Demnächst soll es also endlich so weit sein: Ein neues Studioalbum von Henrik Freischlader ist angekündigt! Wann genau es erscheint? Man weiß es (noch) nicht. Fakt jedoch ist: Die Scheibe, die der deutsche Bluesrock-Gitarrist bereits vor vier Jahren angekündigt hatte, wird es nicht geben.
Denn in der Zwischenzeit hat sich vieles getan – Positives wie Negatives –, so dass Freischlader jetzt einen stilistisch veränderten Vollzug meldet. Warum das so ist und was dies für seinen Ton, sein Equipment und sein Spiel bedeutet, hat uns der 43-Jährige bei seinem Gastspiel im Oldenburger Cadillac erzählt. Bei dieser Gelegenheit haben wir auch seinem neuen Bassisten Gregor Sonnenberg genau auf die Finger geschaut und uns von ihm das Equipment erklären lassen.
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Henrik, fangen wir mit dem Positiven an: Du kannst zwar derzeit noch immer kein neues Album präsentieren, warst aber in anderer Hinsicht außerordentlich „produktiv“, wenn man es mal scherzhaft so nennen darf.
Das stimmt. Ich bin in den zurückliegenden drei Jahren zweimal Vater geworden, das verändert natürlich das ganze Leben. Dadurch verschieben sich Prioritäten, und man möchte seine Zeit, die neben den Konzerten übrigbleibt, erst einmal der Familie widmen.
Das ist aber nicht der einzige Grund, weshalb die seit langem angekündigte Scheibe nun doch nicht erscheint.
Wir haben vor vier Jahren angefangen, ein neues Album aufzunehmen, noch mit der alten Besetzung, die sich jedoch aufgelöst hat. Als ich schließlich die jetzige Besetzung zusammen hatte, waren die Aufnahmen nicht mehr aktuell. Bei dem Versuch, die Scheibe fertigzustellen, habe ich gemerkt, dass ich eigentlich lieber neu anfangen würde, weil sich die Band neu sortiert hat und man mit anderen Musikern auch andere musikalische Persönlichkeiten bekommt, die man in den neuen Songs vertreten haben möchte.
Deshalb habe ich Anfang des Jahres noch mal neu angefangen. Die alten Aufnahmen sind nicht verloren, sie liegen in meinem Archiv, vielleicht greifen wir irgendwann mal auf ein paar dieser Songs zurück.
Weshalb hat sich das Line-Up überhaupt geändert?
Unser früherer Organist Moritz „Mr. Mo“ Fuhrhop ist leider verstorben. Wir waren seit Ewigkeiten befreundet und haben gemeinsam bestimmt über 1000 Konzerte gespielt. Mo war für mich immer ein wichtiger Anker, sein Tod war schlimm und ist immer noch schlimm. Ich denke oft an ihn und höre ihn in jedem Song, den wir spielen.
Nach seinem Tod haben wir lange als Trio gearbeitet, da ich Mo erstmal weder ersetzen konnte noch wollte. Durch die Trio-Konstellation hat sich ein anderer Sound entwickelt, mehr in Richtung Hendrix, wodurch von mir eine andere Gitarrenarbeit gefordert war. Ich musste wieder mehr Räume füllen.
Anfang 2026 hat sich die jetzige Besetzung gefunden, mit Dave Warmerdam an der Hammond-Orgel, mit unserem neuen Bassisten Gregor Sonnenberg und Janik Hüsch am Schlagzeug.
Es geht bei euch also etwas härter zu?
Die neue Besetzung spielt wieder etwas rockiger, wohingegen wir zwischendurch ein bisschen mehr funky und soulig geklungen haben.
Dein Geschmack hat sich demnach verändert.
Das kann sein, vor allem hinsichtlich der aktuellen Besetzung. Man spürt, welche Songs am meisten Spaß machen oder wo man sich am besten zusammen eingroovt. Für mich sind ein homogener Bandsound und ein schöner Groove als Fundament enorm wichtig.
Wenn der Groove stimmt, baut sich alles andere darauf auf und fügt sich ganz natürlich. Dann macht es auch großen Spaß, nur wenig zu spielen, weil es einfach nicht mehr braucht und alles seinen Platz hat.
Freischlader testet eine Gibson SG von Vintage Guitar in Oldenburg (Bild: Mineur)
Hat sich dadurch auch dein Gitarrensound verändert?
