Kiss

Ibanez PS40 & PS120 Paul Stanley Signature im Test

Bereits seit 1977 ist Kiss-Gitarrist Paul Stanley Ibanez-Endorser. Sein erstes Signature-Modell basierte auf einer der ersten Eigenkreationen der Japaner, die im April 1975 unter dem Namen Iceman auf der Frankfurter Musikmesse vorgestellt wurde.

Ibanez PS40 und PS120 Paul Stanley Signature_01
Dieter Stork

Davon fertigte Ibanez unterschiedliche Modellvarianten u. a. auch mit einem dreispuligen und sogar einem verschiebbaren Pickup. Da sowohl Ibanez‘ als auch Grecos Instrumente bei Fujigen gebaut wurden, bot auch Greco damals unter der Bezeichnung „M-Series“ die gleiche Modellreihe an. Nachdem Paul Stanley im April 1977 von Ibanez eine Iceman 2663 erhalten hatte, entwickelten die Japaner schon im Juli den ersten Prototypen der Signature-Gitarre, die 1878 als PS10 Paul Stanley Model präsentiert wurde.

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Später gab Stanley die berühmte Variante mit der Cracked-Mirror-Front in Auftrag. 1995 legte Ibanez die Iceman PS10LTD Paul Stanley mit goldener Hardware in limitierter Stückzahl nach. Mit den beiden Low- und Mid-Budget-Vertreterinnen PS40 und PS120 erweitert der Hersteller die Reihe um zwei Modelle aus chinesischer Produktion.

Konstruktion

Trotz identischen Designs unterscheiden sich die Beiden in diesem Punkt doch erheblich. Während nämlich die preisgünstige PS40 mit Pappel-Body, verschraubtem Ahornhals und Palisandergriffbrett daherkommt, liegt die PS120 mit Mahagonikorpus, Ahorndecke, dreifach längs gesperrtem eingeleimtem Mahagonihals und Ebenholzgriffbrett näher am Original und gleicht Selbigem – Steg, Sattel und Tuner ausgenommen – wie ein Ei dem anderen.

Korpus-Binding der PS120
Dieter Stork
Korpus-Binding der PS120

Beiden hat Ibanez einen ergonomischen Rippenspoiler spendiert und versucht, die Halsübergänge möglichst fließend hinzubekommen. Dies ist bei der PS120 vorzüglich gelungen, bei der PS40 musste der Übergang aufgrund der Schraubverbindung etwas stufiger ausfallen. So beschreibt die Zarge hinter dem Hals zum Cutaway hin eine Kurve, die jedoch die Kontaktfläche zum Korpus erheblich verringert. Dennoch sitzt der Hals in seiner präzise gefrästen Tasche bombenfest. Im Gegensatz zu den schlicht verrundeten Kanten des PS40-Bodies „blendet“ die Ahorndecke der Kontrahentin mit aufwändigem cremeschwarzem Binding, welches von einem bunt schimmerndem Abalone-Streifen durchzogen wird. Hier wie dort verschließen Plastikdeckel die Kammern von Elektrik und Schalter präzise Oberkante bündig und finden Mini-Potis Verwendung.

Angesichts der Pickup-Schalter verwundert mich jedoch, dass die PS40 mit einem soliden Toggle-, die mehr als drei Mal so teure PS120 mit einem geschlossenen Billigschalter ausgestattet wurde. Ovale Zargenbleche tragen die beherzt zupackenden Klinkenbuchsen. Beide PS-Modelle besitzen sichere Gurtknöpfe, für die 120er hat man sogar noch etwas größere gewählt und den oberen Knopf an den Halsfuß montiert. Dem Rotstift anheimgefallen ist der Pickguard-Halter der PS40. Deren verspiegeltes Schlagbrett(chen) wurde einfach auf die Decke geschraubt.

Das binding-freie Palisandergriffbrett, auf dem schlichte Punkte die Navigation erleichtern, trägt 22 tadellos abgerichtete und polierte Medium-Bünde. Derweil bietet die Kollegin ein cremefarben eingefasstes Ebenholzspielfeld mit ebenfalls 22 vorzüglich bearbeiteten Jumbos und kunstvollen Block-Inlays aus Abalone und Acryl. Hier trägt der 21. Bund den Namen des Endorsers. Perfekt aus- und abgerichtete Kunststoff- bzw. Knochensättel führen die Saiten über die verspiegelten Trussrod-Deckel hinweg zu den präzise arbeitenden Tunern. Nicht unterschlagen möchte ich den Kragen, der den Übergang zur PS120-Kopfplatte verstärkt.

Während beide Paul Stanleys mit Full Tune III Bridges bestückt wurden, hat Ibanez der PS120 das praktischere Quik Change III Tailpiece spendiert, bei dem man die Saiten von oben ein- und aushängen kann und damit das rückwärtige Einfädeln entfällt. Derweil kommt die PS40 mit einem traditionellen Stop Tailpiece. Abgesehen von den Ibanez-Infinity-R- hier und den Seymour-Duncan-59- und Custom-5-Humbuckern dort bieten die Gitarren mit jeweils zwei Volume-Reglern, einem Master-Tone-Poti und einem Dreiwegschalter identische Elektrik-Ausstattungen.

