(Bild: Dieter Stork)
Auf der Musikmesse 2016 in Frankfurt stellte Frank Behrend zum ersten Mal unter seinem Markennamen TiefTöner aus – ein einziges Bassmodell, zu dem sich bald Boxen gesellen sollten, mit einem interessanten Konstruktionsansatz.
Die Musikmesse ist schon ein paar Jahre Geschichte, zum Glück gibt es für die besaitete Fraktion den Guitar Summit. Zum Letztjährigen hatte Frank eine neue Box mitgebracht, die die Lücke zwischen der Wohlklang 28 und der Wohlklang 310 schließen soll.
BAUWEISE
Wie man schon ahnt, beziehen sich die Zahlen in der Bezeichnung auf Größe und Zahl der Lautsprecher: Die 38 mit drei 8″-Speakern reiht sich also ein zwischen einer 2×8″ und einer 3×10″. Aus dem Karton hebe ich eine kompakte Box, die an den beiden Schalengriffen dank des kommoden Gewichts von 16 Kilo gut alleine tragbar ist. Die Machart strahlt robuste Eleganz aus – oder elegante Robustheit? Ich kann mich nicht entscheiden … Jedenfalls ist das Pappel-Multiplex mit einem extrem kratzfesten Strukturlack beschichtet.
Für noch mehr Schutz beim Transport gibt es Hüllen, die man zwar nicht direkt von TiefTöner bekommt, aber über einen Link mit Rabatt auf der Website bei der Firma „Covers For All” ordern kann. Stabile Metallbeschläge schützen die Ecken, Gummifüße sorgen für guten Stand. Ebenso stabile Metallgitter samt Unterlage aus Akustikschaumstoff schützen die Speaker, die sich Wohlklang-typisch vorne und oben befinden.
Hinter dem Frontgitter stecken zwei hochwertige, von B&C in Italien gefertigte Achtzöller, die mit ihren Neodym-Magneten dazu beitragen, das Gewicht gering zu halten, sowie zwei Bassreflexrohre, die dem Ton zusätzliches Fundament geben sollen. Unter der Abdeckung oben findet sich im hinteren Bereich der dritte Speaker. Der Hintergrund dieser Konstruktion ist simpel: Oft ist man gezwungen, auf kleineren Bühnen die Bassbox möglichst weit hinten aufzubauen und beim Spielen auch noch direkt davor zu stehen. Das Ergebnis sind gut beschallte Kniekehlen … Lösungen mit hochgestellten Boxen ziehen andere Probleme nach sich.
Oder man nimmt eine Box, die regulär nach vorne abstrahlt, und gleichzeitig den Ton quasi direkt über der Box hörbar macht – und genau das macht der obere Speaker bei Wohlklang. Damit trotzdem auf dem Cabinet noch Platz für den Amp ist, ist der Lautsprecher nach hinten versetzt. Vor allem mit den üblichen modernen, kompakteren Amps funktioniert das wunderbar. Dazu gleich mehr.
Erstmal noch ein Blick ins Innere. Da finden sich gut überlegte Versteifungen, dicke Kabel zu den Speakern, gut platziertes Dämmmaterial und insgesamt saubere und gute Verarbeitung. Hier hat man sich auch dort Mühe gegeben, wo normalerweise niemand hinschaut – Stabilität und Sound werden davon profitieren. Ebenfalls nicht sichtbar wurde alles, was irgendwie schwingen könnte und nicht von außen erreichbar ist (Schallwand, Füße und vor allem die Lautsprecher) aufwendig mit Gewindeeinsätzen oder Einschlagmuttern befestigt und mit Loctite gesichert.
Hochtöner sind in der Box nicht verbaut, entsprechend kann auf eine Weiche verzichtet werden, und das rückseitige Anschlussfeld ist überschaubar mit zwei Neutrik-Kombibuchsen gestaltet, die Klinke oder Speakon aufnehmen können. Frank hat sich für eine abgewinkelte und versenkte Montage entschieden, so dass die Box auch mal ganz an die Wand geschoben werden kann, ohne dass die Stecker Schaden nehmen. Belastbar ist die Wohlklang 38 übrigens mit konservativen 400 Watt, bei einem Widerstand von 5,3 Ohm, was einem Amp, der seine Maximalleistung an 4 Ohm abgibt, fast die volle Power entlockt – eine Box mit 16 Ohm ginge noch zusätzlich.