Nein, die Songs sind andere, aber mein Sound ist mein Sound. Trotzdem hat sich in der Zwischenzeit auch da einiges getan.
Weil du einen neuen Amp hast, wie ich gesehen habe!
Seit ungefähr zwei Jahren spiele ich einen Zircon von Precious Tones. Dieser Amp bleibt sehr, sehr lange clean und stabil. Nach einem solchen Sound habe ich immer gesucht.
Mein bisheriger Amp war etwas zu früh crunchy, klang zwar auch schön klar und stabil, aber ich wollte ein bisschen mehr Headroom, und den bekomme ich mit dem Zircon. Insofern kann dieser Amp viele Sounds vereinen, er klingt richtig funky und bildet schöne Akkorde, die nicht zu schnell verzerren. Gleichzeitig hat man mit dem Zircon auch die Möglichkeit, den Sound ein bisschen Marshall-mäßig crunchy anzuzerren. Insgesamt klingt alles ein bisschen klarer, noch dynamischer und stärker.
Mit welchen Gitarren hast du die neuen Songs aufgenommen?
Ich hatte im Studio nahezu alle meine Gitarren dabei, habe aber hauptsächlich meine alte Gibson ES-345 von 1963 und meine 63er Fender Fiesta Red Stratocaster gespielt. Die schöne Les Paul, die ich heute Abend spiele, hatte ich zum damaligen Zeitpunkt leider noch nicht, deswegen werde ich den einen oder anderen Gitarrenpart nochmal austauschen. Außerdem habe ich eine sehr resonante Panucci und meine Cardinal von Gerhard Schwarz gespielt.
Wie ist überhaupt der Stand der Aufnahmen?
Wir haben 14 Songs live im Studio aufgenommen. Vielleicht nehmen wir alle Stücke und erfreuen die Fans nach vier Jahren mit einem prallgefüllten Album. Als nächstes müssen wir die einzelnen Takes durchhören und den jeweils besten auswählen. Danach muss ich nochmal Gitarre spielen, die Texte schreiben und sie einsingen.
Wie viele Takes pro Song habt ihr eingespielt?
Fünf bis sechs, manchmal aber auch sieben, wenn wir gemerkt haben: Okay, der Part kann eigentlich raus, dafür brauchen wir hier noch einen besseren, der das Ganze öffnet und in eine andere Richtung lenkt.
Du hast also nicht komplett fertige Songs angeliefert?
Ein paar Stücke waren grob fertig, die haben wir im Studio kurz geprobt und dann eingespielt. Andere Nummern habe ich mir, so ähnlich wie früher, immer erst am Abend vor der Studiosession überlegt. Ich bin nicht so gut darin, mich auf Dinge konkret vorzubereiten.
Aber wenn es sein muss und ich weiß, dass am nächsten Tag Aufnahmen stattfinden, kann ich mir spontan etwas überlegen. Das macht dann auch mehr Spaß!
(Bild: Timo Wilke)
Nach welchen Kriterien bewertest du die unterschiedlichen Takes eines Songs?
Ich höre sofort, ob etwas groovt oder nicht groovt, ob diejenigen, die spielen, ein gutes Timing haben oder nicht. Da ich meine Musikerlaufbahn als Schlagzeuger begonnen habe, ist Timing für mich das Allerwichtigste. Auch bei Gitarristen: Wenn jemand ein Solo spielt und die Töne nicht mit dem Schlagzeug verankert sind, kann ich mir das nur schwer anhören.
Ich mag es, wenn alles seinen Platz hat und sich wie in einem Chor miteinander verzahnt. Es geht um Feinheiten und Kleinigkeiten, also: Wo gehört die Bassdrum hin und wo muss Platz bleiben, und so weiter. Bei mir läuft so etwas intuitiv ab, ich muss mich fast nie orientieren, sondern lasse automatisch mehr frei oder spiele da, wo auch das Schlagzeug den Platz lässt, um dann auf der „Bassdrum-Eins“ zu landen oder ein schnelles Lick dort zu beenden, wo wieder ein Crash-Becken kommt.
Das sind Dinge, mit denen ich mich in den zurückliegenden 20 Jahren auf meinen Alben beschäftigt habe. Es sind die kleinen Feinheiten, die für mich gute Musik ausmachen, bei der alles atmen kann und Platz hat und sich nicht gegenseitig im Weg steht. Ich habe da ein bestimmtes Bild im Kopf: Von einem Beifahrer, der sich, wenn links abgebogen wird, automatisch auch nach vorne beugt und nach rechts schaut, ob da jemand kommt.
