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G&B Basics

Alles über Akustik-Pickups

(Bild: Gerken)

Kaum ein anderes Thema bringt so viele Diskussionen unter Gitarristen mit sich wie Tonabnehmer bei Akustik-Gitarren. Unser geliebtes Instrument ist nun mal relativ leise, und somit ist es in Situationen, bei denen die Lautstärke über das Wohnzimmer-Niveau hinaus gehen soll oft notwendig, es zu verstärken. Egal, ob es darum geht, mit einer Band mithalten zu können, oder bei einem Solokonzert gehört zu werden – für die meisten Gitarristen stellt sich irgendwann die Frage, auf welche Weise die Gitarre verstärkt werden soll.

Grundsätzlich muss vorweg gesagt werden, dass es noch nie einfacher war, einen anspruchsvollen Sound mit einer eingestöpselten Akustik-Gitarre zu erzeugen als heute. Während es bei vielen Aspekten rund um die Gitarre schlagkräftige Argumente für Vintage-Equipment gibt, kann dies, wenn es um die Verstärkung akustischer Instrumente geht, nur in den seltensten Fällen behauptet werden.

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Denn in der Tat hat sich in diesem Bereich im Laufe der letzten 20 Jahre viel getan, und dank konsequenter Weiterentwicklung stellen heute die neuesten Angebote der führenden Hersteller meist auch die besten Lösungen dar. In diesem Artikel werden wir uns mit den verschiedenen Varianten von Akustik-Pickups beschäftigen.

Acoustic/Electric-Gitarren

Am einfachsten ist es natürlich, sich eine von Anfang an als akustisch-elektrisch konzipierte Gitarre zuzulegen. Instrumente dieser Art gibt es in zwei Kategorien: Auf der einen Seite Gitarren, die baugleich mit voll-akustischen Modellen sind, jedoch ab Werk mit Tonabnehmern ausgestattet sind.

Bei vielen Herstellern gehören Pickups mittlerweile sogar zur Grundausstattung, so dass z. B. die meisten Modelle von Taylor speziell ohne Tonabnehmer bestellt werden müssen, falls ein solcher nicht erwünscht ist. Auf der anderen Seite stehen Gitarren, die von Grund auf speziell für verstärktes Spielen konzipiert sind.

Diese Instrumente besitzen meist einen dünneren Korpus, sind oft stabiler gebaut, um weniger Eigenschwingung zu erzeugen, was dabei hilft, den Klang bei hohen Bühnenlautstärken besser kontrollieren zu können und Rückkopplungen zu vermeiden. In besonderen, selteneren Fällen sind dies Instrumente, die wie Solidbody E-Gitarren gebaut, jedoch mit einem Akustik-Gitarren-Tonabnehmer versehen sind.

Akustik-Gitarren, die ab Werk mit Tonabnehmern ausgestattet sind, haben den großen Vorteil, dass sie sofort angetestet werden können, und man somit von Anfang an genau weiß, wie sich der verstärkte Sound anhört. Die meisten Akustik-Gitarren mit Tonabnehmer besitzen integrierte Preamps (Vorverstärker) mit Reglern für Lautstärke, Equalizer und mehr.

Manche Hersteller, wie z. B. Ovation, Takamine und Taylor, haben eigene Pickup-Systeme entwickelt. Falls speziell der Sound einer dieser Tonabnehmer erwünscht ist, führt kein Weg an einer Gitarre der jeweiligen Marke vorbei. Die meisten Hersteller verwenden jedoch Elektroniken von spezialisierten Firmen, wie z. B. B-Band, LR Baggs, Fishman und Shadow.

In manchen Fällen sind die benutzen Systeme genau die gleichen, die auch zum Nachrüsten erhältlich sind, in anderen Fällen arbeiten Hersteller zusammen, um ein auf ein bestimmtes Gitarrenmodell genau abgestimmtes System zu entwickeln. So sind z. B. sind die Fishman-Systeme vieler Martin-Gitarren nur in Instrumenten dieser Marke zu bekommen und werden nicht einzeln angeboten.

