D.I.-Tool kompakt

BluGuitar BluBox, Speaker-Simulation im Test

Thomas Blug hat sich mit seinem Amp1  inzwischen auf dem Markt etabliert. Kein Wunder, denn das ultrakompakte 100 Watt-Paket ist tonal und funktional äußerst leistungsfähig. Und obendrein ausbaufähig. Alle angekündigten Zusatzmodule sind inzwischen erhältlich. Gerade eben, als letztes im Bunde, ist die BluBox in den Handel gekommen, ein D.I.-Tool mit Speaker-Simulationen. Den Specs nach zu urteilen ziemlich fit und variabel.

FOTO: Dieter Stork

Das ist ja unter anderem das Geschickte an dem Amp1: Man kann mit ihm alleine schon viel umsetzen, gerade auch live, aber das System kann wachsen, ausgebaut werden. Durch Hinzunahme der Remote1, einem ausgefuchsten Schaltpedal, vielleicht auch des Looperkits zum Einschleifen von Effektgeräten, erweitern sich der Funktionsumfang und die Flexibilität immens. Es sind außerdem zwei speziell auf den Amp1 abgestimmte Lautsprecherboxen erhältlich. Wir haben das gesamte System in zwei Testberichten ausgiebig unter die Lupe genommen, und zwar in den Ausgaben 10/2014 und 12/2016 (hier).

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Wie gesagt, mit dem Erscheinen der BluBox schließt sich nun den Kreis. Alle Funktionsbereiche eines Verstärkersystems sind nun breitbandig abgedeckt. Wir dürfen gespannt sein, was als nächstes kommt. OK, jetzt nehmen wir aber erst einmal diese verheißungsvolle blaue Kiste hier unter die Lupe.

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IR-Technik

Geräte, die Speaker-Simulationen erzeugen, funktionieren nach unterschiedlichen technischen Prinzipien. Es gibt die rein analoge Bauweise, bei der meist passive Klangfilter das Signal bearbeiten, aber auch aufwendigere Lösungen mit aktiver Elektronik. Die nächste Gruppe bedient sich digitaler Technik aus dem Modeling-Bereich. Eine dritte Kategorie bilden die Produkte, die nach dem sogenannten Impuls-Response-Prinzip arbeiten.

Hierzu gehört die BluBox. Aber was genau sind Impuls Responses? Nun, der Begriff geistert jetzt schon ein paar Jahre durch die Fachwelt und bereichert die digitale Welt der Sound-Formung. Dazu könnte ich jetzt mathematisch und technisch einiges referieren, aber die Theorie dahinter hilft dem Anwender ja gar nicht wirklich weiter. Also, kurz gesagt geht es um die Analyse von Klängen, Schallereignissen durch die Impulse Responses – zu Deutsch: Sprungantworten. Die sind zeitlich sehr kurze Momentaufnahmen und erfassen spezifische Merkmale. Die Qualität der IR-Erfassung hängt vom Verhalten aller beteiligten Komponenten ab.

Das bedeutet, dass eine solche Abbildung eines Lautsprecher-Sounds auch die Eigenschaften des verwendeten Mikrofons, die Raumanteile, die Eigenschaften des Verstärkers und anderes mehr beinhaltet. In Fachkreisen wird aber auch immer wieder darauf hingewiesen, dass Sprungantworten nonlineare Ereignisse wie Verzerrungen, Kompression etc. nicht erfassen. Jetzt könnten wir an dieser Stelle weiter theoretisieren, was gerade dies für die Erzeugung von Speaker-Emulationen bedeutet. Ein interessantes Thema, doch auch das würde den Umfang eines Testberichts sprengen.

