(Bild: Utopia Records, RCA)
Greetings and salutations, my dearest Blues Friends! Na, was geht ab bei euch? Nachdem wir in der letzten Ausgabe unseres Blues Bootcamps mit Gary Moore mal wieder etwas rockiger unterwegs waren, geht es jetzt weiter mit einem der Urväter der Blues Gitarre − Albert King.
‚Born Under A Bad Sign‘ − so heißt der wahrscheinlich größte Hit von Albert King, der schon von Musikern wie Pat Travers oder Robben Ford gecovert und zu einem der größten Blues-Klassiker überhaupt geworden ist. ‚Born Under A Bad Sign‘ könnte aber auch die passende Überschrift für das Leben des hünenhaften Blues-Altmeisters sein, denn im Gegensatz zum anderen „King“ des Blues, B.B. King, ist ihm der große kommerzielle Erfolg immer vorenthalten geblieben.
WER WAR DIESER ALBERT KING?
Albert King wird als eines von 13 Kindern der Kirchensängerin Mary Belvins und dem Prediger Will Nelson unter dem Namen Albert Nelson am 25.4.1923 in Indianola geboren. Er bringt sich das Gitarrespielen auf selbstgebauten „Gitarren“ aus Zigarrenboxen bei, indem er versucht, Stücke von Lonnie Johnson und Blind Lemon Jefferson zu kopieren.
Lange Zeit betreibt King die Musik nur als Hobby und Nebenbeschäftigung, während er mit Bulldozerfahren seinen Lebensunterhalt bestreitet. Erst später beginnt er, auf einer richtigen Gitarre zu spielen, die er als Linkshänder auf den Kopf gestellt hält, also mit der höchsten Saite oben, was ihm das Akkordspiel erheblich erschwert.
Während der 1940er Jahre versucht er u. a. in St. Louis sein Glück als Musiker in verschiedenen Bands, wechselt zwischen Drums und Gitarre und spielt später in Chicago mit dem damals bekannten Gitarristen Jimmy Reed.
Zwischen 1953 und 1962 nahm er für eine Reihe von Plattenlabels zahlreiche Singles auf, die zwar sehr erfolgreich waren, King jedoch kaum finanzielle Vorteile verschafften. Nach weiteren lokalen Erfolgen in Missouri und Chicago zieht er 1966 nach Memphis und spielt beim aufstrebenden Soul-Label Stax Records und unter der Regie von Steve Cropper mehrere erfolgreiche Singles ein, darunter ‚Laundromat Blues‘ und 1967 Cover-Versionen von ‚Crosscut Saw‘ und ‚Born Under A Bad Sign‘.
1967 erscheint eine LP-Zusammenstellung dieser Singles mit dem Titel ‚Born Under A Bad Sign‘. Die Platte enthält auch ‚As The Years Go Passing By‘ und ‚The Hunter‘ und wird zu einer der einflussreichsten Aufnahmen der Bluesgeschichte. Albert King erreicht mit seinem Blues nun auch erstmals das weiße Publikum und kommt von den einfachen Tanzlokalen und Clubs auf die große Bühne. Am 1. Februar 1968 spielt er zusammen mit Janis Joplin, John Mayall und Jimi Hendrix beim Eröffnungskonzert für das ‚Fillmore West- Auditorium in San Francisco, das später zu seiner zweiten Heimat wird. Die kurz darauf aufgenommenen Alben ‚Live Wire – Blues Power‘ (in Fillmore West) und ‚Years Gone By‘ werden zu den bis dahin meistverkauften Bluesplatten.
Ab den 70er-Jahren tourt er unter anderem mit dem ‚St. Louis Symphony Orchestra‘ als 87-köpfige Band durch die Welt, kann aber an seine Erfolge in den 60ern nicht mehr wirklich anschließen und hat trotz des wieder recht erfolgreichen Albums ‚San Francisco ‚83‘ ab Mitte der 80er-Jahre nur mehr sporadische Gastauftritte auf Alben verschiedener Blues-Musiker und später auch bei Gary Moore (‚Still Got The Blues‘).
1983 wird Albert King in die Blues Hall of Fame der ‚Blues Foundation‘ aufgenommen. Seine größten Erfolge sind die Grammy-Nominierung für seinen Song ‚I‘m In A Phone Booth Baby‘ und das Album ‚San Francisco ‚83‘ im Jahre 1984.
Bei Blues-Festivals rund um die Welt tritt er jedoch nach wie vor auf und gibt sein letztes Konzert am 19. Dezember 1992 in Los Angeles. Zwei Tage später stirbt er an einem Herzinfarkt, kurz vor einer geplanten, großen Europatournee.
Er findet im ‚Paradise Gardens Cemetery‘ in Edmondson, Arkansas, seine letzte Ruhe, der in der Nähe des Ortes liegt, an dem er seine Kindheit verbrachte. Albert King war ein großer Mann von 1,93 m und gut 120 kg, der in jüngeren Jahren recht launisch und dafür bekannt war, dass er immer einen .45er Colt im Hosenbund trug.
Obwohl er wegen für ihn schlechter Verträge nie den großen kommerziellen Durchbruch schafft, ist Albert Kings Stil jedoch fast allgegenwärtig. Er hat mehrere Generationen von bedeutenden Musikern stark beeinflusst, darunter Jimi Hendrix, Eric Clapton, Billy Gibbons, Johnny Winter, Robert Cray und ganz besonders natürlich Stevie Ray Vaughan (der ihn „Daddy“ nannte), und somit auch indirekt die ganzen späteren SRV-Follower.
