Japan Vintage: Ibanez 2461 Johnny Smith Double von 1977

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(Bild: Lothar Trampert)

Eine schöne japanische Archtop aus den 1970er-Jahren jagt die nächste in Japan Vintage! Und auch diesmal hat man sich ohne Frage dezent vom US-Hersteller Gibson inspirieren lassen. Es geht um die Ibanez 2461 aka Johnny Smith Double.

JOHNNY SMITH

Nach der Ibanez 2453 Howard Roberts in Ausgabe 08/2023 hier also noch eine schöne Signature-Jazz-Gitarre, diesmal benannt nach dem legendären Johnny Smith (* 1922 † 2013), einem amerikanischen Gitarristen des Cool Jazz und swingenden Mainstream, der u.a. als Begleiter der Saxophonisten Stan Getz und Zoot Sims bekannt wurde.

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Johnny Smith gehört mit Tal Farlow, Billy Bauer und Jimmy Raney zu den wichtigsten Gitarristen des Cool-Genres. Er war aber auch als Berater und Entwickler für Guild, Gibson und Heritage tätig. Smith selbst spielte übrigens ganz unterschiedliche Gitarren, darunter einige Edel-Archtops von John D’Angelico.

Gibson baute die Johnny Smith Double von 1963 bis ca. 1969 – eine 17“-Jazz-Archtop mit zwei über der Decke schwebenden Pickups, die, wie die Regeleinheit, am Schlagbrett fixiert waren. Dieses Gibson-Modell hatte eine geschnitzte Fichtendecke, die Zargen und der Boden bestanden aus Ahorn-Laminat. Der Mahagoni-Hals hat ein Palisandergriffbrett mit 20 Bünden und eine 24,75-Zoll-Mensur.

JAPAN REAGIERT

Keine Frage, dass bei so einem originellen Hingucker, die japanischen Kopierer die Füße nicht lange stillhalten konnten. Und so tauchte erstmals im 1975er Ibanez-Katalog das Modell 2461 auf – eine Kopie der Gibson Johnny Smith Double im Natur-Finish. Die 1:1 übernommene Open-Book-Kopfplatte hatte bei einigen Modellen noch kein Ibanez-Logo. Im folgenden Jahr war die 2461 dann auch im Sunburst-Finish zu haben, jetzt auch mit Logo auf der inzwischen veränderten Kopfplatte.

1600 D-Mark kostete das schöne Instrument 1975/76 – das war damals bei Ibanez Oberliga. Der wesentliche Unterschied zum Gibson-Original war – wie so oft bei japanischen Kopien dieser Zeit – die nicht massive, laminierte Decke der 2461. Ob sich diese Tatsache jetzt nur im rein akustischen Klangverhalten bemerkbar macht und nicht im via Pickup gewandelten elektrischen Signal, wie manche behaupten, lasse ich mal offen. Ich denke aber, dass jeder Aspekt physischer Schwingung eines Instruments sich auch auf den elektrischen Output qualitativ auswirken kann.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Miniklinkenbuchse am Schlagbrett, für die man bei Verwendung eines normalen Gitarrenkabels also einen Adapter braucht. Hier ist es besonders wichtig, das Gitarrenkabel gut am Gurt zu fixieren, am besten mit viel Spiel; denn wenn man mal drauf tritt, reißt man sich sonst im schlimmsten Fall das komplette Pickguard inklusive Pickups vom Instrument.

DIE IBANEZ 2461

Hier ein paar Daten und Fakten zum abgebildeten 1977er Modell der Ibanez 2461 Johnny Smith Double, die mittlerweile für 2400 bis 3500 Euro gehandelt wird. Zuletzt war sogar mal ein Sunburst-Modell für 4500 Euro im Angebot. Das Gibson-Original von 1969 kostet inzwischen ungefähr das Dreifache.

• Made in Japan 1977 + Seriennummer E775793 + Ibanez Super 70 Floating-Pickups

• 3-Weg Pickup-Drehwahlschalter

• 2x Volume, 2x Tone

• Ahorn-Boden & -Zargen

• Laminierte Fichtendecke

• Maple-Neck mit C-Profil

• 20 Bünde • Mensur: 24,75 Zoll

• Ebenholzgriffbrett mit Perlmutt-Einlagen

• Sattelbreite 43,5mm

• Ebenholz-Steg

• Finishes: Natural 2461NT, Brown Sunburst 2461BS

• Gewicht ca. 3,65 kg

IBANEZ-FAN & PLAYER: ANSGAR SPECHT

Jazz-Gitarrist Ansgar Specht (www.ansgarspecht.de) kennt das Gefühl sehr gut, eine Gitarre zu verkaufen und sie dann trotzdem nicht mehr aus dem Kopf zu kriegen. „Ja, diese Ibanez Johnny Smith habe ich nie vergessen. So eine Gitarre kann man nicht vergessen“, erzählt der Musiker aus Harsewinkel.

Ibanez-Fan Ansgar Specht, hier mit einer FG100 von 1987

„In der Zeit meines Besitzes hat sie mir viel Freude bereitet. Soundmäßig war sie ganz weit vorne und lieferte exakt den Ton, den man von ihr erwartet. Ich habe sie damals meist über einen Polytone Minibrute II gespielt. Und ich durfte die Ibanez auch mal mit einer 1961er Gibson Johnny Smith vergleichen: Der verstärkte Ton war fast identisch. Live, im Band-Gefüge, hörte ich dann überhaupt keinen Unterschied mehr. Einziger Nachteil dieses Gitarrentyps ist die Rückkopplungsanfälligkeit. Jedenfalls haben es die Japaner richtig drauf, hochwertige, fantastisch klingende Gitarren zu bauen. Handwerklich ebenfalls vom Allerfeinsten. Die Johnny Smith von Ibanez ist eine unfassbar tolle Gitarre …“

(erschienen in Gitarre & Bass 11/2023)

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