Pickups zum Nachrüsten

Was ist, wenn eine Akustik-Gitarre mit einem Tonabnehmer nachgerüstet werden soll? Hier gibt es so viel Auswahl wie nie zuvor, sodass es inzwischen für jede Gitarre, jede Stilrichtung und jedes Budget eine ausgereifte Lösung gibt.

Eins ist jedoch von vornherein festzuhalten: Den „besten“ Pickup gibt es nicht. Dafür gibt es einfach zu viele Faktoren, die Einfluss auf den Klang eines Tonabnehmers haben, angefangen bei der Gitarre, über den Musik-Stil bis hin zum Ort, wo die Gitarre verstärkt werden soll.

Es birgt also ein gewisses Risiko, wenn man sich für den gleichen Tonabnehmer entscheidet, mit dem jemand anderes einen guten Sound erzielt. Hier sollte man sich zunächst fragen, ob die Bedingungen auch wirklich ähnlich sind – ein Profi, der mit eigenem Tontechniker unterwegs ist, viel Zeit für den Soundcheck hat und über eine riesige PA spielt, wird mit dem gleichen Tonabnehmer anders klingen als der Gitarrist, der sich in die fragwürdige Anlage einer Eckkneipe einstöpselt.

Man sollte vor dem Pickup-Kauf also die folgenden Überlegungen anstellen:

  • In was für einen Gitarrentyp soll der Tonabnehmer eingebaut werden?
  • Darf die Gitarre modifiziert werden, oder sollte der Einbau wieder rückgängig gemacht werden können?
  • Wie laut möchte ich spielen? Spiele ich über einen kleinen Amp oder eine PA (oder beides)?
  • Spiele ich immer in einer ähnlichen Konstellation oder ändert sich das Umfeld von Gig zu Gig?

Sobald diese Fragen beantwortet sind, empfiehlt es sich, einen guten Gitarrenladen aufzusuchen, um verschiedene Systeme auszuprobieren, und hoffentlich mithilfe eines fachkundigen Verkäufers einen passenden Pickup für die Gitarre, das Budget und die Spielsituation zu finden.

Pickup-Typen

Anders als bei E-Gitarren, bei denen es zwar viele verschiedene Hersteller und Variationen von Tonabnehmern gibt, die zugrundeliegende Technik jedoch fast immer auf magnetischen Pickups beruht, gibt es bei Akustik-Tonabnehmern mindestens vier verschiedene Typen: Magnetische Pickups (meistens im Schallloch montiert), unter der Stegeinlage montierte Pickups (meistens auf Piezo-Technologie basierend), auf oder unter der Decke montierte Kontakt-Pickups und Mini-Mikrofone. Von diesen Optionen sind die Pickups unter der Stegeinlage am weitesten verbreitet.

Passiv oder Aktiv?

Akustik-Pickups gibt es in passiven und aktiven Ausführungen. Aktiv bedeutet, dass der Pickup mit einem Vorverstärker (Preamp) kombiniert wird, der durch eine Batterie (in den meisten Fällen ein 9-Volt-Block, manchmal auch Knopfzellen) betrieben wird.

Der Grund dafür ist, dass das originale Ausgangs-Signal vieler Tonabnehmer recht schwach ist, und somit erst durch einen Preamp aufbereitet werden muss, um mit den Eingängen von Verstärkern oder Mischpulten zu funktionieren. Ein Preamp bietet dem Hersteller auch die Möglichkeit, die Impedanz anzupassen oder den Klang zu regeln.

Bei Gitarren, die vom Werk aus als Acoustic-Electrics gebaut sind, ist der Preamp oft in die Zarge eingebaut und bietet Regler für Lautstärke und Klang, manchmal auch ein eingebautes Stimmgerät und mehr.

Preamps von Nachrüst-Systemen sind in der Regel so konzipiert, dass keine großen Umbauten am Instrument erforderlich sind. Oft sind sie entweder direkt in die Ausgangsbuchse integriert, oder sie werden anderswo im Korpus mit doppelseitigem Klebeband oder Klettverschluss montiert.

