Dreikönigstreffen

Hagstrom Swede, Super Swede und Ultra Swede im Test

Hagstrom verpasst drei bewährten Solidbody-Modellen einen neuen Look und ruft für sie die Monarchie aus. „Three Kings“ heißt die kleine fürstliche Serie, mit der Hagstrom seinen Machtanspruch zur Geltung bringen will. Hochmut, Dünkel, Anmaßung? Gemach, wir kennen doch die schwedische Kuschelmonarchie.

„Ein dunkles, heraldisches Motiv auf einem Wappenmedaillon, das in die Decke eingelassen wurde, wird von der schwarz verchromten Hardware und dem schwarzen Pearloid-Binding gekonnt in Szene gesetzt.“ So steht’s im Pressetext. Weiter ist vom umwerfend edlen Look, vom fürstlichen Bild, von mysteriöser und leicht unheimlicher Ausstrahlung die Rede. Fett aufgetragen meine Herren.

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Gleiche Gene – unterschiedliche Ausprägung

Man kann sagen was man will, aber das hat ja doch was! So ein schickes düsteres Outfit, mehr Gothic als Majesty, das kann doch fast jeder tragen und macht einen schlanken Fuß. Wenn das jetzt auch noch klingt … Die Fakten: Alle drei Könige verfügen über einen Single-Cutaway-Korpus aus Mahagoni, nur dem Super-Swede-Modell wurde zusätzlich noch eine gewölbte Decke aus 10 mm Ahorn aufgesetzt, und die Ultra Swede ist mit 7/8tel Größe etwas kleiner dimensioniert. Der jeweils eingeleimte Hals aus Mahagoni wird von einem H-Expander Halsstab stabilisiert. Als Griffbrett mit 15″ Radius finden wir Resinator Wood, ein hochverdichtetes Holz- Composite-Material, das bei Hagstrom Standard ist. Gut verarbeitete 22 Medium-Jumbo-Bünde und Perloid- Block-Inlays sind ebenfalls allen Probanden gemein, wie auch ein GraphTech Black Tusq XL-Sattel und GraphTech Ratio Tuner. Desgleichen gilt für die Longtravel Tune-o-matic Bridge mit Hagstrom Stop Tailpiece inklusive 6 individueller Messing Saitenhalter. Nicht zu vergessen die dunkle Optik der Black-Gloss-Lackierung mit der eingelassenen Metallplakette der Tre Kronor Burg und die schwarz verchromte Hardware mit geprägten „Vine“-Reglerknöpfen, die von Q-Parts extra für dieses Projekt entworfen wurden, obendrauf dann noch das schwarze Pearloid- Binding. Das alles gibt der schwedischen Gitarren-Dynastie ein unverkennbares Gesicht.

Die Pickups für alle drei Königsmodelle wurden vom schwedischen Pickup-Designer Johan Lundgren entworfen. Es handelt sich um jeweils einen Alnico-2-Humbucker für die Hals- und einen Alnico- 5-Humbucker für die Steg-Position. Abgesehen vom Dreiwege-Pickup-Wahlschalter unterscheiden sich die drei Modellvarianten durch die Klangverwaltung der Tonabnehmer. Swede: 2x Volume, 2x Tone, 3-Wege Sound Filter Toggle Switch. Super Swede: 2x Volume, 2x Tone. Push/Pull Coil Tap Option auf Tone- Knopf. Ultra Swede: 1x Volume, 1x Tone. Push/Pull Coil Tap Option auf Tone- Knopf. Nicht nur das dunkle Erscheinungsbild der schwarzen Könige mit dem floralen Hintergrund im Black Gloss-Lack hinter dem Stop Tailpiece ist trefflich in Szene gesetzt, es wird auch gebührend – „gebe dem König, was des Königs ist“ – von detailgenauer Verarbeitung unterstützt.

