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Ibanez Iceman PS10LTD Paul Stanley Limited Edition im Test

Ibanez hat Paul Stanleys Iceman-Signature-Modell neu aufgelegt! Wir haben dem Thema satte 10-Seiten in unserer neuen Ausgabe gewidmet und zusätzlichen diesen Test vom 1995er Reissue für euch rausgekramt! Die ganze Story zur Iceman findet ihr außerdem hier.

Ibanez Iceman PS10 Opener
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Schon in den 70er Jahren war die Ibanez „Iceman“, wie sie damals offiziell hieß, eine der Lieblinge des Kiss-Gitarristen Paul Stanley. Rund 20 Jahre später ist die amerikanische Band immer noch im Geschäft, ohne an Popularität eingebüsst zu haben. Inzwischen verzichten die Mitglieder allerdings auf ihre schwarzweißen Schminkgesichter.

Ist ja auf Dauer auch ziemlich nervig, wenn man sich erst mal das Gesicht anmalen muß, bevor man zum Frühstück beim Bäcker um die Ecke die Brötchen holt. Dabei waren die Jungs ohne Schminke sowieso nicht zu erkennen. Ibanez im Vintage-Fieber? Na und wenn schon, jedenfalls hat die renommierte japanische Firma die Iceman in vier Versionen neu aufgelegt: Ein Mittelklasse-Modell, zwei „Low- Budget“-Versionen mit verschraubtem Hals und das Flaggschiff, die aufwendig gearbeitete PS10 Limited Edition.

Das Konstruktionsprinzip der PS10LTD ähnelt dem einer Les Paul: Mahagoni-Body, leicht gewölbte, 12 mm starke Ahorndecke, eingeleimter Hals. Ob und wenn ja, aus wie vielen Teilen die Mahagoni-Basis zusammengesetzt wurde, gibt die makellos aufgetragene und polierte Schwarz-Metallic-Lackierung nicht preis. Auf der Rückseite hat man der Gitarre das bekannte Stratmäßige, rippenschonende Shaping spendiert, ansonsten sind die Kanten leicht abgerundet. Die sehr aufwendig gefertigten Einfassungen der Decke und des Griffbrettendes bestehen aus cremefarbenem Kunststoff mit Elfenbeinstruktur, vier dünnen schwarzen Streifen und wunderschönen, bunt schillernden Abalone-Inlays. Angesichts der bizarren Korpusform darf man hier von erhöhtem Schwierigkeitsgrad in Sachen Einlegearbeit sprechen. Die komplette Elektrik ist direkt auf der Ahorndecke montiert.

Die rückseitigen Ausfräsungen für die Regler und den PU-Schalter, im Innern mit elektrisch leitendem Graphitlack überzogen, sind durch eingelassene Kunststoffplatten abgedeckt, die man mit Alufolie beklebt hat. Trotz der in aller Regel einstreuungsimmunen Humbucking-Pickups hat Ibanez hier für zusätzliche Abschirmung gesorgt. Die in der Nähe des unteren (Tone)-Potis im Zargen eingelassene Klinkenbuchse ist an einer kleinen quadratischen Stahlblechplatte befestigt.

Für die Gurtbefestigung wurden Knöpfe mit Standardmaßen verwendet. Den einen findet man in der kleinen Zargenrundung an der unteren Korpusspitze, den anderen auf der Rückseite am Halsansatz. Zumindest beim zweiten wäre ein Sicherheitsverschluß empfehlenswert. Als Steg und Saitenhalterung verwendet Ibanez seine hauseigene Variante der Tune-o-ma- tic-Brücke mit Stoptailpiece, die „Gibraltar- Bridge“. Das Fundament des Stegs, ein breites massives Metallstück, das die höhenjustierbaren Haltebolzen aufnimmt, hat man in die Korpusdecke eingelassen.

