G&B Basics

Der Gitarrenkorpus & seine Formen

Der Gitarrenkorpus ist das größte Bauteil einer E-Gitarre und bestimmt damit das Aussehen und den Wiedererkennungswert des Instruments. Anhand seines Designs lässt sich deshalb die Historie und Entwicklung der E-Gitarre sehr gut darstellen.

Gitarrenkorpusse

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Denn solch ein großes Werkstück wie der Korpus einer E-Gitarre bietet dem Designer viele Möglichkeiten, sich zu verewigen. Aber natürlich gilt auch hier: Form follows function. So muss der Designer natürlich Faktoren wie Ergonomie, Gewicht und Spielbarkeit in seine Überlegungen mit einfließen lassen, damit Gitarristen sein Gitarrenkorpus-Design auch spielen wollen!

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Gitarrenkorpus-Formen

Obwohl es sehr viele unterschiedliche Body-Designs gibt, kann man sie alle in vier Kategorien einteilen:

  1. Gitarrenkorpus ohne Cutaway

Wie bei traditionellen akustischen Gitarren ist dies ein Korpus ohne Ausschnitte im Bereich des Übergangs vom Hals in den Korpus.  Ein solches Design sieht man heute, abgesehen von Archtop-Jazz-Gitarren, nur noch sehr selten. Denn E-Gitarristen wollen meist auch in den oberen Lagen spielen und da sind Bodies mit Cutaways deutlich bequemer zu handhaben.

  1. Gitarrenkorpus mit einem Cutaway

Ein Ausschnitt des Korpus in der diskantseitig (rechts) liegenden oberen Rundung des Korpus. Durch diesen Ausschnitt entsteht ein Korpushorn, das entweder spitz (florentinisch) oder rund (venetianisch) geformt ist. Die Gibson Les Paul und die Fender Telecaster sind die bekanntesten Single-Cutaway-Gitarre.

  1. Gitarrenkorpus mit zwei gleichen Cutaways

Mit zwei gleich großen Ausschnitten links und rechts vom Halsansatz und zwei gleichen Korpushörnern. Die bekanntesten Gitarren dieser Art sind die Gibson-Modelle der ES-Reihe, aber auch die SG. Fender hatte in seiner langen Geschichte interessanterweise außer in den wenig erfolgreichen Esprit- und Coronado-Serien keine Gitarren mit zwei gleichen Cutaways im Programm.

  1. Gitarrenkorpus mit unterschiedlichen Cutaways

Meist ist hier der rechte Cutaway (Diskantseite) tiefer ausgeschnitten als der linke (Bassseite). Dafür ist das Horn des linken Cutaways länger als das rechte. So erhält der Musiker eine bequeme Spielbarkeit in den oberen Lagen und durch das längere Korpushorn, an dessen Spitze in der Regel der Pin für den Gurt befestigt ist, zudem eine ausgewogene Balance des Instrumentes.

 Gitarren Formen

Gitarrenkorpus-Typen

Die einzelnen Body-Typen lassen sich in ebenfalls vier verschiedene Gruppen einordnen.

  1. Vollresonanz-Korpus

Die erste verstärkte „normale“ Gitarre (keine Lapsteel) war eine Gibson ES-150, mit der Charlie Christian ab Ende der 1930er-Jahre E-Gitarren-Geschichte schrieb. Diese Gitarre war eine typische Vollresonanz-Gitarre (= Hollowbody) mit gewölbter Decke und Boden, tiefen Zargen (ca. 8 cm) und F-Löchern.  Der Korpus einer Hollowbody-Gitarre wird traditionell aus separaten Boden-, Decken- und Zargenteilen gebaut. Je nach Preislage werden gesperrte oder vollmassive Hölzer verwendet – oder aber eine Mischung aus beidem mit z. B. vollmassiver Decke und gesperrten Boden und Zargen.

2 Gitarren

Das Sperrholz selbst besteht meist aus drei Schichten, Gibson beispielsweise verwendet zwei Schichten Ahorn, die eine Schicht leichten Füllholzes einschließen. Zwar schwingt Sperrholz weniger als massives Material und wird dadurch der Gitarre einen eher sterileren und leiseren Klang verleihen, aber die Anfälligkeit für Rückkopplungen ist deutlich geringer.

