Sympathische Bässe für einen sympathischen Musiker!

Back in Black: Duesenberg Alliance Series Chris Chaney Bass

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(Bild: Dieter Stork)

Duesenberg steht seit fast vier Jahrzehnten für Instrumente mit Charakter – elegant, eigenwillig und technisch raffiniert. Mit dem Alliance Series Chris Chaney Bass präsentiert die Hannoveraner Manufaktur nun ein Modell, das den Geist der Marke auf die Bühne eines echten Rock-Veteranen hebt. Chris Chaney, bekannt aus unzähligen Studio- und Tourprojekten von Alanis Morissette bis Jane’s Addiction und aktuell als Bassist von AC/DC, hat gemeinsam mit Duesenberg einen Bass entwickelt, der klassische Wurzeln mit moderner Präzision verbindet.

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Das Resultat: ein Instrument, das optisch wie klanglich an den legendären Fender-Style anknüpft, ihn aber mit typischem Duesenberg-Feinsinn – vom Art-Deco-Design bis zum Custom-Split-Coil – auf ein neues Level bringt.

DER NAMENSGEBER

Der Bassist Chris Chaney ist mir das erste Mal bei Alanis Morissette untergekommen. Auf dem Album ‚Jagged Little Pill’, dem großartigen Durchbruch, ist er zwar nicht zu hören, spielte aber die folgende 18-monatige Tour, gemeinsam mit dem so früh verstorbenen Drummer Taylor Hawkins. In den kommenden Jahren war er fest in Morissettes Band, spielte aber auch auf so unterschiedlichen Alben wie denen von Tommy Lee und Céline Dion. Festes Bandmitglied war er auch bei Jane’s Addiction, von der ersten richtigen Wiedervereinigung 2001 bis zur erneuten Auflösung 2004.

Auch danach wurde ihm wohl kaum langweilig, insgesamt über 200 Album-Credits sprechen für sich. Die gehen von Pop und Jazz bis zur letzten Scheibe von Ozzy Osbourne, auf der er bei einem Song vertreten war. Anfang 2024 wurde er endgültig in den Rock-Olymp aufgenommen: AC/DC verkündeten, statt mit dem wieder eingestiegenen Cliff Williams mit Chris Chaney als Tour-Bassist den Globus zu bereisen. Das tut er in Zukunft mit Instrumenten, die ihre Heimat in Hannover haben.

DIE BÄSSE

Was uns zu den Testbässen führt. Chris ist unter anderem großer Fan von klassischen Fender-Bässen. Wenig verwunderlich also, dass er das Fundament für AC/DC jetzt mit Bässen legt, die ihrerseits auf dem Fundament des Fender Precis aufbauen, aber mit einigen eigenen Kniffen. In der Holzauswahl gibt es erstmal keine Experimente: Erle ist das Holz der Wahl für den Korpus, Ahorn für den Schraubhals, indisches Palisander für das Griffbrett. In der Holzbehandlung unterscheiden sich beide. Offensichtlich ist ja, dass der Alliance Series Chris Chaney Bass sowohl in einer „cleanen“ Ausführung zu haben ist (neben dem Testbass in Schwarz gibt es auch noch eine feine Gold-Sparkle-Lackierung) als auch in einer „abgerockten“ Version, die unter dem Namen „Distressed Black“ läuft. Von dieser wird es pro Jahr nur zehn Stück geben.

Neben der optischen Alterung gibt es auch noch eine Klangbehandlung, bei der ein „spezieller Satz von Frequenzen“ durch den Bass geschickt wird, um ihn am Ende dieses tagelangen Prozesses wie ewig eingespielt klingen zu lassen. Aging bzw. Relicing polarisiert ja immer noch trefflich. Eigentlich muss man das Thema nur irgendwo kurz antippen, und schon geht die Post ab. Für mich hat das seine Berechtigung, solange es stimmig gemacht ist. Und da kann ich für die Distressed-Version nur gute Noten vergeben.

Distressed Black Aging (Bild: Dieter Stork)

Das Aging ist klar auf der heftigen Seite, bleibt dabei aber realistisch. Einerseits gibt es Abnutzung da, wo sie real auch passiert, andererseits ist der Übergang zwischen Lack und kahler Stelle eben wie abgespielt und nicht wie weggeflext. Dazu kommt, dass das blanke Holz angemessen gealtert aussieht, da habe ich schon Instrumente gesehen, die aussahen wie jahrzehntelang täglich sehr unpfleglich gespielt, die abgeschubberten Stellen aber wie ein frisch gefällter Baum … Hier passt alles!