Diese Konstruktion mag vielleicht ein wenig klobig wirken, bietet jedem einzelnen Reiter jedoch den Vorteil eines immerhin 13 mm langen Justierbereichs. Die Einstellschrauben sind durch Kontermuttern gesichert, so daß hier nichts rappelt und auch während des Saitenwechselns nichts her- ausfallen kann. Beim Stoptail werden die Saiten einfach von oben eingehängt. Das blattförmige Gebilde unterhalb der Saitenhalterung ist auf die Decke geschraubt, und besteht, wie auch die Schlagplatte und die Abdeckung der Halsjustierung aus spiegelndem Kunststoff – letztere mit eingraviertem Paul- Stanley-Autogramm.

Der Hals, in Längsrichtung aus drei Ahornteilen zusammengefügt, besitzt ein sattes rundes D-Profil und wurde in den Korpus eingeleimt. Der Übergang ist ergonomisch geshaped, so daß sich die obersten Lagen trotz der ab dem elften Bund deutlich zunehmenden Halsdicke problemlos erreichen lassen. Das eingefaßte Ebenholzgriffbrett bietet 22 Jumbo-Bünden Platz, allesamt perfekt eingelassen, rund abgerichtet, poliert und an den Kanten komfortabel geglättet. Die rechteckigen Inlays aus Perlmutt und bunt schillerndem Abalone erleichtern nicht nur die Orientierung, sondern bieten auch richtig was fürs Auge.

Ibanez Iceman PS10 Zertifikat

Getreu der Devise  „klotzen, nicht kleckern“ hat Ibanez der PS10LTD quasi einen Zweikomponentensattel spendiert, dessen hinterer Teil aus Knochen, der vordere aus Messing besteht. Daß die Sattelkerben optimal aus- und abgerichtet sind, bedarf keiner Frage. Am Übergang vom Hals zur nach hinten geneigten Kopfplatte hat man reichlich Material stehen lassen, so daß diese bruchgefährdete Stelle ausreichend verstärkt ist.  Der Kopf ist, wie das Griffbrett, eingefaßt und mit sechs tadellos funktionierenden, gekapselten Ibanez-Mechaniken bestückt, deren Gängigkeit eingestellt werden kann. Große perlmuttähnliche Acrylknöpfe runden die edle Optik der Gitarre ab.

Die beiden Ibanez-Humbucker, ein V-8 in der Steg- und ein V-7 in der Halsposition, sind in ihren Kunststoffrahmen höhenjustierbar gelagert. Um eventuell auftretende Mikrofonie (unkontrollierbares Pfeifen), die hin und wie- der nicht nur durch PU-Kappen, sondern auch durch zu locker gewickelte Spulendrähte ver- ursacht wird, von vorneherein auszuschließen, hat man alle Spulen in einem Wachsbad fixiert. Neben dem Dreiwegschalter zur PU- Anwahl, steht jedem Humbucker ein Volume-, beiden gemeinsam ein Tone-Regler zur Seite. Die hochwertigen Potis laufen nicht gerade leichtgängig, dafür aber sahnig weich. Ibanez hat die Reglerknöpfe jedoch mit gerändelten Gummiringen versehen, so daß sie sich dennoch komfortabel bedienen lassen.

Die Ibanez PS10LTD bringt ein nettes Gewicht an meine Federwaage. Sie ist sehr gut ausbalanciert und läßt sich sowohl im Sitzen als auch im Stehen völlig relaxt spielen. Der Hals, ebenso lackiert wie Body und Kopfplatte, liegt trotz seines satten Profils angenehm in der Hand und ist aufgrund der exzellenten Bundbearbeitung bis in die obersten Lagen komfortabel zu bespielen. Die PS10LTD zeigt, in welchem Maße sich dicke Hälse aus gutem Tonholz positiv auf das Schwingungsverhalten und den Gesamtsound auswirken können: Schon im Trockentest entwickelt sie einen kräftigen Ton mit langsam und kontinuierlich ausschwingendem Sustain.

