Endlich Corvette für die Bass-Fraktion – mit Vintage-Vibes und eigenem Sound
Hätte, hätte, Gretsch Corvette: Gretsch Electromatic CVT Bass Double-Cut im Test
von Jogi Sweers, Artikel aus dem Archiv
(Bild: Dieter Stork)
PUNCHT TIEF
Mahagoni hat den Ruf, schwer zu sein und drahtigen Klängen nicht zuträglich zu sein. Von beidem ist beim Gretsch Corvette jedoch nicht viel zu merken. Mit knapp vier Kilo ist er kein Federgewicht, aber gut tragbar und er hat eine gute Balance: Anders als der kurze Jet Bass ist der mittellange Corvette kaum kopflastig.
Ich muss mich auch sonst nicht anstrengen, denn der Bass spricht locker an. Die gute Bundabrichtung und die flache Saitenlage tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei. Der rechten Hand kommt der erwachsene Saitenabstand von 19 Millimetern zugute.
Für so viel verbautes Mahagoni ist der Corvette erstaunlich knackig im Trockenton. Gute Grundlage für die Tonabnehmer, diesen Eindruck komplett auf den Kopf zu stellen. Okay, das vermittelt jetzt vielleicht den falschen Eindruck, also etwas präziser: Die Tonabnehmer drücken dem Sound einen anderen, eigenen Charakter auf.
Ein Teil dessen ergibt sich schon aus der Position der Pickups. So nah am Hals bekommt der dort sitzende Humbucker eine Extraportion Wärme und Fundament, die sich mit dem gut definierten Holzton bestens mischt. Noch runder und voller wird es, wenn ich die gut abgestimmte Höhenblende ins Spiel bringe. Da wird es richtig muckelig, aber trotz übergezogenem Norweger-Pullover bleibt der Sound stabil genug, um nicht völlig undefiniert im Matsch zu versinken. Macht richtig Spaß, damit zu spielen!
Der Stegpickup knödelt solo dagegen wunderbar vor sich hin, dass es eine wahre Freude ist. Je nach angeschlossener Verstärkung und Stellung des auch hier sehr gut funktionierenden Tone-Potis kann man damit sogar Jaco-esk jazzen, oder wie schon beim Jet Club Bass dem Radar-Love-Ton nachspüren, was eine knackigere Amp-Einstellung bedingt – im Original war das ein EB-3 an einem Fender Twin Reverb. Apropos EB-3, auch Sounds im Stil von Andy Fraser wie bei Frees ‚All Right Now’ sind nicht weit weg.
In Kombination klingt es dann fast ein bisschen wie beim Höfner Beatles Bass, da macht sich die Distanz zwischen den Tonabnehmern wieder bemerkbar. Die zwangsläufig entstehenden Auslöschungen in den Mitten geben dem Corvette Bass eine honky Note, gut für Old-School-Geschichten von Beat bis British Invasion, aber eigentlich zeitlos.
Ähnlich wie bei einem PJ-Bass, der ja meistens auch eine Humbucker/Single-Coil-Kombination darstellt, ist der Empfang von Einstreuungen am größten, wenn nur der Stegpickup aktiv ist. Er ist mittelstark, wenn beide Pickups voll aufgedreht sind, und gänzlich verschwunden, wenn nur der Hals-Humbucker aktiv ist. Alles ganz normal und in einem üblichen Rahmen.
Unbedingt erwähnenswert ist, dass der Ton beim Corvette Bass bis runter zur leeren E-Saite sehr schön gleichmäßig und mit stabilem Fundament kommt, ohne den oft zu beobachtenden Übergang zwischen punchiger A- bis G-Saite einerseits und der dagegen abfallenden E-Saite andererseits. Sicher auch ein Verdienst der mittleren Mensur und vor allem der allgemeinen Qualität des Gretschs.
RESÜMEE
Herzlichen Glückwunsch an Gretsch zur gelungenen Wiederauflage eines Basses, den es nie gab. Das hat sich jetzt geändert, und ich kann nur sagen: zum Glück! Der Electromatic CVT Bass ist nicht nur stylish und verbreitet dabei feine Vintage-Vibes, er liefert auch souverän die passenden Sounds dazu, mit einer Ausgewogenheit aller Saiten, die bemerkenswert ist.
Da macht es richtig Spaß, auszuloten, was der Bass zwischen weich und tief sowie knödelig und knackig alles zu bieten hat. Die Regler lassen dabei recht feine Nuancen zu. Gute Mischungen sind schnell gefunden. Die leichtgängige Bespielbarkeit und die gute Verarbeitung tragen dazu bei, dass ich dem CVT Bass eine klare Antestempfehlung für Sounds abseits der Fender-Norm gebe.
Plus
- Sounds
- Bespielbarkeit & Spielgefühl
- Retro-Optik
- Balance
(erschienen in Gitarre & Bass 12/2025)
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