Passive Pickups können in zwei Kategorien aufgeteilt werden: Manche Tonabnehmer bieten genügend Ausgangspegel, um tatsächlich ohne weitere Bearbeitung auszukommen. Meistens handelt es sich hierbei um magnetische (Schallloch-)Pickups. Allerdings gibt es auch Varianten, wie zum Beispiel Schertlers DYN Kontakt-Pickup, die niederohmig konzipiert sind und somit über ein XLR-Kabel direkt mit einem entsprechenden Eingang, z. B. dem eines Mischpults, verbunden werden können.

Viele passive Pickups sind jedoch so ausgelegt, dass sie zwar ohne Vorverstärker auskommen, für den besten Sound jedoch auf einen externen Preamp angewiesen sind.

Magnetische Schallloch-Pickups

Im Schallloch eingebaute Pickups gibt es seit den 1950er-Jahren, und dies ist die einfachste Methode, eine Steelstring zu verstärken. Magnetische Tonabnehmer funktionieren genau wie die Pickups bei E-Gitarren, indem sie die Schwingungen der Saiten über ein magnetisches Feld aufnehmen (natürlich funktionieren sie deswegen nicht mit Nylon-Saiten!).

Die ersten Schallloch-Pickups waren tatsächlich normale E-Gitarren-Modelle, die mit einer Klemme zur Montage in der Gitarre versehen wurden. Obwohl die Sound-Ergebnisse von manchen Blues Gitarristen (z. B. Roy Rogers und Hans Theessink), die einen etwas raueren Sound suchen, weiterhin geschätzt werden (bestimmte alte DeArmond-Pickups werden aus diesem Grund zu hohen Preisen gehandelt!), klangen diese ursprünglichen Tonabnehmer doch alles andere als natürlich.

Dies änderte sich, als in den frühen 1980er-Jahren der heute legendäre Sunrise-Pickup auf den Markt kam. Von Grund auf für Akustik-Gitarren konzipiert, war der Sunrise auf die spezielle Balance von Phosphor-Bronze-Saiten eingestellt, und seine Stacked-Humbucker-Konstruktion lieferte einen fetten, warmen Sound, mit dem er bis heute als Favorit von Gitarristen wie Leo Kottke, David Lindley, Keith Richards und Richard Thompson gilt.

Seymour Duncan Woody Schallloch-Pickups im Seymour Duncan-Werk. Gut zu sehen ist die interne Magnetspule. (Bild: Gerken)

Heutzutage gibt es eine Vielzahl moderner Schallloch-Pickups, und für viele Gitarristen stellen sie die beste Wahl dar. Abgesehen vom Preis (die Spanne ist gewaltig; Einsteigermodelle gibt es für € 30, High-End-Tonabnehmer kosten über € 300) gibt es mehrere Besonderheiten zu beachten.

Wie auch E-Gitarren-Pickups, sind Schallloch-Pickups sowohl in Singlecoil- als auch Humbucker-Konfigurationen erhältlich. Dies bezieht sich darauf, ob der Pickup eine oder zwei interne Spulen besitzt. Singlecoils sind etwas heller im Klang, haben jedoch eine Tendenz zu Nebengeräuschen, weshalb die meisten besseren Schallloch-Tonabnehmer als Humbucker gebaut sind.

Anders als bei Humbucking-Pickups für E-Gitarren sind die Spulen hier in den meisten Fällen nicht nebeneinander, sondern übereinander angeordnet, wodurch sie nicht unbedingt, wie bei E-Gitarren gewohnt, breiter als Singlecoil-Versionen sind und auch nur eine Reihe Pole-Pieces besitzen.

Darüber hinaus gibt es Unterschiede dabei, wie die Tonabnehmer im Schallloch befestigt werden. Modelle wie Dean Markleys Pro Mag oder Seymour Duncans Woody besitzen einfache Schaumgummi-Einlagen in seitlich angebrachten Schlitzen, durch die sie im Schallloch gehalten werden.

