AlNiCo Speaker im Vergleich

Gitarrenlautsprecher-Test: Celestion Cream, Fane A90 & Jensen Blackbird

Im Bereich der leistungsstarken AlNiCo-Speaker hat sich kürzlich einiges getan: Fane hat seine Axiom- und Medusa- durch die Ascension-Serie abgelöst und Celestion haben ihren bis dato stärksten AlNiCo-Lautsprecher, den Cream, auf den Markt gebracht. Da Jensen zu dem Thema den Blackbird 12 beisteuern kann, liegt es nahe, auf diesem Gebiet mal für Durchblick zu sorgen.

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Dieter Stork

Doch bevor wir losglegen, stellt sich natürlich erst mal die Frage: Wie realisiert man eine möglichst objektive Ausgangsbasis, um den unsichersten Faktor in der kompletten Signalkette, nämlich sich selbst, auf das nötige Minimum zu reduzieren? Der ein oder andere wird das von sich selbst sicherlich auch kennen: Je nach Tagesform hört man dann doch manchmal anders, wenn’s um feine bzw. subtile Unterschiede geht. Ein bestimmter Frequenzbereich, den man zuvor, aufgrund anderweitiger Vorteile, hingenommen hat, überschreitet irgendwann dann doch die Grenze des Erträglichen. Oder ein Sound, den man sich am Vortag mit Freude zurechtgeschraubt hat, klingt doch nicht mehr so schlüssig, wie man das in Erinnerung hatte.

Am Tag darauf hingegen ist dann alles doch wieder im Lot. Erschwerend gesellen sich, mit längerer Abhörzeit, zunehmend Ermüdungserscheinungen hinzu, die dafür sorgen können, dass Gehörtes und Gewolltes gehörig auseinanderdriftet, was einem dann erst mit ein wenig Abstand klar wird. Puh… Das alles kann ausgeklammert werden, indem man verschiedene Licks über eine D.I.-Box direkt in die DAW spielt, um dann wiederum die rohen Signale mit Hilfe einer Reamping-Box von der DAW durch adäquate Verstärker mit verschiedenen Zerrgraden und Lautstärken zu schicken, dann mit einem Mikrofon vor den verschiedenen Lautsprechern wieder abzufangen und in der DAW festzuhalten.

Das Mikrofon wurde bei unserem Testaufbau mit etwas Abstand aufgestellt, um minimale Unterschiede in der Positionierung der Box nach dem Speakertausch nicht in das Ergebnis einfließen zu lassen:

Bei einer Entfernung von 5 cm zum Lautsprecher macht 1 mm einen deutlichen Unterschied, während das bei einer Distanz von 50 cm nicht ins Gewicht fällt. Das Testgehäuse ist in unserem Fall eine geschlossene und sehr steife Boxen-Variante, um den Einfluss von Gehäuseresonanzen eher gering zu halten. Zusätzlich zum Direktsignal wurden zwei Raummikrofone aufgestellt, da der Großteil der Leser mit einem direkten Signal, ohne Raumanteil, wenig bis gar keine Erfahrungen haben wird. Davon mal ab sind die Samples absolut pur. Keine EQs, keine Effekte, keine Kompressoren. Und nun zu den Speakern.

Celestion

Cream Der Celestion Cream aus englischem Hause ist der mildeste, dunkelste und geschlossenste des Test-Trios, was ihm gerade im Zerrbetrieb zugutekommt. Hier werden einerseits harsche Höhen elegant abgerundet und in den Tiefmitten wird ein ordentliches, tragendes Fundament bereitgestellt, was durch die generell weiche Abbildung des unteren Frequenzbereiches weiter begünstigt wird. In den Mitten wird’s dann konturierter, sodass Licks und Powerchords gut und fettig durchgesetzt werden, während komplexere Akkorde im Band-Kontext nicht mehr ganz so eindeutig durchkommen.

