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Sire Marcus Miller F10DX im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Für jemanden, der sich praktisch nur mit einem Jazz Bass zeigt, hat Marcus Miller mittlerweile ein enorm breites Portfolio beim Hersteller Sire. Vom budgetfreundlichen P-Bass bis zum Highend-Instrument mit Boutique-Anspruch ist alles dabei. Der neue F10DX gehört zur letzteren Kategorie und zeigt, dass schwere Geschütze gar nicht so schwer sein müssen.

Bisher hatte ich vor allem die günstigeren Instrumente von Sire in den Händen. Dieser Test bedient also nicht nur das Interesse potenzieller Käufer, sondern auch meine eigene Neugier. Schließlich verspricht der F10DX, ein kompromisslos ausgestatteter Edelbass für professionelle Ansprüche zu sein.

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Optik & Verarbeitung

Gefertigt wird das Instrument in Indonesien und ausgeliefert wird es wohl verpackt in einem hochwertigen Hartschalenkoffer, der von dem Herstellerlogo geziert und mit TSA-kompatiblen Schlössern versehen ist. Eine angemessene, wenn auch nicht selbstverständliche Dreingabe bei einem Preis von rund 1900 Euro. Wenn der Hersteller mit Edel-Qualität wirbt, dürfen die Ansprüche an ein Instrument durchaus hoch sein.

Bereits der erste Eindruck fällt ausgesprochen positiv aus. Die Kombination aus Singlecut-Korpus, durchgehendem Hals und der eindrucksvollen Spalted-Maple-Decke samt passender Kopfplatte vermittelt Eleganz und Exklusivität. Dass selbst die Pickup-Kappen aus Holz gefertigt sind, wirkt fast schon wie das sprichwörtliche Sahnehäubchen.

Die Rückseite gibt sich deutlich zurückhaltender. Hier treffen zwei schlichte Escheflügel auf die fünfteilige Halskonstruktion. Sämtliche Oberflächen sind mit einem satinierten Klarlack versiegelt, dessen Schichtstärke deutlich spürbar ist. Die Haptik des Holzes geht dadurch verloren, dafür ist die Oberfläche robuster gegenüber Spielspuren. Geschmackssache.

(Bild: Dieter Stork)

Etwas kritischer sehe ich einzelne Details der Lackierung. Am unteren Hals-Korpus-Übergang wurde eine kleine Kante sichtbar mit Lack gefüllt. Auch rund um den eingelassenen Knochensattel zeigen sich kleinere Schönheitsfehler. Beides fällt ausschließlich bei genauer Betrachtung auf und hat keinerlei funktionale Auswirkungen.

Davon abgesehen bewegt sich die Verarbeitung auf einem sehr hohen Niveau. Funktional und schlicht gestaltet sich auch die Hardware. Ohne Schnörkel und ohne Schwierigkeiten erlaubt die Brücke alle notwendigen Einstellarbeiten. Ab Werk ist zumindest mein Testexemplar bereits gut eingestellt, sodass ich keinen Bedarf verspürte, den Halsspannstab zu bemühen, und auch die Saitenlage hat nur minimale Anpassung erfahren.

Mit rund 4,3 Kilogramm überrascht der F10DX trotz seiner massiven Singlecut-Bauweise durch ein moderates Gewicht. Dafür wirkt die Konstruktion umso steifer. Mehrteilige Hälse besitzen ohnehin eine hohe Eigenstabilität, der zusätzliche Kontakt zwischen Hals und oberem Korpusflügel verstärkt diesen Effekt spürbar.

Halsbendings sind dadurch eher in homöopathischen Dosen möglich. Im Gegenzug belohnt der Bass mit langem Sustain und einer bemerkenswert gleichmäßigen Ansprache über alle Register.

Erster Eindruck …

Akustisch erinnert der F10DX beinahe an ein Klavier. Die Ansprache erfolgt schnell und direkt, einzelne Töne stehen lange und entwickeln sich über das gesamte Griffbrett erstaunlich homogen. Deadspots konnte ich praktisch keine feststellen.

Dank sauber abgerichteter Bünde bleiben sowohl Saitenschnarren als auch unangenehme Bundkanten aus. Lediglich die höchsten beiden Bünde verlangen eine leicht veränderte Handhaltung. Für gelegentliche Ausflüge in diese Regionen stellt das jedoch kein Problem dar.

Mit seinem schmalen Sattel spielt sich der Hals angenehm flink. Gleichzeitig vermittelt das klassische C-Profil genügend Substanz, sodass jederzeit das Gefühl bleibt, ein ernstzunehmendes Instrument in den Händen zu halten. Ich persönlich bevorzuge flachere Halsprofile, kam mit dem des F10DX aber auf Anhieb gut zurecht.

(Bild: Dieter Stork)

Insgesamt spielt sich der Bass ausgesprochen mühelos. Wer möchte, kann ihn mit der beiliegenden Fingerramp weiter auf die eigenen Vorlieben abstimmen. Da diese verschraubt werden muss, blieb sie für meinen Test allerdings in der Verpackung. Nicht verzichten kann ich jedoch auf die Testfahrt mit angeschlossenem Verstärker, wobei sich die ein oder andere Überraschung offenbart.

… und der zweite

Im Grundcharakter zeigt der elektrische Klang natürlich die gleichen Eigenschaften wie der akustische, geht ja gar nicht anders. Spannend finde ich jedoch, welche gestalterischen Möglichkeiten die Tonabnehmer und Elektronik mir zusätzlich noch an die Hand geben.