Bei vielen anderen Pickups (z. B. LR Baggs M1 und M80, DiMarzio Black Angel, Fishman Rare Earth, Seymour Duncan Mag Mic usw.) hat sich eine zuerst beim Sunrise eingeführte, seitliche Klemm-Mechanik durchgesetzt. Hier wird zur Montage ein Schraubenzieher benötigt.

Schertler’s M-AG6 verwendet einen ähnlichen Mechanismus, jedoch kann dieser über kleine Rändelschrauben auch ohne Werkzeug befestigt werden. Eine Ausnahme von der üblichen Befestigung im Schallloch findet sich beim Nano-Mag von Shadow. Er ist so klein, dass er direkt am Ende des Griffbretts mit doppelseitigem Klebeband montiert wird, und somit das Schallloch vollständig frei lässt.

Weitere Features, durch die sich magnetische Tonabnehmer unterscheiden, sind einstellbare Pol-Schrauben, Lautstärke-Regler, integrierte Mikrofone oder die Möglichkeit, ein zusätzliches Signal hinzuzumischen. Einstellbare Pol-Schrauben können hilfreich sein, um für ausgeglichene Lautstärkeverhältnisse zwischen den Saiten zu sorgen, etwas, das vor allem bei ungewöhnlichen Saitenstärken, Tunings, oder Spieltechniken von Nöten sein kann.

Vier populäre Schallloch-Pickups (im Uhrzeigersinn von oben links): Fishman Rare Earth Blend (mit Mikrofon), Dean Markley ProMag Gold, LR Baggs M80, und Sunrise. (Bild: Gerken)

Integrierte Mikrofone (wie z. B. beim Fishman Rare Earth Blend und Seymour Duncan MagMic) sind eine ausgezeichnete Methode, um dem reinen Pickup-Sound etwas mehr Dimension hinzuzufügen. LR Baggs erzielt einen ähnlichen Effekt mit der „Body-Sensitive“-Funktion ihrer M1- und M80-Pickups, bei denen eine der beiden Humbucker-Spulen schwebend eingebaut ist, wodurch auch Schwingungen der Gitarrendecke aufgenommen werden.

Bei wiederum anderen Pickups besteht die Möglichkeit, ein Mikrofon oder einen zusätzlichen Pickup hinzuzuschalten. Zum Beispiel besitzt der Schertler M-AG6 einen Miniklinken-Eingang für Mikrofon oder Kontakt-Pickup, dem DiMarzio Black Angel kann ein Kontakt-Pickup zugeschaltet werden, und Shadow’s Nano-Mag gibt es in Ausführungen mit zusätzlichem Nano-Flex-Pickup.

Dieses Custom-System besteht aus einem Seymour Duncan MagMic und D-Tar Timberline Pickups. (Bild: Gerken)

Steg-Pickups

Im Steg eingebaute Pickups (auf Englisch Undersaddle-Pickup genannt) haben sich im Laufe der letzten 20 Jahre zum am weitesten verbreiteten Pickup-Typ gemausert. Hierfür gibt es viele gute Gründe: Steg-Pickups bieten einen sehr zuverlässigen Sound in den unterschiedlichsten Spielsituationen, sie werden so gut wie unsichtbar im Instrument eingebaut, notwendige Modifikationen an der Gitarre halten sich in Grenzen, und ihre Anwendung ist überaus problemlos.

Obwohl es auch frühere Beispiele gibt, so war der von Ovation in den 1970er-Jahren entwickelte Tonabnehmer der erste verbreitete Pickup mit in der Steg-Einlage platzierten Piezo-Elementen. Der große Durchbruch kam jedoch erst, als Firmen wie LR Baggs und Fishman Tonabnehmer auf den Markt brachten, die unter die existierende Steg-Einlage passten, und somit einen nachträglichen Einbau mit minimalen Modifikationen ermöglichten.