Am cleanen Verstärker klingt’s kompakt, dicht, geschlossen und mit schöner Dynamik. Gut vorstellbar allerdings, dass sich der ein oder andere ein wenig mehr Offenheit, Breite und Höhen wünschen könnte. Andererseits brechen hier auch keine Frequenzbereiche übermäßig aus. Alles ist immer leicht kontrollierbar und gleichmäßig. Dies macht sich im Crunch-Betrieb sehr ähnlich bemerkbar. Wer’s richtig bissig mag, muss jedoch amtlich Höhen bzw. Präsenzen reinschrauben. Bei eher auf das untere Frequenzspektrum abgestimmten Amps könnte es passieren, dass man erst gar nicht in den Genuss von Frische kommt oder man muss den Sound derart verdrehen, dass er (bei passiven EQs) an Tragfähigkeit und Fülle verliert oder verdreht klingt.

Wer’s verzerrt jedoch auch eher rund und dicht mag, wird mit dem Cream schnell warm werden. Was der Celestion wirklich sehr gut meistert, ist der Umgang mit verschiedenen Lautstärken: Je leiser das Signal wird, desto eher werden tiefere Frequenzen zurückgenommen. Das allerdings so dezent und breitbandig, dass der Sound absolut angenehm und schlüssig bleibt.

Celestion Cream
Dieter Stork

Plus

  • runde verzerrte Sounds
  • Tragfähigkeit/Fülle
  • gute Lautstärke – unabhängigkeit

Minus

  • matt bei Cleansound

 

 

Fane Ascension A90

Der Ascension A90 von Fane macht frequenzmäßig den breitesten Spagat im Testfeld. In Relation zum Celestion Cream setzt er im Bass tiefer an und ist hier beweglicher, nicht so gleichmäßig und daher auch detaillierter in der Wiedergabe, ohne großartig an Tragkraft zu verlieren. Nach oben ist das Spektrum ebenfalls erweitert, was sich im Zerrbetrieb am deutlichsten zeigt. Das Signal wirkt wesentlich näher, kann dadurch aber je nach Verstärker und Zerrgrad auch beißen oder harsch klingen. Im Mittenspektrum herrscht luftige Ordnung und der musikalische Informationsgehalt ist sehr hoch. Daraus resultiert ein sehr offener Klang, was sich über alle Sound-Ebenen bemerkbar macht. Interessant ist, dass der Frequenzbereich, in dem das Anschlagsgeräusch des Plektrums am stärksten übertragen wird, leicht zurückgenommen ist.

Daher kann man sich gerade bei cleanen Sounds viele Höhen leisten, ohne dass es hart klingt. Also wenn das geplant war, dann Hut ab! Das Sirren von Saite auf Bund wird wiederum deutlich übertragen aber auf eine sehr detailreiche und lebendige Art und Weise. Und das ist auch eine generelle Eigenschaft dieses Speakers. Ich hab mich mehrfach dabei erwischt, wie ich abgewartet hab, was die Saiten beim Ausklingen von Akkorden denn so machen. Die Auflösung ist echt der Knaller und da hat der Ascension, wie bei der Dynamik auch, die Nase vorn. Wenn’s bei Crunchsounds schergeln und knarzen soll, hat er das auch drauf, und zwar ohne harsch zu werden, wenn man’s mit den Höhen jetzt nicht komplett übertreibt. Was Lautstärken angeht, verhält er sich ein wenig empfindlicher als der Cream, denn Impulstreue und Bandbreite lassen bei leise werdendem Signal nach und es macht sich ein Hauch von Nase bemerkbar.

Fane Ascension A90
Dieter Stork

Plus

  • Dynamik/Detailreichtum
  • offene/frische Cleansounds
  • Bandbreite

Minus

  • harsch bei Zerrsounds
  • Lautstärkeempfindlich

 

Jensen Blackbird 12

Zunächst fällt auf, dass der Blackbird in Relation zu den anderen Kandidaten etwas leiser ist, was sich mit der angegebenen Effizienz auch deckt, daher beim Abhören der Samples nicht erschrecken … Was das abgebildete Spektrum angeht, ist das nicht ganz so breit wie beim Fane A90, denn der Jensen setzt im Bassbereich höher an und deckt sich etwa in den Höhen, allerdings mit einer deutlicheren Betonung. Daher wirkt das verzerrte Signal auch recht harsch und, durch die zusätzlich leicht reduzierten Mitten, in Relation zu den anderen Lautsprechern, ein wenig fleischlos. Hier muss man die Klangregelung bemühen, um homogenere Verhältnisse zu schaffen.