SOUND
Angespielt werden soll der Wohlklinger mit einem ordentlich leistungsstarken, eher neutralen Amp. Zum Vergleich steht daneben eine herkömmliche 4×10″-Box mit Hochtöner, der auf halber Kraft läuft. Um die Größe der 38 mal einzuordnen: Sie ist fast genauso hoch wie die 4×10″, fast genauso tief und um ziemlich genau ein Drittel schmaler. Beide stehen auf dem Boden, der zu beschallende Raum ist einigermaßen groß und ich stehe gut zwei Meter von den Boxen entfernt.
Ein erstes Umstecken von der 4×10″ auf die 3×8″ ist ernüchternd. Auch wenn ich den Unterschied in der Lautstärke, der sich durch unterschiedliche Impedanz und unterschiedlichen Wirkungsgrad ergibt, am Amp ausgleiche, ist der raumfüllende, sich über das gesamte Frequenzspektrum ausbreitende Ton erstmal weg. Die Wohlklang klingt deutlich kleiner, gerade mit einem aktiven Fünfsaiter wird der Tiefbass deutlich schlanker dargestellt. Die Höhen kommen dafür, dass auf einen Hochtöner verzichtet wird, präsent rüber, auch wenn die letzte Luftigkeit fehlt.
Ein paar kräftig angerissene Flageoletts und eine leichte Anhebung am Treble-Regler des Amps zeigen, dass die kleinen Speaker das gut und lebendig umsetzen. Überhaupt lässt sich mit EQ-Einsatz auch der Bassbereich ausfüllen, bis in mittlere Lautstärken machen die Lautsprecher das klaglos mit. Je näher ich beim Spielen dann allerdings an die Box gehe, bis ich, wie auf kleinen Bühnen nicht unüblich, direkt vor ihr stehe, desto mehr zeigt die Wohlklang, was sie kann und wo die Vorteile ihrer Bauform liegen.
(Bild: Dieter Stork)
Wo von der großen 4×10″ jetzt nur noch ein sehr bassiger Eindruck bleibt, ohne viel Ortung, stehe ich bei der 38 mitten im Sound. Die Frontlautsprecher sind durchaus in der Lage, die Hosenbeine – wenn auch nicht zum Flattern – so doch zumindest in sanfte Bewegung zu versetzen. Vor allem aber klingt durch den oberen Speaker alles wunderbar definiert.
In der Real-Life-Anwendung im Proberaum bestätigt sich der Eindruck: Ohne übermäßig aufdrehen zu müssen, höre ich mich einfach besser und kann mein Spiel deutlich besser kontrollieren. Auch der schlankere Bassbereich macht sich jetzt eher positiv bemerkbar. Gerade in akustisch schwierigen Räumen dröhnt und matscht nichts, während die Mitmusiker ebenfalls keine Probleme haben, mich bzw. meine Basslinien zu orten.
RESÜMEE
Als Fazit kann ich nur sagen: Feine Programmergänzung! Wer ohne PA-Unterstützung nur mit der Bassanlage das Publikum beschallen muss, dabei aber nicht auf die Vorteile der Wohlklang-Konstruktion verzichten möchte, findet mit der Wohlklang 310 und vor allem mit der 410 (die seinerzeit noch 14 hieß und mich in der Juli-Ausgabe 2024 sehr überzeugt hat) die richtige Unterstützung.
Die Wohlklang 38 glänzt dagegen mit kompakten Maßen, bester Tragbarkeit und vor allem mit optimaler Monitorwirkung auf kleinem Raum bei gutem Ton, selbst auf akustisch schwierigen Bühnen und in undankbaren Räumen. Dabei macht sie mehr Druck als die kleine 28. Für das, was hier an Qualität klanglich wie auch in der Fertigung geboten wird, kann ich ein wirklich gutes Preis-Leistungs-Zeugnis ausstellen und den persönlichen Test ans Herz legen. Vielleicht entpuppt sich die Box auch für dich als DIE Problemlöserin.
Plus
- Konzept
- Monitorsound
- Bauweise
- Verarbeitung
- Tragbarkeit
Übersicht
| Fabrikat |
TiefTöner |
| Modell |
Wohlklang 38 |
| Gerätetyp |
Bassbox |
| Herkunftsland |
Deutschland |
| Leistung |
400 Watt / 5,3 Ohm |
| Gehäuse |
Multiplex |
| Anschlüsse |
2 x Speakon-Kombibuchse |
| Bestückung |
3 x 8″-Neodym-Speaker |
| Gewicht |
16 kg |
| Maße |
59 x 39 x 46 cm |
| Internet |
tieftoener.com |
| Preis (UVP) |
€ 999 |
(erschienen in Gitarre & Bass 06/2026)