Anfangs oft von Problemen mit der Balance zwischen den Saiten und dünnem Sound geplagt, sind moderne Steg-Pickups – eine fachkundige Montage vorausgesetzt – eine ausgezeichnete Wahl für viele Gitarristen, egal ob Steel- oder Nylonstring.

Da Steg-Pickups von sich aus zumeist relativ geringe Ausgangspegel erreichen, werden die meisten Modelle in aktiven Ausführungen angeboten. Grundsätzlich können Steg-Pickups in vier verschiedene Kategorien aufgeteilt werden:

Das Ur-Design mit einzelnen Piezo-Kristallen für jede Saite wird mit Modellen wie dem AER AK-15, LR Baggs LB6 und der Fishman AG-Serie weiterhin angeboten. Bei diesen Tonabnehmern ist es wichtig, dass die Platzierung der Piezo-Elemente mit dem Saitenabstand übereinstimmt. Der Einbau muss hier extrem sorgfältig durchgeführt werden, damit es nicht zu Balance-Problemen kommt.

Die nächste Generation von Steg-Pickups hat verschiedene Piezo-Filme anstelle der individuellen Kristalle, was den Vorteil hat, dass die Pickups über ihre gesamte Länge sensitiv sind, und somit vielen der Probleme Kristall-bestückter Tonabnehmer vorbeugen.

Bei Pickups wie der EMG AT-Serie oder dem Fishman Acoustic Matrix ist der Piezo-Film in eine starre Stegeinlage eingebaut, die sich äußerlich kaum von Pickups mit Piezo-Kristallen unterscheiden lässt. Von anderen Tonabnehmern wird der Piezo-Film in einer sehr dünnen und flexiblen Einlage verwendet, wie es z. B. beim B-Band UST, LR Baggs Element, D-Tar Wave-Length und dem Shadow NanoFlex der Fall ist.

Eine weitere Variation verwendet ein rundes koaxiales Piezo-Kabel als Pickup, so wie es bei den Pickups von Carlos, Headway, Highlander sowie dem Fishman Sonitone (welcher allerdings nur als Standard-Ausstattung von verschiedenen Gitarren-Herstellern angeboten wird) zu finden ist.

Eine ganz besondere und relativ seltene Sorte des Steg-Pickups sind hexaphonische Ausführungen, bei denen jede Saite ihren eigenen Pickup und somit ihr eigenes Ausgangs-Signal bekommt. RMCs Acoustic Gold und Shadows Nanoflex-6 sind Beispiele für diese Systeme.

Steg-Pickups nehmen eine Kombination aus dem Druck, den die Saiten auf den Sattel ausüben und über den ganzen Sattel und Steg verteilten Vibrationen auf. Der resultierende Sound ist meistens relativ direkt, und die typische schnelle Ansprache kann bei harten Spieltechniken manchmal ein unnatürlich klingendes Attack verursachen.

Steg-Pickups sind zumeist relativ unempfindlich gegen Feedback (besonders in kleineren Gitarren), und ihr Sound lässt sich einfach mit EQ oder Effekten kontrollieren. Steg-Pickups haben mitunter den Ruf, dass man bei ihnen mehr den Tonabnehmer als die Gitarre hört, was aber nicht unbedingt stimmt, da sich Faktoren wie die Höhe und das Material des Sattels, Flexibilität des Stegs und der Decke der Gitarre, sowie das natürliche Sustain des Instruments auf jeden Fall auf den verstärkten Klang auswirken. So kann es durchaus vorkommen, dass der gleiche Pickup in zwei verschiedenen Gitarren sehr unterschiedliche Resultate bringt.

Das koaxiale Pickup-Kabel eines Headway Pickups im Steg (Bild: Gerken)

Kontakt-Pickups

Kontakt-Pickups (auch Decken-Transducer, Haft-Pickup oder Kontakt-Mikrofon genannt) werden direkt an der Decke der Gitarre montiert. Bei diesem Pickup-Typ gibt es sehr viele Variationen: Manche Modelle werden temporär an der Außenseite der Decke befestigt, andere werden von innen montiert.

