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Realität oder Illusion?
Q&A of today: Was könnt Ihr mir zu meiner Hoyer Flying-V-Kopie sagen?

Hoyer Super 82

Q&A: Was könnt Ihr mir zu meiner Hoyer Flying-V-Kopie sagen? Aus welcher Phase der Firma stammt sie, aus welchen Hölzern ist sie gebaut und wie würdet Ihr die Qualität der Gitarre einschätzen?

Hans M.

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Hoyer V
Hoyer Super 82 – Fliegt wie ein Pfeil.. (Bild: r Ver)

 

A: Verlässliche Infos zu den alten Hoyer-Gitarren dünn gesät. Auch zu diesem schönen Exemplar deutscher Handwerkskunst ist die Informationslage bestenfalls spärlich und auf jeden Fall widersprüchlich. Den meisten folgenden Aussagen sei also vorsichtshalber ein gedachtes „möglicherweise“ vorangestellt.

Die Hoyer-Produktpalette der 1970er und 1980er Jahre war stark von Adaptionen der großen amerikanischen Vorbilder Gibson und Fender geprägt. Von bloßen Kopien zu sprechen, käme diesen Instrumenten jedoch nicht gerecht. Unter der Führung des Gitarrenbauers Walter Krahl entstanden eher Weiterentwicklungen mit ureigenem Charakter wie etwa die Black Lady, eine Telecaster mit durchgehendem Hals, welcher ein typisches Merkmal dieser Ära ist – und so auch bei der hier vorgestellten Super 82. Die Hoyer Flying-V-Kopien trugen zumeist den Namen Flying Arrow. Neben der bereits erwähnten durchgehenden Halskonstruktion waren klare Polyester-Lackierungen und großflächige Pickguards üblich. Diese Super 82 trägt jedoch ein deckend schwarzes Finish, und kein Pickguard! Die vergoldete Hardware stammt von Schaller inklusive der Kluson-Type-Mechaniken. Im Messing-Trussrod-Cover sind Firmenlogo und Modellbezeichnung graviert. Im Gegensatz zur normalerweise auf der Flying Arrow anzutreffenden „String-through-Body“-Konstruktion setzten die Gitarrenbauer hier auf die klassische Gibson-Kombination aus Stop-Tailpiece und Tune-o-Matic-Bridge. Bei den Pickups handelt es sich um zwei leistungsstarke Hot-Stuff-Humbucker – ebenfalls aus dem Hause Schaller. Die Ausstattung mit Tonabnehmern aus deutscher Fertigung ist hier übrigens ein weiteres Unikum, denn normalerweise kamen bei den Hoyer-Gitarren dieser Epoche amerikanische Aggregate von Gibson, DiMarzio oder Seymour Duncan zum Einsatz.

Hoyer V
Die Schaller “Hot Stuff” Humbucker klingen flexibler, als ihr Name vermuten lässt…

Mit nur 2950 Gramm Lebendgewicht ist die Super 82 für eine Flying V erstaunlich leicht. Eine Waschtrommelbauch-Fräsung am rückseitigen Korpusrand erhöht zudem den Tragekomfort. Neben zwei Gurtpins an den Spitzen der beiden Korpus-Hörner zählt ein weiterer im Zentrum der beiden Flügel tatsächlich zur (Original-)Ausstattung.

So weit die gesicherten Merkmale. Die nun folgenden Aussagen stammen aus verschiedenen Quellen und widersprechen sich zum Teil deutlich. Laut einigen Aussagen in Foren handelt es sich hier um ein Sondermodell aus dem Jahr 1982 (daher Super 82), das in einer Auflage von nur 45 Exemplare an ausgesuchte Händler und Vertriebe ausgeliefert wurde. Dafür spreche auch die Seriennummer 45019. Denn die Nummernvergabe folgte bei Hoyer normalerweise  dem simpelsten möglichen System: mit einer durchlaufenden Zahl pro Modell. Eine Datierung oder Rückschlüsse auf die Modellvariante anhand einer Seriennummer sind bei diesem Hersteller daher äußerst schwierig bis unmöglich. Da nun ganz sicher nicht über 45.000 Exemplare dieses Modells hergestellt wurden, könne diese Seriennummer nur bedeuten, dass es sich um die Nummer 19 aus insgesamt 45 handle. So eine Meinung.