Den beiden Bässen gemein sind die sanften Konturen: feine, aber eher milde Shapings an den erwarteten Stellen. Anstelle der erwarteten, etwas ausladenderen Halsmaße kommen die Chaneys mit Jazz-Bass-Dimensionen daher. 38 mm messe ich an den sauber gearbeiteten Knochensätteln, die hier auf Wunsch von Chris echte Knochen sind. Normalerweise nimmt Duesenberg sehr ähnliches synthetisches Material. Beim Distressed sieht er ordnungsgemäß dunkler und „älter“ aus. Mit 20 mm Dicke am ersten Bund gehören sie zudem zu den schlanken Hälsen, da hat es Chris wohl gerne bequem. Der kompakte Headstock ist ganz klar eine Eigenkreation. Unter der Art-Deco-Abdeckung sitzt der Zugang zum Zweiwege-Halsstab, gestimmt wird mit Duesenberg-eigenen Tunern, die kleine Flügel haben.

Die Kopfplatte ist die Visitenkarte eines Instruments, umso wichtiger, hier für hohen Wiedererkennungswert zu sorgen. Das schafft die Firma mit dem schicken D als Logo – wiederum im Art-Deco-Stil – vor allem aber durch dessen dreistufige Verzierung, die für „Three steps ahead“ steht. Selbst wenn man nur die Silhouette hätte, wüsste man – das ist ein Duesenberg! Das setzt sich auch am Korpus fort: Die Schlagbretter aus anodisiertem Aluminium haben einen ganz eigenen Schnitt, und natürlich drei Stufen. (Und ich hab schon die ganze Zeit Eddie Cochran im Ohr, der mir die „Three Steps to Heaven“ erklären möchte …) Auch das D-Logo findet sich am oberen Horn wieder. Es ist clever, wenn auf Live-Fotos der Bassist bzw. die Bassistin und der Bass zu sehen sind, aber ohne Headstock – trotzdem ist sofort klar, was da gespielt wird!

Custom Grand Duplex Bass Pickups (Bild: Dieter Stork)

Um hörbar zu machen, was da gespielt wird, ist der Chris Chaney mit einem Split-Coil ausgestattet, der unter der Bezeichnung „Custom Grand Duplex Bass Pickup“ läuft. Geregelt wird über Volume und Tone. Die Potiknöpfe sind nicht nur sehr hübsch geformt, griffig und gut ablesbar, sondern haben auch noch feine Muster eingelasert bekommen. In gleicher Manier ziert die Halshalteplatte ein Ufo samt Alien-Botschaft. Als großer Outer-Space-Fan hat Chris dort den Namen seiner Frau verewigen lassen, mit etwas Fantasie kann man „Tiffany“ rauslesen.

Weiterer Zierrat findet sich im Griffbrett: Neben cremefarbenen Dots markiert ein CC-Inlay den zwölften Bund. So, was fehlt noch? Die Gurtpins sind mit Schaller- oder den eigenen Drop-Stop-Straplocks kompatibel, halten aber auch ohne Locksystem (was nicht beiliegt) den Gurt sicher.

(Bild: Dieter Stork)

Die Ausgangsbuchse sitzt in einem soliden, passend gestylten Metallplättchen in der Zarge. Und die Brücke ist die eigene Vintage-Bass-Bridge mit geriffelten Reitern. Wie bei Blechwinkeln üblich, müssen die Saiten durchgefädelt werden und können dann in der Oktave, der Saitenlage und dank der Riffelung auch im Saitenabstand eingestellt werden.

Vintage Bass Bridge mit geriffelten Reitern (Bild: Dieter Stork)

Wenn die Saiten korrekt mittig zwischen den Pole-Pieces liegen, machen sie einen leichten Knick zwischen Ball-End und Auflage. Vielleicht sollte die Brücke ein paar Millimeter nach oben versetzt werden. Das macht sich aber nur optisch bemerkbar.

Beim Auseinanderschrauben stelle ich neben Details wie der Ansenkung aller Bohrlöcher (verhindert Lackabplatzer) und der sauberen Verarbeitung – sowohl bei den Holzarbeiten als auch bei der Elektrik – auch noch fest, dass die Halsschrauben beim „Distressed“-Modell ordentlich gealtert wurden und sich entsprechend schwer bewegen. Okay, muss man normalerweise auch eher nicht machen, an der Stelle bräuchte ich das nicht.

Praxistest und Resümee auf Seite 2

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