Die Perlen des Gebrauchtmarkts

Kleinanzeigen Heroes: Gretsch G5235T Electromatic Pro Jet

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Günstige Arbeitstiere, unterschätzte Underdogs, übersehene Youngtimer und vergessene Exoten: In den „Kleinanzeigen Heroes“ stellen wir euch die Geheimtipps des Gebrauchtmarkts vor, die einen maximalen „Bang for the buck“ liefern.

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Gretsch G5235T Electromatic Pro Jet

Zugegeben, der ausufernde Modell-Dschungel der amerikanischen Traditionsmarke Gretsch ist inzwischen für normale Menschen (also Nicht-Nerds) kaum noch zu durchdringen. Regelmäßig lese ich in den einschlägigen sozialen Medien verwirrte Nachfragen nach den Unterschieden – die sich ja auch preislich erheblich auswirken.

(Bild: Christopher Kellner)

Anders als beispielsweise bei Gibson oder Fender hat Gretsch keine Budget-Linie mit anderem Markennamen. Lediglich die erste Ziffer des Modellnamens weist auf die Preisklasse hin. Beginnt sie mit einer „6“, wurde die Gitarre in Japan hergestellt und ist absolutes Top-Level mit entsprechendem Preis. Eine „5“ bedeutet: Electromatic-Serie, mittleres Preis-Level, hergestellt in China oder Korea.

Mittlerweile gibt es noch die „2“, die Streamliner-Serie, die in Indonesien und China produziert wird. Uns soll hier ein Modell interessieren, dass sich mit der Bezeichnung G5235T als Mitglied der Electromatic-Familie ausweist. Diese wurde von Gretsch, damals noch unabhängig, 1999 ins Leben gerufen. Ziel war es, neben den in den 1990ern schon hochpreisigen japanischen Modellen eine zweite, günstigere Linie im Markt zu platzieren. Die ersten Modelle hatten dabei noch nicht den Markennamen „Gretsch“ auf der Kopfplatte. Das kam erst nach 2003, als Fender die Lizenz für die Marke Gretsch erwarb und seitdem die Regie führt.

BUDGET-IKONE

Womit wir bei der G5235T Pro Jet wären. Dieses Modell wurde 2005 eingeführt und verweist auf den ersten Blick auf eine legendäre Ikone des Gretsch-Katalogs – die Duo Jet, gespielt von Gitarren-Helden wie Cliff Gallup und George Harrison. Bei der Auferstehung der Marke Gretsch 1989, nach den dunklen 1980er-Jahren, war die Duo Jet auch wieder im Line-up – jedoch nicht originalgetreu, sondern eher wie ein Hybrid aus einer Les Paul und den originalen Features (siehe die Gretsch 6121 Roundup in G&B 5/21).

Das änderte Fender sofort nach der Übernahme, und seitdem gibt es die Duo Jet wieder quasi als „originalgetreuen“ Nachbau aus Japan. Gleichzeitig wurde jedoch eine neue Gitarre ins Leben gerufen, die den Gedanken, eine Mischung aus Les Paul und Duo Jet anzubieten, in die Electromatic-Serie aufnahm – die G5235. Diese erste Serie, gebaut von 2005 bis ca. 2011, ist ein Geheimtipp, unterscheidet sie sich doch subtil, von den späteren (seit 2011) und heute noch erhältlichen Pro Jets.

DER TEUFEL IM DETAIL

Das augenscheinlichste Distinktionsmerkmal sind die Pickups. Bei der „alten“ Pro Jet sehen sie ungewöhnlich aus, und sitzen fest in Versenkungen im Korpus, sind also nur sehr eingeschränkt höhenverstellbar. Ein bisschen erinnern sie an Dynasonic-Singlecoils, sind aber keine – sondern Mini-Humbucker. Sie klingen offener als PAF-artige Humbucker, jedoch nicht so twangy wie die „Blacktop Broad Tron“ Filtertron-artigen Pickups auf der aktuellen Pro-Jet-Serie – und eignen sich dadurch meiner Meinung nach mehr für rockige Anwendungen als für Twang.

Von der 1990er Duo Jet wurde die grundsätzliche Konstruktion übernommen, sprich: der Hals sitzt eher wie bei einer Les Paul tief im gekammerten Mahagoni-Korpus, er schwebt nicht über der Decke wie bei einer orthodoxen Duo Jet – die zudem innen weitgehend hohl ist. Außerdem hat die Gitarre eine fest in der Decke sitzende Tune-O-Matic-artige Brücke, und nicht eine aufgesetzte Archtop-Bridge. Bei dem „T“-Modell rundet ein B50 Bigsby das Bild ab, wegen der massiven Konstruktion kann es als „Horseshoe“ direkt auf der Decke sitzen. Weiteres Unterscheidungskriterium zur aktuellen Pro Jet ist die Verarbeitungsqualität. Die alte Pro Jet hat ein wunderschönes Multi-Binding, und wirkt auch sonst wesentlich wertiger als die Nachfolgerin – hier wurde ab 2011 deutlich gespart, wie ein 1:1-Vergleich zeigt; ich hatte beide Modelle gleichzeitig. Als Mods halte ich lediglich Experimente mit der Bigsby-Feder für nötig, da die auf dem verbauten B50 recht steif ist.

PREISE

Und so bietet sich für aufmerksame „Scouts“ auf den einschlägigen Portalen die Gelegenheit, für kleines Geld ein hervorragend verarbeitetes Instrument zu ergattern, das so nicht mehr hergestellt und immer seltener wird, und zudem eine Brücke schlägt zwischen Les-Paul-Features und Gretsch-Look. Wem die Blacktop-Pickups zu höhenlastig und spitz klingen, dem sei die alte Pro Jet mit oder ohne Bigsby wärmstens ans Herz gelegt. Bei einem wertstabilen Preis um die 400 Euro kann man da nichts falsch machen.


(erschienen in Gitarre & Bass 10/2021)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Interessante Kategorie!

    Ein Preis-Leistungs-Tipp von mir wäre die Yamaha RGX820Z. Die wurde zwar für Yamaha-Verhältnisse nicht wahnsinnig oft verkauft und ist daher nicht leicht zu finden, ich habe aber immer mal wieder Angebote zwischen 300 und 500 Euro für Exemplare in sehr gutem Zustand gesehen.

    Die Gitarre ist Yamaha-typisch extrem sauber verarbeitet, hat die klassische PU-Paarung SD SH-4 Jeff Beck / SH-1n 59′, zudem aber noch ein Piezo-System mit getrennten Ausgängen für die passiven Humbucker-only und Humbucker-Piezo-Output, die sich stufenlos mischen lassen.

    Ansonsten gibt es ein Wilkinson Floating Vibrato und sehr hochwertige Sperzel Locking Tuner.

    Das war damals für 800 Euro ein sehr guter Deal, für die Gebrauchtpreise ist das Angebot unfassbar gut. Kann verstehen, wenn die Gitarre zu selten für diese Kategorie wäre, ist aber meiner Meinung nach einen Eintrag wert!

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