Du spielst heutzutage also Band-dienlicher?
Ich würde sagen, dass ich jetzt mehr soundorientiert bin. Deswegen habe ich mir die neue Les Paul zugelegt, um diesen holzigen Ton zu bekommen, mit originalen PAF-Pickups und diesen feinen Nuancen, die es mir mit meinem neuen Amp auch mal erlauben, nur einen einzigen Ton zu spielen, der ausreicht, weil er gut klingt, weil er lange steht, weil er irgendwie wunderbar holzig und luftig klingt, mit dem richtigen Hallanteil. Mehr braucht man dann nicht.
Früher habe ich viel mehr gespielt und auch ziemlich doll gefrickelt. Mittlerweile habe ich nicht mehr das Gefühl, dass ich in einem Solo unbedingt irgendwas unterbringen muss, sondern kann mich fallen lassen und einfach mit dem Sound arbeiten.
Bild: Mineur
Seine Gibson Les Paul, vormaliger Besitzer: Andreas Kloppmann
Bild: Mineur
Die 63er Fender Stratocaster in Fiesta Red
Bild: Mineur
Sein neuer Amp: Precious Tones Zircon
Bild: Mineur
Das Pedalboard mit Vemuram Jan Ray, Xotic
Effects RC Booster, Ibanez TS-9, Fulltone Deja Vibe,
Dunlop Cry Baby, Isle Of Tone Haze 67 Fuzz und Electro-Harmonix Micro POG
Ein Sound, bei dem der Federhall deines Amps eine große Rolle spielt, nicht wahr?
Der Zircon hat wirklich einen sehr guten Federhall, der nicht viel von der Anschlagsdynamik wegnimmt, sondern im Hintergrund bleibt und den Ton schön füllt. Eine gute Hallspirale braucht auch eine gewisse Kraft und Stabilität, eine cleane Kraft, die lange tief bleibt. Ich dreh sie mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger rein, denn bei trockenen Rocknummern brauche ich nicht so viel Hall.
Wie ist dein Pedalboard momentan bestückt?
Ich habe einen Vemuram-Jan-Ray-Verzerrer, der nicht so näselnd klingt, wie man es von Tube-Screamern kennt. Den Vemuram schalte ich immer in der zweiten Solorunde dazu, wenn es ein bisschen lauter wird und man etwas mehr Sustain braucht. Außerdem trete ich gerne auf den Xotic Effects RC Booster, der sehr natürlich klingt und nur die Lautstärke ein bisschen anhebt.
Mit ihm kann man sehr dynamisch arbeiten, ohne Angst, mal kurz die Saiten loszulassen, weil es dann sofort fiept. Außerdem spiele ich einen Ibanez TS-9, allerdings fast ohne Gain, nur für untenherum, dazu ein Fulltone Deja Vibe für schöne Akkordsounds, ein ganz normales Dunlop Cry Baby, und ein Haze 67 Fuzz von Isle of Tone.
Meine neueste Errungenschaft ist ein Micro POG von Electro-Harmonix, den ich bei einem der neuen Songs einsetze. Das Stück heißt derzeit noch ‚Groove-Nummer in Fis‘ und wird vom Micro POG quasi getragen.
4 Fragen an Gregor Sonnenberg
(Bild: Timo Wilke)
Wenn der Hamburger Bassist Gregor Sonnenberg nicht mit Henrik Freischlader unterwegs ist, spielt er in seiner eigenen Indie-Band The Day und unterrichtet an der Musikhochschule Köln. Außerdem tourt er mit Acts wie Isaak, Debby Smith oder Weesby und produziert Künstler/Bands in seinem eigenen Studio.
Gregor, mit welchem Besteck bist du aktuell mit Henrik auf Tour?
Bei meinen Bässen handelt es sich um einen Fender Precision von 1965 und einen Fender Jazz Bass von 1964. Was beide Instrumente für mich so besonders macht, ist die Kombination aus den wunderschönen Hälsen und den jeweiligen Pickups, was wohl charakteristisch für die Pre-CBS-Zeit in den 1960ern bei Fender sein muss. Der breitere Precision-Hals ist einfach unheimlich gemütlich und ermutigt mich, ganz simpel zu spielen und dabei glücklich zu sein.
