Sympathische Bässe für einen sympathischen Musiker!
Back in Black: Duesenberg Alliance Series Chris Chaney Bass
von Jogi Sweers, Artikel aus dem Archiv
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(Bild: Dieter Stork)
TO AGE OR NOT TO AGE
Bei beiden Kandidaten stellt sich ein großes Wohlgefühl am Gurt ein: Die kompakte Kopfplatte und die Mechaniken mit den kleinen Flügeln machen Kopflastigkeit zu einem Fremdwort – sehr angenehm! Apropos Mechaniken: Neben ihrer akkuraten Funktion fühlen sich die Flügel im ebenfalls stufigen Design richtig gut an. Den nächsten großen Pluspunkt gibt es bei beiden für die Bespielbarkeit. Welche Halsform und -breite man bevorzugt, ist ja immer subjektiv. Hier haben wir’s mit perfekten Jazz-Bass-Hälsen mit entsprechend leichter Handhabung zu tun. Objektiv kann ich dazu feststellen, dass die Bundierung einfach vom Allerfeinsten ist.
Die Bundenden sind verrundet (Bild: Dieter Stork)
Die Bundenden sind mit viel Liebe so verrundet, wie es sich für Premium-Instrumente gehört. Die sicherlich schon vorher nicht schäbige Bundabrichtung wird zusätzlich noch einmal durch die Plek-Maschine gecheckt und verfeinert (Ein computergesteuertes System, das Bundhöhen auf hundertstel Millimeter genau nivellieren kann). Auch mit einer noch niedrigeren Saitenlage als in der Werkseinstellung schnarrt hier nichts. Und selbst wenn dieser Basstyp als Arbeitstier gilt, muss man nicht um den Ton kämpfen, wenn man das nicht möchte und entsprechend einstellt.
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Trocken gespielt macht sich der reguläre Chris Chaney Bass mit wuchtiger Resonanz bemerkbar, die tiefen Töne spüre ich mit ordentlich Punch im ganzen Körper. Kann der eingeschwungene Distressed da noch einen drauflegen? Ja, tatsächlich! Da ist noch ein bisschen mehr, allerdings eher Nuance als krasser Unterschied. Wo ich den gerade in der Hand habe: Das Aging am Hals führt zu einem spürbar anderen Spielgefühl. Darauf habe ich mich aber schnell eingegroovt. An den Amp darf dann erstmal wieder der Bass ohne Aging. Und es erklingt … ein P-Bass! Den gibt es bekanntlich in verschiedenen Geschmacksrichtungen, von fett bollernd bis aggressiv knallig. Der Duesenberg sortiert sich als warmklingend ein, mit unaufdringlichen, aber klaren Höhen, gutem Fundament und viel Holzigkeit im Ton.
Auf Verschieben der Anschlagshand wird sensibel reagiert, härteren Anschlag oder kräftigen Plektrumeinsatz quittiert der Bass mit dynamisch-aggressiverem Verhalten. Klassisch-flexibler Ton also, der von Pop und Jazz bis Funk und Metal überall ohne große Nachbearbeitung einzusetzen ist. Und sich natürlich auch bei AC/DC optimal einfügt. Die Regler laufen schön sahnig und gleichmäßig, die Höhenblende macht den Sound dichter und gefühlt fetter, ohne ihn zu dumpf zu machen oder konturlos werden zu lassen. Auffällig ist, wie gleichmäßig die Töne kommen, alle sind mit Substanz und Punch am Start. Das Sustain ist vor allem in den hohen Lagen unfassbar lang – perfekt für die vielen Balladen mit getragenen Basslinien im AC/DC-Repertoire … Spaß beiseite und zurück zum Plektrum: Das umgestaltete Pickguard bringt die Regler in einen Bereich, in dem extrem ausholende Plek-Schrubber:innen möglicherweise Stress mit dem Volume-Poti bekommen, wer aber etwas kontrollierter spielt, wird safe sein.
Der Distressed klingt am identisch eingestellten Amp erstmal verhaltener und legt nicht die erwartete Schippe drauf. Des Rätsels Lösung ist der größere Abstand des Pickups zu den Saiten. Das ist schnell geändert (wobei der Abnehmer etwas mehr unterfüttert sein könnte), und schon ist Leben in der Bude! Das Klangbild ist sehr ähnlich, dabei etwas holziger in den Mitten und noch einen Hauch lebendiger. Im (lauten) Bandkontext wird davon nicht wahnsinnig viel bleiben, aber so für sich, bei Aufnahmen und mit entsprechend Platz im Bandsound macht das Spaß!
Obligatorisch müssen precieske Bässe mit dieser Holzauswahl gegen meinen 73er P-Bass antreten – und die Duesenberge können sich im Vergleich absolut hören lassen. Mein Fender legt nochmal einen Hauch Lebendigkeit drauf, da hat er die Nase klar vorne. Dafür ist der Bassbereich nicht so schön stabil und die Ansprache insgesamt nicht so gleichmäßig. Dass er auch am Amp resonanter rüberkommt, ist bei 50 Jahren Vorsprung beim Einschwingen kein Wunder, und auch hier gilt, was ich gerade schon über den Bandkontext geschrieben habe. Reife Leistung der beiden Chaneys!
RESÜMEE
Sympathische Bässe für einen sympathischen Musiker! Aufbauend auf einer altbewährten Formel schafft es Duesenberg, dem Alliance Series Chris Chaney Bass eine eigene Identität zu verleihen. Der Sound ist dabei dank bester Holzgrundlage und den Custom Duesenberg Grand Duplex Bass Pickups klassisch ausformuliert, die Bespielbarkeit ist so entspannt, wie sie nur sein kann – die Abwesenheit von Kopflastigkeit, die fantastische Bundierung, und der schlanke Hals wirken perfekt zusammen. Wie ich es von Duesenberg nicht anders erwartet hätte, ist an der Verarbeitung, auch mit skeptischer Lupe betrachtet, rein gar nichts zu beanstanden. Das gilt auch für den Bass in Distressed Black.
Sinn oder Unsinn von Aging zu beurteilen, überlasse ich euch. Festhalten kann ich, dass Duesenberg das sehr liebevoll, sorgfältig, und für meinen Geschmack auch authentisch gemacht hat. Diese Arbeit kostet viel Zeit und möchte bezahlt werden, in Kombination mit der strengen Limitierung auf zehn Exemplare pro Jahr ergibt sich ein saftiger Aufpreis. Wer auf so viel Exklusivität verzichten kann, bekommt mit dem regulären Modell exzellenten Gegenwert, zumal beide mit einem richtig gut gepolsterten, hochwertigen Gigbag an der Grenze zum Softcase kommen, mit sehr guter Rucksack-Garnitur und reichlich Stauraum. Zum Antesten sehr ans Herz gelegt – beide! ●