Gelungenes Debut
Hils HZB4 im Test
von Joris Henke, Artikel aus dem Archiv
(Bild: Dieter Stork)
Mit dem HZB4 hat der koreanische Hersteller Hils einen ambitionierten Bass am Start, der optisch wie konzeptionell klar in Richtung moderner, progressiver Bässe schielt, sich preislich aber klar vom sonstigen Marktsortiment abhebt. Gibt’s da einen Haken?
Hils ist eine Marke des koreanischen Herstellers HEX Guitars und als hochwertige Mittelklasse zu (relativ) niedrigen Preisen konzipiert. Die Instrumente werden in Indonesien gefertigt. Anders als viele andere Firmen lässt man dabei allerdings nicht in fremden Fabriken fertigen, sondern unterhält eine eigene.
Dadurch hat man den Fertigungsprozess von Anfang bis Ende selbst in der Hand und die Kosten sind niedriger. Es ist also gut möglich, dass wir für die rund 600 Euro, die für den Bass fällig werden, mehr bekommen als erwartet.
Schon beim Auspacken wirkt der HZB4 vertraut und ungewöhnlich zugleich. Die Formensprache orientiert sich klar an aktuellen Headless-Trends, bleibt dabei aber weit genug von überstilisierten Boutique-Entwürfen entfernt, um eigene Akzente zu setzen.
Der kompakte Mahagonikorpus ist deckend mit grau-silbernem Lack überzogen. Das mattschwarze Schlagbrett steuert einen geschmackvollen Kontrast bei, und die insgesamt eher kantige Linienführung vermittelt eine gewisse abstrakte Werkzeughaftigkeit. Gerade an den Kontaktstellen, also an der Armauflage und den Stimmmechaniken gehen die Linien in weiche Konturen über, wodurch sich ein angenehmes Handling ergibt.
Das Instrument ist mit 3,3 Kilo angenehm leicht, deutlich leichter als viele konventionelle 4-Saiter mit Vollmensur. Weder im Sitzen noch im Stehen zeigt der Bass die Balanceprobleme mancher Headless-Konstruktionen, die einem durch eine ausgeprägte Hecklastigkeit dann das Halsende gegen die Schläfe donnern. Hier hängt alles dort, wo es sein soll.
Ein weiteres typisches Problem vieler Headless-Bässe ist die Schwergängigkeit der Mechaniken und dieses Mal ist auch der HZB4 nicht davor gefeit. Zwar bieten die Rändelschrauben guten Grip, die Gewinde selbst erweisen sich jedoch als recht schwergängig. Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass sich das Problem mit einer kleinen Investition in Rollenlager effektiv lösen ließe. Eine Maßnahme, die auch bei deutlich teureren Bässen schon Anwendung gefunden hat und nach wie vor findet.
Eine etwas skurrile Entscheidung betrifft die Klinkenbuchse: Sie ist so positioniert, dass der Bass mit eingestecktem Kabel nicht abgestellt werden kann. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn der Bass nicht gleichzeitig mit Gummifüßen ausgestattet worden wäre, die genau dieses Abstellen eigentlich erleichtern sollen.
Beim kurzen Abstellen, etwa um mal eben einen Kaffee zu holen, stört die Positionierung der Buchse damit etwas. Andererseits vergisst man das Kabel so auf keinen Fall, wenn man das Instrument für längere Zeit wegstellt. Hat alles ein Für und Wider. So oder so finde ich den Einsatz der Standfüße gleichermaßen clever, charmant und auch ein wenig witzig.
Am anderen Ende des aufgeschraubten Halses aus Ahorn sitzt eine mattschwarze Saitenklemmung, die ihre Aufgabe ohne Einschränkungen erfüllt. Damit der Bass auch an regulären Wandhaltern Platz findet, läuft das Kopfstück etwas breiter aus und deutet den Ansatz einer Kopfplatte an.
Nicht nur gemessen am Preis ist die Verarbeitung wirklich gut. Lediglich die Bundenden könnten besser verrundet sein, denn diese stehen zwar nicht wirklich störend, aber noch deutlich spürbar über die Kante des Palisandergriffbretts hinaus.
Die Spielpraxis ist davon allerdings nicht beeinträchtigt. Ab Werk war mir die Saitenlage bedeutend zu hoch, das ließ sich jedoch innerhalb einer Minute beheben, inklusive Korrektur der Halsspannung.
(Bild: Dieter Stork)
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