Hoyer V
Seriennummer mit nebulöser Aussagekraft

Laut Fachbuch-Autor Norbert Schnepel (www.musikkeller.com) spricht ein undatiertes Katalogbild aus den frühen 80er Jahren eher gegen die Sondermodell-Theorie. Das Bild zeigt tatsächlich (fast) genau diese Gitarre, mit zwei kleinen Unterschieden: Bei der Pickup-Bestückung handelt es sich dort um zwei Zebra-Humbucker im PAF-Style. Zudem ist die Input-Klinkenbuchse auf der Korpusdecke angebracht und nicht wie hier in der Zarge. Verwirrenderweise wird dieses Modell im Katalog jedoch als Flying Arrow bezeichnet. Und es kommt noch besser: Auf einem weiteren Katalogbild findet man tatsächlich eine Super 82! Dieses Modell unterscheidet sich jedoch recht deutlich von der vorliegenden Gitarre und riecht eher nach der klassischen Flying Arrow: Natur-Finish, Pickguard, „String through Body“, Seymour-Duncan-Pickups. Die Kopfplatte ziert allerdings exakt das gleiche Messing-Trussrod-Cover mit Super-82-Gravur.

Wertvolle Infos konnte ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma Hoyer beitragen. Chefentwickler Walter Krahl ist zwar mittlerweile verstorben, doch während der letzten ca. zwei Jahre bis 1987 war Gitarrenbaumeister Jörg Tandler (Morgaine und Tandler Guitars) bei Hoyer beschäftigt. „In der Tat scheint es sich hier um ein `geplantes´ Sondermodell zu halten. Dafür spricht zum einen die Ausführung mit Bindings, die Gold-Hardware und das Messing-Trussrod-Cover, das von der Firma ABM speziell für diese Gitarren angefertigt wurde. Die normalen Modelle kamen immer ohne Bindings und mit Kunstoff-Trussrodcover, sowie mit mehrlagigem Schlagbrett“, so Tandler. Die Holzauswahl schwankte bei den Korpusflügeln zwischen afrikanischem (Sipo-)Mahagoni, einem Sandwich von Mahagoni-Ahorn-Mahagoni, einem Sandwich Ahorn-Mahagoni-Ahorn, Korina und auch mal Cedrella (Zedern-Mahagoni). Da diese Gitarre sehr leicht ist, könne es sich um eine Zedern-Mahagoni- oder Korina-Version handeln. „Die Hälse waren aus entweder drei- oder fünffach abgesperrtem Ahorn-Mahagoni und durchgehend. Das Griffbrett dieser Gitarre hier scheint aus Rio-Palisander zu sein. Für das 1982er Baujahr spricht auch generell die verwendete Hardware- und PU-Ausstattung, da die älteren Modelle mit einer Sechs-Reiter-Brücke von ABM und DiMarzio-Pickups ausgestattet waren“, führt Jörg Tandler weiter aus. Auch an diese Nummernaufkleber könne er sich noch erinnern. Es sei sogar sehr gut möglich, dass von den geplanten 45 Gitarren weniger produziert und verkauft wurden, da damals je nach Nachfrage gebaut wurde.

So haben wir in der Essenz nun einige erhellende Informationen rund um die Super 82 erhalten. Doch einige Details und die Geschichte genau dieses Modells bleiben weiterhin ein Geheimnis. Und vielleicht weiß der ein oder andere aufmerksame Leser noch Wissenswertes zu ergänzen?