Ein Großteil dieser Tonabnehmer basiert auf Piezo-Kristallen oder Folien, allerdings kommen auch andere Technologien zum Einsatz. Auch was den Preis betrifft, gibt es riesige Unterschiede: Einsteigermodelle gibt es für unter € 20, High-End-Tonabnehmer können mehrere hundert Euro kosten. Einfache Modelle sind zum Beispiel Dean Markleys Artist Transducer und Shadows SH2000.

Pickups dieser Art werden mit einer besonderen Knetmasse „aufgeklebt“ und können mit so gut wie jedem Instrument, das eine vibrierende Oberfläche besitzt, verwendet werden. Klanglich darf man hier keine Wunder erwarten, aber je nachdem, wie die Gitarre an sich klingt (diese Tonabnehmer klingen oft besser mit Nylon- als mit Stahlsaiten), können sie eine simple Lösung sein, wenn man nur ab und zu mal verstärkt spielen möchte.

Die meisten besseren Kontakt-Pickups werden semi-permanent innen an die Decke geklebt. Hier sind die Pure Systeme von K&K (übrigens eine ursprünglich deutsche Firma mit jetzigem Sitz in Oregon, USA), die z. B. von Andy McKee und Don Ross benutzt werden, besonders herauszuheben. Hierbei handelt es sich um drei Pickups, etwa in der Größe einer kleinen Münze, die unter den Steg-Bereich montiert werden.

Ähnliche Tonabnehmer gibt es von Fishman (SBT) und Seymour Duncan (SoundSpot). Ein weiteres High-End-Kontakt-Pickup-System wird von Trance Audio angeboten. Auf dem legendären, aber nicht mehr hergestelltem FRAP-Pickup basierend (der z. B. von Neil Young verwendet wird), bietet der Trance Acoustic Lens Pickup ein Design, das Schwingungen dreidimensional aufnimmt.

Zwei besondere Kontakt-Pickups, die sich von anderen Designs abheben, finden sich im AKG C411, welcher auf einem internen Miniatur-Mikrofon basiert, sowie der Schertler DYN, der sein Signal über eine interne magnetische Spule erzeugt. Beide werden von außen am Instrument befestigt. Insbesondere der Schertler ist bei vielen Klassik-Gitarristen und Mandolinen-Spielern (z. B. Chris Thiele) beliebt.

Kontakt-Pickups finden sich auch öfters in Systemen, bei denen verschiedene Pickup-Typen kombiniert werden. So z. B. benutzt B-Band beim A2.2 XOM-System einen Steg- und einen Kontakt-Pickup, und LR Baggs fügt bei seinem iMix-System dem Element-Steg-Tonabnehmer zusätzlich einen iBeam-Kontakt-Pickup hinzu.

Kontakt-Pickups können einen sehr natürlichen Klang liefern, der einer Studio-ähnlichen Mikrofon-Abnahme nahekommt. Allerdings gibt es viele Faktoren, die eventuelle Probleme mit sich bringen können. Das Wichtigste ist natürlich die Gitarre selber, und manche Instrumente klingen mit Kontakt-Pickups einfach besser als andere.

Bei hohen Lautstärken kann es Probleme mit der Wiedergabe von Bass-Frequenzen geben, was sich zwar oft mit einem guten EQ ausgleichen lässt, manchmal aber auch zu einem unkontrollierbaren, wummerigen Sound führen kann. Aus diesem Grund sind Kontakt-Tonabnehmer meist die bessere Wahl für Gitarristen, die solo oder in relativ leisen Ensembles spielen als z. B. für jene, die mit der Lautstärke einer Rock-Band mithalten müssen.