Los geht es mit beiden Humbuckern in serieller Verschaltung. Die Ausgangsspannung ist dabei enorm. So enorm, dass selbst hochwertige Vorstufen bei kräftigen Slaps schnell an ihre Grenzen geraten können.

Dieser Modus verlangt also nach ausreichend Headroom, oder einem Verstärker, der erst mit ordentlich Pegel richtig aufblüht. Nicht ohne Grund arbeitet die Aktivelektronik mit zwei Batterien und damit 18 Volt Betriebsspannung.

Klanglich fällt der serielle Betrieb für meinen Geschmack etwas zu dunkel aus. Dafür eignet er sich hervorragend, um Röhrenvorstufen kontrolliert in die Sättigung zu treiben.

Eher nach meinem Geschmack sind die Betriebsmodi Singlecoil und paralleler Humbucker. Da es sich bei den hauseigenen Tonabnehmern um reguläre Zweispuler handelt, fängt man sich im Singlecoil-Betrieb ein leichtes, im Test aber unaufdringliches Surren ein, sofern sich das Balance-Poti nicht in der Mittenrastung befindet. Dafür öffnet sich der Klang hörbar.

Prägnante Hochmitten verleihen dem Bass Biss und Artikulation, gleichzeitig wirkt das Klangbild beinahe luftig und fein aufgelöst. Es zeichnen sich klassische Jazz-Bass-Eigenschaften ab, was aufgrund der Tonabnehmer-Positionen nicht weiter verwunderlich ist. Bemerkenswert finde ich jedoch, wie agil und dynamisch der Klang trotz der massiven Konstruktion dabei ist.

Es braucht gar nicht viel Zutun, um die Tonabnehmer durch stärkeres Spiel dazu zu überreden, einen angenehm holzig-rotzigen Sound an den Verstärker zu schicken. Allein durch die Intensität meines Spiels entscheide ich darüber, ob sich der Klang glasklar und drahtig oder rotzig und knurrig entwickelt.

Etwas ärgerlich finde ich, dass das Balance-Poti eigentlich eher wie ein Schalter arbeitet. Mischverhältnisse, wie etwa 75% Bridge-Anteil, ließen sich nicht wirklich reproduzierbar einstellen. Gerade, weil der Halspickup ein volles, tiefes Fundament liefert, hätte ich diese Nuancen gern häufiger genutzt.

Aber auch so sind die klanglichen Möglichkeiten enorm. Im parallelen Modus nimmt der Klang eine deutlich mittenärmere Gestalt an und liefert ein sehr fokussiertes Bild mit weniger Sättigung, dafür mehr Präzision.

Wer ein weicheres Klangbild bevorzugt, kann sich mit der umfassenden Klangregelung Abhilfe verschaffen. Die passive Tonblende ist in jedem Betriebsmodus verfügbar und arbeitet über den Regelweg gut dosierbar. Durch beherztes Reindrehen kann der Charakter des Instruments in eine deutlich wärmere Richtung gewandelt werden.

(Bild: Dieter Stork)

In Kombination mit der aktiven 3-Band-Klangregelung tun sich hier mehr Möglichkeiten auf, als auf diese Seiten passen. Besonderes Augenmerk fällt dabei auf den durchstimmbaren Mittenfilter. Je nach musikalischem Kontext lässt sich genau der Frequenzbereich hervorheben oder zurücknehmen, der den Bass optimal im Mix platziert.

Auch Experimentieren lohnt sich: Mit angehobenen Höhen und leichtem Einsatz der Tonblende lässt sich quasi ein zusätzliches (Hoch)Mittenfilter realisieren, das für mehr Tragweite, insbesondere in höheren Lagen, sorgt, ohne den Bass scharf oder klirrend klingen zu lassen. Solo- oder Melodiespiel kommt so noch besser zur Geltung!

Resümee

Mit seiner edlen Optik und der üppigen Ausstattung sammelt der F10DX bereits auf dem Papier reichlich Pluspunkte. Erfreulicherweise bleibt es nicht dabei. Verarbeitung, Spielgefühl und die enorme klangliche Flexibilität werden dem gehobenen Anspruch weitgehend gerecht.

Von fokussiert über temperamentvoll bis hin zu beinahe brachial deckt der Bass ein breites Spektrum ab und richtet sich an alle, die ein modern anmutendes Arbeits- und Spaßgerät suchen.

Plus

  • Ausstattung
  • Ergonomie
  • Flexibilität

Minus

  • optische Details in der Verarbeitung
  • Kennlinie Balance-Poti

Übersicht

Fabrikat Sire
Modell Marcus Miller F10DX
Typ fünfsaitiger E-Bass
Herkunftsland Indonesien
Mechaniken Schwarz, Sire Custom Hardware
Hals durchgehend, fünfteilig Ahorn/Mahagoni
Griffbrett Ebenholz, 12“ Radius
Halsbreite Sattel 45 mm, XII. 64 mm
Halsprofil C
Bünde 24, Medium, Edelstahl
Mensur 890 mm, Extra Longscale
Korpusflügel Sumpfesche
Korpusdecke Spalted Maple (Ahorn)
Oberflächen Mattlack
Tonabnehmer passiv; 2x Marcus Custom-H Revolution Humbucker
Elektronik aktiv/passiv, Marcus Heritage-3 HD 3-Band
Bedienfeld Vol/Tone, Balance, Bass, Freq/Mid, Treble, Aktiv/Passiv, 2x Spulenwahl
Saitenabstände Steg 18 mm
Gewicht ca. 4,3 kg
Lefthand-Option ja
Internet sire-usa.com
Zubehör Einstellwerkzeug, Koffer, Fingerramp
Preis ca. € 1900

(erschienen in Gitarre & Bass 09/2026)

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