Die BluBox ist so konzipiert, dass sie in unterschiedlichen Anwendungssituationen zum Einsatz kommen kann. Nicht nur am Lautsprecherausgang eines Verstärkers (Speaker Level In und Thru). Für niederpegelige Geräte ist der Line-In-Eingang vorgesehen, geeignet für Preamps und Ähnliches. Die Quelle könnte z. B. auch der Send des FX-Weges sein. Ein Mini-Switch mit drei Positionen bietet die Möglichkeit, die Eingangsempfindlichkeit zu verändern, um die passenden Pegelverhältnisse herzustellen, wobei eine Clip LED hilft. Das Speaker-simulierte Signal kann an zwei Anschlüssen abgegriffen werden, dem Klinken-Line-Out und einem trafosymmetrierten XLR-Ausgang mit Ground-Lift-Schalter, um etwaige Brumm-/Masseschleifen zu unterbinden.

FOTO: Dieter Stork
16 Simulationen, viel Auswahl, einfach in der Handhabung … effizient!

Womit wir zum Herzstück der BluBox kommen. Satte 16 Cabinet- Typen bietet sie an, ein Rundumschlag, der einen Querschnitt klassischer und moderner Boxenvarianten erfasst (siehe Tabelle). Darunter vor allem auch Vintage- Klassiker von Marshall und Fender. Ein Finetuning der Speaker-Simulationen ist mit dem Poti „Mic Position“ möglich.

  • NANOCAB BluGuitar 1×12″
  • FATCAB BluGuitar 1×12″
  • STACK 1965 Original Marshall 4×12″ Celestion (Alnico 15 Watt)
  • STACK 1967 Original Park 4×12″ Celestion (Greenback 25 Watt)
  • STACK 1970 Original Marshall 4×12″ Celestion (Greenback 25 Watt 55 Hz)
  • STACK 1971 Original Marshall 4×12″ Celestion (G12H30)
  • STACK 1980 Original Marshall 4×12″ Celestion (G12H75)
  • METAL CL80 Celestion Classic Lead 80 in Custom Built 4×12″ Cabinet
  • METAL V30 Mesa/Boogie Rectifier Standard 4×12″ Celestion V30
  • JAZZ 120 Roland Jazz Chorus 120
  • TWEED 1×12 Vintage ‘57 Fender Tweed Deluxe 1×12″
  • SILVER 1×12 Fender Princeton Silverface 1×12″
  • BLACK 2×10 Fender ‘64 Vibroverb 2×10″
  • BLACK 2×12 Vintage Fender Twin Reverb 2×12″ Orange JBL (D120) mixed with Jensen C12K
  • BLACK 4×10 Vintage 60s Fender Super Reverb 4×10″
  • BULL 2×12 Original Vox AC30 JMI 2×12″ Celestion Blue Bulldog

Mechanisch und technisch gleicht der Aufbau der BluBox dem von Effektpedalen. Im Inneren des stabilen Alugehäuses befindet sich eine mit SMD-Bauteilen bestückte Platine: Die digitale Technik ist aufwendig, stützt sich im Kern auf mehrere IC-Halbleiter. Sauber gemacht das Ganze. Und ich möchte darauf hinweisen, dass hier statt einer elektronischen Symmetrisierung des XLR-Signals die passive, teurere Variante gewählt wurde, also mit einem Trafo, womit eine echte galvanische Trennung (Ground Lift) zwischen Quelle und Empfänger möglich ist.

Tonvielfalt

Wenn einer so lange und erfolgreich im Geschäft ist wie Thomas Blug, liegt das an herausragenden Fähigkeiten. Dass er einfach ein verdammt guter Spieler ist, steht natürlich im Vordergrund. Aber in dieser Identität als Gitarrist verbirgt sich bei ihm auch noch ein sehr feines Ohr – oder sollen wir es Gespür nennen? – für Sound- Feinheiten. Thomas ist ein erklärter Tüftler, der neugierig, ja eigentlich perfektionistisch bis in tiefste Details vordringt.

Wen wundert es da noch, dass er die Impulse- Response-Sessions selbst durchgeführt hat. Mit Cabinets aus seinem eigenen Fundus. So ist die BluBox im Prinzip ein durch und durch subjektives Produkt: Thomas Blug hat die Cab-Typen ganz nach seinem eigenen Geschmack gestaltet und ausgewählt. Wobei er nach eigenen Aussagen die schlussendlichen Ergebnisse nicht mit Equalizer etc. bearbeitet hat. Dies soll dem Anwender überlassen bleiben.