GraphTech Ratio Tuner

Ähnliche Handhabung – elektrische Differenzierung

Die „Three Kings“ sind wohl vom selben Stamm, vertreten aber dennoch recht unterschiedliche Ansichten, setzen folglich differierende Schwerpunkte. Das drückt sich schon in ihrer Beschaffenheit und den technischen Spezifikationen aus, welche den bekannten Basismodellen weitgehend entsprechen. Die Swede kommt mit 628-mm- Mensur und Mahagonikorpus, die Super Swede mit der längeren 648-mm- Mensur und Mahagonikorpus plus Ahorndecke und die Ultra Swede mit kleinerem Korpus und 628-mm-Mensur. Sollte das noch nicht für eine ausreichende Differenzierung reichen, so können wir noch die elektrische Ausstattung und Verwaltung heranziehen. Davon gleich mehr. Zunächst prüfen wir die akustische Kompetenz der Blaublüter, also Hose runter: Die Swede eröffnet mit guter Schwingintensität und ausgeglichener Stimmlichkeit im Akkord. Die Super Swede zeigt sich dem durchaus verwandt mit ähnlich sonorer Tonentfaltung, gibt aber dank längerer Mensur und Ahorndecke etwas mehr Definition und Straffheit zu. Die Ultra Swede tönt mit ihrem verkleinerten Korpus tatsächlich etwas enger, beeindruckt ansonsten aber mit schnellem Respons auf den Anschlag und bleibt im Timbre der Swede prinzipiell recht nah. Allen drei Gitarren kann man auf jeden Fall offenes Tonverhalten und langes Sustain zusprechen. Und elektrisch?

Die von Johan Lundgren entworfenen Pickups – ein Mann von hoher Reputation, dessen Kundenkreis von Mando Diao und Meshuggah, über Pat Smear und Charlie Sexton bis hin zum Ibanez LA Customshop reicht – sind mit einem Alnico-2-Humbucker am Hals und dem Alnico-5-Humbucker am Steg auf eine große Bandbreite hin ausgelegt.

Johan Lundgren designed Alnico- Humbucker

Vergleichen wir zunächst die Hals- Pickups: Die Swede klingt damit rund und offen. Die Bässe nicht zu tiefgründig, die Mitten voll da, gesellen sich auch die Höhen mit guter Öffnung zum vitalen, gut aufgelösten Akkordbild. In Zerreinstellungen stellen die gut eingegrenzten Bässe knackige, trocken tönende Powerchords bereit, Melodielinien profitieren vom guten Sustain der Gitarre.

Wechseln wir bei gleicher Einstellung zur Super Swede, so legt die in Sachen Definition und Präsenz noch etwas zu, ohne die harmonische Rundung zu verlieren. Klar gespielte Akkorde rollen noch besser ab, erfreuen mit einem griffigen Höhen- Peak und einzelne Noten entfalten sich schnell, besitzen Volumen und eine innere Festigkeit. Die genannten Eigenschaften sorgen auch im Overdrive für beste Ergebnisse. Oktavspiel, Powerchords oder Riffs werden von der pointierten Darstellung der konturstarken Bässe getragen. Das lässt sich kraftvoll dunkel auslegen, oder, dank der Präsenz im höheren Register, auch zum volltönend singenden Solo steigern.

Die Ultra Swede beeindruckt ebenfalls mit einem gut gebauten Akkordklang. Der tritt mit ausgewogener Stimmlichkeit und Transparenz an, muss sich lediglich auf eine etwas leichtere Stimmlage beschränken. Das kann durchaus genau richtig sein, ist nur eine Frage des Einsatzbereichs. Jedenfalls punktet sie mit markant herausgestelltem Anschlag und schnellem Tonreflex. Von der Tonfarbe her ist sie eher bei der Swede als bei der Super Swede.

Die Steg-Pickups sind nicht übertrieben kraftvoll ausgelegt. In allen Probanden lassen sich über sie seidig offen perlende Sounds mit achtbaren Höhen erzielen.

In der Swede verschlankt sich das Klangbild, sobald wir auf den Steg-Pickup schalten, ohne an Substanz zu verlieren. Der Ton wird durch die etwas stärkere Kompression enger, sagen wir besser zugespitzt, hat aber immer noch ordentliche Höhen und einen netten Mitten- Nöck. In Zerrpositionen des Amps erzeugt diese Zuspitzung einen offensiven Twang, der uns quicklebendig aus den Fingern kaspert. Wer ein Brett verlegen will, kommt aber ebenfalls auf seine Kosten und auch beim Solo gefällt der feste Ton.

Bei der Super Swede können wir die Sounds als etwas eleganter beschreiben, was die Verschränkung der Frequenzen angeht. Auch bei ihr drängt es nun natürlich mehr aus der Mitte heraus und sie wartet ebenfalls mit einem gewissen Twang auf, aber die Bässe haben etwas mehr Kante und die Höhen wirken runder. Im Ergebnis schiebt das mehr, lässt Powerchords noch charaktervoller oder knochiger tönen und drückt beim Solospiel noch plastischer ab. Sehr schön auch der Schmelz bei etwas schärferen Intervallen im High- Gain-Bereich.