Die Wölbung von Decke und Boden wird entweder durch Pressen des Laminats erreicht, oder aber durch zeitaufwendiges Schnitzen aus dem massiven Holz heraus. Decke und Boden bestehen in der Regel jeweils aus zwei großen Stücken, die mittig verleimt und durch sogenannte Reifchen mit den Zargen verbunden sind. (Unter „Reifchen“ versteht man eine Kette kleiner, rechtwinklig geformter Holzstückchen, die im Winkel zwischen Zargen und Decke bzw. Boden sitzen und zwei Flächen zur Verleimung der einzelnen Teile bieten.) Der Hals wird, ähnlich wie bei traditionell gebauten Akustik-Gitarren, über eine Schwalbenschwanz-Verbindung in den Halsstock geleimt. Da Decke, Zargen und Boden deutlich dicker als bei Akustik-Gitarren sind (ca. 5 mm gegenüber 3 mm), kommt eine typische Vollresonanz-Gitarre mit einer spärlichen Bebalkung aus.

3 Gitarren

Problematisch ist der Einsatz solcher Gitarren bei höheren Bühnenlautstärken, denn der hohle Korpus ist ein großer Resonanzraum, in dem sich Schallwellen fangen und ihn zum Schwingen bringen, was unkontrollierbares Dröhnen auslöst.

  1. Semiakustischer Gitarrenkorpus

Mit der 1958 neu eingeführten Semiakustik-Gitarre ES-335 legte Gibson den Grundstock für viele weitere Thinline-Modelle. Neben den damals neuen, sensationellen weil nicht brummenden Tonabnehmern (PAF-Humbucker), barg der große Gitarrenkorpus eine weitere Innovation – einen vom Halsansatz bis zum unteren Gurtknopf reichenden Holzblock, der zwischen Decke und Boden geleimt war. Dieser verhinderte erstmals erfolgreich Rückkopplungen. Somit war die Gibson ES-335 die erste sogenannte Semiakustik-Gitarre der Geschichte. Semiakustische Gitarren werden traditionell aus separaten Boden-, Decken- und Zargenteilen hergestellt, und zwar in der Regel aus gesperrten Hölzern, meist Ahorn.

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Auch der Sustainblock besteht oft aus Ahorn. Hals und Korpus sind mit einer breitflächigen Verleimung von Halsfuß und Halsstock verbunden. Der Sustainblock ist ganzflächig mit Boden und Decke der Gitarre verleimt, sein Profil ist bei sorgfältiger Verarbeitung den Wölbungen der beiden Teile genau angepasst.  PRS, Nik Huber, Framus und andere, bevorzugen eine andere semiakustische Bauweise: Aus einem Block massiven Mahagonis wird bis auf einen Randstreifen und einen Centerblock, auf dem die Brücke befestigt wird, alles übrige Holz weggefräst. Über diesen nun fast hohlen Gitarrenkorpus wird eine gewölbte und geschnitzte Decke aus massivem Fichtenholz geleimt.

  1. Halbmassiver Korpus

Nicht jeder kann mit dem Begriff „halbmassiv“ etwas anfangen.  Dabei sind heute eine ganze Menge Gitarre eben nicht semiakustisch, sondern halbmassiv. Die bekannteste von ihnen ist die Fender Thinline Telecaster. Bei halbmassiven Gitarren werden aus einem massiven Korpus ein oder mehrere Hohlräume gefräst und mit einem Deckenstück wieder verschlossen. Rickenbacker macht es bei einigen Modellen genau umgekehrt: Hier werden große Hohlräume aus der Rückseite des Korpusblocks gefräst und diese dann mit verschlossen. Meist zeigt ein F-Loch an, dass ein Teil der Gitarre innen hohl ist. Mittlerweile hat sich dieses halbmassive Bauprinzip verselbstständigt, viele Firmen bieten heute „chambered“ Instrumente an, denen eben dieses halbmassive Bauprinzip zugrunde liegt.

3 Gitarren

Ob man es letztendlich mit einer halbmassiven oder semiakustischen Gitarre zu tun hat, muss das Verhältnis von Holz zu umbauter Luft definieren. Ist mehr Holz als Luft am Korpus vorhanden, ist es eine halbmassive; ist der Luftanteil höher als der Holzanteil, handelt es sich um eine semiakustische Gitarre.

  1. Massiver Korpus

Gitarren mit einem massiven Brett-Korpus (Solidbodys) sind rein zweckorientierte Gitarren – sie müssen verstärkt gespielt werden. Rein akustisch funktionieren sie nicht, denn es gibt keinen Resonanzraum, der das Signal der Saiten aufnimmt und auf natürliche Weise verstärkt in die Welt entlässt. Dennoch hat kein anderes Instrument die Musikgeschichte der letzten 60 Jahre so geprägt wie die vollmassive E-Gitarre. Und richtig, das hat vor allem mit Lautstärke zu tun – aber nicht nur. Gemeinhin gilt Leo Fender als der Pionier der „Brett-Gitarre“. Doch sein eigentlicher Verdienst war die Strukturierung der Fertigung von E- Gitarren, sodass diese seriell und auch von ungelernten Arbeitern produziert werden konnten.