Ibanez Iceman PS10 Übersicht

Das Klangbild ist ausgewogen und zeigt eine gewisse Wärme, gepaart mit wohldosierten Höhen und Ober- tönen. Die rund abgerichteten Bünde ermöglichen eine saubere Intonation. Doch Achtung, bei allzu dünnen Saiten (.008/.009-Sets) dürf- ten Ungeübte speziell bei Akkordspiel Intonationsprobleme bekommen. Diese entstehen al- lein durch zu starken Druck auf die Saiten, was absolut nichts mit „Bundunreinheit“ oder ähnlichem zu tun hat – der einzige Nachteil von Jumbo-Bünden. Über Verstärker – wann auch sonst – präsentieren die Humbucker eine satte Ausgangsleistung, der V-8 in der Stegposition ist sogar noch etwas „heißer“ als sein Nachbar. Der Hals-PU liefert im Clean- bis Crunch-Bereich kraftvolle, voluminöse Blues-Sounds und selbst bei High- Gain-Distortion bleibt das Klangbild transparent.

Dabei gehen Akkorde nicht im Mulm unter, und sind als solche noch gut zu erkennen. Bei Power- oder Slash- Chords drücken beide Pickups satte Bässe raus. Der Steg-Humbucker klingt ebenso sauber und transparent, liefert ein ausgewogenes Klangbild. Bei stark verzerrten Lead-Sounds unterstützt er das ohnehin gute Sustain tat- kräftig, High-Gain-Single-Notes kippen sehr schön in Obertöne um.  Insgesamt klingt die Paul-Stanley-Gitarre et- was aggressiver als eine Les Paul, ohne jedoch von deren Klangfülle, Volumen oder Wärme  abzuweichen. Akzentuiertem, ausdrucksstar- kem Spiel stehen die schnelle Tonentfaltung und direkte Ansprache hilfreich zur Seite. Konstruktionsbedingt und aufgrund der optimalen Abschirmung der Elektrikfächer sind Einstreuprobleme und daraus resultierende Nebengeräusche absolut kein Thema. Die Potis arbeiten über ihren gesamten Regelbereich gleichmäßig, und die Volume-Regler ermöglichen eine problemlose Steuerung des Verzerrungsgrades.

Die Ibanez PS10LTD ist eine sehr aufwendig hergestellte und makellos verarbeitete Gitarre, die trotz oder vielleicht gerade wegen ihres bizarren Designs ein echter optischer Leckerbissen ist. Aber sie hat nicht nur was fürs Auge zu bieten, sondern vor allem etwas für die Ohren: während ihr Klangcharakter dem einer Les Paul nahe kommt, liefern ihre leistungs- starken Ibanez-V-Humbucker insgesamt einen etwas aggressiveren und kraftvolleren Sound mit intensivem Sustain.

Fazit: Ein sehr gutes und wertvolles Instrument zu einem hohen aber ohne Frage berechtigten Preis. Die PS10LTD wird im Luxuskoffer mit einem von Paul Stanley handsignierten (nicht gedruckten!) Echtheitszertifikat geliefert, dessen Aufmachung „Bilderrahmenreife“ besitzt. Bleibt zu hoffen, daß die Gitarre künftig nicht nur als Blickfang die Wände von betuchten Sammlern zieren wird.

Mehr zur Thema Ibanez Instrumente findest du in unserer Ibanez Sonderausgabe: http://musik-media-shop.de/gitarre-bass/sonderhefte/ibanez

 

Plus

– Klang

– Schwingungsverhalten / Sustain

– Bespielbarkeit

– Qualität der Hölzer / Bauteile

– Ausstattung / Optik

– Verarbeitung

2 Kommentare zu “Ibanez Iceman PS10LTD Paul Stanley Limited Edition im Test”
  1. Für mich ein absolutes No-Go! Warum müssen Gitarren 4,3kg auf die Waage bringen – Nonsense sowas 😉

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  2. @Peter: bei einer LP motzt niemand über 4.3kg. Neid? Nimm erst mal so eine in die Hände!

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