Interne Mikrofone

Man könnte meinen, die einfachste Weise, eine Gitarre zu verstärken, müsste doch eigentlich ein im Korpus eingebautes Mikrofon sein. Leider ist dies jedoch alles andere als einfach, da das Innere einer Gitarre ein sehr kompliziertes Klangbild hat, was nicht unbedingt die gewünschten Qualitäten besitzt. Auch kann es sehr schwierig sein, genug Lautstärke zu erreichen, bevor Feedback eintritt.

Aus diesen Gründen werden interne Mikrofone öfter als Zusatz zu einem Tonabnehmer verwendet, wodurch ein sehr natürlicher und trotzdem kontrollierbarer Sound erreicht werden kann. Einige dieser Systeme sind bereits weiter oben bei den magnetischen Schallloch-Pickups erwähnt worden, Mikrofone werden jedoch auch oft mit Steg-Pickups kombiniert, wie z. B. beim LR Baggs Anthem, D-Tar Wave-Length Multi Source oder dem Fishman Ellipse Blend.

Es gibt aber auch interne Mikrofone, die für den Gebrauch ohne Unterstützung eines Tonabnehmers konzipiert sind. Beispiele finden sich beim LR Baggs Lyric, der MiniFlex 2Mic Serie, sowie auch dem DPA 4099 und K&K Meridian, wobei die beiden Letzteren extern am Instrument montiert werden und mit einem kleinen Schwanenhals positioniert werden.

Alleine verwendete interne Mikrofone können bei niedrigen Lautstärken sehr gute Resultate liefern. Wenn es jedoch lauter sein soll oder man sich nahe am Amp oder Lautsprecher befindet, kann es schnell zu Problemen mit Rückkopplungen oder einem unausgeglichenen Klang kommen.

Plug it In!

Es gibt nicht wenige Szene-Insider, die der Meinung sind, dass moderne Pickups die Akustik-Gitarre vor dem Untergang gerettet hätten. Ok, vielleicht ist das etwas überspitzt dargestellt, aber wenn man sich anschaut, wie viel „akustische“ Musik eigentlich gar nicht so unplugged ist, wie es auf den ersten Blick scheint, so muss man zugeben, dass die Musik anders klingen würde, wenn die Verstärkung von Akustik-Gitarren noch auf dem Stand von vor 30 oder 40 Jahren wäre.

Tatsache ist, dass ein natürlicher, verstärkter Sound leichter zu erzielen ist als jemals zuvor. Solange man sich bewusst macht, was die fundamentalen Qualitäten der verschiedenen Pickup-Typen sind, wird es hauptsächlich auf den persönlichen Geschmack sowie auf die Spielbedingungen ankommen, welche Modelle in die engere Auswahl kommen. Hier sollte man auf jeden Fall soviel selber antesten wie möglich, sei es im Freundeskreis, im Fachhandel oder auf Messen.

Mit etwas Übung dürfte ein mehr als zufriedenstellender Sound durch einen Amp oder eine PA erreichbar sein. Viel Spaß beim Experimentieren!


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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Mein Favorit ist B-Band, und zwar weil es sich hier nicht um Piezos handelt
    (anders als im Artikel behauptet). Leider haben die B-Band-Transducer eine
    beschränkte Lebensdauer, sie werden mit der Zeit immer leiser. Darum sind sie fast vom Markt verschwunden, jedenfalls den deutschen Vertrieb gibt es nicht mehr. Ich wäre dankbar für einen Tip wo man die noch bekommen kann – ich habe kein Problem damit alle 2 Jahre einen neuen Transducer einzubauen.