Ob der Klang der zitierten Boxenmodelle besonders naturgetreu eingefangen wurde, spielt in der Bewertung eine untergeordnete Rolle. Allein schon deshalb, weil die Impulse Responses durch Nahmikrofonierung erstellt wurden. Die Klangeigenschaften des Gehäuses selbst kommen so schließlich nur bedingt zum Tragen. Da ich die Cabinets und Combos, die als Vorlage dienten, fast alle gut kenne, sie selbst noch besitze oder besessen habe, kann ich aus meiner Warte aber klar sagen, dass die Charaktere mit Markanz getroffen sind. Wenn die optimal zum Vorschein kommen sollen, ist es natürlich ratsam, in etwa typische, dazu passende Amps zu verwenden. Also ich meine „echte“ Amps ;-). Der Anwender kann aber auch völlig losgelöst davon an die BluBox herantreten. Man verstehe die 16 Cab-Typen schlicht als Sound-Varianten und nehme was gerade passt. Ich finde so eine „unbedarfte“, unvoreingenommene Herangehensweise ja fast besser. Das Entscheidende ist, dass die Blu- Box klar voneinander abgrenzte Speaker- Emulationen anbietet, und diese ein breites Spektrum abdecken. So bekommt man buchstäblich im Handumdrehen aus ein und demselben Verstärker eine Tonvielfalt in hoher Signalqualität heraus, die zu erreichen mit echter Mikrofonierung eine Heidenarbeit wäre.

FOTO: Dieter Stork

Genau, Stichwort Qualität. Sehr erfreulich, das Ausgangssignal ist stets detailreich definiert, steht sozusagen präsent im Mix, hat im Höreindruck Kultur, wirkt warm, verbindlich, „analog“. Logisch, dass man die open-back-Typen bei der Nachbearbeitung im Bassbereich nicht gut zu packen bekommt. Wenn man den Schub bei gedämpften Distortion-Achteln fördern möchte, sind die Stacks natürlich die bessere Wahl. Ich sehe allerdings nur bedingt den Bedarf für solche EQ-Nachbearbeitung. Weil einerseits die Cab-Typen in sich homogen abgeglichen sind und eben daraus ihre typische Markanz ziehen und zumindest beim Recording eher die Devise „weniger ist mehr“ gilt. Im Übrigen sind gerade die fünf Stack-Typen ein Highlight. Weil sie den klassischen Ton von 4×12-Cabs in feiner, sinnvoller Differenzierung abbilden. In der Anwendung erwies sich die BluBox als völlig unproblematisch. Sie anzuschließen ist ja auch denkbar simpel.

Aber Achtung, sie ist keine Loadbox, wenn man mit dem Speaker-Out des Amps hineingeht, muss eine reale Box (oder zumindest ein geeigneter Lastwiderstand) am Speaker-Level-Thru-Ausgang angeschlossen sein. Indes sind die Ergebnisse im Prinzip gleichermaßen überzeugend, egal welchen der beiden Inputs man verwendet. Wegen der technischen Gegebenheiten geht es mit einem guten Röhrenverstärker und Box (wegen der Interaktion Endstufe/Lautsprecher) aber doch am lebhaftesten zu. Gute Dienste erweist im Übrigen das Mic Position Poti. Es bewirkt in den Extremen intensive Veränderungen des Höhengehalts und erweist sich so als nützliches Mittel, den Sound weiter zu formen. Und noch ein Tipp: Beim Anchecken sollte man auch ruhig mal die Clip-LED rot leuchten lassen: Hat Charme, die leichte Kompression, die dadurch entsteht.

