Ist wenig(er) genug?

Klein, stark, schwarz: Darkglass B1K im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Das B3K-Pedal von Darkglass darf man getrost einen Meilenstein unter den Basszerrpedalen nennen. Mit dem B7K stellte man ihm einen größeren Bruder zur Seite, der dann seinerseits um eine weitere Ausbaustufe ergänzt wurde: das B7K Ultra. Also immer mehr, immer größer – bis jetzt!

Mit dem neuen B1K geht es in die andere Richtung: kleiner, reduzierter – und trotzdem soll der typische Ton kompromisslos umgesetzt werden.

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IST WENIG(ER) GENUG?

Die Optik ist wirklich umwerfend, finde ich. Schnittiges Design, nichts Überflüssiges, nicht mal ein sichtbares Firmenlogo – das versteckt sich ganz klein auf der Rückseite. In die beiden konzentrischen Regler ist sehr elegant ein blauer LED-Ring eingearbeitet, der den Betriebsstatus anzeigt. Während der innere Regler für den Drive zuständig ist, regelt der äußere den Ausgangspegel des Zerrsignals, der von komplett aus bis hin zu einem ordentlichen Boost reicht, selbst wenn Drive so niedrig wie möglich eingestellt ist. War’s das schon? Aber nein … Ich weiß, wahrscheinlich haben alle mittlerweile schon darüber gelesen oder gar Videos gesehen, aber ihr könntet ja trotzdem mal überrascht tun. Was? Noch mehr Möglichkeiten, wo es doch gar keine weiteren Bedienelemente gibt? Verrückt!

(Bild: Dieter Stork)

Ja, tatsächlich! Auf der Rückseite gibt es eine kleine Klappe, die von Magneten gehalten wird und sich mit einem Plektrum öffnen lässt. Praktischerweise liegt eins bei. Hier finden sich noch zwei Drehregler und ein Dreifach-DIP-Schalter. Die Regler lassen sich ebenfalls mit dem Plek oder mit spitzen Fingern drehen und haben Einfluss auf den Höhenbereich mit einem Low Pass im Zerrweg zwischen 3 kHz und 8 kHz. Etwas kontraintuitiv gehen die Höhen weiter auf, je mehr man ihn zudreht, was aber auf der Platine entsprechend beschriftet ist. Der andere Regler sorgt für Blend, also das Zumischen des cleanen Signals. Wie das genau funktioniert, dazu gleich mehr. Hier ist die Beschriftung verwirrend, der Regelweg aber logisch: weiter aufgedreht, nimmt der Clean-Anteil zu.

Beide Regler sind mit Vorsicht zu bedienen und durchaus wackelig, für interne Trimpotis aber völlig in Ordnung. Hat man hier Zugriff auf die Höhen, lassen sich Bass und Mitten am Mäuseklavier feiner abstimmen. Ein Schiebeschalterchen ist für Growl zuständig, was in diesem Fall einen Bass-Boost meint, während die anderen beiden gemeinsam darüber bestimmen, ob die Mitten zwischen 300 Hz und 1 kHz einen dezenten +6dB Boost erfahren oder nicht.

(Bild: Dieter Stork)

GROSSER TON

Fürs erste schalte ich beides aus, was mit einem kleinen Schraubendreher oder ähnlichem komfortabel machbar ist, drehe die Höhen voll auf und das Blend-Poti auf die reine Zerre. Und da ist direkt der Ton, der klarmacht, warum Darkglass inzwischen im Metal-Bereich (und nicht nur da) ein Industriestandard in Sachen Zerre geworden ist. Grittig und aggressiv, mit ordentlich Fauchen im Ton und auch im dicken Getümmel noch durchsetzungsfähig.

Klassisch! Aber … fehlt da nicht was? Im Bass wird es minimal dünner im Vergleich zum ursprünglichen Signal. Also Growl aktiviert – und sofort ist dieses Defizit mehr als ausgeglichen. Schön punchig! Jetzt könnten die Mitten noch einen Schubs vertragen? Also den Mitten-Boost aktiviert. Wie der Growl auch, hat er direkten Einfluss auf die Zerrstruktur, und da er recht breitbandig arbeitet, bekommt der Ton mehr Tragkraft und mehr Biss in den höheren Bereichen. Wie genau der Höhenbereich aussehen soll, lässt sich mit dem internen Regler sehr fein justieren – von weit offen bis eher kompakt, der Regelbereich ist groß.

Schon bis hierhin kann das Pedal in einem sehr weiten Bereich auf den persönlichen Bedarf angepasst werden, und dann ist als Ass ja noch der Clean-Blend an Bord. Genau genommen ist es kein herkömmlicher Mix-Regler, der clean und verzerrt mischt, sondern ein Lautstärkeregler für den cleanen, unbearbeiteten Basston. Auf null kommt logischerweise nix, voll im Uhrzeigersinn aufgedreht ist das Clean-Signal exakt so laut wie das Bypass-Signal, hat also Unity-Gain. In dieser Einstellung ist der zerrende Weg komplett aus, was natürlich nicht dem Daseinszweck dieses Pedals entspricht. Ein realistisches Setting liegt so zwischen einem Viertel und halb aufgedreht, dann bestimmt der Level-Regler des Zerrers, wieviel Zerre beigemischt wird. Manchmal wird behauptet, dass „der Darkglass-Sound“ so prägend sei, dass der Charakter des Instruments vollends verschwinde und unwichtig würde. Das ist hier aber, gerade mit hinzugeregeltem Clean-Anteil kein Problem, und auch ganz ohne ist der Bass durchaus noch „da“.

(Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Mit dem neuen Miniverzerrer, der dem Vernehmen nach das erste Pedal in einer neuen Reihe sein soll, legt Darkglass unter der neuen Eigentümerschaft von Korg einen deutlichen Gewinner vor. Klar, man muss mit der Bedienung klarkommen, die einige Parameter dem ganz direkten Zugriff entzieht, das Verhalten in Bass und Mitten kann nur geschaltet, nicht fein geregelt werden, aber dafür gibt es Darkglass-Sound auf kleinstem Raum. Dazu ist es wirklich günstig, sodass ich mal prognostiziere, dass das B1K seinen Weg auf viele Pedalboards und in viele Gigbags und Koffer finden wird!

PLUS

  • Sound
  • stabile Bauweise
  • Nebengeräuschverhalten
  • Fußschalter
  • Konzept


(erschienen in Gitarre & Bass 10/2022)

Produkt: Gitarre & Bass 5/2022 Digital
Gitarre & Bass 5/2022 Digital
IM TEST: Zoom B6 +++ Framus Wolf Hoffmann WH-1+++ Valco FX KGB Fuzz, Bloodbuzz und Five-O +++ Sandberg California Central +++ Origin Effects Bassrig +++ Lava ME 2 Freeboost & ME 3 +++ One Control Strawberry Red +++ Fender Player Plus Meteora HH & Active Meteora Bass +++ Marshall 2525H & JVMC212 Black Snakeskin LTD

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