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Zunächst zum Katalogbild. Es stammt aus dem Katalog von 1981 (habe ich noch).
    Zu den Seriennummern:
    Es gab m.E. in der Zeit von ca. 1978 bis 1985 (Einstellung der Produktion) zwei Nummernsysteme.
    Die fünfstelligen Nummern wie hier sagen garnichts über das Herstellungsjahr oder Modell. Soweit ich weiß handelt es sich lediglich um die laufende Nr. aller von Hoyer gebauten Gitarren. Hoyer hat in seinen besten Zeiten max. ca. 100 im Monat gebaut. Die Nummerieruing startete wahrscheinlich nach Aufnahme der Produktion in Erlangen nach Ende des 2. Weltkrieges.
    Es gab dann ab ca. 1980 noch parallel ein System mit max. 3-stelligen Seriennummern, das für Modelle verwendet wurde, deren Produktion auf bestimmte Höchstzahlen limitiert war. So besitze ich z.B. eine Flying-V in besonders schöner Ausführung (Edelhölzer etc.) mit der Nr. 27. V-Modelle dieser Qualität waren auf max. 100 Stück limitiert, wobei diese Zahl m.W. nie erreicht wurde. Ähnliches gibt es für besonders schöne Paulas (da habe ich eine Nr. 28). Es wurden dann auch noch Einzelanfertigungen auf Kundenwunsch gefertigt, die oft gar keine Nr. hatten (ich habe so eine Tele), oder die einfach mit der 5-stelligen Nr. versehen wurden (ich habe da ein Strat-Einzelstück).
    Die obige Flying-V wurde wahrscheinlich 1984 gebaut, da Hoyer erst bei Modellen ab 1984 das Schaller-Tailpiece und auch PUs von Schaller verwendete. Vorher waren die Vs mit durch den Körper gehende Saiten und einer speziellen Hoyer-Bridge, die man z.B. auch auf der Eagle fand. 1982 wurden wahlweise Seymour Duncan, DiMarzio oder EMG PUs eingebaut.
    Mein Wissen stammt von jahrelanger Sammlertätigkeit (meine erste Hoyer kaufte ich 1970), direkten Kontakten mit Walter Krahl und Besuchen bei Hoyer in Erlangen. Ich weiß nichts alles, aber vieles über Hoyer.

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    1. Hallo
      ich habe eine Hoyer Flying Arrow 5069 S Lefthand
      in einem Top Zustand.

      Meines Wissens wurden nur sehr wenige Linkshänder 5069 S gefertigt

      Kann jemand mir mehr über die Hoyer Flying Arrow 5069 S sagen?

      Baujahr?
      Neupreis?

      Bin sehr gespannt

      Gruss Frank

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      1. Hallo Frank,
        die von dir angesprochene 5069S kam 1980 auf den Markt und wurde in dieser Form bis etwa 1984 gebaut. Neupreis war 1980 1280 DM und 1984 dann 1570 DM. Natürlich als Rechtshänder Modell. Linkshänder Ausführungen kosteten zumindest 1974 20% Aufschlag. ich weiß aber nicht, ob das in den 80er Jahren noch galt. Von der 5069S wurden in etwa 400-450 Stück gefertigt, den Linkshänderanteil davon kenne ich aber nicht.
        Gruß aus Bayern
        Ulrich

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    2. Hallo, nun, ich bin auch bekennender Hoyerist und Fan der Marke seit langem. Hmmm, lese ich hier was von einem Katalog 1981? Da werde ich doch neugierig. Wäre es möglich, Bilder davon zu bekommen?

      Danke erstmal

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  2. @Walter Hubert: Die Seriennummer-Theorie kann ich bestätigen. Auch die Hoyer Explorer gab es in diesem schönen schwarz mit Binding. Die Seriennummer, die ich kenne war ebenfalls 2-stellig.
    Meine Black Lady hat die Seriennummer 81.
    Würde gerne mal mit Dir in Kontakt treten zwecks Wissensaustausch. Hoyer selber hatte ich schonmal angeschrieben. Leider haben sie kein Interesse in dieser Richtung zu forschen.

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  3. Würde gerne mit euch Kontakt aufnehmen um mehr über meine Flying Arrow zu erfahren.