Er war ein Lieblingsgitarrist von John Lee Hooker, und B. B. King schreibt in seiner Autobiographie: „He wasn‘t my brother in blood, but he sure was my brother in Blues.“
PERSÖNLICHE EINFLÜSSE
In verschiedenen Interviews nennt Albert King die Gitarristen Blind Lemon Jefferson, Elmore James, Son House, Robert Nighthawk, Robert Johnson und Howlin’ Wolf als seine Haupteinflüsse.
EQUIPMENT & SOUND
Seit den frühen 60er-Jahren spielte Albert King eigentlich ausschließlich Flying-V-Gitarren verschiedener Hersteller, die er – ähnlich wie B.B. King – „Lucy“ nannte. Die Amps seiner Wahl waren bis zu den 70er-Jahren möglichst laute Röhrenverstärker.
Seitdem spielte er vorzugsweise über Transistorverstärker von Acoustic (Model 270) und Roland (JC-120). Als einziger Effekt wurde manchmal ein MXR Phase 90 gesehen. Überraschenderweise spielte King trotz sehr tiefer Tunings immer recht dünne Saiten.
CHARAKTERISTISCHE STILELEMENTE
Was Albert King einzigartig und immer wieder erkennbar macht, ist seine außergewöhnliche Phrasierung. Realistisch betrachtet, gibt es vielleicht nur ein gutes Dutzend Albert King Licks, die er immer wieder benutzt.
Da er ohne Pick überwiegend nur mit dem Daumen spielt, klingen dieselben Licks jedes Mal etwas anders. Das ist ja gerade der Reiz dabei, ohne Pick zu spielen.
Abgesehen davon sind es in erster Linie seine spektakulären Stringbendings. Sie reichen von Viertel- bis Zweieinhalb-Ton-Ziehern und machen den wahren „King“-Sound aus. In Beispiel 1 findest du zwei Übungen zum Trainieren dieser weiten Bendings.
Ganz wichtig: Es muss auch nicht immer 100 % präzise gezogen werden. Der Blues liegt oft im Vierteltonbereich. Vielleicht bleibt sein Ton aber auch deshalb kaum erreicht, weil Albert King als Linkshänder eine Rechtshänder-Gitarre verwendete, auf der die tiefen Saiten unten liegen. Ich habe das übrigens mal probiert. Ist echt witzig.
Die Kraftübersetzung auf die Saiten ist komplett anders, und selbst extreme Bendings fallen einem viel leichter, wenn man von oben nach unten, quasi in die Hand hinein, zieht, als wenn man sie aus der Hand heraus wegschiebt, wie man es beim normalen Saitenziehen macht.
RHYTHMUSGITARRE
Ähnlich wie B.B. King spielte Albert King niemals Rhythmusgitarre.
SOLOGITARRE
Albert King verwendet zum Solieren fast ausschließlich die Blues-Skala, egal ob über Moll- oder Dominant-Blues. Ähnlich wie B.B. King, allerdings auch nur in sehr eingeschränktem Umfang. Also nix mit fünf Pattern übers ganze Griffbrett oder so.
Welche Stimmung King benutzte, ist recht umstritten. Die Meinungen und Berichte dazu gehen sehr auseinander. Steve Cropper berichtet davon, dass King ein E-Moll-Tuning mit auf C herunter gestimmter E-Saite benutzt habe (C-H-E-G-H-E), während andere sagen, dass er entweder die Stimmung C-F-C-F-A-D oder eine normale Standardstimmung auf C# eingesetzt hätte.
Die geringe Saitenspannung erklärt somit natürlich auch die zum Teil sehr großen Bendings, zumal es einem, wie gesagt, erheblich leichter fällt, von oben nach unten zu ziehen. Sie ist auch ein Grund dafür, dass die Intonation von AK sehr ungewöhnlich ist.
Wie schon gesagt, war Albert King ein sehr kräftig gebauter Typ, was in Kombination mit dünnen Saiten, geringer Saitenspannung und Reverse Stringing eine nach modernen Gesichtspunkten einwandfreie Intonation doch sehr schwierig macht. Umso erstaunlicher ist es, wie Stevie Ray Vaughan diese Bending-Licks regulär mit 013er-Saiten performt hat. Habe ich auch mal ausprobiert. Ist echt nicht witzig.
Das Solo (Beispiel 2) dieser Episode enthält viele Albert-King-Klischees, die man so oder so ähnlich in vielen seiner Soli finden kann. Und nochmal – hört man sich mal durch die Alben durch, fällt einem schnell auf, dass AK vielleicht ein gutes Dutzend Phrasen SEHR oft wiederholt. Sie machen einfach seinen Stil aus.
Die verwendeten Licks sind auch erstmal gar nicht so schwer zu spielen. Das macht sie besonders für Blues-Einsteiger sehr interessant. It’s not what you play – it’s how you play it! Mit einer Strat, einem grünen Overdrive … ist man dann auch schon schnell im SRV-Fahrwasser.
Das war‘s für diesen Monat und Episode 45 vom Blues Bootcamp. Viel Erfolg beim Üben und auch sonst so! Haltet durch und bleibt echt. Immer.
P. S.: Mehr Informationen zu Albert King gibt es übrigens in zwei meiner Bücher: ‚Masters Of Rock Guitar‘ und ‚Blues Guitar Rules‘.

(erschienen in Gitarre & Bass 05/2026)