteuerten Röhren-Amps, die besondere Dynamik, die Ansprache und Reaktion auf das Guitar-Volume stellen sich kultiviert ein. Der Amp ist in der Hinsicht nicht im geringsten „Mini“, sondern genauso „tough“ wie ein Großer. Auch wenn man am Standby-Schalter den 5-Watt-Modus wählt, behauptet sich der mit einem nur wenig schlankeren Klangbild – die Klangformung verliert nicht ihren kraftvollen britischen Charakter.

Potentielle Interessenten sollten bedenken, dass der 2525 (wie seine Geschwister) in der Anwendung speziell ist. In erster Linie, weil unabhängige Abstimmungen der beiden Sound-Kanäle/-Modi nicht möglich sind. Man wechselt, vereinfacht ausgedrückt, beim Kanalwechsel mehr oder weniger nur das Gain-Niveau. Deshalb ist der Amp primär für diejenigen Spieler unter uns geeignet, die einen puristischen Ansatz im Bereich Retro-Rock verfolgen.

Als klarer Vorteil zeigt sich zum wiederholten Male die nachhaltige Wirkung der Klangregelung. Hier sticht insbesondere der Bassbereich hervor, weil er in Richtung Maximal-Position eingestellt Reserven freimacht, die man von anderen traditionellen Marshall-Modellen (zumindest bei moderaten Lautstärken) so nicht unbedingt kennt. Dem Topteil wird dies zum Vorteil gereichen, wenn ein schlank klingendes Speaker- Cabinet benutzt wird. Der Combo profitiert in der Hinsicht davon, dass er viel Volumen in den tiefen Frequenzen freisetzen kann. Wie er auch insgesamt raumfüllend klingt und ihm der gepflegte Retro-Charakter des „Edel“-Greenbacks sehr zum Vorteil gereicht. Tja, man kann es drehen und wenden wie man will, Minuspunkte sind aus objektiver Sicht nicht erkennbar. Auch die Peripherie funktioniert wunschgemäß. Der Einschleifweg sorgt sogar noch für einen zusätzlichen Pluspunkt, denn mit seinem niedrigen Nominalpegel von -10dBV ist er besonders vielseitig und unproblematisch nutzbar.

Alternativen

In der Rubrik steht es meiner Ansicht nach wie schon beim 2555X: Nichts in Sicht, zum Original gibt es keine Alternative!

Resümee

Marshall hat mit den beiden 2525-Modellen einen geschickten Coup gelandet. Den Ton und die Performance der Silver-Jubilee-Ära in zivilen Lautstärken zur Verfügung zu haben, das ist definitiv eine sinnvolle, praktische Option, und die wird vermutlich von vielen Spielern des Rock-Genre mit Freuden angenommen werden. Wer sich dafür begeistert, kann bedenkenlos zugreifen, denn Preis und Leistung stehen zweifellos in einem gesunden Verhältnis.

Plus

  • Sound & Variabilität
  • Dynamik, Transparenz, Durchsetzungsvermögen
  • britisch-harmonische, markante Verzerrungen m. hohen Gain-Reserven
  • moderate Leistung erzeugt lautstärkedefensive Arbeitspunkte
  • Authentizität
  • geringe Nebengeräusche
  • Verarbeitung u. Qualität der Bauteile

 

Soundfiles

Für die Aufnahmen kamen zwei Mikrofone mit Großflächenmembran zum Einsatz, ein AM11 von Groove-Tubes/Alesis als Raum-Mikro und ein C414 von AKG, nahe platziert vor einem Celestion-Vintage 30 im klassischen 4×12-Cab.

 

Die Clips wurden pur, ohne Kompressor und EQ-Bearbeitung über das Audio-Interface Pro-24DSP von Focusrite in Logic Pro eingespielt udn abgemischt. Das Plug-In „Platinum-Reverb“ steuert die Raumsimulationen bei.

 

Die Instrumente sind eine Fender-CS-Relic-Strat-1956 (m. JB-Humbucker v. Seymour Duncan am Steg) und eine 1957-Signature-Les-Paul „Lee Roy Parnell“ aus dem Gibson-Custom-Shop.

 

Bedeutung der Buchstabenkürzel:

 

R-CH: Rhythm-Channel des Combos.

L-CH: Lead-Channel des Combos.

 

CL: Cleansound, vollkommen sauber, ohne Verzerrungen.

CR: Crunchsound, etwas mehr Gain als bei Overdrive.

Fb: Feedback, Sustain durch Rückkoppelung.

HG: High Gain, Distortion nahe am Maximum des hier Möglichen.

LP: Les Paul / Steg-Humbucker.

OD: Overdrive, geringe Anzerrungen.

 

Clips #1 bis #6: Ich denke, es braucht diesmal nicht viele Kommentare meinerseits. Die Audio-Beispiele sprechen für sich.

Ich habe versucht darzustellen wie unterschiedlich, vor allem auch in Eindruck von der Kraft/Dynamik der 2525C klingen kann. Selbst die Vintage-Strat kann an ihm echt mächtig tönen. Toll ist die Ansprache, die sehr sensibles Spiel zulässt und quasi jedes Detail präzise darstellt.

 

 

Clip #7 präsentiert mein Referenz-Riff“ (RefRiff), das ich mit jedem Test-Amp/-Distortion-Pedal einspiele, damit man den Distortion-Charakter der von uns getesteten Produkte quasi auf einer neutralen Ebene vergleichen kann. Clip #8 zeigt wie klar und deutlich der Combo die TA-Positionen der Strat abbildet (Pos. 5 bis 2, ohne Steg-Pick, der hier unnangepasst laut hervorgetreten wäre).

 

 

 

 

 

Ich wünsche viel Vergnügen, und…,  wenn möglich, bitte laut anhören, über Boxen, nicht Kopfhörer! ;-).

 

Fragen, Anregungen  und  ja, auch Kritik sind wie stets willkommen. Nachrichten bitte an frag.ebo@gitarrebass.de.  Es klappt nicht immer,  aber ich werde mich bemühen möglichst kurzfristig zu antworten.

 

 

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