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  4. Hallo zusammen,
    ich habe eine Hoyer Firebird mit der Serien-Nr. 03 mit zwei (Seymour Duncan ?) P 90 Pickups.Gekauft Anfang der 80er.
    Weiss jemand mehr über dieses Instrument ?

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    1. Hallo Heinrich,
      das ist eine relativ frühe Hoyer Firebird, wohl ca. 1981 oder 1982 gebaut. Insgesamt dürften weniger als 20 Stück gebaut worden sein. Es gab Ausführungen mit 1 oder 2 Tonabnehmern, sowohl Humbucker wie die P90 jeweils von Seymour Duncan.
      Pass gut drauf auf
      Ulrich

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  5. Guten tag alle hier im forum,besitze 2 hoyer flying arrow 5069s haben einen super sound, es sind super gitarren.es ist schade das die marke hoyer so sang und klanglos unterging, es wurden leider die nahmensrechte verschärbelt,es hätte doch auch ein deutscher geldgeber gefunden werden können,es geht ja nur ums liebe geld wie immer.franz

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    1. Hallo Franz,
      ja wirklich schade um diesen Hersteller, aber die späten 80er Jahre waren enorm schwierig, die Musikstile wechselten rasend schnell und der Geschmack änderte sich auch rasch. Erst danach, in den 90ern, war wieder mehr Besinnung auf traditionelle Formen und Ausführungen zu bemerken. Und, die sg. Customshops wurden von den führenden Marken betrieben. Hoyer war ja schon Anfang der 80er eine Art Customshop, man konnte sich Spezialformen etc. bauen lassen. Gegen DM natürlich, allerdings hatten die Hoyers damals schon Ihren Preis. Im Inland war der Markt wohl zu klein, der Vertrieb war aber kaum im Ausland tätig. So findet man heute fast alle Hoyers hier in Deutschland, nur wenige im größten Gitarrenmarkt, den USA. Aber ganz richtig, es ist einfach schade um diese hochqualitative Fertigung. Das Holzlager muss einsame Spitzenklasse gewesen sein. Gut abgelagerte Tonhölzer. Angeblich sogar jahrzehntelang. Wie auch immer. Deutsche Handwerkskunst, Meisterkunst von feinsten 🙂

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  6. Hallo,
    habe eine SG mit der Seriennummer 043367 mit geleimtem Hals.
    Sie ist sehr leicht und hat eine monumentale Brücke.
    Wann wurde sie wohl gebaut?
    Gruß
    Josie

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  7. Hallo Josie,
    hier würde ein Bild weiterhelfen. SGs hat Hoyer sehr lange gebaut, von ca. 1966 bis etwa 1975. Die Seriennummer ist allerdings sehr ungewöhnlich, auch für Hoyer. Irritierend ist die vorangestellte 0 und auch eine 43xxx Serie kannte ich bislang auch nicht. Wo befindet sich denn diese Seriennummer? Auf der Rückseite der Kopfplatte oder einem aufgeklebten Zettel auf der Rückseite der Elektronikabdeckplatte?
    Weiterhin wäre die Art des Logos und evtl. auch die Pickups hilfreich bei der Bestimmung ….
    Gruß
    Ulrich

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    1. Hallo Ulrich,
      die Seriennummer befindet sich aufgeklebt auf der Rückseite der Abdeckplatte.
      Wie kann ich ein Foto schicken?
      Gruß
      Josie

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      1. Hallo,
        nun Bilder gerne an meine Email: u l i punkt v o g e l at g m x punkt d e
        Melde mich dann umgehend
        Gruß
        Ulrich

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  8. Hallo zusammen !

    Hoyer hat ja eine Weile den “Black Star” Telebass als reissue rausgebracht.

    Gibt es dieses Modell noch zu kaufen und wo findet man Infos zum ursprünglichen “Black Star”. Gibt es hier irgendwo noch Kataloge aus denen die verwendeten Hölzer, Elektrikteile usw. hervorgehen ?

    Danke,
    Daniel

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