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    1. Die Firma B-Band wurde bereits vor einigen Jahren von Belcat, dem asiatischen Hersteller quasi aller namhaften Pickupsysteme, welche in chinesische Gitarren ab Werk eingebaut werden, übernommen. Mittlerweile wurde B-Band vom Markt genommen und ist nicht mehr existent. Eigentlich sehr schade, denn das B-Band System war in den frühen 2000er Jahren das klanglich mit weitem Abstand Beste am Markt erhältliche System. Leider überwiegen die Nachteile, wie Lautstärkeprobleme zwischen den einzelnen Saiten und dem damit verbundenen Einbauaufwand. Es funktioniert wie ein Bandkondensator, also kein Piezo. Das aber ist auch das Problem: Die Dinger trocknen nach zwei bis vier Jahren aus und werden sukzessive leiser, gleichzeitig erhöht sich das dadurch das Rauschverhalten. In den letzten Jahren habe ich Dutzende ausgetauscht. Nun gibt es die leider nicht mehr und dann bleibt nur die Alternative, auf das heute meiner Meinung nach beste System, dem LR Baggs (Anthem oder Element) aufzurüsten. Das ist klanglich herausragend, unkompliziert beim Einbau und kennt all die Probleme des B-Band nicht.

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  2. K&K Mini ist passiv (braucht keine Batterie) ohne Regelung an der Gitarre und preiswert (unter € 150).
    Sound ist super, und man spielt ja sowieso in einen Amp oder eine PA wo nochmals nachgeregelt werden kann oder benutzt einen Akustik Pre-Amp.

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  3. Ich finde den MATON ( austral. Guitar company ) AP5 PRO, den sie in all ihren
    Gitarren einbauen perfekt. Ich kannte bis vor einem Jahr die Firma gar nicht. Im Januar hatte ich in meinem lokalen Store mal eine angespielt und sie toppte alles, was sie dahatten. Nur eine teurere Lakewood konnte mithalten.
    Der Pickup ist etwas sehr spezielles: Er hat ein Schwanenhalsmikro im Korpus und ein Piezo in der Brücke. Das Mikro ist aber nur für die Höhen zuständig und nimmt im Prinzip die Saiten recht nahe direkt ab. Bass kommt da keiner drüber. Der Piezo ist umgekehrt konfiguriert. Er überträgt nur den Bassanteil des Sounds. Piezozirpen gibts somit nicht, da, ich glaube mal, bei 1 khz die Trennung liegt zwischen Piezo und Mikro.
    Somit habe ich einen stabilen sauberen klaren Basston vom Piezo und einen wirklilch authentischen Ton in den Höhen vom Mikro. Beide kann man natürlich im Verhätlnis mischen und man hat noch einen 3 Band EQ mit parametrischen Mitten. Für mich der beste Pickup für Akoustics im Moment auf dem Markt. Klingt absolut natürlich … wie mit einem Tonstudiomikro abgenommen.
    Ich weiß aber nicht genau, ob es den auch als Zubehör gibt.
    Das gleiche Prinzip war auch in der akustisch sogar etwas besseren Lakewood eingebaut. Aber da gefiel mir der Pickupsound nicht so wie bei der Maton. Daher kaufte ich die Maton, weil es mir auf Verstärkung ankam und nicht auf akustischen Sound.
    Preisregion: OK die Gitarren liegen in dern Nähe von 3000,- klar …
    Wollte ich nur mal sagen, weil mich der PU so begeistert.
    Wer mal hören will sucht mal auf Youtube Maton und der EBG808C Nashville. Das ist die, die ich kaufte. Im Grunde eine knackig klingende OOO ähnliche Gitarre.

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  4. Kommt immer ein Bisschen darauf an, wo die eigenen Prioritäten liegen. Wenn einfache Handhabung und problemfreier Bühnenbetrieb wichtiger sind als den Sound der 5k€ Meistergitarre unverfälscht zu übertragen empfehle ich passive magnetische Schallochpickups. Z.B. Fishman Neo-D Singlecoil klingt, obwohl magnetisch, sehr natürlich.
    Wenn der Sound Priorität hat, bevorzuge ich die Schatten-Design HFN mit einem Artist-Preamp in der Endpinbuchse. Damit klingts fast wie mikrofoniert kann aber bei höheren Lautstärken problematisch mit dem Feedback werden. Das hängt aber auch vom Verstärker ab. An einer alten Fishman Loudbox100 hatte ich da manchmal echt zu knobeln, die aktuelle Loudbox mini charge ist da deutlich gutmütiger und erlaubt mehr Lautstärke.

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