Die Ultra Swede über ihren Steg- Pickup gespielt, ist die Gitarre mit dem meisten Snap unter Ihro Majestäten. Eng, knochig, pointiert: damit lässt sich im Clean-Bereich funky operieren. Sehr schön auch bei ihr dann der zugespitzte Biss im Overdrive. Vom Ton her nicht ganz so fest und entschieden wie die Super Swede, aber dafür wendig und mit schnellem Tonreflex. Eigenschaften, die nicht zu unterschätzen sind. Kleine spielpraktische Einschränkung: der Pickup- Schalter ist in Spielhaltung nicht zu sehen.

Wappenmedaillon im Black Gloss Lack

Royale Bonus Sounds (Reservetruppen): Um uns das Leben in Sachen Klangbeschreibung und – beurteilung nicht zu leicht zu machen, sind in jeder Ausführung der Three Kings noch zweite Klangebenen angelegt. Die Swede tritt mit einem dreistufigen Sound Filter an, der neben dem volltönenden Standard zwei unterschiedlich starke Bedämpfungsebenen bereitstellt. Die kann man für den ein oder anderen Handschuh-Jazzton heranziehen oder auch in Gain-Schaltungen für einen speziellen Boost nutzen. Die Super Swede und die Ultra Swede verfügen über den Bonus, schlankere Klangderivate über in den Tone-Reglern angelegte Coil-Tap- Optionen (Push/Pull) aufzurufen. Die bieten für diesen Gitarrentyp ungewohnte Sounds, sind aber gut gewichtet und für vielfältige Einsatzpunkte bestens geeignet.

Alternativen

Die Hagstrom-Designs weisen so viel konstruktive Eigenständigkeit auf, dass man sie eigentlich für sich stehen lassen kann. Natürlich gibt es Single Cutaway-Konstruktionen von vielen Herstellern, aber lässt man die elektrisch gradlinigen aus (Gibson und Epiphone Les Paul, ESP LTD, Duesenberg Starplayer, Guild Bluesbird, Gretsch Pro Jet etc.) und sucht nach schalttechnisch erweiterten Modellen, so bleiben nur recht wenige, wie z. B. die PRS S2 Single Cut (Coil Split), übrig und das auch noch zu höheren Preisen. Da hat Hagstrom mit seinen Sound-Filter- und Coil-Tap-Optionen also wenig Konkurrenz zu fürchten.

Resümee

Mit der Three-Kings-Serie gelingt Hagstrom ein fabelhafter Streich. Den erfolgreichen Modellen Swede, Super Swede und Ultra Swede verschaffte man durch die optische Überhöhung, namentliche Krönung und durch eine Limitierung den Status einer Special Edition. Hm, aber gar nicht leicht, auch nach vielfachem Hin und Her, eine Entscheidung treffen zu wollen. Obwohl die Swede sehr schön kraftvolle Sounds an den Start bringt und mit dem dreistufigen Sound Filter schnelle Farbwechsel zulässt, will ich mich doch eher mit der Super Swede (Ahorndecke, längere Mensur) in die Büsche schlagen, oha, vom Acker machen, nein Quatsch, auf die Bühne stellen. Die gibt mir einen bestens definierten Ton mit weicher Höhenrundung, leicht fokussierten Mitten und trockenen Bässen an die Hand, der mir in allen Schaltstellungen gut gefällt. Das hat Definition und Biss, läuft aber vor allem im Overdrive zu vokaler Klasse auf. Kann man das zum Vorteil der Swede auch anders sehen? Ja, kann man! Die kleine Ultra Swede ist jedenfalls gar nicht mal so weit weg davon, bringt aber etwas schlankere Sounds hervor, was eigentlich erst durch den direkten Vergleich offenbar wird und bitte: sie hat die luftigste Tonentfaltung und mit dem Push/Pull Coil Tap eine gute klangliche Beweglichkeit. Qual der Wahl? Das schon, aber suche den direkten Vergleich und du wirst wissen, wer von den drei Königen genau dich zum Ritter schlagen wird. Wer das will, muss sich aber etwas sputen: Die Three Kings sind nicht Teil des regulären Programms und nur in limitierten Auflagen von weltweit 250 Ultra Swedes, 150 Super Swedes und 100 Swedes zu haben.

Plus

  • Design/Optik
  • Schwingverhalten/Sustain
  • Preis/Leistung
  • Pickups
  • Sounds, Schaltoptionen
  • Hals/Handhabung
  • Verarbeitung

Minus

  • Pickup-Wahlschalter der Ultra Swede verdeckt platziert

Aus Gitarre & Bass 02/2017

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