Der Jazz-Bass-Hals ist eben etwas schmaler, auch gemütlich, aber im Zusammenspiel mit dem Pickup inspiriert er mich, auch mal perkussivere Noten mit mehr Attack einzubauen, die dann noch etwas mehr Kontrast ins Bandgeschehen bringen. Beide Bässe haben aber diesen für mich zeitlosen Sound, der sich einfach in jeden Bandsound perfekt einfügt.
Bitte beschreibe kurz dein Pedalboard!
Ich spiele beide Bässe mit etwas paralleler Kompression vom Origin-Effects-Cali-76-Bass-Kompressor in eine Tronographic Rusty Box, in einen Tech21 SansAmp VT Bass – jeweils für Harmonic Distortion – und in eine Radial-J48-DI. Hinter der DI geht es dann in einen Boss-GEB-7-Bass-EQ und von dort in einen Aguilar-Fullstack mit AG500-Amp sowie DB410- und DB115-Box. Ich spiele die gesamte Show mit nur einer Einstellung und nur einem der zwei Bässe, je nach Laune.
Alle Effekte sind immer an, ich hole alle meine unterschiedlichen Sounds aus den Fingern, mithilfe gängiger „Mute“-Techniken der linken und rechten Hand und ganz unterschiedlich starkem Anschlag mit bis zu vier Fingern der rechten Hand. Da ich auch viel Gitarre spiele, hat sich das bei mir so eingeschlichen.
Bild: Mineur
64er Fender Jazz Bass und 65er Fender Precision
Bild: Mineur
Aguilar-Fullstack mit dem AG500-Amp
Bild: Mineur
Sonnenbergs Pedalboard mit
Tronographic Rusty Box, Origin Cali 76, Tech 21 VT Bass DI und Boss GEB-7 Bass-EQ
Was sind für dich die besonderen Herausforderungen in Henriks Band?
Einerseits interessante Unisono-Parts, die auch mal schneller sein können. Auf der anderen Seite meist minimalistische geradlinige Basslinien, die so gespielt werden müssen, dass sich die Band in jedem Moment getragen fühlt und sich für alle kreative Räume öffnen, in die sie dann gern eintreten. Bei der Bassbegleitung in den Soli geht es mir darum, kleine Impulse zu setzen, die niemand so wirklich hört, alle nur spüren und dann im besten Fall den Solisten noch zusätzlich inspirieren.
Henrik und ich haben eine ähnliche Auffassung von Timing und Phrasierung. Da Henrik selbst sehr gut Bass spielt, sind viele Parts sehr bassfreundlich komponiert. Die besondere Herausforderung ist, meinen Fokus und die Intensität im Spiel für die gesamte Länge der Show von fast drei Stunden konstant aufrecht zu erhalten. Aber Henrik hat eine derart starke Präsenz auf der Bühne und auch Dave Warmerdam und Janik Hüsch spielen so mitreißend, dass ich mich nur dranhängen muss.
Was steuerst du Henriks Songs an eigenen Einflüssen bei? Wie genau hältst du dich an die Originalversionen?
Ich halte mich recht eng an die Originale, die Henrik zumeist ja entweder selbst eingespielt hat, oder die er mit tollen Kollegen, die ich alle kenne und schätze, über viele Shows hinweg erarbeitet hat. Ich glaube trotzdem, dass meine eigene Spielweise ganz zwangsläufig ohne mein direktes Zutun mit einfließt. Unser FOH-Mischer Jan Flerlage gab mir die Rückmeldung, dass mein Sound „dreckiger“ sei im Vergleich zu vorherigen Besetzungen.
Meine Philosophie für den Bass-Sound in dieser Band ist, dass der Precision oder Jazz Bass mit ihren schönen holzigen Obertönen im Bandsound neben den Drums, der Hammond-Orgel und Henriks Gitarre über die Harmonic Distortion des Pedalboards überhaupt erst erkennbar wird und nicht nur im 100-Hertz-Bereich ein paar Grundtöne liefert, aber nichts darüber hinaus. Der Bass-Sound wird so vielmehr auch automatisch Teil des Orgel- und Gitarrensounds und verleiht dem gesamten Bandsound meiner Meinung nach noch viel mehr Wucht.