Im Bass agiert der Blackbird sehr weich, was ihn über das ganze tonale Spektrum gleichmäßiger klingen lässt, denn bis in den Diskant werden diffuse, füllende Frequenzanteile hinzugefügt. Die leichte Kompression dieses Speakers verstärkt diesen Effekt zusätzlich, was sich am besten in Verbindung mit einem cleanen Amp heraushören lässt. Hier wird übrigens das weichste Signal unter den Probanden abgegeben, was sich jedoch auch auf die Akkorderkennung auswirkt, und, neben der Kompression, in der reduzierten Mittenwidergabe begründet liegt.

Am crunchenden Verstärker schergelt’s sehr amtlich ohne jeglichen Anflug von Härte. Hier klingt’s besonders aufgeräumt, denn wo der Fane A90 beispielsweise große Anteile im Subbereich hat, die für sich erst mal mächtig klingen, allerdings jeden Mischer dazu verleiten, den Bass am Pult zu reduzieren, besteht beim Blackbird dahingehend weniger Handlungsbedarf. Die Reaktion auf Lautstärkeveränderungen zeigt sich, ähnlich wie beim Cream, eher subtil: Die Klangfülle wird von unten nach oben hin auslaufend latent ausgedünnt, ohne negative Auswirkungen auf die Homogenität des Signals. Da hat der Jensen knapp die Nase vorn.

Jensen Blackbird 12
Dieter Stork

Plus

  • weiche Clean/Crunchsounds
  • aufgeräumter Bassbereich
  • sehr Lautstärke – unempfindlich

Minus

  • eher dünne Zerrsounds
  • Impulsverhalten

 

Resümee

Und? Welcher ist denn nun der Testsieger? Welchen soll man sich denn jetzt kaufen? Wie so oft, heißt es auch hier: Das hängt davon ab. Hört man sich an, was die Lautsprecher frequenzmäßig zu sagen haben, sollte man das nicht absolut sehen, sondern auch immer die Eigenschaften des eigenen Amps mit einbeziehen. Hat man beispielsweise einen Verstärker, der eher dunkel, einem aber zu impulsiv und hart klingt, sollte man sich den Jensen Blackbird mal kommen lassen. Fehlt einem Detailreichtum, Dynamik und Bandbreite, sollte man sich mal an den Fane A90 klinken. Doch Vorsicht!

Derartige Speaker können einem ungeschönt die ein oder andere Schwäche in der Signalkette aufzeigen. Je verzerrter das Signal wird, desto eher muss man beispielsweise in den Höhen achtgeben. Und hier bietet sich der Celestion Cream gut an, denn der rundet hohe Frequenzanteile großzügig ab und fokussiert sich eher auf ein kompaktes, ausgesprochen tragendes und kontrolliertes Signal. Manchmal muss man bereit sein, an einer Stelle etwas abzugeben, um an anderer Stelle etwas zu gewinnen.

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Zu den Soundfiles!

Ich habe zu jedem Speaker jeweils drei Sounds mit drei unterschiedlichen Verstärkern und in zwei Lautstärken aufgenommen. Zunächst in amtlicher Proberaumlautstärke und zusätzlich in Zimmerlautstärke, bei der man allerdings zuvor in Erfahrung gebracht hat, dass alle Nachbarn gerade nicht im Haus sind … Am besten hört man sich die Samples über einen guten, linearen Kopfhörer an, denn hier werden die Unterschiede am deutlichsten herausgestellt.

Hat man keinen zu Hand, empfiehlt es sich, einen der Lautsprecher der eigenen Hifi-Anlage via Pan-Regler auszuschalten, um Interferenzen mit dem anderen Lautsprecher zu unterbinden. Einziger Nachteil dabei ist, dass hierdurch ein Teil der Raumkomponente des Signals fehlt, was wiederum durch den eigenen Raum kompensiert wird. Also alles halb so wild.

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Dieter Stork
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