3 verschiedene Gitarren

Paul Bigsby und Rickenbacker hatten vor Leo Fender bereits Solidbody-Instrumente gebaut, aber eben nur als aufwendige Einzelstücke. Leo Fender nahm sich jedoch seine Lapsteel zum Vorbild, fertigte einen recht einfachen Gitarrenkorpus mit einem Cutaway an, aber ohne Konturen, schraubte einen Hals darauf und ließ sich die passende Hardware anfertigen. Fertig war die Fender Esquire und spätere Broadcaster, die kurz nach ihrer Erscheinung in Telecaster umbenannt wurde. Dass Fender sich damals Gedanken um den Klangcharakter von Tonholz, Hals-/Korpus-Winkel und ähnliche Faktoren gemacht hat, darf guten Gewissens bezweifelt werden.Es wurde das Holz genommen, was gerade günstig war, und auf die rationalste Art und Weise zusammengebaut.

2 bunte Gitarren

Aber Fender traf mit seinen Instrumenten Telecaster, Stratocaster und Precision Bass den Nerv vieler aufstrebender Berufsmusiker in den 50er-Jahren. Die konnten endlich verstärkt spielen, ohne Rückkopplungen zu produzieren und sie wurden dadurch inspiriert, Musikgeschichte zu schreiben. So sind die Fender-Instrumente selbst Teil der Musikgeschichte geworden, wie auch die parallel ebenfalls erfolgreichen Solidbody-Instrumente von Gibson.  Und sie sind bis heute der Maßstab und die Inspiration dessen geblieben, was Hersteller bauen und Musiker spielen wollen.

Die ersten Fender-Solidbody-Gitarren waren aus Esche gebaut, der Hals bestand aus einem Stück Ahorn – und fertig war der typische Fender-Sound der 1950er-Jahre, der unser Klangempfinden bis in die heutige Zeit prägt.

 

braune GitarreDie Gibson Les Paul, die 1952 auf der Szene erschien, war völlig anders gebaut. Sie wirkte wie eine verkleinerte Archtop und bestand aus einem einteiligen Mahagonikorpus und einer zweiteiligen Ahorndecke, die manchmal spiegelbildlich aufgesägt wurde und so einen attraktiven „bookmatched“ Look ergab. Auch der Hals war aus Mahagoni gefertigt und ein Palisandergriffbrett wurde aufgeleimt.  Und natürlich war der Hals nicht aufgeschraubt, sondern eingeleimt – so wie das bei Gibson schon immer war. Klar, dass solch eine Gitarre einen völlig anderen Klang produzierte als ein typisches Fender-Instrument, eher rund und weich klingend mit einem langen Sustain. Und das änderte sich auch nicht, als Fender in den 1960er-Jahren damit begann, Erle für Bodies und Palisander als Griffbrettholz zu verwenden – und damit die zweite klassische Kombination von Tonhölzern für Schraubhals-Gitarren schuf.

Je weiter die Entwicklung der E-Gitarre voranschritt, umso mehr haben Hersteller versucht, neben diesen wenigen klassischen Sounds andere Klang- und Konstruktions-Charakteristika durch Kombinationen verschiedener Tonhölzer und Konstruktionsmerkmale zu etablieren. PRS, grundsätzlich an Gibson orientiert, verlängerte z. B. die Mensur auf Gretsch-Maße (25“) und gestaltete die Winkel an Kopfplatte, Hals und Gitarrenkorpus flacher – Maßnahmen, die den eigentlichen Gibson-Sound transparenter und offener gestalten.  Mit dem Aufkommen der sogenannten Super-Strats in den 80er-Jahren wurden zwei neue Trends in Sachen Tonholz initiiert. Die Edel-Abteilung, repräsentiert durch Firmen wie Tom Anderson, Don Grosh, Tyler, Sadowsky und andere, bevorzugt Swamp Ash – also Sumpfesche, ein leichtes Holz mit hervorragenden Klangeigenschaften. Andere Hersteller – und hier war Ibanez der Vorreiter – entdeckten Pappel und Linde (Basswood). Beide Hölzer sind leicht, aber auch weicher als zum z. B. Esche. Doch gerade in Kombination mit Vibrato-Systemen à la Floyd Rose, die einen großen Anteil an metallischer Härte in den Grund-Sound einer Gitarre einbringen, funktionieren sie perfekt!

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Ich haette gerne einen Querschnitt von jedem Model gesehen,davon abgesehen ist der Artikel nicht schlecht.

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