Weißwein und Hightech …

Test: Dowina Albalonga HyVibe GACE

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(Bild: Dirk Schlossarek)

Diese zunächst schlicht wirkende Gitarre hat es in sich – sowohl beim Design als auch technisch.

Angeboten wird dieses spezielle Modell exklusiv vom Music Store in Köln, dem wir herzlich danken, für die Überlassung dieser interessanten Test-Gitarre.

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VOLLMASSIV & MODERN

Moderne Neuheiten in der Acoustic-Szene zu etablieren ist ein schwieriges Unterfangen. Zum Glück setzen die Luthiers aus Bratislava in der Slowakei das recht futuristische HyVibe-Pickup/Effekt-System in eine grundsolide Grand-Auditorium-Steelstring, die schon für sich gesehen einen hohen Gegenwert bietet.

Der Korpus mit seinem sehr elegant geschnittenen Cutaway ist komplett aus massiven Hölzern gefertigt. Für die Decke kam Zeder zum Einsatz, Zargen und Boden sind aus Mahagoni. Das schlicht-schöne Erscheinungsbild wird vom schwarzen Korpus-Binding und der Schalllochrosette aus Holzstreifen unterstützt, auch das transparente, kaum wahrnehmbare Schlagbrett trägt dazu bei. Der Ebenholzsteg hat eine abgesenkte Grundfläche für die Pins, was für guten Saitendruck auf die Stegeinlage aus Knochen sorgt.

(Bild: Dirk Schlossarek)

Der schlanke Mahagonihals ist am 14. Bund angesetzt und mit einem Griffbrett aus Ebenholz belegt, welches man nur als Leckerbissen bezeichnen kann. Es läuft mit einem eleganten Schwung über dem Schallloch aus, wo es mit einem halben 22. Bund endet. Die Bünde sind perfekt poliert und an den Enden verrundet, und die kleinen Dot-Inlays zur Orientierung liegen unterhalb des 12. Bundes zwischen tiefer E- und A-Saite und oberhalb der Oktave zwischen H- und hoher E-Saite – cool!

Über den äußerst sorgfältig gearbeiteten Knochensattel gelangen die Saiten zur Kopfplatte mit „open book“-Profil. Diese ist mit Qualitäts-Tunern von Gotoh bestückt, die stressfreies Stimmen einfach machen. Die gesamte Gitarre ist mit einem offenporigen Natural-Finish versehen und gibt bis hierhin keinerlei Anlass zu Kritik.

Das wirklich Besondere an dieser Gitarre ist natürlich die verbaute Elektronik, die ein bisschen mehr zu bieten hat, als ein „normales“ Pickup-System. Und die Macher von HyVibe legen die Messlatte selber hoch und stellen in Aussicht, dass man Effekt-Pedale, Verstärker, Kabel usw. hinter sich lassen kann. Wow, das schauen wir uns im Praxisteil an – bin gespannt.

Das HyVibe-System (Bild: Dirk Schlossarek)

HOHE ERWARTUNGEN

Erst mal zur Albalonga (übrigens eine Weißwein-Sorte) selbst: Mit dem Hals freunde ich mich sofort an. Die offenporige Rückseite hat eine tolle Haptik und das eher flache C-Profi liegt – zusammen mit dem etwas breiteren (45 mm am Sattel) Griffbrett – exzellent in der Hand. Bei der auch sonst tadellosen Werkseinstellung von Saitenlage und Intonation laufen die ersten Fingerpickings fast wie von selbst. Das sind wirklich erstklassige Spielbedingungen, die man hier vorfindet. Und so klaglos, wie die Dowina auch ruppiges Strumming wegsteckt, erweist sie sich als Allrounderin für gehobene Ansprüche. Der Klang perlt frisch und ausgewogen ans Ohr. Eher schlank, ohne übertriebene Bassanteile, mit knackigen Mitten und silbrigen Höhen – so würde ich das Klangbild beschreiben, mit dem man sicherlich auch eine gute Durchsetzung in der Band oder bei Produktionen zur Verfügung hat.

Jetzt ist aber HyVibe-Zeit. Ich gehe da ohne großes Studium des Manuals heran, mal schauen, wie gut sich das erklärt. Schaltet man HyVibe auf dem Zargen-Cockpit an, bietet zunächst ein gut ablesbarer Tuner seine Dienste an – guter Start. Das System liefert ja mittels internem Speaker Effekt-Sounds ohne weitere Verstärkung: Geht los mit „12-String“, eine leider eher quäkige Oktavierung der gespielten Töne, auch auf H- und E-Saite. Das hat keine Ähnlichkeit mit dem Klang einer 12-saitigen. „Oktaver“ bietet dann eine ganz ordentliche Oktavierung, in diesem Fall wahlweise nach oben oder unten.

„Chrystals“ versorgt uns mit einer nachfolgenden Quinte des gespielten Tons – what’s that good 4? Hinter „Fusion“ steckt eine Art Flanging, der Chorus kommt gut, „Phantasy“ ist ein modulierter Hall, mit „Phaser“ und „Echo“ lässt sich arbeiten, „Vintage“ geht in Richtung Tremolo. Schön ist, wie leicht man mittels Fader Zugriff auf die Effekte hat. Insgesamt bräuchte ich persönlich das meiste davon aber in der Form nicht wirklich. Aber das ist ja Geschmackssache. Schauen wir mal, wie das über Amp kommt. Oh yes, eine ganz andere Party! Hier nehmen die meisten Effekte Gestalt an und klingen ansprechend bis richtig gut.

Mit dem Fader lässt sich ja jeweils nur ein Haupt-Parameter bearbeiten – spätestens ab hier macht es Sinn, die HyVibe-App zu nutzen und genauere Einstellungen per Handy vorzunehmen. Und das System kann ja durchaus noch mehr. Es gibt einen Looper, man kann sich Playbacks zuspielen, ein Metronom ist an Bord und ein USB-Anschluss ist hinten bei den Klinke-In/Outputs vorhanden. Er dient auch zum Download von Software Updates und zum Laden des Akkus …

Was ich jetzt fast vergessen hätte: Man kann die Effekte natürlich auch „off“ schalten, und genießt den natürlichen ausgewogenen Klang des Tonabnehmers pur.

(Bild: Dirk Schlossarek)

RESÜMEE

Gitarren wie diese Dowina Albalonga GACE HyVibe haben sich einen Platz auf dem Acoustic-Markt erkämpft. Wir finden hier auch Instrumente von Lava oder LAG und sie haben alle etwas gemeinsam: Sie eröffnen einerseits neue Möglichkeiten, andererseits polarisieren sie aber auch. Unstrittig ist, dass die Dowina eine tolle Westerngitarre mit erstklassigen A- und E-Sounds ist. Die Bespielbarkeit erfüllt Profiansprüche, und ob man die vielfältigen elektronischen Zusatzoptionen nutzt – und wenn ja welche – sei jedem selbst überlassen. Von daher ist ein persönlicher Test ganz besonders empfehlenswert!

PLUS

● Design, Finish
● Hardware, Griffbrett
● Haptik, Bespielbarkeit
● ausgewogene E- und A-Sounds
● HyVibe-System mit zahlreichen guten Features
● Effekt-Sounds über Amp

MINUS

● Effekte über internen Speaker
● „12String“-Sound

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2022)

Produkt: Singer Songwriter Special
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