Kleinanzeigen Heroes: Ibanez AF151AWB

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Günstige Arbeitstiere, unterschätzte Underdogs, übersehene Youngtimer und vergessene Exoten: In den „Kleinanzeigen Heroes“ stellen wir euch die Geheimtipps des Gebrauchtmarkts vor, die einen maximalen „Bang for the buck“ liefern.

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Hier musste man die inneren Werte doch sehr schätzen: die Ibanez AF151AWB im Originalzustand. (Bild: Ibanez)

Ibanez AF151AWB

Dass seit längerer Zeit mehr Jazz-Gitarren auf dem Gebrauchtmarkt kursieren, als es jemals Jazz-Gitarristen gab, dürfte nicht nur mir aufgefallen sein. Darunter ein heißer, bunter Vogel aus Fernost …

Der stammt von Ibanez, die bekanntlich in den vergangenen Jahren mit einer Unzahl preisgünstiger Archtops versucht haben, die halbe Musiker- und Musikantinnen-Welt vom Handschuhton an II-V-I-Verbindungen zu überzeugen. Das scheint nicht bei jedem und jeder funktioniert zu haben. Also trennt man sich wieder, bevor der Nachbar mit dem Jazz-Magazin-Abo noch lauter lacht. Glück für Schnäppchenjäger, denn genau aus dem Grund kann man immer wieder sehr gut erhaltene Ibanez-Hollowbody-E-Gitarren entdecken – und je nach Modell sind das handwerklich hervorragend gebaute Instrumente mit guten Pickups, die man da irgendwo zwischen 400 und 900 Euro inklusive Koffer erstehen kann.

JAZZER BRAUCHEN NICHT VIEL

Da der Jazzer in der Regel den Steg-Tonabnehmer so wenig braucht wie Jim Hall den Reverb und mir E-Gitarren mit zwei Reglern schon immer sympathisch waren, habe ich auf der Suche nach einigermaßen bezahlbaren, klassisch bis dezent modern aussehenden und brauchbaren Archtops mit einem Halstonabnehmer vor einiger Zeit die Ibanez AF151AWB entdeckt: das frühere Top-Modell der bezahlbaren AF-Linie. AWB steht übrigens für „Aged Whiskey Burst“ – man muss allerdings eine Menge trinken, bis sich diese Assoziation erklärt. Das Finish sieht jedenfalls großartig aus und geht etwas in Richtung eines dunkleren Cherry-Sunburst.

Mit einer Zargentiefe von 7 cm, einem 16-Inch-Korpus aus geflammtem Ahorn-Laminat, das mit cremefarbenem Multi-Binding eingefasst ist, sowie einem unauffälligen, mitteldicken C-Halsprofil, kommen auch Solidbody-Player mit diesem Instrument gut zurecht. Auf dem dreiteiligen Mahagoni/ Ahorn-Hals mit 43mm breitem Knochensattel sitzt ein Ebenholz-Griffbrett mit 20 perfekt verrundeten Medium-Jumbo-Bünden.

Auch in ihrer preislichen Mittelklasse legte Ibanez schon immer Wert auf gute Ware. Die AF151AWB hat einen wunderbar voll und rund klingenden Super-58-CustomHumbucker, Sure-Grip-III-Knöpfe, Gotoh-Typ-Tuner, Gold-Hardware, einen nicht oktavkompensierten, höhenverstellbaren Holzsteg, und sie kam ab Werk mit brauchbaren Flatwound-Saiten bezogen und in einem wirklich hochwertigen Hartschalenkoffer.

KOSMETISCHE CHIRURGIE

Die AF151 wurde von 2013 bis 2014 in China hergestellt und primär in Japan und den USA verkauft. Dementsprechend taucht sie in Europa gebraucht eher selten auf. Ich hatte die Gitarre mal bei einem Bekannten angespielt, fand sie von der Konstruktion, der Verarbeitung, der Bespielbarkeit und auch dem Sound her wirklich großartig – das bunte Schlagbrett und vor allem den VT06S-Saitenhalter aber spukhässlich. Da ich aber immer wieder an dieses Instrument denken musste, machte ich mich auf die Suche in den üblichen Portalen – und fand ganz lange nichts. Bei Reverb.com tauchte gelegentlich mal eine überteuerte AF151 aus Japan oder den USA auf, wo ein Kauf dann aber aufgrund der Shipping-, Einfuhr-Umsatzsteuer- und Zoll-Kosten kein Thema war. Aber dann hatte ich irgendwann das Glück, ein offensichtlich kaum gespieltes Exemplar für knapp 600 Euro all inclusive zu bekommen. Neupreis dieses Instruments vor zehn Jahren betrug ca. 900 Dollar, inklusive Koffer. Die Gitarre kam an und ich bin bis heute begeistert, denn in dieser Preisklasse findet man kaum eine so schöne und gut klingende One-Pickup-Archtop.

Im privaten Custom-Shop dezent umgestylt: Die AF151AWB mit Harley-Benton-Tailpiece und Frühstücks-Schlagbrett. (Bild: Trampert)

Ich habe mir dann im Zubehörhandel ein ‚Harley Benton Parts Hollowbody Tailpiece‘ für 18 Euro und 5 Cents gegönnt, das die Gitarre optisch enorm aufwertet. Auf die Holzbasis des Stegs kam eine alte Tune-o-matic-Bridge, um die Oktavreinheit der .012er-Thomastik-BeBop-Saiten genauer einstellen zu können. Das kirmesbunte Whiskey-Kirsch-Cola-Schlagbrett ersetzte ich durch einen laubgesägten Klon, für den ein altes Mahagoni-Frühstücksbrett vom Flohmarkt herhalten musste; farblich habe ich mit etwas Beize nachgeholfen. Das ist alles Geschmacksache – aber mir gefällt diese tolle Ibanez-Archtop jetzt auch äußerlich so richtig gut.

Wer mal eine AF151AWB entdeckt – antesten!

Noch ein Geheimtipp: So ein Instrument kann man übrigens auch mit .010er-Saiten spielen, und es besteht auch nicht auf Jazz-Akkorde mit langen Namen. Entdecken!


(erschienen in Gitarre & Bass 07/2023)

Produkt: Jazz Amp
Jazz Amp
Realität oder Illusion?

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ich hatte genau dieses Modell, eine an sich super verarbeitete Gitarre, nur hab ich dann als Reingschmeckter der eher aus dem Rockbereich kommt doch den 2. Pick Up vermisst und das Teil wieder ohne Verlust verkauft. Besonders die Kombination mit diversen Fender Amps (Blues Junior) klingt sehr gut!

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  2. Kann uneingeschränkt zustimmen: Ursprünglich bin ich Stratspieler. Aber inzwischen habe ich bereits einige Ibanez-Jazzgitarren und ich bin immer wieder überrascht über die ausgezeichnete Fertigungsqualität, Bundabrichtung, Justage – und das bereits ab Werk. Von der z.T. schönen Optik aufgrund der verbauten Hölzer mal ganz zu schweigen…
    Die spielerischen Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten sind vorzüglich und für das Darüberhinausschauen über den sprichwörtlichen Tellerrand sind sie geradezu vielfältig. Die Gebrauchtpreise halten sich noch in Grenzen und das Angebot ist vergleichsweise groß. Werde mir bestimmt noch so einen Ibanez-“Brotkasten” zulegen.

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  3. Und schon in den Kleinanzeigen, die große Liebe? Für 900€ manmanman…

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