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Wie Thomas Blug die Cab Types erstellte

„Ich habe meine Lieblings-Boxen mit Mikrofonen abgenommen, die sich über die Jahre bei mir bewährt haben. Dazu zählen u. a. das SM 57, SM 7, MD 441, aber auch mal ein Großmembran-Mikrofon von Neumann. Die Boxen habe ich alle im Close- Miking-Verfahren abgenommen, damit es keine speziellen oder seltsamen Phasenoder Raumeffekte bei den IRs gibt. Zunächst einmal habe ich eine Menge einzelner Impulsantworten von jeder Box unter Verwendung verschiedener Mikrofonen an verschiedenen Stellen jedes einzelnen Speakers erzeugt; bei 4×12-Boxen kommen da jede Menge Impulsantworten zusammen. Dann habe ich mich durch Berge dieser Einzel-IRs gewühlt und meine Favoriten ermittelt.

FOTO: Dieter Stork

In einer zweiten Phase habe ich Kombinationen dieser IRs ausprobiert und daraus wiederum meine Favoriten ermittelt. Im Ergebnis konnte ich so einige Boxen mit nur einem Mikrofon an einer Position perfekt einfangen. Andere Cab-Typen hingegen wurden aus mehreren Einzel-IRs in verschiedenen Mischungsverhältnissen zusammengesetzt. Bei der Auswahl war mir wichtig, dass der Sound groß und voll klingt, sodass man beim Spielen damit Spaß hat. Extremes Verbiegen wollte ich der Post-Production oder dem Live-Mischer überlassen. Die Boxen entstammen meiner privaten Sammlung und wurden auch alle über die Jahre auf diversen Tonträgern verwendet.“


Alternativen

Die Alternativen sind entweder kostengünstiger und deutlich wenig variabel bzw. leistungsfähig, oder liegen viel höher im Preis und können mehr. Als Beispiel seien die Produkte von Two Notes genannt. Allerdings kommt jetzt ein Pedal von DigiTech auf den Markt, was in ähnlichen Gefilden wildert: Der Cab- DryVR. Ist zum Test geordert!

Resümee

Was die BluBox an Bandbreite auffährt, dürfte vielen Gitarristen mehr als genug sein. Weil die Cab-Typen sämtlich starken Charakter beweisen, sich praxisdienlich voneinander abgrenzen und dem Anwender damit in der Summe viel Freiraum in der Wahl der Tonalität seiner Sounds garantieren. Das Ganze macht umso mehr Spass als die bei digitaler Technik nie ganz vermeidbare Latenz mit etwa drei Millisekunden sehr gering ausfällt. So outet sich die BluBox – Applaus Applaus – als ein rundum stimmiges Produkt. Das mit ca. € 250 im Handel ein ganz und gar ausgewogenes Preis-/Leistungsverhältnis erreicht. Schade nur, dass im Lieferumfang kein Netzteil enthalten ist.

Plus

  • Sound, Variabilität
  • Dynamik/Transparenz
  • elegante All-in-one- Lösung
  • geringe Nebengeräusche
  • Verarbeitung/Qualität d. Bauteile

Minus

  • Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang

Soundfiles

Hinweise zu den Soundfiles.

Die Clips wurden pur, ohne Kompressor und EQ-Bearbeitung über das Audio-Interface Pro-24DSP von Focusrite in Logic Pro eingespielt und gemastert.

Den Sounds lieferten eine Fender-CS-Relic-Strat-1956 (m. JB-Humbucker v. Seymour Duncan am Steg), der Diezel Paul (Clips 1 – 4, Channel 2) und ein ´81 Marshall 2204 (Clips 5 + 6, High Input).

Die Soundfiles bieten kein Entertainment, sondern bilden nüchtern/sachlich die Klangunterschiede der Cabinet-Typen ab. Zunächst in kleineren Gruppen. In den Clips No. 5 und No. 6 sind der Reihe nach alle 16 Typen zu hören.

Ich wünsche viel Vergnügen, und…,  wenn möglich, bitte laut anhören, über Boxen, nicht Kopfhörer!

Fragen, Anregungen  und  ja, auch Kritik sind wie stets willkommen. Nachrichten bitte an frag.ebo@gitarrebass.de.  Es klappt nicht immer,  aber ich werde mich bemühen möglichst kurzfristig zu antworten.


Aus Gitarre & Bass 05/2017

Ein Kommentar zu “BluGuitar BluBox, Speaker-Simulation im Test”
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