PS120: Quik Change Tailpiece
Dieter Stork
PS120: Quik Change Tailpiece

Praxis

Aus rein ergonomischer Sicht lassen sich Gitarren mit abgefahrenen Designs nicht immer komfortabel handhaben und bespielen. Manche zeigen sich am Gurt stressfrei, andere wiederum ausschließlich in sitzender Spielhaltung auf dem Bein. Auch sind neben der Balance auch die Positionen von Hals, Steg und Bedienelementen entscheidend. Bei den Ibanez-Iceman- bzw. -PS-Modellen gibt es weder in der einen noch der anderen Situation Probleme, auch wenn am Gurt ein Hauch von Kopflastigkeit festzustellen ist. Die Halsprofile liegen angenehm in der Hand, und selbst der Schraubhals der PS40 lässt sich bis in die höchsten Lagen barrierefrei nutzen. Auch die Positionierung der Schalter und Regler stellt den Spieler nicht vor größere Herausforderungen.

Allerdings rotieren Letztere doch etwas zäh, vor allem die der PS120. Dank der gummi-beringten geriffelten Sure-Grip-Knöpfe kommt es jedoch nicht ganz so schlimm. Die PS40-Potis scheinen sich vergleichsweise leichter zu drehen, sodass ihre glatten zylindrischen Speed-Knöpfe völlig ausreichen. Trotz unterschiedlicher Konstruktionen zeigen beide Gitarren nahezu identische Schwingeigenschaften. Hälse und Bodies resonieren gleichermaßen intensiv, Abweichungen zeigen sich jedoch hinsichtlich Dynamik und Sustain. So spricht die PS120 direkter und spontaner an, Töne kommen schneller aus den Startlöchern, und auch ihr Sustain ist stabiler und klingt kontinuierlicher ab. Allerdings sind die Unterschiede nicht ganz so markant und dürften eher dem geübten, erfahrenen Ohr auffallen.

 

Deutlicher werden die Differenzen beim unverstärkten Klangbild, welches bei der PS40 ein wenig belegt und blass in Höhen und Bässen erscheint. Zudem ist eine gewisse Dominanz in den unteren Mitten festzustellen. Wechselt man direkt zur PS120, geht förmlich die Sonne auf, denn deren Klangbild ist ausgewogener, wirkt straffer und konkreter in den Bässen, klarer und luftiger in den Höhen, und ihr breiteres Obertonspektrum sorgt für mehr Lebendigkeit und Spritzigkeit, was nicht zuletzt der Tonbildung zugutekommt.

Tatsächlich hatte ich damit gerechnet, dass sich die bisherigen „trockenen“ Klangeindrücke am Verstärker noch positiv verändern würden, vor allem aber, dass die Ibanez Infinity R Humbucker der PS40 mehr Leben und Dynamik einhauchen würden. Dem ist leider nicht so. Während die Seymour Duncans runde, warme, zugleich aber auch luftige und offene Klarklänge hervorbringen und die Gitarre regelrecht strahlen lassen, tönen die Infinity´s trotz leistungsstarker Keramikmagnete eher matt, leblos und mitunter sogar etwas pappig.

Da sie die Röhren des Amps schon früh in die Sättigung schicken, zählen cleane Sounds nicht gerade zu ihren Stärken. Bringt man jedoch den Zerrkanal an den Start, lässt die PS40 ihre Muskeln spielen und entwickelt sich zum echten Rockmonster. Ihr Sound-Spektrum weitet sich aus, die Bässe punchen druckvoll, die straffen Mitten erhöhen das Durchsetzungsvermögen, die zunehmenden Höhen liefern Biss und Aggressivität, und das Sustain kann auch noch eine Schüppe drauflegen. Dies alles meistert die PS120 noch wesentlich eleganter und charaktervoller, denn auch hier macht sich der deutliche Preisunterschied bemerkbar.

Wäre auch schlecht wenn nicht. So dringen auch die Zerr-Sounds der Duncans offener und spritziger an mein Gehör und besitzen schlichtweg mehr Transparenz und Durchschlagskraft. Zudem fördert ihre sehr gute Dynamik variables, ausdrucksstarkes Spiel. Egal ob Clean-, Crunch- oder Leadsounds, die PS120 präsentiert sich nicht nur als erstklassige Gitarre für die Hard&Heavy-Fraktion, sondern bewährt sich auch auf gemäßigteren Terrains und ist damit flexibler einsetzbar, während die PS40 fast ausschließlich im Zerrbetrieb punktet.

Resümee

Mit den Paul-Stanley-Signature-Modellen PS40 und PS120 bedient Ibanez nicht nur die kleinen und großen bzw. jungen und alten Fans des Hardrockers, sondern auch die, die einfach nur eine gute Gitarre mit extravagantem Design suchen. Obgleich die sensationell preisgünstige PS40 klanglich sicherlich keine Offenbarung darstellt, kann ich sie dennoch jedem Einsteiger ans Herz legen, denn rocken kann sie, klasse bespielen lässt sie sich sowieso und ihr Preis ist einfach sensationell. Keine Frage offen lässt dagegen die PS120, die klanglich uneingeschränkt überzeugen kann, wertigere Hölzer und Hardware und sogar Seymour-Duncan-Pickups bietet und nicht zuletzt auch noch das Auge erfreut. In jedem Fall aber punkten beide mit sehr guten Verhältnissen von Preis und Leistung.

 

Plus

  • Sounds (PS120)
  • Dynamik & Sustain (PS120)
  • Rocksounds (PS40)
  • Optik (PS120)
  • Spielbarkeit
  • Verarbeitung
  • Preis/Leistung

 

Ibanez PS120-BK Signature
Ein Kommentar zu “Ibanez PS40 & PS120 Paul Stanley Signature im Test”
  1. peter

    die iceman ist für mich,die schönste gitarre überhaupt vor der fly.v und explorer.
    was kiss angeht die musikalisch dümmste band und alles doofe-nur sehr gute geschäftsleute schade das bei der iceman immer kiss i.hi.ist.lieber tom warrior oder rob zom

    Antworten
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